kolu50x00Friede den Hütten

Zufriedene Rückblicke auf den ersten feministischen Generalstreik (am 30N), bei dem Hunderttausende mobilisiert wurden, um ihre Kritik am herrschenden Pflege-System hinauszuschreien: öffentlich, für alle und gemeinsam durch Männer und Frauen – so einfach. Hunderttausende waren es auch, die in den vergangenen Wochen für die Rechte des palästinensischen Volkes auf die Straße gingen. Während in der BRD amtlich die Fortsetzung des Krieges in Gaza gefordert wird, ist im Baskenland von Völkermord die Rede.

Abendua hat nichts mit Abend zu tun, oder maximal so viel, dass der Monat Dezember der Abend des Jahres ist. Während Christen die angebliche Geburt ihres Religionsstifters in Bethlehem feiern, haben die dort lebenden Palästinenser ganz andere Sorgen. 

(2023-12-30)

WEINE NICHT UM PALÄSTINA

kolu50x30Palästina, Palästina, die Welt im Allgemeinen hat dich in deinem Holocaust im Stich gelassen. Verzeiht uns unsere Gleichgültigkeit, Passivität und Feigheit, aber weint nicht über so viel Vergessenheit. Nur dein eigenes Volk hat es verdient zu weinen, Familien, Väter, Mütter, Söhne, Töchter und Neugeborene in einem Land ohne das gelobte Land und seit Jahren gedemütigt und verwüstet.

Heute werden in vielen Häusern des christlichen Abendlandes Krippen als jahreszeitliche Dekoration aufgestellt, um die einzigartige und wunderbare Geburt zu feiern, die im Jahr 0, dem Ursprung einiger zeitlicher Koordinaten, stattfand.

Eine liebenswerte Haus- und Kinderszenografie und auch in Tempeln und einigen offiziellen Gebäuden mit blinkenden Lichtern. Im heutigen Palästina sind die Lichter schon vor Wochen komplett und brutal ausgegangen. Und palästinensische Menschen jeden Alters, Menschen wie wir, werden weiterhin begraben werden.

In der Zwischenzeit wird ein Teil der Menschheit mit reichlich zu essen und zu trinken gesättigt sein, aber im Gazastreifen und im Westjordanland, riesigen Gefängnis-Territorien ohne ein Dach über dem Kopf, erreicht sie kaum Wasser. Die Vermehrung der Brote und Fische steht nur in den liturgischen Büchern, und es scheint, dass sie nur einmal stattgefunden hat und schnell zur Neige ging.

Die heutige Nacht hat ihre allgemeine offizielle Hymne, die Nacht des Friedens, die stille Nacht usw. Wie ironisch! Früher gab es in Kriegskonflikten sogar einen Weihnachtsfrieden, aber dieser mörderische zionistische Staat, eine Version des Nazismus des 21. Jahrhunderts, wird weiterhin tonnenweise wahllos tödliche Dosen auf Plätze, Schulen, Krankenhäuser und Flüchtlingslager abwerfen.

Morgen wird der oberste Zauberer vom Balkon des Vatikans aus nach dem feierlichen rituellen Gottesdienst ein paar fromme Worte sprechen und ein paar Tropfen gesegnetes Wasser in die Luft streuen. Genau wie andere Patriarchen von Religionen, die sich auf denselben Gott berufen, und von anderen Religionen. Sie wollen sich nicht mit dem Teufel in Person des verbrecherischen Staates Israel auseinandersetzen, weil sie dessen subtile Racheakte fürchten.

Währenddessen verschwinden in Palästina ständig ganze Familien, Stadtteile, Gemeinden, Nachbarschaften aus dem Leben, kaum identifiziert in einem einfachen weißen Leichentuch, wie das heilige Leichentuch, mit kaum Zeit für eine Totenklage, man muss weiter aufräumen und retten, tot oder lebendig. Gestern, heute, morgen, vielleicht werden auch diese freiwilligen Totengräber an einem anderen Tag begraben, denn vom Himmel wird ein heldenhaftes und aufopferungsvolles Volk ständig in Zorn und Feuer, Tod und Vernichtung bespuckt.

