Bloss weg hier!
Weil alle anderen Reiseziele schon derart überlaufen sind, dass sogar hartgesottenen Touristen die Lust vergeht, zieht die Reisebranche die letzten Register und zündet die vorletzten Raketen. Ein Reisebüro in Transsibirien bietet seit Kurzem Tripps in die Hölle unter dem Motto: Schließlich war schon bei Dante, die Hölle das Interessante. Vorerst beschränkt sich das Angebot auf Tagesausflüge bei 45 Grad Hitze. Später sollen auch Wochenangebote hinzukommen, Begegnungen mit Höllenpersonal inklusive.
Auf der Suche nach neuen, unberührten und spektakulären Reisezielen hat sich die Arktis-Insel Grönland zu Wort gemeldet. 200.000 Dollar sollen ein Wochenaufenthalt kosten, ein Eliten-Konzept, das von Branchen-Insidern als “garantiert massenfrei“ bezeichnet wird.
(2025-02-19)
IM NAMEN DES MASSEN-TOURISMUS
Entlang der mehr als 8.000 km langen spanischen Küste gibt es zahlreiche Fälle von gigantischer Umwelt-Zerstörung. Alles im Namen des Massentourismus, der vor keinem grünen Flecken Halt macht. Eines der schlimmsten Beispiele ist das illegale Hotel am Strand von El Algarrobico am östlichen Teil der andalusischen Küste (Carboneras, Almería), einer der größten städtebaulichen Skandale der Küste. Das Hotel steht gerade einmal 14 Meter vom Meer entfernt, obwohl vom Gesetz 100 Meter vorgeschrieben sind. Die verschiedenen beteiligten Verwaltungen, insbesondere der Stadtrat von Carboneras und die ehemalige andalusische Regionalregierung, haben den Bau dieses monströsen 21-stöckigen Hotels mit 411 Zimmern in einem der wenigen unbebauten Gebiete an der westlichen Mittelmeerküste zugelassen: mitten im Naturpark Cabo de Gata-Níjar. Um ein paar Tausend jämmerliche und unkritische Touristen anzulocken ist in diesem Geschäft jedes Mittel recht.
Obwohl ein Urteil des Obersten Gerichtshofs im Februar 2016 bestätigte, dass das Hotel aufgrund der Passivität der zuständigen Behörden illegal inmitten des Naturparks gebaut wurde, besagte ein neues Urteil desselben Gerichts Ende 2022, das Land sei bebaubar, weil das Rathaus von Carboneras dem Urteil, das zur Änderung seines Bebauungsplans verpflichtet, nicht nachgekommen ist. Greenpeace klagte weiter vor Gericht, um sicherzustellen, dass dieses gigantische Bauwerk von der Küste verschwindet. Dies zu veranlassen hat die spanische Regierung im Februar 2025 nun beschlossen.
El Algarrobico in Zahlen
Der riesige Komplex hat 21 Stockwerke mit 411 Zimmer, ist wie gesagt nur 14 Meter vom Meer entfernt, zum Projekt gehörten ursprünglich weitere 7
Hotels. Sieben Mal hat Greenpeace auf der Baustelle des nie fertig gestellten Hotels interveniert, mehr als 40 Gerichtsurteile haben die Rechtswidrigkeit des Projekts bestätigt. Im Jahr 2005 wurde der Bau gestoppt und der sofortige Abriss angekündigt. Dies ist bisher nicht geschehen.
Warum ist es illegal?
Weil es sich innerhalb des Naturparks Cabo de Gata befindet, auf Land, das nicht bebaut werden darf. Weil es nur 14 Meter von der Meeresküste entfernt gebaut wurde, was gegen das Küstengesetz verstößt. Es wurde gebaut, weil alle andalusischen Behörden seit 50 Jahren korrupt sind und sich einen Dreck um geltende Regeln kümmern. Um Naturschutz am allerwenigsten, das wird auch am Beispiel des Feuchtgebiets und Naturschutzgebietes Doñana deutlich.
Warum steht es noch?
Trotz der Gerichtsurteile, die die Rechtswidrigkeit der Anlage belegen, bleiben die zuständigen Behörden passiv und halten ihre Versprechen nicht ein. Mit politischem Willen und echtem Interesse der beteiligten Verwaltungen könnte der Abriss des Hotels jederzeit durchgeführt werden, meinte Greenpeace vor Kurzem noch, jetzt soll es so weit sein. Laut einer von der Umwelt-Organisation in Auftrag gegebenen Studie werden durch den Abriss und die anschließende Wiederherstellung der Umgebung rund 400 Arbeitsplätze geschaffen. (baskultur)
(2025-01-27)
AUTOBAHN ZUM EVEREST
Endlich: Eine neue Straße bringt den Mount Everest in Nepal dem Massen-Tourismus näher. Bereits jetzt fliegen jede Saison 6.000 Touristen-Hubschrauber über den höchsten Gipfel der Erde. Doch die Eröffnung einer Landstraße zur Everest-Region, die lange Zeit nur über einen beschwerlichen Flug zu einer prekären Landebahn oder eine wochenlange Wanderung erreichbar war, hat die Route zum Dach der Welt für immer verändert. Diese neue Straße ist gleichzeitig ein Warnsignal vor der drohenden Massifizierung der Gegend. Am 4. Januar 2025 wurde Verbindung von Kathmandu in die Region eröffnet, in der sich der Mount Everest (8.848,86 Meter) befindet, Ausgangspunkt unzähliger Trekkingtouren, die den ursprünglich idyllischen Ort versauen.
