Verhört von CIA und Franquisten
Die Bedrohung des Faschismus während des Spanienkriegs (Spanischer Bürgerkrieg) führte dazu, dass die baskische Regierung in Einverständnis mit den Eltern im Jahr 1937 Tausende von Minderjährigen ins Exil schickte, nach Belgien, England, Skandinavien, auch in die Sowjetunion, um sie vor der Verfolgung durch die Faschisten zu retten. Diese Kinder wurden später als „Kriegskinder“ bezeichnet, oder „Die Kinder von Gernika“. Als sie aus der UdSSR zurückkehrten, erlebten die „Kriegskinder“ die Hölle.
Das Franco-Regime und die CIA machten den Kriegskindern zwanzig Jahre nach ihrer Verschickung die Rückkehr zur Hölle, die Besessenheit mit dem Kommunismus war enorm.
Aus Skandinavien, England oder Belgien kehrten die Mehrheit der Tausenden von Kriegskinder nach dem Ende des Spanienkrieges 1939 zurück, bei den in die Sowjetunion verschickten Kindern dauerte es deutlich länger. Viele kehrten erst Ende der 1950er Jahre mit dem Schiff „Crimea“ in den spanischen Staat zurück, 20 Jahre nach dem Krieg. Für diese mittlerweile erwachsenen Kriegskinder wurde ihre Rückkehr zu einem Horror. Dies beschreibt die Schriftstellerin Carol Díaz einem Buch über die Operation „Project Niños“ (Kinder-Projekt), die von der CIA in Zusammenarbeit mit dem Franco-Regime durchgeführt wurde. Denn die zurückgekehrten „Kriegskinder“ wurden intensiv verhört, um von ihnen Informationen zu erhalten. Die Besessenheit der Amerikaner und der Franquisten vom Kommunismus war enorm, für die etwa 1.800 Exilanten, die Mehrheit davon Basken, bedeutete diese Behandlung ein doppeltes Leid.
Die CIA sah in den Rückkehrenden eine Gelegenheit, mitten im Kalten Krieg relevante Informationen über ihren großen politischen Rivalen zu erhalten. Die faschistische Diktatur zeigte ihre Widersprüchlichkeit und arbeitete mit dem ausländischen Geheimdienst zusammen, um 1.800 der Rückkehrer zu verhören und in gewisser Weise psychisch zu misshandeln. Die katalanische Schriftstellerin und Journalistin Carol Díaz Tapia erzählt in dem Buch „Project Niños“ diese unbekannte Geschichte der spanischen Opfer des Kalten Krieges (Penguin, 2025), deren Grundlage eine gemeinsame Arbeit war, an der sie für die Realisierung eines Dokumentarfilms im Jahr 2020 beteiligt war. Interview mit Carol Díaz Tapia in der Tageszeitung Gara (*):
Sie sind Journalistin, Drehbuchautorin, Schriftstellerin und bezeichnen sich selbst als echte Geschichten-Erzählerin. Was bedeutet diese Definition? Welche dieser Facetten charakterisiert Sie am meisten?
Ich habe es so formuliert, weil ich großes Interesse daran hatte, Kindergeschichten zu schreiben, und letztendlich ist es ja auch wahr, dass wir Journalisten Geschichten erzählen. Ich glaube, wir erzählen Geschichten, die nicht unbedingt erfunden sein müssen. Mein Hintergrund ist journalistisch, aber letztendlich ist es bei der Arbeit an Dokumentarfilmen oder Unterhaltungs-Sendungen wichtig, wie es erzählt wird, also das Drehbuch. Der Drehbuch-Autor für Fiktion unterscheidet sich sehr von dem für Unterhaltung.
Ihr Buch handelt von dem freigegebenen Bericht namens „Project Niños“. Worum geht es darin?
„Project Niños“ ist der Name einer Operation, die die CIA zwischen 1957 und 1961 im spanischen Staat durchführte und deren Ziel es war, Kriegskinder zu verhören, die aus der Sowjetunion zurückkehrten, nachdem sie dort 20 Jahre verbracht hatten. Diese Verhöre sind aufgrund des historischen Kontextes, der Zeit des Kalten Krieges und der Tatsache, dass man nur sehr wenig darüber wusste, was innerhalb der UdSSR geschah, von großer Bedeutung. Diese Informationen waren bei den US-amerikanischen Geheimdiensten sehr begehrt. Es war wie eine zweite Leidensphase für diese ehemaligen Kriegskinder. Um dieses doppelte Leid zu verstehen, das sie bei ihrer Rückkehr 1956 und 1957 erdulden mussten, müssen wir zurückblicken und uns ansehen, wer diese Kinder waren.
