Düstere Aussichten in Rot
Endlich Mai. Der erste Tag des Monats findet die baskischen Geister in unterschiedlicher Erwartungshaltung vor. Die einen gehen an den Strand, weil arbeitsfrei ist. Die andern fühlen sich zu den Demonstrationen getrieben, die von ihren Gewerkschaften organisiert werden. Der Kampftag der Arbeiterklasse ist ausgerufen, doch Klassenbewusstsein scheint ein Begriff von vorgestern. PS: Der imminente Angriff Israels gegen das palästinensische Rafah liegt der Mehrheit der Erdbevölkerung hart im Magen.
Der Mai ist gekommen, der bevorstehende Sommer verheißt nichts Gutes. Die Kriege zwischen Gaza und der Ukraine kommen näher, räumlich wie ideologisch. Marx hat den Chicago Hay Market um ein paar Jahre verpasst.
(2024-05-31)
ZWEI JAHRE PRÄVENTIVHAFT GEGEN JOURNALISTEN
Die polnische Justiz hat vor wenigen Tagen zum achten Mal die Untersuchungshaft gegen den baskischen Journalisten Pablo González verlängert, der seit Ende Februar 2022 in Einzelhaft in einem polnischen Gefängnis inhaftiert ist. Gonzalez wird beschuldigt, ein russischer Spion zu sein, aber die einzigen Beweise, die ans Licht gekommen sind, sind sein russischer Pass mit dem Namen Pavel Rubtsov, und russische Währung (Rubel), was völlig logisch ist, da er ein Profi war, der zum Zeitpunkt seiner Verhaftung viel reiste, weil er für verschiedene Medien wie Gara, Público oder La Sexta über die Invasion in der Ukraine berichtete. Tatsache ist, dass er 1982 in Moskau geboren wurde, wo er lebte, bis er 9 Jahre alt war.
Pablo González wurde am frühen Morgen des 28. Februar 2022 von den polnischen Geheimdiensten in einem Hotel in der Stadt Przemyśl nahe der ukrainischen Grenze verhaftet, wo er über die Migrantenkrise berichtete, die der Krieg ausgelöst hatte. Er ist weit weg von seiner Heimat (er lebt in Nabarniz, Bizkaia) und seiner Familie, Pablo ist verheiratet und hat drei minderjährige Kinder. Er ist der einzige EU-Journalist, der in einem Mitgliedsstaat inhaftiert ist. Ohne Anklage.
Es war nicht das erste Mal, dass der Journalist mit den Geheimdiensten eines anderen Landes in Konflikt geriet. Einige Tage vor seiner Verhaftung, am 6. Februar 2022, als er aus der Ukraine berichtete, wurde er vom ukrainischen Geheimdienst festgenommen, sein Mobiltelefon wurde geklont und er wurde aufgefordert, in der Hauptstadt Kiew zu erscheinen, um seine Arbeit und seine Anwesenheit in der Region zu erklären. Der Vorfall endete mit einer Aufforderung der ukrainischen Behörden an den Reporter, das Land innerhalb von 72 Stunden zu verlassen. Wenige Stunden später besuchte ein anderer Geheimdienst, in diesem Fall der spanische CNI, Familienangehörige und Freunde des Journalisten im Baskenland und in Katalonien und bedrohte sie. Insbesondere seine Lebensgefährtin Oihana in Nabarniz sowie seine Mutter und einen Jugendfreund aus Barcelona, um ihnen deutlich zu machen, dass sie überwacht würden und um zu bestätigen, dass González als russischer Spion betrachtet werde. Aus diesem Grund beschloss Pablo González, Kiew zu verlassen und nach Spanien zu fliegen, um herauszufinden, was vor sich ging.
Wie die Vereinigung #FreePabloGonzález in der ausführlichen Chronologie auf ihrer Website darlegt, sprach Pablo González nach diesen Ereignissen mit dem spanischen Konsul in der Ukraine über das Verhör und kehrte ins Baskenland zurück, wo er vierzehn Tage lang zu Hause blieb. Bei seiner Rückkehr nach Polen, nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine, wurde er von polnischen Agenten verhaftet, die am 28. Februar 2022 in sein Hotel kamen. Gonzalez ist praktisch isoliert, nur drei Mal konnte ihn seine Familie besuchen, sein Anwalt klagt über Besuchsverbote und über die Tatsache, dass auch zwei Jahre nach der Verhaftung keine konkreten Anklagepunkte vorliegen. Ohne Begründung wird die Haft alle drei Monate verlängert, Partnerin Oihana klagt, dass das Außenministerium passiv bliebe und in der ganzen Zeit keinen Kontakt zu ihr aufgenommen habe.
(2024-05-26)
UEFA GEGEN “VÖLKERMORD“
San Mamés ist trotz des Vornamens weder eine Heiligenfigur noch eine Kirche. Es ist der Name des Fußball-Stadions in Bilbao, in dem der Club Athletic seine Heimspiele austrägt. Allen Verdachtsmomenten zu m Trotz wird dieses Stadion auch noch “Kathedrale des Fußballs“ genannt – Bilbao ist eben anders. In diesem profanen Sportgebäude wurde am vergangenen Samstag das Finale der Champions-League der Frauen ausgetragen. Zwar nicht mit baskischer Beteiligung, aber mit einem überraschenden und bemerkenswerten Vorspiel, das wenige erwartet hatten und das perfekt in die politische Landschaft in Euskal Herria passt.