Die 64 Kilometer lange Straße, die sich durch endlose Berge schlängelt, verbindet die Hauptstadt mit der kleinen Stadt Surkhe, die als Tor zum Everest dient, erklärte der Verwaltungschef der Gemeinde Khumbu Pasang Lhamu gegenüber EFE. Bislang konnte diese Strecke nur mit dem Flugzeug gemacht werden, mit Mehrkosten verbunden, oder mit einem einwöchigen Fußmarsch. Solche Unannehmlichkeiten schrecken nicht nur potenzielle Besucher ab, sie haben auch Auswirkungen auf die örtliche Bevölkerung, die mit ansehen muss, wie diese logistische Herausforderung die Preise für Waren auf den lokalen Märkten in die Höhe treibt. Eines der deutlichsten Beispiele ist der Preis für eine Gasflasche: Während sie in Kathmandu etwa 15 Dollar kostet, kann sie in der Everest-Region für 75 Dollar, also das Fünffache, verkauft werden. Der Anstieg ist auf Transport-Schwierigkeiten zurückzuführen. Vor der neuen Route mussten die Waren mit Lasttieren (Yaks und Maultiere) transportiert werden. Stattdessen können Autos und Lastkraftwagen die Strecke nun in 15 Stunden zurücklegen, wodurch die Lieferungen erschwinglicher werden.
“Das wird unser Leben einfacher machen“
Das sind Vorteile für die lokalen Geschäftsleute, die neben niedrigeren Preisen für ihre Produkte auch mit einem Anstieg des Tourismus in der Region rechnen. “Die Straße wird uns das Leben leichter machen“, sagte Jangmu Sherpa, Besitzer einer Herberge an der Everest-Route. Nach Angaben von Tourismus-Unternehmern könnte sich die Zahl der Besucher in naher Zukunft verzehnfachen, von 50.000 auf 500.000 Touristen pro Jahr.
Dieser Anstieg werde jedoch hauptsächlich auf einen Boom im lokalen Tourismus zurückzuführen sein, sagte Sherpa, der bezweifelt, dass viele Ausländer bereit sein werden, 15 Stunden ihrer Zeit zu opfern, um Lukla auf dem Landweg zu erreichen, wenn es mit dem Flugzeug weniger als 30 Minuten dauert. Diejenigen, die sich dennoch für einen Flug entscheiden, haben die Möglichkeit, auf einem der extremsten Flughäfen der Welt zu landen.
Der Flugplatz Tenzing-HiIllary liegt auf einer Höhe von 2.843 Metern in den Bergen und verfügt über eine 527 Meter lange, schräge Landebahn, die an einer tiefen Felswand endet und den Piloten wenig Spielraum lässt. Aufgrund seiner beschränkten Diemnsion kann er nur von kleinen Flugzeugen angeflogen werden, die für die 138 Kilometer von Kathmandu nach Lukla etwa 25 Minuten benötigen. Der Bau des Flughafens geht auf das Jahr 1964 zurück und wurde vom Himalayan Trust finanziert, einer Wohltätigkeits-Organisation, die 1964 von dem neuseeländischen Bergsteiger Edmund Hillary gegründet wurde, der zusammen mit dem Nepalesen Tenzing Norgay 1953 die Erst-Besteigung des Everest dokumentierte.
Der Flughafen brachte diese abgelegene Region näher an den Rest Nepals heran und förderte ihre Entwicklung. Sechs Jahrzehnte später ist er nach wie vor ein wichtiges Drehkreuz für die Region, aber sein Betrieb ist oft gestört, vor allem im Winter, so dass jedes Jahr Hunderte von Touristen festsitzen und es zu Lebensmittelengpässen kommt.
Zweifel an den ökologischen Auswirkungen
Obwohl die neue Straße die starke Abhängigkeit vom Flugverkehr beenden könnte, haben einige Umweltschützer Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Straße auf das empfindliche Ökosystem des Himalaya geäußert. “Massentourismus hat in einer so empfindlichen Umwelt sicher seine Konsequenzen“, sagte der Umweltaktivist Pasang Sherpa. (baskultur)
(2025-01-24)
RASSISMUS IM TOURI-HOTEL
Dass ein Hotel mit rassistischen Methoden verwaltet wird, wissen die ankommenden Tourist*innen selbstverständlich nicht. Vermutlich interessiert sie das auch nicht, schließlich wollen sie nur saubere Betten, ein gutes Frühstück und dass an der Rezeption 20 Sprachen gesprochen werden. Doch nicht erst seit die Kellys ihre Stimme erhoben haben, könnten alle wissen, dass sich hinter den Fassaden und freundlichen Tönen knallharte Ausbeutung und Prekarität verbirgt. Deshalb wurde der Eingang des Radisson Hotels in Bilbao nach mehreren Beschwerden wegen Rassismus desinfiziert – eine symbolische und satirisch anmutende Aktion versteht sich, denn gegen Rassismus und Faschismus ist kein Heilkraut gewachsen, nicht einmal die Pharma-Industrie hat auf diesem gebiet Fortschritte erzielt.
