faken1Strategien der Herrschaft

Nie zuvor in der Menscheits-Geschichte hatten wir als Einzelpersonen Zugriff auf eine derartige Menge an Information. Printmedien sind fast überflüssig geworden, Internet und die sozialen Medien dominieret alles. Daraus den Schluss zu ziehen, wir seien besser informiert denn je, ist dennoch ein Trugschluss. Denn trotz Informationsfülle gibt es häufig Zweifel an der Qualität der Information. Oder an ihrer Wahrhaftigkeit. Wer nichts wirklich Interessantes zu bieten hat, verbreitet Lügen: Fake News.

Religionen, Kriegsparteien und die politische Rechte sind besonders bekannt für Fake News, falsche Nachrichten. Wo nachvollziehbare Argumente nicht mehr ausreichen, um Sachverhalte glaubhaft darzustellen, wird zu Lügen gegriffen, ohne Fake News wären die Hexenprozesse nicht denkbar gewesen, Kriegsparteien machen aus Niederlagen Siege.

Fake News – wörtlich übersetzt “gefälschte Nachrichten“ – sind Informationen in Form von Texten, Fotos oder Videos, die nicht der Wahrheit entsprechen. Sie sind mit unbewiesenen Behauptungen gespickt und beziehen sich auf nicht geschehene Ereignisse oder Handlungen. Ziel von solchen Fake News ist die Manipulation eines bestimmten Publikums, entweder, um dieses Publikum auf die eigene Seite zu ziehen (egal, wie falsch die Information), oder einem Gegner soll Image-Schaden zugefügt werden, wobei aus Image-Schaden schnell auch wirtschaftlicher Schaden werden kann. (1)

Wer gute Argumente hat und sein Publikum auf ehrliche Weise informieren oder überzeugen will, braucht keine Fake News (auch wenn gelegentlich Übertreibung zum Einsatz kommt). Insofern werden solche Falsch-Nachrichten vor allem von Rechten und Ultrarechten benutzt, um ein Publikum zu bedienen, das leichtgläubig konsumiert und sich nicht die Mühe macht, Information mit anderen Quellen zu kontrastieren. Der Glaube allein ist genug. In modernen Zeiten werden Fake News gerne über elektronische Kanäle, bevorzugt über soziale Medien, verbreitet.

Fake mit Mission

faken2Ob im Tierschutz, beim Wahlkampf oder im Kriegsfall: wann immer die Meinung der Menschen eine starke Rolle spielt, sind Faker nicht weit. Um ihre Ziele zu erreichen, nämlich gesellschaftliche und politische Stimmungen in eine Richtung zu lenken, behelfen sie sich auch schon mal mit Übertreibungen echter News oder bleiben einfach gar nicht bei der Wahrheit. Besonders häufig ist zu beobachten, dass sich diese Art von Fake News gegen einzelne Menschengruppen richtet. Im Netz ist es vorgekommen, dass reihenweise Personen damit beauftragt wurden, unter falschen Namen Online-Diskussionen zu beeinflussen. In Kommentar-Spalten erwecken sie den Eindruck, dass die Öffentlichkeit mehrheitlich ihre Meinung vertritt, obwohl sie sich in der Minderheit befinden. Oder es werden Programme geschrieben, die automatisch Inhalte im Netz verteilen. Diese "Bots" erkennt man oft daran, dass sie in sehr kurzen Abständen zu denselben Themen posten – und daran, dass sie auf Fragen eher hölzern reagieren. (2)

Fake News

In ihrer visuellen Gestaltung und ihrem Aufbau ähneln Fake News klassischen Nachrichten-Beiträgen, um über ihren fehlenden Wahrheits-Gehalt hinwegzutäuschen. Erkennbar sind sie beispielsweise an reißerischen Überschriften und fehlenden Urheber- und Quellen-Angaben. Fake News hat spätestens mit der US-Wahl 2016 als politisch aufgeladener Kampfbegriff Einzug in die gesellschaftlichen Diskussionen gehalten, der jedoch für “alles und nichts“ verwendet werden kann und mitunter schwer genau zu definieren ist. Der Begriff Fake News kann jedoch in verschiedene Bereiche unterteilt werden, wie es der Social Media Watchblog in einem Briefing 2021 getan hat. (1)

Desinformation (englisch: Disinformation): Falsche Informationen, die mit der Absicht in Umlauf gebracht werden, Menschen zu täuschen oder Schaden anzurichten. Dazu zählen z.B. erfundene Inhalte (Lügen, Gerüchte), die aus dem Kontext gerissene Inhalte (verkürzte Zitate, fehlerhafte Statistiken) und manipulierte Inhalte (Photoshop-Fakes, Deepfakes).