Die Haltung der Weltorganisationen, der UNO, der Unesco, der Unicef, der FAO, der internationalen Verbände der Medizin, des Gesundheitswesens, des Sports, der Architektur, der führenden Persönlichkeiten der Welt usw., ist beklagenswert, ihr Schweigen bedeutet Mitschuld.

Das Heilige Land, Bethlehem, Nazareth, der in der Bibel beschworene Sand, belagert mit Stacheldraht und Schützengräben, ist Schauplatz des Gemetzels durch das oberste bewaffnete Übel dieser verbrecherischen Ausrottung, die in allen Machtsphären der Welt verbreitet und infiltriert ist.

Gernikatik Palestinara, am vergangenen 8. Dezember haben wir in dieser Stadt an einem emotionalen Akt des kollektiven Gewissens teilgenommen, mit zwei Momenten von enormer emotionaler Wirkung: dem Klang der Sirene und dem Klang der Schweigeminute. Nur eine Bitte für die universelle Hoffnung: Palästina wird siegen. (Iñaki Uriarte. Architekt)

(2023-12-28)

APRILSCHERZ IM DEZEMBER

kolu50x28Der 1. April ist für viele der Scherztag in Deutschland und Frankreich, weshalb die Witzeleien April scherz und Aprilfisch genannt werden, weil im Moliere-Land viele Kinder Fisch-Darstellungen auf die Rücken anderer kleben. Im Baskenland und im spanischen Staat ist die Tradition ebenfalls bekannt, fällt allerdings auf den 28. Dezember und wird hier “Inocentada“ genannt. “Inocente“ bedeutet einerseits “unschuldig“, andererseits “naiv“ oder “dumm“ – denn naiv ist, wer darauf hereinfällt. In Zeiten von täglich verbreiteten “Fake-News“ ist es gar nicht so leicht, Realität von Witz oder Lüge zu unterscheiden. Die besten Inocentadas sind deshalb jene, die tatsächlich wie die blanke Wirklichkeit daherkommen.

Und worauf konnten wir heute hereinfallen?

Zum Beispiel, dass die baskische Regierung endlich den Wünschen von Ökologist*innen und Gewerkschaften nachgegeben hat und aus der Strecke für den Hochgeschwindigkeits-Zug einen Radweg machen will. Ein Scherz mit relativ geringem Hereinfall-Faktor. Besser der nächste: Dass die Regierung Sanchez gemeinsam mit der linksliberalen Koalition EH Bildu beschlossen hat, die Christur-figur auf dem Monte Urgull abzureißen, immerhin eine der touristischen Attraktionen, sie wird gerne mit dem Christus über Rio de Janeiro verglichen. Begründung: Die Franquisten haben die Figur bauen lassen, also stellt sie ein franquistisches Symbol dar, das nach dem neuen “Gesetz der Demokratischen Erinnerung“ abgerissen werden muss. Manche werden sich die Sache zwei Mal überlegt haben, andere werden sich gesagt haben, “da wäre ich noch gar nicht drauf gekommen!“ Diese Inocentada könnte somit tatsächlich Wurzeln schlagen, in der Region könnte sie eine Mehrheit hinter sich bringen, in Donostia wäre womöglich ein Volksaufstand die Folge und EH Bildu würde die nächsten Wahlen hochkantig verlieren.

Und was noch? Eine Gruppe aus dem alten Industriegebiet vor Bilbao, Ezkerraldea, die seit 30 Jahren für den Erhalt eines würdigen Sozialstaats kämpft, protestierte vor dem Sitz der baskischen Regierung gegen deren Beschluss, die Zahlung der Sozialhilfe für 55.000 Familien bis Mitte Februar auszusetzen. Es wäre nicht das erste Mal, insofern hat die Falschmeldung (abgesehen von ihrem zynischen Anteil) einen hohen Wahrscheinlichkeits-Gehalt. Was gegen die Glaubwürdigkeit spricht: So kurz vor den Wahlen verprellt keine auch noch so neoliberale Regierung ihre geliebten Wähler*innen – “wir sind doch nicht in Argentinien!“ Dahinter könnte eine noch viel größere Inocentada stecken: dass sich mit Wahlen irgendetwas verändern ließe. Dieser Dezemberscherz findet allerdings nicht drei Tage vor Neujahr statt, sondern vier Jahre lang am Stück jeden Tag. Für die Unschuldigen, die Naiven, die Dummen.

