naziometro1... und Rechtsentwicklung

Naziometroa ist eine regelmäßige Studie zum Thema Selbstbestimmung und Unabhängigkeit des Baskenlandes. In seiner letzten Umfrage sieht Naziometroa eine Zunahme reaktionärer Einstellungen in Euskal Herria. Zwei von drei Personen sind der Meinung, dass reaktionäre Einstellungen zugenommen haben, und eine Mehrheit hat diesen Trend in ihrem Umfeld beobachtet. Der ideologische Links-Rechts-Gegensatz ist laut Naziometroa ausschlaggebend für die Meinungen zu Geschlechter-Gleichstellung und Migration.

Naziometroa wird erstellt von Telesforo Monzon eLab / Euskal Herrigintza Laborategia. TM eLab setzt sich zusammen aus Personen mit unterschiedlichem politischem Hintergrund aus dem Umfeld der baskischen Linken. Absicht ist, einen qualitativen Beitrag in Bereichen zu leisten, die für die Verfassung eines baskischen Staates von strategischer Bedeutung sind.

TMeLab (1) und die EHU-Forschungsgruppe Parte Hartuz (2) stellten am 26. Mai 2025 die siebte Naziometroa-Studie (baskisch: Nation-Messung) vor, die auf einer im März 2025 unter 1.355 im Baskenland lebenden Personen durchgeführten Umfrage basiert. Die Studie zeigt eine Zunahme reaktionärer Positionen, insbesondere bei Themen im Zusammenhang mit Migrations-Bewegungen und Feminismus. Die Ergebnisse wurden auf einer Pressekonferenz im Bizkaia Aretoa (Uni Baskenland) bekannt gegeben, an der Estitxu Garai, Vizerektorin des Bizkaia Campus und Verantwortliche für Kommunikation der EHU, Malen Domínguez von Telesforo Monzon eLab, Arkaitz Fullaondo von der Forschungsgruppe Parte Hartuz und Asier Etxenike, Innovationsleiter des Bereichs Forschung und Innovation der Aztiker Soziologia Ikergunea (Soziologisches Institut) teilnahmen. (3)

In dieser siebten Ausgabe analysierte Naziometroa die Zunahme reaktionärer Einstellungen in der baskischen Gesellschaft, die Wahrnehmung der Migration und die Meinungen über einen denkbaren baskischen Staat. Unter den präsentierten Daten wurde hervorgehoben, dass 66% der baskischen Bevölkerung davon ausgehen, dass reaktionäre Einstellungen im Baskenland zugenommen haben. Konkret gaben 57% der Befragten an, solche Haltungen in ihrem Umfeld wahrgenommen zu haben. Diese Haltungen wurden insbesondere im Bereich der Migration und der kulturellen Vielfalt (61%) festgestellt, während an zweiter Stelle bestimmte Haltungen gegen die Gleichstellung der Geschlechter (33%) stehen.

Unterschiede je nach politischem Standpunkt

naziometro2Die Analyse der verschiedenen Variablen zeigt, dass reaktionäre Einstellungen im Baskenland nicht gleichmäßig verteilt sind, sondern sich auf spezifische soziale und ideologische Gruppen konzentrieren: auf die extreme Rechte, auf Positionen, die gegen das baskische Selbstbestimmungs-Recht gerichtet sind, und wie erwähnt, besonders auf Migrations- und Frauen-Themen. Im Gegensatz dazu gibt es keine signifikanten Meinungs-Unterschiede in den Bereichen Technologie und Wissenschaft. Bei der Frage nach den eigenen Positionen gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen sozialen und ideologischen Gruppen. So halten 15% der Personen, die sich zur radikalen Linken zählen, Migrationsrechte für "missbräuchlich", während es unter Ultrarechten 57% sind, die eine ähnliche Position vertreten. Auffällig ist, dass 52,3% der Personen, die sich selbst als "Zentrum" bezeichnen, dieselbe Position vertreten, und bis zu 35,8% der Personen, die sich als links bezeichnen, dieselbe Meinung einnehmen - zwischen 3 und 4 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10. (Möglicherweise diffreneziert die Studie genauer nach politischen standpunkten, der Artikel macht keine klaren Unterschiede zwischen links und linksradikal, sowie rechts und rechtsextrem – ein Manko.)

Bei der Gleichstellung der Geschlechter und bei denjenigen, die die Forderungen in diesem Bereich für überzogen halten, gibt es einen Unterschied zwischen 9% und 48% zwischen der radikalen Linken und der Ultrarechten, mit Zwischenpositionen (19,4%, 35,3% und 40,6%) auf der Skala von links nach rechts. Die ideologischen Positionen der Linken sind fortschrittlicher, sie befürworten eher eine Ausweitung der Rechte. Andererseits weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass die politische Rechte sozialen Forderungen generell kritischer gegenübersteht und eine konservative Haltung einnimmt, so die Autor*innen der Studie.