Fehlinformation (engl. Misinformation): Falsche Informationen, die unabsichtlich und ohne Täuschungsabsicht verbreitet werden. Darunter verstehen wir unter anderem journalistische Fehler, falsche Interpretationen und teils auch reißerische Überschriften oder Satire, falls diese bei den Rezipient/-innen ein falsches Bild erzeugen.

Malinformation: Zutreffende Informationen, die gezielt veröffentlicht werden, um Schaden anzurichten. Beispiele sind Leaks, Doxing (das Zusammentragen und Veröffentlichen persönlicher Daten gegen den Willen der Betroffenen), Revenge Porn oder aus dem Zusammenhang gerissene Fotos oder Fakten, die Hass oder Angst schüren sollen. Wie sich Desinformations-Kampagnen entwickeln und verbreiten, wird an vielen Beispielen auch vom Kompetenznetzwerk Hass im Netz aufgearbeitet.

Motive für die Erstellung und Verbreitung von Fake News

Die Erstellung und Verbreitung von Fake News kann wirtschaftliche, politische, ideologische oder persönliche Motive haben. Werden Falschmeldungen aus monetären Gründen geschaltet, bezeichnet man sie als “Clickbait“ – wörtlich übersetzt “Klickköder“. Dabei wird die Meldung auf mehrere Seiten verteilt, damit die Leser*innen neugierig bleiben, immer weiter klicken und ihnen möglichst viel Werbung angezeigt werden kann. Politisch motivierte Autoren von Fake News verfolgen mit deren Verbreitung dagegen propagandistische Zwecke. Politische Prozesse sollen beeinflusst, Wähler manipuliert und letztlich ein politischer Wandel herbeigeführt werden, oder die Unterstützung einer bestimmten Idee oder Person.

Im Unterschied dazu sind sich Verteiler von Verschwörungs-Ideologien manchmal gar nicht darüber bewusst, dass sie Fake News verbreiten. Aufgrund ihrer Weltanschauung glauben sie selbst an die Falsch-Informationen und hinterfragen sie nicht. Ob falsche Nachrichten von Leser*innen oder Konsument*innen aufgenommen werden oder nicht, hat häufig mit “glauben“ zu tun. Glauben ist die Aufnahme einer Nachricht ohne Beweis. “Ich glaube an Gott“ ist eine bekannte und weit verbreite Nachrichten-Aufnahme für einen Umstand, für den es keinen beweis gibt. Häufig “glauben“ wir, weil dieser Glaube eine Zuflucht darstellt oder “weil es uns gut in den Kram passt“, das heißt, in unser Weltbild.

Das Aznar-Fake

Eines krasses Beispiel für Fake News im spanischen Staat, zudem mit anti-baskischem Hintergrund, ereignete sich nach dem islamistischen Anschlag auf die Vorstadt-Züge in Madrid-Atocha am 11. März 2004. Nur wenige Tage vor den spanischen Parlamentswahlen verbreitete die rechte Regierung Aznar, dass die baskische Untergrund-organisation ETA für die Anschläge verantwortlich sei. Nur wenige Stunden nach dem Anschlag, der fast 200 Tote forderte, zwei Tausend Verletzte und Tausende von Traumatisierten, wiederholte der baskische Ministerpräsident Ibarretxe diese These.