Sie sprechen von systematischen Verhören der Rückkehrer. Wie verliefen diese?
Vom Beginn der Operation an wurden mehr als 1.800 Verhöre durchgeführt. Wir sprechen hier nicht von ein paar Stunden oder einem Tag, oft berichten die jungen Erwachsenen von Wochen. Während dieser vier Jahre wurden sie systematisch verhört, es war ein ununterbrochener und sehr gründlicher Prozess. Es gab ein Hotel und eine Pension, in die sie vorgeladen wurden, und das im Kontext der Franco-Diktatur, unter ständiger Überwachung durch die spanische Polizei. Sie hatten nicht die Wahl, Nein zu sagen oder sich zu weigern. Die Verhörer waren ein Team, das sich aus Leuten der CIA, aber auch aus spanischen Polizisten zusammensetzte. Die CIA interessierte sich für alles, was mit Rüstung und mit strategischen Orten innerhalb der Sowjetunion zu tun hatte, und die Spanier wollten wissen, welche Verbindungen die Rückkehrer zur Kommunistischen Partei Spaniens haben könnten. Oft erlebten sie eine Druck-Situation, es war ohnehin schon ziemlich schwierig für sie, Arbeit zu finden. Die Arbeit hatten, mussten sich bei dort entschuldigen, um zu einem Verhör nach Madrid zu fahren. Das erschwerte das Leben all dieser Menschen.
Wie profitierte die Franco-Diktatur von diesem Plan?
Einerseits waren da die Informationen, die sie kriegen konnten, da sie befürchteten, dass eine kommunistische Zelle gegründet und das System von innen heraus gesprengt werden könnte. Auf geopolitischer Ebene war es interessant, weil sowohl Spanien als auch die UdSSR lange Zeit geächtet waren und nicht bereit waren, sich international zu öffnen. Kurz zuvor hatte Eisenhower Spanien besucht, Stalin war gestorben, und das ermöglichte nach und nach Veränderungen. Das Franco-Regime erkannte, dass man kooperieren musste, um Vorteile zu erlangen. Spanien stellte damals Marine- und Luftwaffen-Stützpunkte zur Verfügung. Es gibt kein Dokument, das belegt, dass dies aus genau diesem Grund geschah, aber es gab eine Reihe von Konsequenzen, die darauf hindeuten. Spanien war isoliert, und man kann eine gewisse Zeit isoliert leben, aber nicht für immer. Ich glaube, dass Franco zu diesem Zeitpunkt erkannte, dass es Zeit für eine Öffnung war.
Es besteht ein Widerspruch zwischen dem ultra-nationalistischen Diskurs des Franco-Regimes und der Unterwürfigkeit gegenüber einem ausländischen Geheimdienst, oder?
Ja, das stimmt tatsächlich. Das ist der heikelste Punkt. Es ist nicht leicht zu verstehen, was Spanien davon hatte. Ich bin keine Historikerin, aber soweit ich es nach meinen Recherchen verstanden habe, hat der Franquismus insofern profitiert, dass – ganz abgesehen von geopolitischen Aspekten – die Kriegskinder, als sie kamen, als „oh, die Armen“ angesehen wurden. Man nannte sie untreu und diskreditierte sie völlig. Ihre Rückkehr wurde vom Franquismus zu seinen Gunsten umgedeutet. Als das Schiff „Crimea“ in Valencia ankam, wurde es von niemandem empfangen, während bei der Ankunft der Angehörigen der „División Azul“ in Barcelona ein riesiger Aufmarsch stattfand (Blaue Division: Franquisten, die auf Seiten der Nazis in der Sowjetunion kämpften).
Sie erinnern in Ihrem Buch an den Fall von Cecilio Aguirre Iturbe, von dem die Zeitung ABC“ berichtet, dass er „Viva España“ rief, obwohl er dies später relativierte. Waren die meisten Rückkehrer Basken?
Die meisten, die gegangen waren, waren Basken, also waren sie auch jene, die zurückkamen. Von den 1.800 Interviews, die geführt wurden und die zu zweitausend Berichten führten, die die CIA später auf der Grundlage der gesammelten Informationen verteilte, kehrte mehr als die Hälfte derjenigen, die zurückgekommen waren, später in die UdSSR zurück. Die Gesellschaft war so abweisend, die Situation war so brutal, dass sie es schwer hatten. Auf familiärer, sozialer, beruflicher und polizeilicher Ebene mussten sie ständig angeben, wohin sie gingen. Für die Frauen war es noch viel schwieriger; sie kamen aus einem Land, in dem sie arbeiten konnten und eine gewisse Freiheit hatten, und die hatten sie nun verloren.