Zur Sache: Ein Hotel-Angestellter Angestellter mit Migrations-Hintergrund (wie es im neudeutschen Akzeptanz-Jargon heißt) hat öffentlich deutlich gemacht, man habe ihn zwingen wollen, alle zwei Stunden zu duschen, weil er angeblich “schlecht roch“. (Sollte er etwa Knoblauch gegessen haben wie der Schreiber dieser Zeilen?!). Deshalb organisierte die links-nationalistische Gewerkschaft LAB auf der Prachtstraße Bilbaos, der Gran Vía, in eine antirassistische Aktion: das Radisson-Hotel (bitte Namen notieren!) wurde “desinfiziert“ und “gereinigt“, nachdem die Gewerkschaft erfahren hatte, dass ein weder im Baskenland noch im spanischen Staat geborener Arbeitnehmer rassistische Kommentare zu hören bekommen und mit ebensolchen Praktiken seiner Vorgesetzten konfrontiert war.
“Hier stinkt es nach Rassismus“, ließ die Gewerkschaft verlauten, Gewerkschaft-Aktivist*innen mit Anzügen, Masken und Besen bestückt machten sich daran, den Eingang des Hotels zu “desinfizieren“. Der Fall des Hotel-Angestellten ist hanebüchen, seine Vorgesetzten versuchten ihn dazu zu zwingen, “alle zwei Stunden zu duschen“, weil er angeblich schlecht rieche. “Von LAB warnen wir davor, dass sich solche Praktiken im Baskenland weiter ausbreiten könnten, wenn wir dem nicht einen Riegel vorschieben“.
Die Gewerkschaft meldete den Vorfall dem Unternehmen, das sich jedoch weigerte, Sanktionen zu verhängen oder in Übereinstimmung mit dem Gesetz zu handeln. Aus diesem Grund hat die Gewerkschaft für den 27. Januar eine weitere Aktion vor dem Hotel angekündigt, um auf die rassistischen Arbeitspraktiken dieses und anderer Unternehmen hinzuweisen. Denn, so die Gewerkschaft: “Der Arbeits-Rassismus ist an vielen Arbeitsstellen präsent und im Baskenland leider an der Tagesordnung“. Mit solchen antirassistischen Gewerkschafts-Aktionen sollen deutlich gemacht werden, dass Migranten, unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrer demografischen Herkunft oder ihrer administrativen Situation “Arbeitsrechte haben, die bedingungslos respektiert werden müssen“. Auch Tourist*innen sollten sich den Namen hinter die Ohren schreiben: RADISSON – mit RA wie Rassistisch! (ecuador etxea)
(2025-01-11)
EIN DORF IM NIEDERGANG
Weder das kunstvolle Comillas in Kantabrien noch malerische Ribadesella in Asturien: Das schönste Küstenstädtchen Spaniens, das ausgerechnet bei britischen Touristen enorm beliebt ist, hat 1.800 Einwohner*innen. Ein Artikel in einer angesehenen britischen Zeitung hat die Attraktivität von Mundaka hervorgehoben, Surf-Ort im Biosphären-Reservat Urdaibai.
“Ein hübsches Küstenstädtchen mit einer reichen maritimen Geschichte“. So beginnt der Artikel, den die britische Zeitung Express Mundaka gewidmet hat, das als einer der schönsten Orte im Staat gilt. Das renommierte Medium hat die Attraktivität der Bizkaia-Gemeinde hervorgehoben und empfiehlt den Reisewilligen des Vereinigten Königreichs, Mundaka in ihre Reisepläne für 2025 aufzunehmen. Willkommen zum Massen-Tourismus.
Die Publikation hebt hervor, dass Mundaka, eingebettet in ein Naturschutzgebiet, “ein charmantes Küstenstädtchen im Baskenland ist, das vor allem für seine natürliche Schönheit, seine reiche Kultur und seine weltbekannte Surfszene berühmt ist“ und bereits mehrfach von National Geographic zum schönsten Küstenort des Staates gewählt wurde.
Die Zeitung hebt das Surfen als einen der größten Schätze der Stadt hervor: “Dieser wunderschöne Ort beherbergt eine der besten linksbrechenden Wellen der Welt, was ihn zu einem Mekka für Surfer macht. Die Welle befindet sich an der Mündung des Flusses Oka und ist berühmt für ihre Qualität, die Profisurfer aus der ganzen Welt anzieht“.
Hervorgehoben werden auch die beeindruckenden Ausblicke auf den Golf von Bizkaia und die Berge hervor, die die Gemeinde prägen, und lädt dazu ein, “die natürliche Schönheit der Gegend zu erkunden“. Nicht zu vergessen die engen Gassen des historischen Viertels und des Hafens sowie die Gastronomie. Die Publikation empfiehlt, die frischen Meeresfrüchte und die Pintxos zu probieren. Diese werden als “kleine, tapas-ähnliche Snacks“ beschrieben.
Zum allem Übel: Tripadvisor
Der Artikel spiegelt auch die Bewertungen britischer Reisender wider, die die Stadt besucht und ihre Erfahrungen auf Plattformen wie Tripadvisor hinterlassen haben. “Wenn man ins Baskenland reist (und das sollte man), sollte man ein paar Zwischenstopps zwischen den großen Städten einlegen, Mundaka ist eine davon, selbst wenn man nicht surft“, schrieb eine Person.