Doch bereits im Moment der Verbreitung der Fake News hatte die Polizei in einem in den Anschlag involvierten Fahrzeug einen Koran gefunden, der auf eine andere Urheberschaft hinwies. Diese Tatsache wurde in den Medien unterschlagen, um die ETA-These nicht zu gefährden – Aznar hatte ein großes Interesse, dem Bild der baskischen Organisation zu schaden und selbst die Wahlen zu gewinnen. Dass diese Rechnung nicht aufging, ist vor allem einigen der Wahrheit verpflichteten Medien zu verdanken, die dafür sorgten, dass innerhalb weniger Tage die Fake News entlarvt wurde und die Postfranquisten die Wahlen krachend verloren, obwohl sie als haushohe Favoriten in den Wahlkampf gezogen waren. Im Baskenland hatten nur wenige Aznars ETA-These „“Glauben geschenkt“, im Staat hingegen viele. Warum? Eine Sache des Glauben, oder des “sich-nicht-vorstellen-Könnens“. Auch ohne genaues Wissen behielt der gesunde Menschenverstand Recht und wurde in den Folge-Tagen bestätigt.

Den Attentaten folgten Verhaftungen, Prozesse und Verurteilungen, das Besondere der Geschichte ist, dass bestimmte-Rechts-Medien wie El Mundo oder die neofranquistische Presse trotz der Verurteilungen durch die über allen Verdacht erhabene spanische Justiz bis heute an der damaligen Aznar-These festhält – vielleicht, um den Rest von Gesicht zu wahren und den 150-prozentigen Anhängern einen fortwährenden Grund zum “Glauben“ zu liefern. Aus einer Fake News wurde in diesem Fall eine Verschwörungstheorie.

Das Irak-Fake

faken3Durch Fake News besonders bekannt wurde in den USA der Ex-Präsident Trump, aus dessen Umfeld Falsch-Nachrichten und Verschwörungs-Geschichten verbreitet werden, die allein durch ihren Inhalt bereits Misstrauen erregen müssten. Doch wo der Verstand endet und der kompromisslose Glaube beginnt, ist alles möglich. Auch die Behauptung, im Lager seiner Wahlkampf-Konkurrentin Clinton werden Kinder geopfert und verspeist. Die Pandemie-Krise war nicht zufällig ein Terrain, auf dem abstruse Theorien in Massen gedeihen konnten, nicht zuletzt aufgrund der schlechten Information der Regierungen in aller Welt.

Eine weitere Falsch-Behauptung mit großer historischer und menschenrechtlicher Tragweite stand im Zusammenhang mit dem Angriff der Westmächte auf den Irak im Jahr 2003. Als Begründung des Angriffs nannten die kriegführenden Regierungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens seit Oktober 2001 die wachsende Bedrohung durch angebliche Massen-Vernichtungswaffen des Irak und dessen angebliche Verbindung zum Terrornetzwerk Al-Qaida, das die Anschläge am 11. September 2001 ausgeführt hatte. Eine große Bevölkerungsmehrheit in den USA glaubte diesen Angaben vor und auch noch Jahre nach der Invasion des Irak. Trotz gegenteiliger Berichte verschiedener UN-Inspektionen im Irak beharrten die Politiker auf ihrem Angriff, der schwedische Politiker Hans Blix (Chef der UN-Rüstungs-Kontroll-Kommission) führte einen vergeblichen Kampf gegen Windmühlen der imperialistischen Kriegstreiber. Dieser von George Bush Junior, dem Sozialdemokraten Blair und dem Franquisten Aznar transportierten Fake News fiel eine halbe Million Menschen zum Opfer – nie wurden sie dafür zur Verantwortung gezogen, Blair gab später sogar zu, sich getäuscht zu haben. Der Irak-Krieg ist somit ein Beispiel, wie mit Fake News völkerrechts-widrige Kriege geführt und massiv Menschenrechte verletzt werden.

Das Hexen Fake

Eine von der katholischen Kirche durch Glaubens-Dogmen unterhaltene Fake News führte zu Jahrhunderte langen Verfolgungen vor allem von Frauen, die als Hexen diffamiert wurden. Die Kirche behauptete und die Mehrheit der Bevölkerung glaubte, dass vor allem Frauen von Natur aus verdorben und triebhaft seien und daher zur Hexerei neigten. Da Hexen, ebenso wie Ketzer, einen Bund mit dem Teufel geschlossen hatten, wurden auch sie mit dem Tode bestraft. In den meisten Fällen war es der Feuertod auf dem Scheiterhaufen.