Was Cecilio betrifft... du hättest sein Gesicht sehen sollen, als ich ihn danach fragte. Als wir ihm von „ABC“ in der Dokumentation erzählten, sagte er, er sei der Erste gewesen, der von der „Crimea“ von Bord gegangen sei, aber in diesem Moment, zwischen all der Aufregung und so, sagten sie zu ihm: „Na los, sag etwas“, und nun ja, er sagte ein „Es lebe Spanien“. Er sagte es ganz beiläufig. Es stimmt, dass er Lust hatte, zurückzukehren, aber nicht aus patriotischen Gründen. Cecilio ist inzwischen verstorben, aber man kann sagen, dass die Zeitung das hervorgehoben hat, weil es Teil der Propaganda war.
Diese Angst, dass die Repatriierten dem spanischen Kommunismus helfen könnten, „wird der Auslöser dafür sein, dass die Behörden einen Plan zur kontinuierlichen Überwachung ausarbeiten (…). Eine Aufnahme, die die Kinder selbst mit der Zeit als wahre Hölle erkennen werden“. Warum Hölle?
Es ist so, dass die Verhöre schon zuvor auf dem Crimea-Schiff begonnen hatten... Es findet das erste Verhör statt, woher sie kommen, ob sie Teil einer Vereinigung waren, man will wissen, wie gefährlich sie sind. Das Erste, was gemacht wird, noch bevor sie ihre Familien umarmen können, sie werden nach Zaragoza gebracht, an einen Ort, wo man sie ein oder zwei Tage festhält, von wo sie nicht weggehen dürfen, bis ein Familienmitglied sie abholt. Sie wurden nicht allein gelassen. Man hatte ihnen eine Art Ausweis ausgestellt, der sich von dem der übrigen Spanier unterschied, ein Dokument, das sonst nur Kriminelle oder Prostituierte hatten; sie wurden diskriminiert und standen ständig im Fokus.
Wenn sie von einer Stadt in eine andere ziehen wollten, mussten sie dies melden, später lockerte sich die Situation allmählich. Man spürte die Angst, weil plötzlich fast 2.000 Menschen aus einem kommunistischen Land kamen. Ein Umstand, der mich am meisten fasziniert hat, ist ihr kulturelles Niveau, ihre Fähigkeit zum kritischen Denken, diese Leute waren sehr klug. Sie sagten, sie hätten der UdSSR viel zu verdanken, man habe sich um sie gekümmert und viele hätten eine Hochschul-Ausbildung genossen. Aber nicht alle gleichermaßen, denn es war keine homogene Gruppe. Jeder hatte seine eigenen Erfahrungen, und manche hatten es schwer und lehnten die UdSSR ab.
Glauben Sie, dass die Tatsache, dass viele von ihnen Basken waren und aus kommunistischen Familien stammten, dazu beitrug, dass sie stärker bestraft wurden?
Ich neige eher zu Letzterem als zu Ersterem. Der baskische Faktor war kein Punkt, nach dem wir besonders gefragt haben. Die Leute haben das nicht erwähnt. Ich denke, dass das zu jenem Zeitpunkt nicht so wichtig war. Es ging eher darum, dass sie aus der UdSSR kamen, die Angst galt dem Kommunismus.
Sie sagen, dass „die von den spanischen Repatriierten preisgegebenen Informationen entscheidend waren, um die Anzahl der Interkontinental-Raketen der UdSSR zu ermitteln und auch, um Details über deren technologische Entwicklung zu erfahren“. Wie kann das sein? Hat die CIA in ihrer Analyse nicht übertrieben?
Nun, das war einer der Zweifel, die wir hatten, als wir überlegten, wie wir die Dokumentar-Serie angehen sollten. Und tatsächlich haben wir uns gesagt: „Na gut, mal sehen, wie viel Wahrheit da drin steckt“ und ob das, was in diesem Bericht steht, wahr ist oder nicht. Wir haben sehr lange in der Online-Bibliothek der CIA gestöbert und viele Dokumente gefunden, in denen auf die Verhöre der spanischen Rückkehrer im Jahr 1956 Bezug genommen wurde, und das gab uns Hinweise darauf, dass diese Informationen von den verschiedenen Ministerien ausgewertet worden waren und dass dort von Fabriken die Rede war, in denen Raketen und Flugkörper hergestellt wurden.