Vor dem Beginn des offiziellen UEFA-Finales, als die Frauenteams von Barcelona und Lyon auf dem Spielfeld die Turnierhymne über sich ergehen ließen, kamen zwei Personen mit einem Transparent auf das Spielfeld, auf dem ein Ende des Völkermords in Palästina forderte: “STOP GENOZIDE. EU DON´T BE AN ACCESORY“ – bitte keine Beihilfe. Dieses Transparent wurde, wie auf dem Foto zu sehen, auf dem Spielfeld neben dem offiziellen UEFA-Banner platziert.
Sicher dachten viele Zuschauerinnen beim Anblick des Transparents, da hätten sich zwei Aktivisten eingeschlichen und der UEFA einen üblen Streich gespielt. Doch war der Verdacht weit entfernt von der Realität. Denn das Ganze war mit dem Verband offiziell abgestimmt.
Während die Spielerinnen von Barcelona und Olympique Lyon sich grüßten, wurde das Transparent auf das Spielfeld gelegt, gut sichtbar für die 53.000 Zuschauer, die sich im San Mamés versammelt hatten. Eine Botschaft ging in die Sport- und Fernsehwelt. Auf dem Transparent war Picassos Gemälde Guernica zu erkennen, die Europäische Union wurde aufgefordert, nicht länger "Partner" dieses Völkermords zu sein: "EU, don't be an accessory".
Der Vorgang ist einmalig, zumindest in dieser politischen Richtung. Neben dem Genozid-Transparent durften sich noch 22 Kinder in Ukraine-Trikots vor die Finalistinnen stellen, ein Versuch von politischer Ausgewogenheit. Die Initiative der antizionistischen Gruppe Gernika-Palästina war vor dem Spiel auch außerhalb des Stadions aktiv.
Im Laufe der Saison und seit dem Krieg in Gaza war es in Stadien zu einigen Fällen von Zensur gekommen, wenn pro-palästinensische Slogans auf den Tribünen erschienen. In Eibar zum Beispiel wurde ein Fan von Sicherheitskräften aus dem Stadion verwiesen. Schottischen Celtic-Fans werden sich gut an die Geldstrafe erinnern, die ihnen von der UEFA wegen ihrer Unterstützung für Palästina auferlegt wurde. Doch der UEFA und der Vereinsführung zum Trotz zögerten die schottischen Fans nicht, auch bei den folgenden Spielen die Tribünen mit Palästina-Symbolen zu füllen. Auch gegen Hunderte von Fahnen bei Real Sociedad in Donostia konnte oder wollte die Polizei nichts unternehmen.
Von der Zensur der Aufschreie gegen Krieg und Völkermord ist Europas führender Sportverband nun offenbar dazu übergegangen, diesen von Israel in Palästina verübten Genozid auf die eigenen Fahnen zu heften. Das wird mit Sicherheit nicht ohne Folgen bleiben. Angefangen bei einer Reaktion aus dem Täter-Staat.
Ohne tieferes Nachdenken drängen sich Fragen von selbst auf. Erstens: Wenn die UEFA von Völkermord ausgeht, müsste Israel aus internationalen Turnieren ausgeschlossen werden, wie dies ohnehin viele schon fordern, was für Russland gilt, warum nicht für die Völkermörder. Zweitens: Den Verantwortlichen in Israel könnte die Lust vergangen sein, mit diesem Verband, von dem sie gegeißelt werden, nichts mehr zu tun haben zu wollen. Letzteres wäre die einfachste Lösung. Daneben gibt es ein Drittens: Athletic Bilbao hat sich für die kommende Saison für die Europa-League qualifiziert. Nach bisherigem Stand nehmen daran auch israelische Teams teil. Die könnten zum wiederholten Gastspiel wieder in San Mamés vorstellig werden. Mit den entsprechenden Zuschauer-Pulks. “Ongi Etorri“ ist Baskisch und heißt “Herzlich willkommen“. Gemeint sind nicht zuletzt Boots-Flüchtlings. Für Völkermörder gilt diese Form der Gastfreundschaft nicht.
(2024-05-21)
INTERNATIONALE RENTEN-KONFERENZ
“Nur die Kämpfe, die gar nicht begonnen werden, sind verloren“ – unter diesem Motto steht die Internationale Konferenz zum Thema Renten, die am kommenden Wochenende in Bilbao stattfinden wird. Donnerstag und Freitag findet das “Treffen der Plattformen der Rentner*innen und Gewerkschaften“. Daei geht es um Dialog und Zusammenarbeit zur Beendigung der Sparpolitik und zur Koordinierung der Protest- und Mobilisierungsdynamik – im Baskenland, im spanischen Staat, in Europa.