Aber nicht nur die Links-Rechts-Konstellation, auch die Position für oder gegen einen baskischen Staat steht in engem Zusammenhang mit dem Grad der Toleranz gegenüber sozialen Forderungen: Unter den Gegnern eines eigenen baskischen Staates hält eine Mehrheit (53,3%) die Forderungen in Bezug auf die kulturelle Vielfalt und die Rechte der Migrant*innen für übertrieben, ein Prozentsatz, der bei den Befürwortern eines baskischen Staates um fast zwanzig Prozentpunkte (34,4%) sinkt. Uanabhängigkeits-Sympathisant*innen sind also offener, weniger migrations-feindlich und an kultureller Vielfalt stärker interessiert. Insgesamt liegt der Prozentsatz der befragten Bevölkerung, die die Migrations-Forderungen für überzogen halten, bei 37,2%, fast dieselbe Ziffer, nämlich 36,5% sind gegenteiliger Meinung und halten die Forderungen für angemessen, 13,3% halten sie sogar für unzureichend.

Was die Gleichstellung der Geschlechter anbelangt, so sind die Unterschiede nicht so groß. Mit zunehmendem Alter steigt die Akzeptanz der Forderungen in diesem Bereich. Die die Forderungen für “übermäßig” halten, bewegen sich im Altersbereich von 30 und 44 Jahren, sie machen 32,1% aus. Andererseits gibt es erhebliche geschlechts-spezifische Unterschiede: Fast 50% der Männer halten die Migrations-Forderungen für "überzogen", während bei den Frauen nur 25%, also die Hälfte, diese Einschätzung teilen. Und was die Gleichstellung der Geschlechter betrifft, so sind die reaktionären Einstellungen, die die Forderungen in diesem Bereich für überzogen halten, bei Männern deutlich höher als bei Frauen: 33% gegenüber 19,5%.

Migration und Staatsbürgerschaft

Auf der anderen Seite sind 48% der Bevölkerung der Ansicht, dass Migranten eine grundlegende Rolle als Teil der Gesellschaft spielen sollten, während 26% der Meinung sind, dass Grenzen gesetzt werden müssen, und 20% einen noch restriktiveren Ansatz befürworten (Limitierung, Ausweisung). 6,3% spricht sich sogar dafür aus, die Einreise zu verbieten.

Auch bei der Staatsbürgerschaft gibt es unterschiedliche Auffassungen, aber die Mehrheit der Bevölkerung (60%) ist der Ansicht, dass das Leben und Arbeiten im Baskenland die wichtigste Voraussetzung dafür ist, Baske zu sein. Das Kriterium der Geburt wird nur von 21% als vorrangig angesehen. Das Kriterium der Geburt ist jedoch stärker ausgeprägt, wenn die Befragten eher dem rechten Flügel angehören (36% bei den rechtsextremen Befragten) und bei denjenigen, die stärker spanisch-nationalistisch eingestellt sind. Die baskische nationalistische Gesinnung (links und rechts) geht mit einer stärkeren Gewichtung des Kriteriums "hier leben und arbeiten" einher, wenn es darum geht, eine Person als Baskin / Basken zu betrachten. Von den Befürwortern des baskischen Staates halten 63% es für ausreichend, in Euskal Herria zu leben und zu arbeiten, während nur 14,6% das Kriterium der Geburt verteidigten. Bei den Gegnern des baskischen Staates ist die Frage der Geburt etwas ausgeprägter (17,8%), wenngleich immer noch in der Minderheit.

"Hier leben und arbeiten" wird von durchschnittlich 6,1% als ausreichend angesehen, um sich angemessen zu integrieren. 7,1% sind der Ansicht, dass es besser wäre, sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen, um als integriert angesehen zu werden. Diejenigen, die der Meinung sind, dass Migrant*innen sich nicht integrieren können, weil sie nicht hier geboren sind, gehören zu einer sehr kleinen Minderheit. Die Migrationspolitik sollte für 47% der Befragten in den Händen der lokalen Behörden sein, 30% finden es besser, diese Zuständigkeit in den Händen des Staates zu belassen.

Darüber hinaus sind die meisten Personen der Ansicht, dass die Weitergabe der baskischen Sprache Euskara und der Prozess des Erlernens der baskischen Sprache "viel" oder "etwas" zu verschiedenen Aspekten im Zusammenhang mit der Einwanderung beitragen (zwischen 52% und 60%). Insbesondere die Betrachtung, dass die Gesellschaft dadurch homogener werde, wird positiv bewertet (60 %). 52,2% sind der Ansicht, dass das Erlernen der basksichen Sprache eine antirassistische Wirkung hat, fast 40% denekn, dass das Euskara keine oder eine geringe Wirkung hat.