“Die Aussicht ist wunderschön und die Menschen sind sehr freundlich (bisher jedenfalls). Der Strand ist wunderschön und es lohnt sich auf jeden Fall, einen Tag dort zu verbringen. Wenn man surft, vielleicht sogar ein bisschen länger“, schrieb ein anderer Tourist aus Great Britain. Eine andere Person erinnerte sich, dass das Wetter nicht immer gut war. “Die Foto-Möglichkeiten waren hervorragend, aber das Wetter war lausig! Trotz des Regens genossen wir dieses kleine Fischerdorf und aßen in einem hübschen Café direkt neben dem kleinen malerischen Hafen von Mundaka zu Mittag.
“Kommenden Sommer werden wir die Folgen des Artikels erleben“, meint ein Anwohner, der den Namen seines Heimatdorfes am liebsten von der Landkarte streichen würde. „Dazu wollen sie uns in Gernika und Murueta zwei neue Museen hinstellen, um Zehntausende anzulocken. Bisher hatten wir trotz der Surfer ein relativ ruhiges Leben, womöglich werden wir bald zu einem der meistfotografierten Abenteuerparks des Baskenlandes. Verfluchte Scheiße!“
(2024-12-03)
MASSEN-TOURISMUS IN GALICIEN
In drei Gemeinden der Region Galicien gibt es bereits mehr Betten in Beherbergungs-Betrieben als gemeldete Einwohner*innen - die Rede ist von den Gemeinden Sanxenxo, Barreiros und Portomarín, in denen vor allem die von pribvater seite angebotenen Touristen-Wohnungen wuchern. Sanxenxo liegt mit 185 Betten pro 100 gemeldeten Einwohnern ganz weit vorne. In Santiago de Compostela wurde ein Treffen gegen den Massentourismus einberufen: "Er überschwemmt uns, dringt ein und zerstört unser Erbe".
Es hat länger gedauert als in anderen spanischen Regionen, aber der Massentourismus ist in Galicien angekommen, motiviert durch sein Klima, seine Landschaften und seine Gastronomie, und das in rasantem Tempo. Der Jakobsweg, die Küste und die sieben wichtigsten Städte erleben Jahr für Jahr, wie die Zahl der Besucher sprunghaft ansteigt und wie sich ihre Einwohner*innen auf die Nachfrage der Touristen einstellen, indem sie ihre Häuser als Unterkünfte anbieten: die so genannten VUTs (Vivienda de Utilización Turística). In drei Gemeinden gibt es mehr Betten-Angebote wie Einwohner*innen. Das Phänomen der Touristenunterkünfte ist von solchem Ausmaß, dass es in Galicien bereits 47% des gesamten Unterkunfts-Angebots ausmacht.
Nach Angaben der Tageszeitung Faro de Vigo gibt es jedoch einige Enklaven, in denen diese Konzentration extrem hoch ist. In Sanxenxo / Pontevedra sind es 185 Betten pro 100 Einwohner*innen, und in den Gemeinden Barreiros und Portomarín in Lugo liegt die Zahl bei 146 bzw. 118 Betten pro 100 Ew. Dicht darauf folgen die Gemeinden O Grove (99), Triacastela (98) und Mondariz-Balneario (93), wo die Zahl der Angebote und die Einwohnerzahl etwa gleichauf liegen.
Sanxenxo schlägt alle Rekorde: 32.600 Betten bei 18.000 Einwohnern
“Es ist nicht verwunderlich, dass der paradigmatischste Fall der von Sanxenxo ist, der Gemeinde mit den meisten Wohnungen für touristische Zwecke in der gesamten autonomen Region, "seit dem Moment, als diese Art von Unterkunft geregelt und genehmigt wurde."
Mit fast 16.000 Unterkünften dieser Art, die zu den Hotels (9.146) und den restlichen Herbergen, Campingplätzen, Landhäusern usw. hinzukommen, verfügt die Gemeinde über insgesamt 32.600 Unterkünfte für den Tourismus, dagegen machen sich 18.000 Bewohner*innen eher bescheiden aus. Mit einem Marktanteil von 11% ist es die Gemeinde mit dem größten Angebot in Galicien. In Barreiros (Lugo) gibt es 4.414 Unterkünfte im Vergleich zu 3.020 Ew und in Portomarín sind es etwa 1.600, im Vergleich zu 1.350 Ew. (Telecinco)
(2024-11-24)
DAS ENDE VON AIRBNB IN BARCELONA
Die neue Stadtregierung von Barcelona hat entschieden, die Lizenzen für Tourismus-Wohnungen, die im Jahr 2028 auslaufen, nicht zu verlängern. Diese radikale Entscheidung würde das Aus bedeuten für Airbnb und andere Vermietungs-Plattformen in der katalanischen Hauptstadt. Der Bürgermeister Jaume Collboni reagierte auf Kritik von Airbnb: "Die Entscheidung, Touristen-Wohnungen zu streichen, steht fest. Barcelona kann es sich nicht leisten, Wohnungen zu haben, die ausschließlich für touristische Aktivitäten genutzt werden."
Collboni bestätigt, dass "unsere Entscheidung, die Touristen-Wohnungen in Barcelona abzuschaffen, fest steht". In einem offenen Brief reagierte der Bürgermeister auf die jüngsten Anstrengungen von Airbnb, mit denen das Unternehmen darauf drängt, dass die neue Verordnung nicht umgesetzt wird. Zudem Will die Stadt konsequenter gegen illegale Touristen-Wohnungen vorgehen.