Am 23. und 24. Mai erlebt die baskische Pensionisten-Bewegung des Baskenlandes erneut einen Höhepunkt in der siebenjährigen Geschichte ihres Kampfes um würdige Renten: Pensionisten-Plattformen und -Gewerkschaften aus dem spanischen Staat und aus Europa treffen sich in Bilbao, um gemeinsam die Situation der Renten zu analysieren und gemeinsame Strategien zu entwickeln.
Mit den Worten der nicaraguanischen Dichterin Gionda Belli: “Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“ stellte Andrea Uña dieses Treffen bei der Pressekonferenz vor dem Rathaus Bilbo vor, bei dem eine Diagnose der aktuellen Realität der öffentlichen Rentensysteme in Europa durchgeführt werden soll. Auch soll versucht werden, gemeinsame Ziele zur Beendigung der Sparpolitik zu verfolgen und zeitnahe Forderungen und Mobilisierungs-Kampagnen zu koordinieren. In diesem Sinne wurde bei der Presse-Ankündigung hervorgehoben, dass angesichts der bevorstehenden Europawahlen “ein guter Zeitpunkt“ gekommen sei, den Rentner*innen und Rentnern einen Platz im Wahlkampf und in der Dynamik des künftigen Europäischen Parlaments einzuräumen.
Das Treffen findet an der Fakultät für Wirtschafts-Wissenschaften der baskischen Universität UPV/EHU in Deustu-Sarriko statt. Am Donnerstag (23.5.) beginnt die Konferenz um 8:30 Uhr mit der Übergabe der Akkreditierungs-Unterlagen und der Präsentation der Konferenz.
Von 9:30 bis 11:30 Uhr wird die Rolle der Europäischen Union im öffentlichen Rentensystem erläutert und eine grundlegende Diagnose des Rentenmodells des spanischen Staates vorgestellt. Nach einer kurzen Pause geht es ab 12:00 Uhr weiter, um die Diagnose anderer europäischer Länder kennen zu lernen und ihre Strategien zur Durchsetzung der Ziele zu beobachten.
Am Nachmittag von 16:00 bis 20:00 Uhr wird es Arbeitsgruppen geben, in denen die Diagnose ergänzt und Initiativen zur Entwicklung vorgeschlagen werden, um sie schließlich allen Anwesenden zugänglich zu machen. Am Freitag findet die Konferenz nur am Vormittag statt. Von 10:00 bis 12:00 Uhr mit der Ratifizierung und Verlesung des Abschlusskommuniqués, der Sichtung eines Videos und dem Abschluss der Sitzung.
Bei der Konferenz werden folgende Organisationen anwesend sein: Einheits-Plattform der Rentner*innen im Staat (Unidad de Acción platform pensionistas de Pueblos del Estado), Vereinigung Vorruhestand ohne Abzüge (ASJUB140, Associación Anticipada Retiración sin Penalizar), Staatliche Koordination für die Verteidigung des öffentlichen Rentensystems COESPE, Bewegung der Rentner*innen im Baskenland EHPM (Movimiento de Pensionistas de Euskal Herria), Andalusische Bewegung zur Verteidigung der öffentlichen Renten MADPP, Galicische Bewegung zur Verteidigung der Renten und öffentlichen Dienstleistungen MODEPEN, Staatliche Koordinatorin der Rentner*innen UNITAD COESPE, Rentner*innen-Plattformen aus Badajoz, Móstoles. Daneben Gewerkschaften auf staatlicher Ebene: CGT, CNT, Intersindical Katalonien, Intersindical Valencia, CAT Andalusien; Gewerkschaften in Euskal Herria: ELA, LAB, ESK, STEILAS, ETXALDE; Gewerkschaften aus dem französischen Staat: SOLIDAIRE und CNT; aus Deutschland: Arbeitsgruppe Renten DGB-VERDI.
(2024-05-17)
SCHULDIG OHNE STRAFE
Die französische Justiz hat die "Friedenshandwerker" Béatrice Molle-Haran und Jean-Noel "Txetx" Etcheverry für schuldig befunden, im Dezember 2016 Waffen, Sprengstoff und Munition der bewaffneten Organisation ETA in einem Bauernhaus in Luhuso bei Baiona (Bayonne) transportiert und gelagert zu haben. Während des Prozesses machten die angeklagten geltend, sie hätten für die Entwaffnung von ETA und des Friedens im Baskenland gehandelt.
Das Gericht lehnte den Antrag der Antiterror-Staatsanwaltschaft ab, die zwei Jahre Haft für Etcheverry für seine Tat und ein Jahr Haft für die Journalistin Molle-Haran gefordert hatte, weil sie ihr Haus für die Lagerung von Waffen und Sprengstoff von ETA zur Verfügung gestellt hatte. Die Verteidiger hatten den Freispruch der beiden Angeklagten gefordert, da sie mit ihrer Aktion in Luhuso zur Entwaffnung von ETA und zur Befriedung des Baskenlandes beigetragen hätten.