(2023-12-24)

WEIHNACHTSGRÜSSE VON DER TOURISMUS-FRONT

kolu50x24Selbstverteidigung gegen Touristifizierung – Die Wohnungs-Gewerkschaft AZET veröffentlicht einen Leitfaden gegen touristische Wohnungen. Der Tourismus ist in Bilbao bereits ein Problem, das die Mieten in die Höhe treibt und die Menschen sogar aus ihren Vierteln verdrängt.

Die Basis-Gewerkschaft hat erklärt, dass der Prozess der Touristifizierung in den Vierteln von Bilbao schwerwiegende Folgen für das Leben der Bewohner hat. Zum Beispiel der Anstieg der Mietpreise, die Ausbreitung des touristischen Lebensstils im Vergleich zu dem der Arbeiterklasse und auch die Vertreibung derjenigen, die in diesen Vierteln leben. Ein immer genereller werdendes Problem, aus der die Notwendigkeit resultiert, sich zu organisieren, um eine kollektive Antwort zu geben.

In dem Bemühen, diese Touristifizierung zu minimieren und zu stoppen, sieht der Leitfaden drei Schritte vor. Erstens: Einberufung einer Haus-Eigentümer-Versammlung, in der klar zum Ausdruck kommt, dass dieses Problem angegangen wird. Zweitens: Anwendung von Artikel 17/12 des horizontalen Eigentums-Gesetzes (LPH), der es erlaubt, die Anzahl der Touristenwohnungen in einer Hausgemeinschaft zu begrenzen. Und schließlich sollten die Protokolle offiziell gemacht werden, indem sie von einem Notar beglaubigt werden, um sie bei der Registratur vorzulegen.

"In den letzten Jahren ist die Zahl der Touristenwohnungen in Bilbao um mehr als 35% gestiegen, wobei dieser Anstieg vor allem in Alde Zaharra (der bilbainischen Altstadt) und dem Arbeiter- und Migrations-Stadtteil San Francisco zu beobachten ist", heißt es in dem Leitfaden, und weiter: "Wenn sich in Ihrem Gebäude eine Touristen-Wohnung befindet oder Sie glauben, dass dies bald geschehen könnte, wenden Sie sich an uns. Organisieren wir uns und kämpfen wir gegen das Kapital und jede seiner Erscheinungsformen".

(2023-12-20)

AUF BASKISCH VERURTEILT WERDEN

kolu50x20Nur 17 der 248 Richter im Baskenland sind in der Lage, eine Verhandlung in baskischer Sprache zu führen, macht 6,85 Prozent. Bei der Staatsanwaltschaft sieht es nicht viel besser aus, 8% haben offiziell ein höheres baskisches Sprachniveau, bei den Rechtsanwält*innen sind es immerhin 26%. In der Autonomen Region Baskenland existieren ganz offiziell zwei Amtssprache: Baskisch und Spanisch. Theoretisch haben alle Bewohner*innen das Recht, in beiden Sprachen empfangen und behandelt zu werden. Fast 50 Jahre nach dem Ende des Franquismus ist die baskische Justiz davon meilenweit entfernt. Warum? Rechtsanwält*innen werden im Baskenland zwar ausgebildet, Richter werden jedoch über spanische Institutionen eingesetzt, das heißt, sie haben in Sevilla, Valencia oder Santander studiert – und keine Ahnung von Euskara. Diese Richter fällen zudem Urteile, die über die Zukunft der baskischen Sprache entscheiden – jeder Trottel kann sich vorstellen, wie diese Urteile ausfallen.

Nur 17 der 248 der im Baskenland tätigen Richter haben also höhere baskische Sprachprofile absolviert. Konkret haben 15 den höchsten EGA-Abschluss, zwei weitere den zweiten Grad bestanden. Weitere 17 haben ein mittleres Sprachniveau, das nicht ausreicht, um eine Sitzung vollständig auf Baskisch abzuhalten. Ein Trauerspiel – wo die baskische Regierung doch sonst so stolz ist auf ihre Errungenschaften im Bereich des Euskara.