Die Plattform erklärte, dass "die Beschränkungen gegen Touristen-Unterkünfte, die in Barcelona in den letzten zehn Jahren eingeführt wurden, nicht dazu beigetragen haben, dass das Wohnungs-Problem für Einheimische und das des Massentourismus zu lösen". Deshalb drängt Airbnb darauf, die Pläne von Barcelona und Madrid zu kippen.
Collboni betont jedoch, dass "Barcelona sich keine Wohnungen leisten kann, die ausschließlich dem Tourismus gewidmet sind, während es einen Angebotsmangel auf dem allgemeinen Mietmarkt gibt, der die Mietpreise vervielfacht hat". Daher hält er an seinem Plan fest, die 10.000 Lizenzen, die im November 2028 auslaufen, nicht zu verlängern.
Ziel sei es, "diese Wohnungen wieder dem Wohnungsmarkt zuzuführen", heißt es in dem Schreiben, was "mehr als 25.000 Bürgern direkt zugute kommen wird". Für den Bürgermeister ist es "eine Frage des Prinzips und der Verantwortung angesichts einer Wohnungskrise dieses Ausmaßes". Aus diesem Grund "muss der einheimischen Wohn-Nutzung Vorrang vor der touristischen Nutzung eingeräumt werden".
"Die Entscheidung, die Touristen-Wohnungen abzuschaffen, ist auch eine Absichtserklärung angesichts der Folgen, die die sogenannten Plattform-Ökonomien für die Stadt haben. Der Mangel an angemessenem und erschwinglichem Wohnraum ist ein Problem für alle, der Stadtrat setzt sich jetzt für Lösungen ein", so der Bürgermeister.
(2024-11-22)
NEUE TOURISMUS-KONZEPTE, HÄNDERINGEND
Die Kritik am anti-ökologischen und anti-sozialen Massen-Tourismus ist längst in der T-Industrie angekommen. Hinter den Kulissen laufen die Hirne heiß, um “neue“ Konzepte zu entwickeln und die Profite aufrecht zu erhalten. Eines der Zauberworte bei dieser Suche lautet “regenerativer Tourismus“ … und was soll das bitteschön sein? Die Webseite “Monte Holiday Eco-Turismo“ klärt uns auf: “Diese Art von Tourismus geht in der Welt der Nachhaltigkeit noch einen Schritt weiter. Er wird definiert als ein Tourismus, der negative Auswirkungen auf die Reiseziele zu vermeiden sucht und gleichzeitig darauf abzielt, die lokalen Ressourcen zu verbessern und zu regenerieren und zu einer gerechten Verteilung des lokalen Einkommens beizutragen. Mit anderen Worten: Regenerativer Tourismus zielt darauf ab, den natürlichen Zustand eines Gebiets zu verbessern, das heißt, es besser zu hinterlassen, als wir es vorgefunden haben.“ Wenn das so ist – nichts wie rein ins Flugzeug und ab die die Südsee, absolut regenerativ, versteht sich!
Auch beim kürzlich durchgeführten Kongress in Sevilla wurde nicht nur darüber diskutiert, welche bisher verschonten Gebiete dem Massen-Tourismus geopfert werden könnten. Auch hier ging es um Schadensbegrenzung und die Suche nach neuen Tricks, die alte Kundschaft bei Laune zu halten. Die Tourismusbranche konzentriert sich auf die Verringerung ihres CO2-Abdrucks und den Schutz der Umwelt durch die Nutzung erneuerbarer Energien und Praktiken der Kreislaufwirtschaft. Durch Initiativen wie die Reduzierung von Einwegplastik und die Installation von Ladestationen für Elektrofahrzeuge soll sich der Tourismus in Richtung Kohlenstoff-Neutralität und Erhaltung der Ökosysteme bewegen.
Regenerativer Tourismus zielt nicht nur auf die Minimierung der Umwelt-Auswirkungen ab, sondern auch auf die Schaffung positiver Werte in den lokalen Gemeinschaften, wobei das Wohlbefinden der Einwohner und die Nachhaltigkeit der Reiseziele im Vordergrund stehen. Ein verantwortungs-bewusstes Management der Tourismusströme und ein Engagement für Qualität statt Quantität sollen es den Reisezielen ermöglichen, auf ausgewogene und verantwortungsvolle Weise zu wachsen. Hört sich richtig gut an, aber wo ist da der Haken?
Die Touristen von heute suchen authentische und transformative Erfahrungen, die sie mit der lokalen Kultur und Umwelt verbinden, im Gegensatz zum traditionellen Massen-Tourismus. Dieser Trend, der von den jüngeren Generationen und den “Digital Natives“ vorangetrieben wird, führt zu einer Neugestaltung des Tourismus-Angebots für diejenigen, die bei ihren Reisen Wert auf persönliches Wachstum und Authentizität legen. Gehobene Mittelklasse, Jahreseinkommen 80.000 und mehr. Inklusion und Barrierefreiheit sind heute im Tourismus unerlässlich und berücksichtigen die Bedürfnisse von Reisenden mit Behinderungen und unterschiedlichen Gruppen wie der LGBTQ+-Community. Die Branche reagiert auf diese Anforderungen mit einer inklusiven Infrastruktur und Dienstleistungen, die ein gleichwertiges Reiseerlebnis für alle Zielgruppen gewährleisten sollen.