Bei der Urteilsverkündung erinnerte die Präsidentin des Pariser Strafgerichts daran, dass die beiden Angeklagten während des Prozesses zugegeben hatten, Waffen und Sprengstoff der ETA im fraglichen Haus gelagert zu haben, dass sie sehr wohl wussten, dass dies illegal war und dass ETA eine terroristische Vereinigung war.
Etcheverry wurde des Tragens, Transportierens und Besitzes von Waffen und Sprengstoff in Verbindung mit einer terroristischen Vereinigung für schuldig befunden. Dasselbe gilt für die Journalistin. Das französische Gericht entschied jedoch, die beiden "Handwerker des Friedens" freizusprechen, wobei das "Motiv" ihrer Aktion und die anschließende real erfolgte Entwaffnung von ETA berücksichtigt wurde.
Patrick Boudoin, Rechtsanwalt und Präsident der Menschenrechtsliga, bezeichnete es als "ein Urteil der Ausgewogenheit, ein bisschen Akrobatik", dass sie zwar für schuldig erklärt, aber von einer Strafe abgesehen wurde. Obwohl die beiden Angeklagten es vorgezogen hätten, dass das Gericht sie freispricht, waren sie mit dem Urteil zufrieden. "Ich denke, das Gericht hat trotz allem erkannt, was das Ziel dieser Aktion war", sagte Molle-Haran.
Die beiden "Friedenshandwerker" zeigten sich zufrieden, dass ihre Namen nicht in das Register für terroristische Straftaten aufgenommen werden. "Das war das Wichtigste für uns, denn ein solcher Eintrag in die Antiterror-Datei hätte die Tatsachen und unsere Absichten verfälscht", erklärte Etcheverry.
Beide haben gegenüber der Presse angekündigt, dass sie keine Berufung gegen das Urteil einlegen werden. Es ist noch nicht bekannt, ob die Antiterror-Staatsanwaltschaft dies tun wird. "Wir würden dies ohne zu zögern wieder tun, wenn die Situation uns eneut dazu zwingen würde", versicherte "Txetx", der die Aktion von Luhuso als "nützlich und vorteilhaft" für alle Beteiligten bezeichnete.
Molle-Haran und "Txetx" wurden am 16. Dezember 2016 zusammen mit drei weiteren Personen von der französischen Polizei in Luhuso verhaftet. Die "Handwerker des Friedens", wie die fünf nach ihrer Verhaftung in Luhuso genannt wurden, hatten der ETA angeboten, bei der Entwaffnung und der Zerstörung der Waffen angesichts der ihrer Meinung nach "Passivität der spanischen und französischen Regierung" zu vermitteln. Mit ihrer Aktion wollten sie den Friedensprozess im Baskenland vorantreiben, wie sie während des Prozesses aussagten.
Die Polizeiaktion in Luhuso wurde von der französischen Regierung damals als "neuer Schlag gegen die ETA" bezeichnet, da es gelungen war, ein "bedeutendes" Waffen-, Sprengstoff- und Munitionslager zu beschlagnahmen. Obwohl der Polizeieinsatz die Zerstörung eines Teils des ETA-Arsenals im Dezember 2016 vereitelte, war Luhuso nach Ansicht der "Handwerker des Friedens" der Keim, der fünf Monate später mit Hilfe von Hunderten von Freiwilligen zur endgültigen Entwaffnung der ETA am 8. April 2017 führte. Am 3. Mai 2018 gab die ETA ihre Auflösung und das Ende aller ihrer Infrastrukturen bekannt.
Die Geschichte lässt verschiedene politische Rückschlüsse zu. Ziviler Ungehorsam hat im “französischen“ Baskenland einen anderen Stellenwert wie im “spanischen“ Süden. Sogar ein Gericht folgte diesem Unterschied und verzichtete auf eine Verurteilung. Vor allem aber: Im baskischen Süden wäre die Geschichte völlig anders gelaufen, die “Ertappten“ wären auch ohne Urteil für Jahre hinter Gittern verschwunden. Denn solche Gelegenheiten lässt sich die politisierte und nach wie vor franquistische geprägte spanische Justiz nicht entgehen.
(2024-05-11)
ERNEUTE POLIZEI-AGGRESSION
Eine erneuter Vorfall von polizeilicher Brutalität, diesmal in der Grenzstadt Irun, hat Kritik in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Ein Video, das vor einem Tag in den sozialen Netzwerken aufgetaucht ist, zeigt einen gewalttätigen Übergriff der baskischen Ertzaintza-Polizei auf eine Person, der bereits vor einigen Monaten in Irun begangen wurde, seither aber geheim gehalten und erst durch die Veröffentlichung des Videos bekannt wurde. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. EH Bildu hat den Vorfall im Stadtrat zur Sprache gebracht.
Das Video, das nun ans Licht kam und sich in den sozialen Netzwerken schnell verbreitete, zeigt die gewaltsame Aggression eines Polizisten gegen eine Person. Der Vorfall, der sich nach Angaben der Stadtverwaltung vor "einigen Monate" abspielte, ereigneten sich im Viertel San Miguel. In der Aufnahme zu sehen sind etwa zehn Ertzaintza-Polizisten und Beamte der Stadtpolizei, die mit einem Mann diskutieren, bis ein Ertzaina ihn mit solcher Wucht ins Gesicht schlägt, dass der Mann umfällt. "Halt die Klappe, mach keine Dummheiten", wiederholt der Polizist. Kurz danach gehen alle Beamten weg, während der Angegriffene durch den Schlag betäubt am Boden liegen bleibt.