Bei den übrigen Bediensteten der Justizverwaltung ist die Situation nicht viel anders. Von den 112 Staatsanwälten haben nur 9 ein Sprach-Profil: vier auf Stufe eins, zwei auf Stufe zwei und drei auf Stufe drei. Keiner hat das höchste Niveau erreicht. Bei den ehemaligen Gerichtsbediensteten ist der Prozentsatz höher. Von den 205 im Baskenland haben 53 ein Sprach-Profil in der Tasche: 17 haben Stufe drei und zwei weitere Stufe vier erreicht.

Die Daten stammen von Richter Jaime Tapia, der als Berater des Ministeriums für Gleichheit, Justiz und Sozialpolitik in Sachen Strafvollzug tätig ist. Tapia nahm an einer von der Stiftung Sabino Arana organisierten Veranstaltung über die Situation des Euskara in der Justizverwaltung und über den "strategischen Rahmen für die Wiederbelebung des Baskischen" teil. Die Zahlen beziehen sich auf 2020, aber er räumte ein, dass es "keinen Grund" gibt, anzunehmen, dass sich die Situation seither geändert hat.

Die Justiz ist möglicherweise der Bereich der öffentlichen Verwaltung, in dem die baskische Sprache am wenigsten präsent ist. Weniger als 1% der Gerichtsverhandlungen werden auf Baskisch geführt. Die Richter haben sich nun vorgenommen, dies zu ändern. Am 27. Oktober dieses Jahres genehmigte die Kammer des Obersten Gerichtshofs des Baskenlandes (TSJPV) die Einrichtung einer experimentellen Arbeitsgruppe zur Förderung von Gerichtsverfahren in baskischer Sprache. Die schrittweise Einführung dieser Arbeitsgruppe war eines der Ziele, die der Präsident des TSJPV, Iñaki Subijana, in seiner Rede zur Eröffnung des Gerichtsjahres formulierte.

Der Richter, der sich "pessimistisch" über das gestartete Pilotprojekt äußerte, räumte ein, dass die mangelnden Baskisch-Kenntnisse der Richter zweifellos "ein deutliches Hindernis" für die Förderung der baskischen Sprache in der Justiz darstellen. Seiner Meinung nach bedarf es in Zukunft sowohl des "politischen Willens", den er derzeit nur in der baskischen Regierung, nicht aber in der Zentralverwaltung oder in anderen beteiligten Justizbehörden sieht, als auch gesetzlicher Änderungen.

Fortschritte im öffentlichen Dienst

Tapia tröstete sich damit, dass die Baskischkenntnisse der Beamten in der Justizverwaltung zunehmen. So seien beispielsweise vor zehn Jahren nur 35% der Dokumente in beiden Sprachen verfasst worden, während dieser Prozentsatz inzwischen auf 61% gestiegen sei. Auch die Zahl der in baskischer Sprache eingereichten Klagen habe "deutlich" zugenommen, was die "Bereitschaft" der Bürger zeige, im Umgang mit der Justiz die baskische Sprache zu verwenden.

Aber das geschriebene Baskisch ist eine Sache und das mündliche eine andere. Hier stellt der Magistrat weitere Defizite fest. Nicht nur wegen der mangelnden Ausbildung vieler Richter, sondern auch, weil "vielen Bürgern nicht klar ist, dass die Beamten Baskisch sprechen".

Hindernisse und Trägheit müssen überwunden werden. Beispielsweise zögern viele Anwälte, während einer Sitzung auf Baskisch zu sprechen, weil sie befürchten, dass der Richter die mündlichen Beweise (Aussagen, Zeugenaussagen) und die Argumente der Parteien nicht vollständig versteht. Oder zumindest, dass er sie nicht so gut versteht wie auf Spanisch.

Was kann getan werden? Es sollte "einen echten Prozess des Baskisch-Unterrichts für Richter" geben. Oder eine Freistellung, um Baskisch zu lernen, wie es in anderen Bereichen der Verwaltung geschieht, oder wirtschaftliche Anreize. Es wird ein Vergnügen sein, in baskischer Sprache verurteilt zu werden!