Die Überfüllung bestimmter Reiseziele hat die Entwicklung digitaler Strategien vorangetrieben, die die Touristenströme auf weniger besuchte Gebiete verteilen. Initiativen wie „Madrid 7 Tage, 7 Erlebnisse“ sollen zu längeren Aufenthalten und vertieften kulturellen Erlebnissen anregen und einen ausgewogeneren Tourismus fördern, der der lokalen Wirtschaft zu Gute kommt. Neue Kooperationsstrukturen und der Einstieg von Risikokapital in den Sektor fördern Innovation und Effizienz. Flexible Partnerschaften zwischen Hotelunternehmen und der Aufstieg von Tourismus-Start-ups revolutionieren das traditionelle Geschäftsmodell mit Initiativen, die personalisierte und nachhaltige Erlebnisse unter Einsatz von KI und anderen technologischen Ressourcen beinhalten. Der Besucheransturm in bestimmten Reisezielen hat die Entwicklung digitaler Strategien vorangetrieben, mit denen die Touristenströme auf weniger besuchte Gebiete verteilt werden sollen.
Die Tourismusbranche stellt sich der Herausforderung des Klimawandels – der Witz des Jahres! … indem sie nachhaltige und widerstandsfähige Reiseziele schafft. Die Saisonabhängigkeit wird strategischer gehandhabt, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren und einen verantwortungsvollen ganzjährigen Tourismus zu fördern, der die lokale Wirtschaft ankurbelt, ohne das Ökosystem zu beeinträchtigen. Vielfalt und Integration in den Tourismusteams sind der Schlüssel zur Verbesserung des Kundenservices und zur umfassenden Berücksichtigung der Bedürfnisse des globalen Marktes. Die Branche arbeitet daran, die Kluft zwischen den Geschlechtern in Führungspositionen zu schließen, und fördert Schulungen zur kulturellen Vielfalt, um ein Umfeld zu schaffen, das sein Publikum besser repräsentiert und versteht.
(2024-11-09)
DER TOURISMUS IST POSITIV FÜR 50% IN BILBAO
Die Hälfte der Einwohner von Bilbao sieht die Ankunft von Touristen in der Stadt als positiv an - nur 13% der Einheimischen betrachten ihre Anwesenheit als negativ, ein Prozentsatz, der sich im Fall von San Sebastian verdreifacht – 39% negativ.
Das Jahr 2024 verspricht, ein Rekordjahr für den Tourismus im Baskenland zu werden. Zwischen Januar und September stieg die Zahl der Besucher im Vergleich zum Vorjahr um 4%, wobei die Zahl der internationalen Touristen um 7% zunahm. Der Sektor ist zu einer der wichtigsten Triebkräfte der baskischen Wirtschaft geworden. Neun von zehn Basken halten den Tourismus für eine tragende Säule für die Entwicklung der Wirtschaft und der Beschäftigung im Baskenland. Dies geht aus dem jüngsten Bericht über “Touristische Gewohnheiten und Wahrnehmung des Einreiseverkehrs“ hervor, der von der baskischen Regierung veröffentlicht wurde.
Die Enfokatur-Studie analysiert die Sorgen der Basken im Hinblick auf die Touristen-Ankünfte. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Gebieten sind überwältigend. In Bilbao hält mehr als die Hälfte der Einwohner (53%) die Anwesenheit von Besuchern für einen positiven Faktor im täglichen Leben der Stadt. Nur 13% der Bürger sind dagegen, eine Zahl, die sich in San Sebastián verdreifacht hat, wo die Überfüllung einiger Stadtteile durch Touristen Hunderte von Menschen dazu veranlasste, auf den Straßen der Hauptstadt von Gipuzkoa zu demonstrieren, um einen “Rückgang des Tourismus“ zu fordern. In Vitoria-Gasteiz ist die Einschätzung der Bevölkerung sogar noch besser als im Fall von Bilbao. Sechzig Prozent der Bevölkerung sehen die Ankunft der Touristen als positiv an, gegenüber 4%, die das als negativ empfinden.
Das von Javier Hurtado geleitete Ministerium für Tourismus, Handel und Verbraucher-Angelegenheiten räumt jedoch eine “wachsende Tendenz“ des Unbehagens über die Ankunft von Touristen im Baskenland ein. Der sozialdemokratische Abgeordnete Aroa Jilete hat in der Plenarsitzung der Regierung versichert, dass sich das Ministerium der “Spannungen im Zusammenleben“ bewusst ist, die sich aus dem Rekordwachstum des Sektors ergeben. Der Bericht, der sich auf eine Umfrage unter 1.593 Basken über 18 Jahren stützt, konzentriert sich genau auf die Wahrnehmung, wenn es in einem Gebiet zur Überfüllung mit Touristen kommt.
Während im letzten Jahr 15% der Basken zugaben, dass sie mit dem Überfluss an Touristen in unseren Straßen nicht einverstanden sind, ist der Prozentsatz in diesem Jahr auf 27% gestiegen. Doch wie schon zuvor sind auch in diesem Kapitel deutliche Unterschiede zu beobachten. In Bilbao lehnen nur 24% der Bürger dieses Szenario ab, in Gipuzkoa 58% und in Alava 15%. “Wir sind uns des Paradigmenwechsels bewusst, den der Tourismus herbeigeführt hat, und wir sind uns bewusst, dass die Besorgnis wächst“, sagte der Stadtrat Javier Hurtado. Der Gemeindevorsteher wies darauf hin, dass es zur “Bekämpfung der negativen externen Effekte“ des Sektors notwendig sei, “das neue Tourismus-Gesetz umzusetzen, um die Kontrolle der Touristen-Wohnungen zu verstärken“ und eine Steuer auf Touristen-Übernachtungen einzuführen.