Die Stadtverwaltung von Irun hat nur bestätigt, dass sich der Vorfall vor einigen Monaten in Irun ereignet hat, wollte aber keine Bewertung abgeben. Die Ertzaintza erklärte, dass "wir im Moment nichts zu kommentieren haben". Ohne Einzelheiten zu kennen, sind vier Dinge auffällig: 1. Offenbar ist dem Opfer keine Straftat nachzuweisen, sonst wäre er mitgenommen worden. 2. Von den etwa zehn anwesenden Beamten zeigt keiner eine ablehnende Reaktion, Komplizenschaft in Polizeikreisen. 3. Weder die Stadtverwaltung noch die baskische Polizeibehörde zeigen eine minimale Bereitschaft, den Fall aufzuklären und Konsequenzen zu ziehen. Straffreiheit bei Polizeibrutalität. 4. Es handelt sich um keinen Einzelfall, Polizeibrutalität wird zur Regel.
In Erinnerung an die jüngsten Gewalt-Aktionen der Ertzaintza – in Tolosa, wo der junge Xuhar am Auge schwer verletzt wurde; an den Übergriff vom 3. März gegen die Erinnerungs-Demonstration in Gasteiz; oder an die drei Frauen, die bei den Angriffen vor dem Spiel zwischen Real und PSG in Anoeta verletzt wurden – sind die sozialen Netzwerke voller Kritik an der regionalen Polizei.
(2024-05-09)
ERINNERUNG AN PYRENÄEN-SKLAVENARBEITER
Die Gemeinde Erronkari in den navarrischen Vor-Pyrenäen hat einen Wanderweg der antifaschistischen Erinnerung eingeweiht. Dazu gehört auch ein Monument zum Gedenken an die Sklaven des Franco-Regimes, die nach dem Spanienkrieg die Straßen zwischen Erronkari, Bidankoze und Igari gebaut haben. Bei dem Weg handelt es sich um einen Pfad, der den Pelota-Platz mit der neuen Schule verbindet, durch den Garten der alten Schulen. Er soll die franquistische Vergangenheit der Stadt beleuchten.
An der Veranstaltung nahmen die zweite Vizepräsidentin der Regierung von Navarra, Ana Ollo, die Stadträtin für Erinnerung und Koexistenz, Außenpolitik und Euskara, Vertreter der verschiedenen Pyrenäen-Täler und die Leitung der öffentlichen Schule von Erronkari teil. Im Garten der alten Schulen wurde eine Tafel angebracht, die an den Bau dieses Schulgebäudes und des Pelota-Platzes Ende des 19. Jahrhunderts erinnert.
Monolith zum Gedenken
Außerdem wurde ein Monument zum Gedenken an die republikanischen Gefangenen aufgestellt, die zwischen 1939 und 1941 die Verbindungs-Straßen zwischen Erronkari, Bidankoze und Igari bauen mussten. Die Skulptur, ein Werk von Pello Iraizoz, befindet sich an gut sichtbarer Stelle in den Gärten der alten Schulen, in denen damals etwa 1.000 Sklaven des Franco-Regimes gefangen gehalten wurden.
Das Projekt wurde vom Instituto de Memoria de Navarra gefördert und begann 2017 mit der Anbringung einer Gedenktafel für diese Gefangenen an der Fassade der alten Schulen, die damals noch als Bildungszentrum genutzt wurden. Die Gärten dieses Gebäudes sind Teil des Fußweges, der zur neuen Schule und zum Dorffriedhof führt. Daher wurde beschlossen, die Gedenktafel von der Fassade zu entfernen und das neuen Denkmal an dieser Stelle zu platzieren, “um sie für die Öffentlichkeit sichtbarer und zugänglicher zu machen“, betonte die Gemeinde-Verwaltung.
Die Skulptur wird, je nach Herkunft der Gefangenen, von der baskischen, spanischen, katalanischen, galicischen und asturischen Übersetzung der Redewendung “Zuen oroimena, gure askatasunerako bide - Vuestra memoria, senda de nuestra libertad - La vostra memòria, senda de la nostra llibertat - A vosa memoria, senda da nosa liberdade - La vuesa memoria, sienda de la nuesa llibertá“ begleitet, auf Deutsch: Eure Erinnerung ist der Weg zu unserer Freiheit.
Vor der Einweihung haben die Lehrer*innen und Schüler*innen der öffentlichen Schule von Erronkari neben dem Monolithen den Häftlingen gedacht, als Abschluss der Arbeit, die während des gesamten Schuljahres zum Thema historisches Gedenken durchgeführt wurde. Außerdem fand im Kulturhaus ein Vortrag statt mit dem Titel “Das Roncal-Tal im Universum der franquistischen Konzentrationslager: Geschichte und Erinnerung“, der von zwei Mitgliedern des Vereins Memoriaren Bideak gehalten wurde.