Hauptthesen sind, dass Hebammen (die “weisen Frauen“) als Hexen verbrannt wurden, weil sie durch ihr “Geheimwissen“ eine Gefahr für die Kirche darstellten und dass Hexen die letzten Bewahrerinnen der “magisch-heidnischen Kultur“ gewesen seien. Viele Jahrhunderte lang war dieses Hexenfest für viele Leute keine ausgedachte Geschichte, sondern real. Sie glaubten an Hexen und dass sie auf ihren Besen durch die Luft flogen, Hexen und ihre "magischen" Fähigkeiten machten ihnen Angst. Die Folge: Unschuldige wurden als Hexen verfolgt und grausam getötet. Aver auch konfessionelle Konflikte, oder Familien- und Vermögenskonflikte, Konkurrenzen diverser Art oder einfach der Wunsch, unliebsame Außenseiter auszuschalten, konnten Hexenverfolgungen auslösen. (3)

Trolle und Enten

“Trolle“ wiederum erstellen und verbreiten Fake News aus purem Vergnügen an Aufruhr und einer persönlichen Sucht nach Aufmerksamkeit und Bestätigung heraus. Eine erfolgversprechende Gegenstrategie ist in diesem Fall, die erwünschte Aufmerksamkeit zu verwehren. Einen Sonderfall stellen sogenannte “Zeitungsenten“ dar. Sie können entstehen, wenn auf eine exakte Recherche und die Bestätigung einer Faktenlage durch weitere Quellen verzichtet wird. Es handelt sich dabei um schlechten und nachlässigen Journalismus, bei dem Journalist*innen unbewusst oder gezielt falsche Informationen veröffentlichen. Die Veröffentlichung von Auszügen aus den vermeintlichen Hitler-Tagebüchern in den 1980er Jahren fällt als spektakulärer Fall in die Kategorie der unbewussten Zeitungsente. Hingegen veröffentlichte der Journalist Claas Relotius in den 2010er Jahren ganz bewusst teilweise oder gänzlich erfundene Reportagen, vorwiegend im Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Unterscheidung von Satire und Fake News

Satire ist eine Kunstform, die das Stilmittel der Übertreibung nutzt, um politische und gesellschaftliche Zustände zu kommentieren und kritisieren. Obwohl sich auch Satire auf falsche Informationen und nicht passierte Ereignisse oder Handlungen bezieht, sind die Unwahrheiten in der Regel deutlich und bewusst übertriebener als bei Fake News. Die Urheber*innen von satirischen Beiträge gehen davon aus, dass ihre Beiträge als humoristisch erkannt werden können. Fake News werden hingegen so dargestellt, als würden sie tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Ein Beispiel für eine Satire-Website ist “Der Postillon“.

Die Technik übernimmt: Algorithmen, Social Bots und Deepfakes

Sich im Nachrichten-Dschungel zu orientieren, ist aufgrund der Vielfalt von Fälschungen und deren immer perfekteren technischen Umsetzung schwer geworden. Für die Verbreitung von Fake News werden häufig Algorithmen und Social Bots eingesetzt. Durch deren hohe Reichweite wird der Eindruck erzeugt, dass es sich bei der Falschmeldung um eine besonders relevante und daher wahre Meldung handelt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Urheberschaft verschleiert werden kann. Den Urhebern von Fake News spielt dabei in die Hände, dass Laien technisch erstellte Nutzerprofile und Nachrichten nur sehr schwer von echten Userinnen und Usern und deren Postings unterscheiden können.

Auch Fotos, Audios und Videos von Personen können inzwischen digital nahezu realitätsgetreu manipuliert und willkürlich verändert werden. Die zugrundeliegende Technik heißt Deepfake: Eine künstliche Intelligenz errechnet Bilder oder Videos, die so gar nicht existieren. Auf diese Weise können beispielsweise die Gesichtszüge eines Menschen auf einen anderen Menschen übertragen werden. Mit dieser Technik können Aussagen oder Handlungen einer Person dargestellt werden, die in der Realität nie stattgefunden haben.