Baskische Gewohnheiten
Der Bericht analysiert auch die Reisegewohnheiten der Basken. Er zeigt, dass fast 70% der Bevölkerung ihre Stadt mindestens einmal im Jahr für eine Woche verlassen, wobei die Basken zwischen 30 und 39 Jahren die Liste derjenigen anführen, die am häufigsten im Jahr verreisen (48%). Auch Reisen mit einer oder zwei Übernachtungen sind bei baskischen Reisenden üblich. Die Hälfte der Bevölkerung verreist mindestens einmal im Jahr.
Und wie reisen sie, allein oder in Begleitung? Nun, die meisten nehmen jemanden mit auf ihre Reisen. 36,8% der Befragten geben an, dass sie mit ihrer Familie und 36,3% mit ihrem Partner in den Urlaub fahren. Nur 3,9% gaben an, allein zu verreisen.
Was die Zweitwohnungen betrifft, so schätzt das Ministerium für Tourismus, Handel und Verbraucher-Angelegenheiten, dass drei von zehn Basken eine solche Immobilie für ihren Urlaub besitzen. Offiziellen Angaben zufolge gibt es im Baskenland 215.000 Wohnungen, die als solche klassifiziert sind. In den Städten Bilbao und Vitoria sind sie weiter verbreitet als in anderen Gebieten. In der Tat räumten 37% der Einwohner der Hauptstadt Bizakaias ein, zumindest einen Teil ihrer freien Tage in ihrer Zweitwohnung zu verbringen. (ELCO)
(2024-11-05)
50% DER FERIENWOHNUNGEN ILLEGAL
Mehr als die Hälfte der Ferienwohnungen auf Mallorca ist wahrscheinlich illegal - Der Inselrat analysiert ab sofort in Echtzeit das bestehende Angebot. Ferienvermietung in der Altstadt von Palma ist immer noch verbreitet, obwohl sie längst illegal ist. Gleichzeitig existiert eine Wohnungsnot wie nie zuvor. Das Angebot ist knapp, die Preise sind für Normalverdiener*innen viel zu hoch.
Der Inselrat von Mallorca versucht nach und nach, der illegalen Ferienvermietung auf der Insel Herr zu werden. Dafür wollen die Verantwortlichen nun das bestehende Angebot an Ferienwohnungen und -häusern ständig analysieren und die illegalen Angebote schneller herausfiltern. Wie der Tourismusdezernent des Inselrats, José Marcial Rodríguez, am Montag (28.10.) bei einer Pressekonferenz erklärte, hat seine Behörde bei rund der Hälfte der angebotenen Immobilien den Verdacht, dass es sich dabei um illegale Angebote handeln könnte.
So wurden 43.426 Einträge in den Buchungs-Plattformen analysiert. Von diesen bekamen 11.269 die Kategorie "sehr verdächtig" und 11.761 weitere die Kategorie "verdächtig", wenn es um die Legalität des Angebots geht. Die restlichen rund 20.000 angebotenen Immobilien scheinen in Ordnung zu sein.
"Es ist klar, dass es kein unbegrenztes Wachstum geben kann"
Rodríguez sagte: „Es gibt ein Problem mit irregulären Angeboten, die uns sehr schaden. Wir arbeiten an Lösungen. Es ist klar, dass es kein unbegrenztes Wachstum geben kann, das ist unmöglich." Deshalb arbeite der Inselrat nun mit einer Firma aus Katalonien zusammen, die in Echtzeit mehr als 200.000 Websites scannt und die dort angebotenen Immobilien auf möglichen Betrug analysiert.
Neben der Echtzeit-Analyse des Angebots will der Inselrat eine Vereinbarung mit den großen Buchungsplattformen schließen, damit diese direkt die illegalen Häuser und Wohnungen von der Seite nehmen. Die Vereinbarung sei fertig und müsse nur noch von den Plattformen unterzeichnet werden, sagte Rodríguez. Unterschreiben sollen die Anbieter AirBnb, Vrbo, Holidu, Expedia und Booking. Auch die Gemeindeverwaltungen auf der Insel sollen sich nach den Vorstellungen des Inselrats noch stärker bei der Verfolgung von illegalen Angeboten engagieren.
Immer wieder Maßnahmen gegen die illegalen Angebote
In den zurückliegenden Monaten hatte der Inselrat immer wieder Maßnahmen gegen die illegale Ferienvermietung angekündigt. Diese reichten von einer Verdopplung der Inspekteure sowie der Sachbearbeiter, die die Sanktionen ausstellen, bis hin zu einer Verdopplung der Strafen für die illegalen Angebote. Auch die neue EU-Richtlinie für Kurzzeitvermietungen, die noch umgesetzt werden muss, soll bereits in Teilen in der Praxis angewandt werden. Sie sieht beispielsweise vor, dass Anzeigen für illegale Angebote von den Portalen entfernt werden müssen. (MZ)
(2024-11-03)
HOTELIERS VERTEIDIGEN MASSENTOURISMUS
Rund dreißig Verbände und Unternehmen der Tourismus-Branche auf Teneriffa haben sich wenige Tage vor den Tourismus.-kritischen Mobilisierungen am 20. Oktober 2024 eine Resolution verabschiedet, mit der sie die das bisherige Konzept des Tourismus verteidigen. Auf einer von Ashotel organisierten Veranstaltung kritisierten sie die mangelnde Planung der letzten Jahrzehnte und fordern institutionelle Unterstützung und einen neuen Rechtsrahmen.