Mehr als 2.000 Gefangene
Auf diese Weise soll an rund 2.100 Gefangene erinnert werden, die zwischen Juli 1939 und Juni 1941 am Bau der Verbindungsstraße zwischen den Dörfern Erronkari, Bidankoze und Igari beteiligt waren, die bis dahin nichts als ein schmaler Reitweg war. Die Gefangenen “gehörten zu mehreren Zwangsarbeits-Lagern, die als politische Bestrafung gedacht waren und von den franquistischen Behörden Arbeiter-Bataillone und Disziplinar-Bataillone arbeitender Soldaten genannt wurden“, erinnert die Gemeindeverwaltung von Erronkari.
Nach dem Ende des Spanienkrieges, auf den wenig später der Zweite Weltkrieg folgte, hatten die spanischen Putschisten die Befürchtung, dass die Alliierten im Kampf gegen den europäischen Faschismus (Deutschland, Italien) auch das franquistische Regime angreifen könnte. Um die damals wenig zugänglichen Pyrenäenwege besser nutzbar zu machen und die Grenze militärisch befestigen zu können, mussten Straßen gebaut werden. Auch im Winter, unter kaum vorstellbaren Wetter-Bedingungen. Dazu wurden die politischen Gefangenen hergezogen. Diese Zwangsarbeits-Bataillone “bestanden aus Männern, die kein Verbrechen begangen hatten und nicht verurteilt worden waren. Sie erlitten diese Strafe, weil sie anders dachten als die Sieger und weil sie die Regierung der Republik verteidigt hatten“. (gara)
(2024-05-07)
ATHLETIC DOPPELT EINZIGARTIG
Der Fußball-Club Athletic aus Bilbao konsolidiert sich als einzigartiger Fall in der Geschichte des Weltfußballs. Eine Studie des Internationalen Zentrums für Sportstudien unter 56 Ligen und 1.000 Teams macht deutlich, dass Athletic der einzige Club ist, der mit 100% nationalen Fußballspielern agiert. “Ein Fall ohne Vergleich im globalen Fußball“. Der berühmte Satz der französischen Sporttageszeitung “L'Equipe“ über der Verein aus Bilbao gilt mehr denn je. Dies wurde gerade durch eine Studie des Internationalen Zentrums für Sportstudien (CIES) über den Index der territorialen Verankerung bestätigt. Der baskische Club ragt heraus als planetarische Ausnahme.
Denn die Daten zeigen, dass die Rot-Weißen den einzigen Club darstellen, in dem zu 100% Spieler aus dem Land spielen. Kein anderer Verein erreicht diesen Wert. Die Basken liegen vor Envigado aus Kolumbien (97,6%) und vier weiteren süd-amerikanischen Clubs: Chivas Guadalajara aus Mexiko (92,3%), Gimnasia La Plata aus Argentinien, Caracas aus Venezuela und Defensor aus Uruguay. Dynamo Kiew aus der Ukraine ist das einzige andere europäische Team unter den Top 10. Nur zwei weitere Vereine des Kontinents sind in den Top 20 zu finden: Ruzomberoz aus der Slowakei und MTK Budapest aus Ungarn.
Im spanischen Staat folgen auf Athletic der CF Osasuna aus Pamplona mit 76,3% und Real Sociedad San Sebastian mit 74,1%. Auf Platz vier liegt Barcelona mit 62,1% und auf Platz fünf Las Palmas mit 62%. Die drei Vereine mit den wenigsten Einheimischen in ihren Kadern sind Sevilla mit 29%, Almeria mit 30,6% und Cádiz mit 32,1%.
Dennoch begeht die Statistische Erhebung einen gravierenden Fehler. Denn was bedeutet schon das Kriterium “nationale Spieler“? Gemeint sind solche, die im betreffenden Staatsgebiet geboren sind, im Fall von Athletic also im spanischen Staat. Ignoriert wird dabei, dass Athletic trotz seinem Rekord von 100% einmal mehr aus der Rolle fällt. Denn hier spielen eben nicht nur in Spanien geborene Kicker, das ist den Statistikern entgangen. Bixente Lizarazu zum Beispiel war von französischer Staatsbürgerschaft, oder Fernando Amorebieta war Venezolaner, gebürtig und mit Pass. Was sie für Athletic spielberechtigt machte, war, dass die im Baskenland geboren sind, beziehungsweise hier das Spielen gelernt haben. Weitere Beispiele könnten herangezogen werden.
Ergebnis: Athletic spielt nicht mit 100% “nationalen Spielern“ wie behauptet, sondern mit 99%. Die 100% werden erst erreicht, wenn die regionale Herkunft der Kicker zugrunde gelegt wird. Würde dieses regionale Kriterium auch bei den anderen genannten Clubs angelegt, so würden sich die 62,1% bei Barcelona oder die 76,3% bei Osasuna noch einmal deutlich reduzieren, weil dort zwar Leute aus der Region spielen aber auch aus dem Staat. Bei Athletic spielt kein Kicker, der nicht im Baskenland geboren wäre oder dort das Fußball spielen gelernt hätte.