Diese Manipulation von Bild- und Tonmaterial funktioniert sogar in Echtzeit, wie durch das Forschungsprojekt “Face2Face“ bereits 2016 eindrucksvoll bewiesen werden konnte. Mittlerweile ist die Technologie so weit fortgeschritten, dass Deepfake-Fotos und -Videos selbst für geschulte Augen täuschend echt aussehen. Dadurch stellen Deepfakes ein zunehmendes gesellschaftliches und politisches Risiko dar. Auch im politischen Kontext werden Deepfakes zunehmen eingesetzt.

Warum sind Menschen für Fake News empfänglich?

faken4Digitale Medien werden als Beschleuniger von Fake News benutzt. Durch die Nutzung mobiler Endgeräte, sozialer Netzwerke und digitaler Nachrichtenportale hat sich die Verbreitung von Fake News deutlich beschleunigt. Nicht nur schwelende politische und gesellschaftliche Debatten können dadurch befeuert werden. Festgefahrene Positionen, Vorurteile und Stereotype können sich in der Folge weiter verfestigen. Insbesondere kontroverse politische und gesellschaftliche Ereignisse bringen heutzutage ein erhöhtes Volumen von Falsch-Nachrichten im Netz mit sich. Dazu gehören der Brexit, die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA, die Corona-Pandemie oder der Ukrainekrieg.

Auch und gerade populistische und rechts-extremistische Gruppierungen verbreiten über soziale Netzwerke gezielt Fake News, um ein breites Publikum zu erreichen und neue Anhänger zu rekrutieren. Anknüpfend an die Lebenswelt Jugendlicher, werden Propagandavideos im Stil moderner Videospiele verbreitet. Ein trauriges Beispiel für die Wirkmacht von Facebook-Propaganda ist die Vertreibung der inzwischen von Völkermord bedrohten muslimischen Minderheit Rohingya aus Myanmar: Laut Vereinten Nationen befeuerten gefälschte Fotos, Karikaturen und Berichte über mordende Muslime und ihre buddhistischen Opfer den Hass. Doch auch in besonders von Jugendlichen häufig genutzten Apps wie TikTok, Instagram und WhatsApp verbreiten sich Desinformation und Fakes mitunter viral, nicht zuletzt auch dank der hiesigen Algorithmen in den gängigen sozialen Netzwerken.

Diffamierung

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist der Begriff Fake News inzwischen derart etabliert, dass er auch genutzt wird, um wahre Nachrichten-Meldungen oder legitime politische Aussagen zu diffamieren. Es kursiert die Bezeichnung “Lügenpresse“ – teil berechtigt, teils unberechtigt. Durch die missbräuchliche Verwendung dieser Begriffe sollen politische Gegner oder Journalisten in ihrer Glaubwürdigkeit beschädigt werden. Dagegen sollen die eigenen Aussagen und Positionen in den Vordergrund rücken. Dies schafft ein Klima des Misstrauens in politische Vertreter und Presseorgane, die unter einen Generalverdacht der Lüge und Fälschung gestellt werden. Das Problem: teilweise ist dieses Misstrauen berechtigt, die Zahl der im spanischen Staat, aber auch im Baskenland in Korruptionsfälle verwickelten Politiker*innen macht dies deutlich. Die Institutionen der bürgerlichen Demokratie haben durch diese Korrumpierbarkeit viel Vertrauen eingebüßt, die Kluft zwischen Diffamierung und Aufdeckung korrupter Strukturen ist schmal. Umso schwieriger, Fake zu entdecken.

Wie können Fake News erkannt werden?

Die technologischen Möglichkeiten ermöglichen es zwar einerseits, täuschend echte Fake News zu erstellen und zu verbreiten. Andererseits erlauben es hochentwickelte forensische Methoden inzwischen auch, Bild-, Video- oder Audio-Manipulationen zu erkennen. Per Software oder App können technisch eingesetzte Markierungen – ähnlich wie Wasserzeichen in herkömmlichem Bild- oder Videomaterial – identifiziert und damit der Ursprung eines Mediums ermittelt werden.