(2023-12-15)

TOURISMUS-WOHNUNGEN VERBIETEN

kolu50x15Gemeinschaften von Hauseigentümern können Touristen-Wohnungen untersagen – das hat der spanische Oberste Gerichtshof (Supremo) entschieden, nach einer Klage in Donostia. Voraussetzung ist, dass die Satzung der Hausgemeinschaft ein ausdrückliches Verbot wirtschaftlicher Aktivitäten enthält. Dies hat der Oberste Gerichtshof nach der Prüfung von zwei Fällen entschieden. Die Entscheidung könnte erhebliche Auswirkungen haben.

Der Gerichtshof kam zu dem Schluss, dass die Vermietung von Wohnungen zu touristischen Zwecken eine wirtschaftliche Tätigkeit darstellt. Er hat daher zwei Eigentümer-Gemeinschaften – eine in Donostia und die andere in Oviedo – Recht gegeben und die Einstellung der touristischen Vermietung in mehreren Wohnungen angeordnet. In den beiden Urteilen hat die Zivilkammer klargestellt, dass es allein um die Feststellung geht, ob die Gemeinschafts-Satzung die Nutzung der Wohnungen für touristische Zwecke verbietet oder nicht.

Im Fall des Gebäudes in Oviedo hat das Gericht erklärt, dass bei Anwendung der Satzung ein Verbot besteht, wonach die einzelnen Wohnungen des Gebäudes nicht für berufliche, geschäftliche, gewerbliche oder kommerzielle Tätigkeiten jeglicher Art genutzt werden dürfen; ihre Nutzung ist ausschließlich Wohnzwecken vorbehalten. In Bezug auf den Fall Donostia der Gerichtshof betont, dass "die Vermietung von Wohnungen zu touristischen Zwecken eine Tätigkeit ist, die unter das gesetzliche Verbot fällt". Es handele sich um eine wirtschaftliche Tätigkeit, die mit den in Regel fünf der Satzung aufgeführten Tätigkeiten vergleichbar sei, "die sich alle dadurch auszeichnen, dass sie andere Zwecke als Wohnzwecke verfolgen und eine gewerbliche, berufliche oder geschäftliche Komponente aufweisen".

In diesem Zusammenhang erinnerte das Gericht daran, dass die geltenden Vorschriften für den Tourismussektor "ausdrücklich" den Unterschied hervorheben zwischen der Vermarktung von touristischen Aufenthalten in Wohnungen, Kurzzeitunterkünften oder solchen, die zur Urlaubsnutzung angeboten werden, sowie der Vermietung von Wohnungen. Der Oberste Gerichtshof kam daher zu dem Schluss, dass diese Auslegung mit der Rechtsprechung der Kammer übereinstimmt, wonach "Beschränkungen klar, präzise und ausdrücklich sein müssen".

Donostia ist die baskische Stadt, in der die Ausbreitung von Touristen-Wohnungen in den letzten Jahren die meisten Konflikte verursacht hat. Man schätzt, dass die Zahl der Touristen durchschnittlich bereits 10% der Bevölkerung ausmacht, was unter anderem zu einem sprunghaften Anstieg der Mietpreise geführt hat und dazu, dass der Stadtrat einige Beschränkungen angekündigt hat.

(2023-12-13)

MISSTRAUENS-VOTUM

Die baskischen Medien sprechen von einem politischen Erdbeben, die postfranquistische Rechte in Navarra und im Staat holen für ihre Diskurse starken Tabak aus dem Beutel. Was sich in Iruñea (spanische: Pamplona) abspielt, ist tatsächlich eine Neuheit, die noch einige Konsequenzen nach sich ziehen kann.

kolu50x13Die Kräfte der Opposition – baskische Linke, baskische Rechte, Podemos und Sozialdemokraten – haben sich darauf geeinigt, Ende Dezember ein Misstrauens-Votum zu inszenieren und in der navarrischen Hauptstadt einen neuen Bürgermeister zu wählen. Das hätten sie auch billiger haben können. Denn bei den Wahlen vom 28. Mai hatten die bürgerlich-linksliberalen Kräfte zusammen eine Mehrheit, die baskische Linke war stärkste Kraft. Doch fehlende Einigkeit half der regionalen Rechten (weit rechts), ihre Minderheits-Kandidatin durchzuboxen. Die Einigkeit scheiterte daran, dass die Sozialdemokraten nicht für die baskische Linke EH Bildu (für die sogenannten “Erben von ETA“) stimmen wollten.