(2024-05-03)
AUSSCHLUSS ISRAELS VON OLYMPIA
Das Parlament von Navarra hat mit seinem Palästina-Beschluss sicherlich seine Kompetenzen überschritten, dennoch kommt der Entscheidung ein großer symbolischer Wert zu. Gefordert wird Ausschluss Israels von den Spielen in Paris, aufgrund des Massakers, das Israel in Gaza verübt. Mit dem Antrag wird das Internationale Olympische Komitee aufgefordert, Israel nicht zu den Olympischen Spielen 2024 im nächsten Sommer in Paris einzuladen.
Der Antrag von Contigo-Zurekin (Podemos) wurde von EH Bildu und Geroa Bai unterstützt, UPN und die Sozialdemokraten der PSN enthielten sich. Der Contigo-Zurekin-Abgeordnete Daniel López, der den Antrag verteidigte, wies darauf hin, dass "bei den Olympischen Spielen der Antike Konflikte zwischen den teilnehmenden Stadtstaaten bis zum Ende der sportlichen Wettkämpfe aufgeschoben wurden, was als olympischer Frieden oder Waffenstillstand bekannt war".
"Bereits in der Neuzeit, im Zusammenhang mit den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien, beschloss das Internationale Olympische Komitee, die Tradition des Olympischen Friedens wiederzubeleben, um die Interessen der Athleten und des Sports im Allgemeinen zu wahren", fuhr er fort.
"Russland und Weißrussland wurden nicht zu den nächsten Spielen in Paris eingeladen", erinnerte er, während "es fünf Monate her ist, dass die israelische Armee ihre Militäraktionen in Gaza intensiviert und den Streifen mit einem andauernden Massaker überzieht, das von führenden internationalen Politikern als Völkermord und sogar als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet wurde".
Mikel Zabaleta von EH Bildu zeigte ein Video der Organisation Yala Nafarroa, in dem mehrere Profisportler und ehemalige Sportler aus Navarra einen "Waffenstillstand in Gaza und ein Ende des Völkermords in Palästina" fordern. Unter anderem nahmen Mai Garde (Fußball), Oier Sanjurjo (Fußball), Iñaki Perurena (Harrijasotzaile), Unai Laso (Pelota), Nerea Pena (Handball), Anne Senosiáin (Basketball), Dani Saldise (Hallenfußball), Nerea Bermejo und Maitane Melero (Leichtathletik) sowie die Handballer von Beti Onak teil. Der Pelotari Oinatz Bengoetxea forderte ein Waffenembargo gegen Israel.
Itxaso Soto (Geroa Bai) erklärte ihrerseits, dass "Sport ein Beispiel für Werte und ein Umfeld des Friedens sein sollte", sie erinnerte daran, dass "das IOC die Teilnahme russischer und weißrussischer Athleten, die ihr Land vertreten, nicht zulassen wird", um zu fordern, "dass die gleichen Maßnahmen auf Israel angewandt werden".
Javier Esparza (UPN) versicherte, dass man "die Analyse, die gemacht wurde", teile, aber "für den Frieden in Palästina zu sein, bedeutet nicht, für oder gegen diesen Antrag zu sein. Das Spanische Olympische Komitee ist ein privates Unternehmen, und daher haben weder das Parlament noch die Regierung irgendeine Kompetenz. Es ist nicht unsere Aufgabe, uns einzumischen", fügte er hinzu.
Für die PSN sagte Ibai Crespo, dass sie ebenfalls "gegen den Angriff auf die Menschenrechte in Palästina" sei, aber er halte den Vorschlag, Israel auszuschließen, nicht für "richtig", "da dies das Thema verwässern könnte. Mit dieser Initiative geht das Wichtigste in dieser Frage verloren. Präsident Sánchez führt eine internationale Verpflichtung zur Anerkennung des Staates Palästina an", sagte er. Nicht für diesen Vorschlag stimmten die postfranquistische Rechts-Partei PP und die Faschisten von Vox.
Irene Royo von der PP wies darauf hin, dass sie verstehe, dass "diesem Antrag keine Debatte über Palästina zugrunde liegt, sondern die Frage, ob die Olympischen Spiele ein Instrument des politischen Drucks sein sollten oder nicht. Die Nutzung der Olympischen Spiele erreicht selten das, was sie erreichen soll, im Gegenteil, sie schadet den Athleten aus diesen Ländern". Emilio Jiménez von Vox bezeichnete den Protest als "Hymne auf die Ungerechtigkeit, den Mangel an Solidarität und den Mangel an Menschlichkeit", während er den Contigo-Zurekin-Abgeordneten sagte, dass "sie die israelische Belagerung verurteilen, aber nicht die Hamas".