Zu den Faktoren, die den Rückgang der Verwendung des Baskischen beeinflussen können, gehört vor allem die Tatsache, dass Baskischsprecher kein Baskisch praktizieren (36 %). An zweiter Stelle stehen die Globalisierung der Freizeit (24%), die ausländische Einwanderung (24%) und das Fehlen einer vernünftigen Sprachen-Politik (21%).

Vor dem Hintergrund der Vielfalt von Herkunft und Kultur geht eine große Mehrheit (59%) davon aus, dass das Euskara und die baskische Kultur in ähnlicher Weise fortbestehen werden. Und es gibt mehr Personen, die denken, dass das Euskara und die baskische Kultur gestärkt werden (22%), als solche, die glauben, dass sie aufgrund der Vielfalt verschwinden werden (13%).

Mehr Unterstützung für einen baskischen Staat

naziometro3In Bezug auf die Fragen, die üblicherweise bei Naziometroa-Studien aufgeworfen werden, und auf die Frage nach dem Verfahren, das bei einer eventuellen Änderung des politischen Status angewandt werden sollte, geben 53% der Befragten einem Referendum den Vorrang, da es der geeignetste Weg zur Durchführung sei. Einunddreißig Prozent sind der Meinung, dass die Entscheidung bei den Regional-Parlamenten liegen sollte, und 21 Prozent meinen, dass die Entscheidung in den Parlamenten der beiden betroffenen Staaten getroffen werden sollte.

Was die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen baskischen Gebieten angeht (Euskadi, Nafarroa, Iparralde), so wünschen sich 37% der Befragten mehr interterritoriale Beziehungen, weitere 21% wünschen sich gemeinsame Einrichtungen und 30% befürworten den Status Quo. Mehr Beziehungen werden insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Wirtschaft gewünscht. So ist der Wunsch, diese Beziehungen im Bereich der Gesundheitsdienste auszubauen, besonders wichtig (67%). Es folgen die Bildung (60,3%), die wirtschaftlichen Beziehungen (60,9%) und die kulturellen Beziehungen (58,5%). In geringerem Ausmaß als die vorhergehenden, aber ebenfalls stark befürwortet wird auch eine gemeinsame Förderung des Euskara (49,5%).

Die Befürwortung eines eigenen baskischen Staates nahm zu: 38,5% sprachen sich dafür aus, während die gegenteilige Position auf 26,5 % fiel (der niedrigste Wert in der bisherigen Studien-Reihe). Rund 35% haben noch keine feste Meinung oder würden sich der Stimme enthalten. Es besteht auch der Wunsch nach mehr Kompetenzen für das Baskenland: 44% sind der Meinung, dass die derzeitigen Kompetenzen erweitert werden sollten. Für 33% ist die aktuelle Situation ausreichend, nur eine kleine Minderheit spricht sich für eine weitere Zentralisierung aus. Somit ist die Verteidigung des Entscheidungs-Rechts der baskischen Gesellschaft ist eindeutig: 66,3% sind der Meinung, dass sie das Recht haben sollten, über ihre politische Zukunft zu entscheiden, und 62,7% sind der Meinung, dass der spanische oder französische Staat das Referendum, das einen lokalen Konsens fördern würde, akzeptieren sollte.

Für die Unabhängigkeit gibt es keine gesellschaftliche Mehrheit, die gegenteilige Position ist ebenfalls nicht mehrheitsfähig. Die Positionen für und gegen die Unabhängigkeit waren über die gesamte Studienreihe hinweg ziemlich stabil. Die Ablehnung liegt bei etwa 42 bis 43%, die Befürwortung der Unabhängigkeit zwischen 22 und 25%. Eine weitere Schlussfolgerung der Studie ist, dass die Position der Befürworter eines baskischen Staates zunimmt: 38,5% sind für den baskischen Staat, während die Position der Gegner des baskischen Staates auf 26,5% sinkt (der niedrigste Wert in der gesamten Reihe). Etwa 35% haben noch keine feste Meinung oder würden sich der Stimme enthalten (diese Gruppe nimmt zu).

ANMERKUNGEN:

(1) Telesforo Monzon eLab / Euskal Herrigintza Laborategia (LINK)

(2) Parte Hartuz (Teilnehmen) ist eine Studiengruppe der baskischen Universität EHU, Euskal Herriko Unibertsitatea (LINK)

(3) “Aumento de las actitudes reaccionarias en Euskal Herria”, Tageszeitung Gara, 2025-05-26 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Naziometro (TM eLab)

(2) Naziometro (TM eLab)

(3) Parte Hartuz (parte hartuz)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2025-05-26)

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