Umgekehrt hatte EH Bildu keine Probleme damit, die Sozialdemokraten in die Regierung zu hieven, ohne selbst an der Regierung teilzunehmen. Die Alternative wäre eine Rechtsregierung gewesen wie es sie in dieser baskischen Region Jahrzehnte lang gab.

Was sich nun geändert hat?

Mittlerweile wurde auch im Staat gewählt und der Ober-Sozialdemokrat Sanchez bastelte mühsam eine bunte Mehrheit, die von der Rechten schärfstens bekämpft wird und zudem jeden Tag auseinanderfallen kann. Dabei erhält Sanchez Unterstützung vor allem aus der Peripherie, sprich, aus Katalonien, Baskenland (links wie rechts) und den Kanaren. Bildu bot ihre Unterstützung sogar “ohne Gegenleistung“ an. Wirklich ohne Gegenleistung? Das Misstrauens-Votum in Pamplona könnte durchaus als solche verstanden werden. Abgesehen davon, dass auch der PSOE (in Navarra PSN) nichts an einer reaktionären Bürgermeisterin gelegen sein kann, ist es das erste Mal, dass die Sozialdemokraten für Bildu stimmen, für das alte Feindbild, dem (vor allem von der spanischen rechten) bis heute nachgesagt wird, die institutionalisierte ETA zu repräsentieren.

Ein Licht wirft das neue Panorama auch nach Euskadi hinein, in die baskische Nachbar-Region. In wenigen Monaten wird auch hier gewählt, bisher regieren PNV und Sozialdemokraten gemeinsam, Bildu wird jedoch ein Wahlsieg vorausgesagt. Die Karten werden auch hier neu gemischt. Übrigens: das Misstrauens-Votum findet am 28. Dezember statt, das entspricht dem alemannischen 1. April – es wird doch wohl kein Scherz gewesen sein!

(2023-12-10)

DER REICHSTE BASKE DER WELT

kolu50x10Ausgerechnet ein Typ aus Bizkaia soll der reichste Sportler der Geschichte sein. Jon Rahm stammt aus Barrika an der Küste nördlich von Bilbao, ist Fan und internationaler Botschafter von Athletic Bilbao und hat es neben einigen großen Erfolgen schon auf die Nummer Eins der Golf-Rangliste geschafft. Nun sorgt er für einen großen Aufreger. Er verlässt dem amerikanischen Golfzirkus PGS-Tour und schließt sich stattdessen für schlappe 500 Millionen Euro des saudi-arabischen Golfzirkus (LIV-Golf) an. Beobachter, denen noch ein Minimum an politischen und moralischen Kriterien geblieben sind, bezeichnen diesen Vertrag als Sport-Washing.

Der Vorgang ist nicht neu. Einige der als ober-patriarchal, autokratisch, komplett frauenfeindlich und neokolonial bekannten arabischen Länder kaufen sich internationale Großereignisse ein, mit denen sie ihr angeschlagenes Image in der Welt aufpolieren. Geld spielt dabei keine Rolle. Ölgeld, die Klimakatastrophe lässt grüßen.

Beispiele gefällig? Die Fußball-WM in Katar war so eine Aktion von Public Relation, Facelifting für ein misogynes Regime, das für den Bau seiner Stadien Tausende von toten Bauarbeitern aus armen Ländern in Kauf nahm, um sich auf dem Globus in Glitzerfarben darzustellen. Mehr Beispiele? Bis vor Kurzem waren die Nato-Alliierten Saudis bekannt für den kaltblütigen Mord an dem oppositionellen Kashoggi, ein rechter regime-kritischer Journalist. Jetzt kaufen sie fußballerische Altstars aus dem Westen und spielen eine Liga, die (im spanischen Staat zum Beispiel) ständig und öffentlich live übertragen wird. Bekannte Namen? Fußballer wie Cristiano Ronaldo, Karim Benzema, aus baskischer Sicht Aymeric Laporte. Sie alle haben in Europa bereits unvorstellbar viel Geld verdient, doch die Saudis vervielfachen die Gehälter noch einmal empfindlich.