Auch mithilfe der Google Bilder-Rückwärts-Suche können Nutzer*innen die Ursprungsquelle eines Bildes recherchieren. Hierzu muss das Bild in der Suchmaschine hochgeladen werden. Bei der Suche werden die Websites, die das Bild enthalten, andere Größen des Bildes und ähnliche Bilder ermittelt. Wenn Bilder hierbei in einem völlig anderen Kontext auftauchen oder seit Jahren im Netz auftauchen, sind das Indizien für Falschmeldungen.

Sechs wichtige Aspekte für einen Quellencheck

Anleitungen und Checklisten für eine schrittweise und gewissenhafte Überprüfung von Nachrichtenmeldungen sind ein weiteres hilfreiches und alltagstaugliches Mittel gegen Fake News. Die sechs wichtigsten Aspekte finden Sie hier aufgelistet:

1. Gestaltungsmerkmale: Wie ist die Nachricht gestaltet?

Ein reißerischer Schreibstil, ein emotional ausgerichteter Text, viele Ausrufe- und Fragezeichen kombiniert mit spektakulären Bildern – das alles könnten Hinweise auf Fake News sein. Mit diesem Stil rückt der Inhalt in den Hintergrund: Eine auffällige Verpackung soll Leser*innen anlocken. Interessen wie Profit oder Propaganda könnten hinter dem Angebot stecken.

2. Herkunft prüfen: Autor*in? Impressum?

Prüfen, ob ein Autor, eine Autorin angegeben wurde. Ist am Artikel keine entsprechende Information zu finden? Dann soll die Autorenschaft womöglich verschleiert werden. Fehlt auch noch ein Impressum, ist Misstrauen geboten und der Inhalt eventuell unseriös. In einigen Ländern besteht Impressumpflicht für kommerzielle Angebote.

3. Quellenrecherche: Was sagen andere Quellen?

Um ein Gesamtbild einer Situation zu erhalten, sollte recherchiert und die dargestellten Fakten mit andere Quellen verglichen werden: in welchem Kontext und Zeitraum tauchen die Informationen und Bilder außerdem auf. Vorteilhaft ist die Nutzung von Quellen aus anderen Ländern oder in anderen Sprachen. Manchmal verursachen Übersetzungsfehler Falsch-Informationen.

4. Suchmaschinencheck: Wo liegt der Ursprung einer Meldung?

Wenn eine Meldung über einen Messenger ankommt, können die Inhalte in einer Suchmaschine gecheckt werden. Teile der Nachricht in ein Suchmaschinenfeld kopieren und nach dem Ursprung suchen, die Ergebnisse anschließend nach gegensätzlichen Aussagen filtern. Vielleicht gibt es Hintergrund-Informationen, die zu einem Gesamtbild verhelfen.

5. Zahlen und Fakten: Sind die Informationen plausibel und aktuell?

Prüfen, ob die Text-, Bild-, Video- oder Audiodatei ein Erstelldatum hat. Checken, ob genannte Zahlen und Fakten plausibel und aktuell sind. Werden Studien zitiert, kann in der Originalstudie nachgesehen werden, ob die gemachten Angaben stimmen. Taucht die Nachricht bei Faktencheckern wie Hoaxmap oder Mimikama auf? Dort werden zweifelhafte Information auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Es könnte sich um eine veraltete Meldung handeln, die bereits als Fake News identifiziert wurde.

6. Bilder, Videos und Audio-Dateien: Fälschungen technisch prüfen

Bilder, Audios und Videos sind inzwischen nur schwer als Fakes zu identifizieren, da sie täuschend echt wirken. Wenn dennoch Misstrauen angesagt ist, weil das Medium Ungewöhnliches zeigt oder nicht zur bisherigen Informationslage passt, kann mithilfe von Screenshots über die Google-Bildersuche oder TinEye nach dem Ursprung gesucht werden. Steht Ihnen ein Video als YouTube-Link zur Verfügung, können Sie ihn in den YouTube Dataviewer eingeben. Er ermittelt dann den genauen Upload-Zeitpunkt des Videos und zeigt Ihnen die Vorschaubilder an, die vor Videostart zu sehen sind.