Viele der Rückkehrer arbeiteten in wichtigen Werken, die zwar nicht die gesamte Rakete herstellten, aber Teile der Motoren. Es war wie ein Puzzle, bei dem sie sich die einzelnen Teile zusammensetzten und so bestimmte Informationen erhielten. Auch wenn es ihnen unwichtig erschien, waren sie davon besessen, herauszufinden, wo die Orte waren und was dort passierte. Sie wollten Karten von Städten und Orten zeichnen, das war wichtig für das Spionageflugzeug. Wenn sie sagten, dass es mitten im Nirgendwo einen Bahnhof gab, was seltsam war, dann lag das daran, dass es dort vielleicht auch eine Fabrik gab, die Raketen herstellte oder mit Rüstung zu tun hatte. So dachten sie. Später, mit der Zeit, waren diese Informationen natürlich nicht mehr entscheidend, um weitere Neuigkeiten zu erhalten, aber man muss bedenken, dass es eine Zeit war, in der es noch keine Spionage-Satelliten gab, wie dies später der Fall war.
Wie sehe, haben Sie 13 jener Kriegskinder interviewt, die heute ältere Menschen sind. Welchen Eindruck hat das bei Ihnen hinterlassen? Haben wir ihnen gegenüber eine historische Schuld?
Sie haben sehr viel gelitten, ja. Kein Krieg ist harmlos, die Folgen prägen ein Leben lang. Der Fall der Kriegskinder ist mehr als offensichtlich, denn sie waren nicht nur Opfer des Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs, sondern standen auch im Kreuzfeuer des Kalten Krieges, immer zwischen den Fronten. Sie mussten alles miterleben. Natürlich schulden wir ihnen eine historische Erinnerung. Wichtig war, dass ich die Gelegenheit hatte, Menschen zu interviewen, direkte Augenzeugen eines Abschnitts unserer Geschichte, der nicht weit zurück liegt und über den so wenig bekannt ist. Es bleibt uns nicht mehr viel Zeit, um ihnen weitere Fragen zu stellen, denn es gibt nur noch wenige von ihnen. Wir schätzen das nicht genug, weil wir gesättigt sind von Menschen, die ständig in die Kamera sprechen.
Als das Buch erschien, wollte ich es zwei "Kriegs-Mädchen" in Barcelona überreichen und habe es ihnen persönlich gegeben. Beide waren sich einig: „Stell dir vor, wie schwer wir es in der UdSSR hatten, denn unser Wunsch war immer, nach Spanien zurückzukehren, aber hätte ich gewusst, was mich hier erwartet, wäre ich niemals zurückgekommen.“ Sie betonten, dass sie sich nichts von dem, was sie erlebten, ausgesucht hatten. Das sagten Rosa und Vicenta. Es ist erschütternd. Die spanischen Polizisten sagten zu ihnen: „Wenn du dich so sehr über Spanien beschwerst, wenn es dir so schlecht geht, warum kehrst du dann nicht zum Kommunismus zurück?“ Und Vicenta erzählte mir, dass sie den Leuten von der CIA nichts erzählte, dass es ihr egal war, aber dass sie sich den spanischen Polizisten entgegenstellte, wenn auch mit Angst, weil sie von Fällen wusste, in denen Verhörte anschließend inhaftiert wurden.
Baskische Kriegskinder:
Unter dem Titel: „Baskische Kriegskinder – Notaufnahme in der Sowjetunion“ publizierte Baskultur.info bereits am 2019-01-26 einen Artikel über die Verschickung von Kindern während der Kriegszeit im Jahr 1937. Dabei handelt es sich um ein Interview mit einem 1930 geborenen Jungen, der in die Sowjetunion verschickt wurde und zehn Jahre später wieder ins Baskenland zurück kam. (LINK)
ANMERKUNGEN:
(*) “Das Franco-Regime und die CIA machten die Rückkehr der Kriegskinder zu einer Hölle” (Originaltitel: El franquismo y la CIA hicieron del retorno de los niños de la guerra un infierno), Interview mit Carol Díaz, Forscherin und Autorin von „Project Niños“, Tageszeitung Gara, Autor: Daniel Galvalizi, 2026-04-07 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(1) Kriegskinder (cadena ser)
(2) Carol Díaz (naiz)
(3) Kriegskinder (gob.cultura)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-04-10)