(2024-05-01)
DER BASKISCHE KRIEGSGEFANGENE
Zwei Jahre und zwei Monate sind vergangen, seit Pablo Gonzalez “unter dem Verdacht“ verhaftet wurde, “unter Ausnutzung seiner Eigenschaft als Journalist Operationen zugunsten Russlands“ durchzuführen. Seitdem befindet er sich ohne Gerichtsverfahren, ohne Vorlage von Beweisen, ohne förmliche Anklage in Untersuchungshaft. In einem geheimen Verfahren, schutzlos und ohne Garantie auf ein faires Verfahren. In Einzelhaft, ohne Kontakt zur Außenwelt, schlecht ernährt, täglich eine Stunde Hofgang. Zutaten, die ihn in Unsicherheit und Einsamkeit treiben sollen. Ein Kriegsgefangener.
Journalisten-Verbände sind sich einig in der Verurteilung: Amnesty International, Reporter ohne Grenzen verurteilen den Fall als “beispiellos“ in der EU. Pablo hat die traurige Ehre, der einzige EU-Journalist zu sein, der in einem Mitgliedsstaat inhaftiert ist. Sein Fall zeigt die Verbindung zwischen Gewalt und Journalismus. In vielen Teilen der Welt werden Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet, verfolgt oder inhaftiert. Die physischen Opfer von Verfolgung gegen Pressefreiheit. Laut Unesco wurden 2022 weltweit 88 Journalisten getötet, laut Reporter ohne Grenzen wurden 533 eingesperrt. 2023 sank die Zahl der Verhafteten auf 65, aber die Zahl der in Kriegsgebieten Getöteten stieg. Mehr als 70% waren palästinensische Reporter. In sechs Monaten israelischer Invasion in Gaza wurden 137 Journalisten getötet, die Mehrheit Palästinenser. Den palästinensischen Journalisten ist zu verdanken, dass wir von den Schrecken in Gaza erfahren. Doch guter Journalismus stirbt aus in Gaza: Er wird umgebracht. Kriegsberichterstattung hat sich in Jahrzehnten durch politischen Willen radikal verändert.
Der erste Schritt: Journalismus, der keine Grenzen kennt, konnte in den 1960er, 1970er Jahren in und über Vietnam berichten, vom Schlachtfeld aus das Grauen in die amerikanischen Haushalte bringen, die ein Ende forderten. Einer der entscheidenden Faktoren für die soziale Revolte in den USA. Zweites Sprungbrett. Bei der Invasion des Irak (2003), vor zwanzig Jahren, galten für die Kriegstreiber andere Regeln: Information wurde zur Kriegs-Waffe und musste zu Propaganda werden. Der Berufsstand wurde an die Berichte der US-Armee gekettet, embedded. Die Öffentlichkeit konnte Bombardierungen wie ein Feuerwerk im Fernsehen sehen, mit dem Gefühl, einen sauberen, chirurgischen Krieg live mitzuerleben, ohne Opfer in Särgen. Ohne kontextuelle Erklärungen oder Fragen zu den frei erfundenen Massen-Vernichtungs-Waffen.
Dritter Schritt. Im Ukraine-Krieg wurde weiter verschärft. Journalisten werden, in Russland wie in der Ukraine, anhand von Listen nach Freunden und Feinden sortiert, wer nicht im richtigen Graben liegt, wird verhaftet. Pablo ist ein Opfer dieser Einschränkung der Informationsfreiheit. Quellen werden zensiert. Russia Today ist hier verboten, in Russland das Reden über den Krieg. Pablo ist diesem Zwang nach Graben-Journalismus zum Opfer gefallen.
Vierter Schritt: Ausländische Journalisten dürfen nicht nach Gaza. Zur Verzerrung der Weltmeinung, allein durch die informative Flamme des mutigen palästinensischen Journalismus kompensiert, dem es gelungen ist, der Welt deutlich zu machen (nach Daten von Human Rights Monitor 23. April), dass 42.510 Menschen getötet wurden, einschließlich derer unter den Trümmern. 91% sind Zivilisten. Kollateralschaden? Nein, Hauptziele, vor allem Frauen und Kinder, 61%. Dazu 79.240 Verwundete. Israel geht in diesem Vernichtungskrieg, dem Völkermord, dem Hass und der ethnischen Säuberung durch eine gewalttätige, terroristische westliche Macht, unterstützt von den USA aufs Ganze. Israel praktiziert in Gaza eine Art von Endlösung, die Juden in Nazi-Deutschland erlitten haben, und verwandelt sich als Zombie-Nation in eine Nazi-Nation. Das ist Lichtjahre von den Verbrechen der Hamas entfernt.
Hinzugefügt werden müssen zwei Millionen Vertriebene und die Toten im Westjordanland, etwa 500, und die 8.500 Gefangenen oder die 3.661 Vermissten. Das sind andere Geiseln, von Israel festgehalten und nicht auf der Tagesordnung der Welt. Das andere Problem: die unterschiedlichen Maßstäbe. Die Journalisten von Gaza wurden ins Unglück gestürzt, zahlen einen hohen Preis. Sie werden getötet, weil militärische Ziele. Pablo hat Glück. Er ist eine Geisel der dritten Sprosse. Er lebt und ist ein politischer Gefangener eines Regimes des Machtmissbrauchs. Pablo hat Lebenswillen, er hat eine Menge zu erzählen.
ABBILDUNGEN:
(*) Tagespresse
(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-05-01)