Vertreter von rund 30 Unternehmen und Verbänden trafen sich in Santa Cruz de Tenerife zu einer Arbeitsgruppe, um sich für die Verteidigung der touristischen Aktivität auf den Inseln und die kontinuierliche Verbesserung des Sektors einzusetzen – nur wenige Tage vor dem erneuten Aufruf zu Bürgerprotesten gegen das auf dem Massentourismus basierende Entwicklungsmodell der Inseln, dem Tausende von Insulaner*innen folgten.
Die Kritiker*innen weisen ein ums andere Mal auf die negativen Folgen des Massen-Tourismus hin, auf Probleme wie dem Mangel an Wohnraum aufgrund der Zunahme des Urlaubsangebots und der Zerstörung von Naturräumen. Die nach der Erst-Mobilisierung am 20. April entstandene Bewegung betrachtet die Expertenrunden der kanarischen Regierung als “undurchsichtig“ und bezeichnet sie als “Kaziken“. Ganz anders hingegen die vom Arbeitgeber-Verband des Hotel- und Gaststätten-Gewerbes der Provinz Santa Cruz (Ashotel) geförderte Tagung, an der unter anderem Vertreter des Gesundheitswesens, des Verkehrswesens, der Land- und Viehwirtschaft sowie des Freizeit- und Gaststätten-Gewerbes teilnahmen. Dort wurde die Bedeutung des Tourismus unterstrichen, nicht nur als wirtschaftliche, sondern auch als soziale Triebkraft für die gesamte kanarische Gesellschaft.
Während der Sitzung wurde die grundlegende Rolle des Tourismus in der kanarischen Wirtschaft hervorgehoben, der 25% der Geschäftstätigkeit auf dem Territorium, mehr als 35% des Wohlstands (BIP) auf den Inseln und 40% der direkten Beschäftigung generiert. Darüber hinaus wurden die Herausforderungen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit in ihrer dreifachen Dimension (sozial, wirtschaftlich und ökologisch) thematisiert. Um Schutz und Verbesserung des Tourismussektors sowie anderer übergreifender Sektoren zu fördern, deren Tätigkeit in hohem Maße von Tourismus abhängt, wurden verschiedene Arbeitsgruppen gegründet.
Ziel dieser Gespräche war es, praktische Initiativen zum Schutz und zur Verbesserung des Sektors zu fördern, heißt es in einer Mitteilung des Arbeitgeber-Verbands. An der Sitzung nahmen der Präsident von Ashotel, Jorge Marichal, sowie Mitglieder des Exekutiv-Komitees des Hotel-Verbandes und andere Wirtschafts-Vertreter teil. Marichal betonte den Querschnitts-Charakter des Tourismus-Sektors auf den Kanarischen Inseln.
“Ein Teil der Gesellschaft fordert von uns Lösungen für einige der vom Sektor verursachten Missstände, aber viele der Forderungen derjenigen, die auf die Straße gehen, hängen nicht vom Tourismus ab, sondern von denjenigen, die uns verwalten“, sagte der Präsident von Ashotel. Er griff eine der zentralen Forderungen der Kritiker auf und fragte rhetorisch, wer wohl nicht damit einverstanden sei, keinen Abfall ins Meer zu werfen. Gleichzeitig fordert er die Wiedererlangung der “sozialen Betriebslizenz“ in einem stark regulierten Sektor, der sehr strenge Vorschriften einhält – sprich: Liberalisierung, weg mit den Schutzregeln für Beschäftigte.
Wenig überraschend war, dass das Treffen mit einem allgemeinen Konsens endete. “Es ist von grundlegender Bedeutung, dass alle Parteien sowie die wirtschaftlichen, sozialen und staatlichen Sektoren zusammenarbeiten, um Entscheidungen zu treffen, den Tourismussektor zu fördern und ihn kontinuierlich zu verbessern, da er für die kanarische Wirtschaft und Gesellschaft von großer Bedeutung ist.“ Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen des Treffens war die Notwendigkeit, Synergien zwischen den verschiedenen Akteuren zu schaffen, um gemeinsame Ziele voranzubringen, wobei “die Sichtbarmachung der wahren Bedeutung des Sektors eines der Schlüsselelemente“ sei.
Ebenso waren sich die Anwesenden und die Vertreter der Wirtschaft über die mangelnde Planung einig, unter der die Kanarischen Inseln in den letzten Jahrzehnten zu leiden hatten, was unter anderem zu Problemen bei der Mobilität, der öffentlichen Infrastruktur oder zum Wohnungsmangel geführt habe. Sie betonten die Bedeutung der institutionellen Unterstützung und eines angemessenen Regelungsrahmens, der eine wirksame Umsetzung von Lösungen ermöglicht. Zugunsten der Arbeitgeber versteht sich. Während des Treffens wurde zur Zusammenarbeit der nationalen und lokalen öffentlichen Verwaltungen aufgerufen, um eine Aktivität wie den Tourismus, von dem fast die Hälfte der Bevölkerung der Inseln lebt, zu schützen. Fehlt nur die Forderung, den Massen-Tourismus als “nationales Kulturerbe“ schützen lassen zu wollen. (eldiario)
ABBILDUNGEN:
(*) Tagespresse)
(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-11-03)