Fake News in Verbindung mit Hatespeech

Falsche Nachrichten dienen nicht selten dem Zweck, Hatespeech zu verbreiten. Hasserfüllte Kommentare treffen Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Glaubensrichtung, politischen Einstellung, sexuellen Orientierung oder körperlichen Beeinträchtigung. Die sieben genannten Kriterien deuten bereits auf die Verbreiter solcher Hatespeeches hin: Xenophobe und Misogyne Haltungen stecken dahinter, in den allermeisten Fällen ultrarechte oder faschistische Personen, Organisationen oder Absichten. Fake News können verunglimpfende oder beleidigende Aussagen bis hin zu rechtswidrigen Grenzüberschreitungen enthalten. Entsprechende Inhalte und Beiträge können dem sozialen Netzwerk gemeldet oder Anzeige erstattet werden.

KI gegen Fake

faken5Die Zeitschrift "Science" berichtet, dass das Massachusetts Institute of Tecnology (MIT) Programm mit dem Namen DebunkBot entwickelt hat. Die ersten Ergebnisse seien positiv. Danach liegt der Schlüssel zu diesem Experiment in einer Künstlichen Intelligenz, die Zugang zu riesigen Datenbanken hat und in der Lage ist, ihre Argumente an die Argumentation von Verschwörungs-Theoretikern anzupassen.

Manchmal sei es "schwierig, diese Theorien zu widerlegen, weil es schwierig ist, die richtigen Fakten zusammenzustellen". In diesem Sinne soll DebunkBot (nur in englischer Sprache aktiv) einen Dialog in Gang setzen, der dem anderer künstlicher Intelligenzen ähnelt, aber das Gespräch ist unmittelbar auf die Beschreibung konkreter und nachweisbarer Fakten ausgerichtet. Verschwörungs-Theoretiker, die sich einem Gespräch mit dem Roboter unterzogen, gaben zu, dass ihr Glaube an solche Phänomene um 20% zurückgegangen sei. Ein Viertel der Personen glaubte nicht mehr an die Verschwörung, sondern räumte Zweifel ein.

Journalistische Sorgfaltspflicht

Im Zeitalter der rasanten Verbreitung von Fake News und des Vorwurfs der “Lügenpresse“ ist Qualitätsjournalismus umso wichtiger. Zwar gibt es hier und da einen Pressekodex, häufig jedoch nur als Selbstverpflichtung, Kontrolle gibt es fast nicht. Auch wenn Medienverbände dem Pressekodex zugestimmt haben, bedeutet dies nicht, dass er auch befolgt wird. Viele Journalist*innen haben sich zwar verpflichtet, Aspekte in ihrer täglichen Arbeit zu berücksichtigen, Sorgfaltspflicht bei der Recherche sowie die Achtung der Menschenwürde Einzelner. Doch bei Personalmangel ist Recherche oft eine Frage fehlender Zeit.

Auch die unangemessene Darstellung von Gewalt sowie die Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen und Minderheiten sollen vermieden werden. Unbestätigte Gerüchte sollen erkennbar gemacht werden, Informationen in Schrift, Bild oder Grafik stets auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Kritiker stellen allerdings fest, dass die Einhaltung der Vorgaben nicht garantiert werden kann. Der Selbstverpflichtung können Medienverbände, Verlage und Journalist*innen nachkommen oder auch nicht. Spricht ein Presserat eine Rüge aus, hat dies keine spürbaren Konsequenzen. Die rechte und ultrarechte Presse hat sich von solchen Prämissen längst verabschiedet, bzw. sie nie ernst genommen.

ANMERKUNGEN:

(1) Ausschnitte aus: “Was kann man gegen Fake News tun?“, Landes-Medien-Zentrum Baden-Württemberg (LINK)

(2) “Wer verbreitet Fake News?“, Bundeszentrale für politische Bildung, 2020-09-08 (LINK)

(3) “Hexenverfolgung“, Wikipedia (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Fake News (heraldo aragon)

(2) Fake News (blog laboral)

(3) Fake News (economist)

(4) Fake News (unir)

(5) Fake News (mobil world capital)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-22)

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