Der 29-Jährige aus Barrika konnte bei so viel Öl-Dollars nicht nein sagen und ja zu LIV-Golf, der von Saudi-Arabien finanzierten Golfliga. Einer Meisterschaft, die vor zwei Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, der klassischen US-amerikanischen PGA-Tour in Sachen Prestige Konkurrenz zu machen. Dabei spielt hohes Preisgeld den Hauptanreiz für die Spieler, auch wenn niemand denken sollte, dass in den USA nicht ebenfalls Millionen gezahlt werden.

Jon Rahm ist nicht der erste, der sich kaufen lässt, reißerische Medien sprechen von einem “wahren Bürgerkrieg in der Golfwelt“. Nur der Nordire Rory McIlroy lehnte die lukrativen Angebote der LIV ab und machte aus seinem "Hass" auf die neue Liga keinen Hehl. Tiger Woods lehnte es ebenfalls ab, sich dem saudischen Projekt anzuschließen. Jon Rahm ist gekippt und machte aus seiner anfänglichen Ablehnung jetzt Millionen. Er reiht sich in eine Reihe von Stars, die sich für LIV-Golf entschieden haben, dessen wichtigster Trumpf die gigantische Finanzkraft des Public Investment Fund (PIF) von Saudi-Arabien ist, die Golfer mit vielen Nullen auf dem Konto zum Wechsel verleitet.

Zeichen für die ungeheure Geldmenge, die LIV-Golf verwaltet, dass in der Forbes-Liste 2023 der zehn bestbezahlten Sportler der Welt bisher schon zwei Golfer der neuen Tour enthalten waren. Saudi-Arabien ist entschlossen, in Sport-Washing zu investieren, der Imagepflege durch den Sport. In den letzten zwei Jahren hat Saudi-Arabien nach Angaben von "The Guardian" mehr als 6 Milliarden Dollar ins Sport-Geschäft investiert, eine Summe, die dem BIP von Montenegro entspricht. Der derzeitige Kronprinz Mohammed bin Salman gab in einem Interview mit Fox News zu, dass es ihm egal ist, wenn er wegen seiner Investitionen in Fußballclubs und Sportereignissen des Sport-Washing bezichtigt wird: "Wenn Sport-Washing unser BIP um 1% erhöht, werden wir damit weitermachen".

Nebeneffekt: Die US-PGA Tour sanktionierte die "Überläufer" und verklagte die saudische Tour, deren Siege in der Weltrangliste nicht zählen. Doch Unken rufen, dass der Golfsport vielleicht auf globaler Ebene vereinheitlicht werden könnte. Jon Rahm von der baskischen Küste wäre darüber glücklich. Denn reich ist er ja schon.

(2023-12-09)

DIE PNV VERGISST IHRE TOTEN

Der Enkel eines der sechs Gudaris, die am 8. Juli 1982 in einem Grab auf dem Friedhof von Bilbo beigesetzt wurden, hat eine Unterschriften-Sammlung gestartet, um das Grab und die sterblichen Überreste zu schützen, die Gefahr laufen, in ein gewöhnliches Gebeinhaus gebracht zu werden. Der Enkel fordert den Stadtrat auf, den Verkauf der Grab-Konzession zu stoppen und bittet das Erinnerungs-Institut Gogora, die Überreste im Rahmen des Gesetzes über das historische Gedächtnis zu schützen. Die Vertreter der Stadtverwaltung argumentieren, die Rechtsabteilung sei der Ansicht, dass bei dieser Begräbnisstätte, deren Konzession im Dezember 2000 auslief, kein Unterschied gemacht werden könne.

kolu50x09Im Sommer 1982 wurden die sterblichen Überreste der sechs Gudaris, die auf dem Berg Zirardamendi in Elgoibar begraben waren, nach Derio überführt. Die Särge von Paulino Beraza Madariaga, Felipe Elorriaga Larrea, Blas Larrazabal Inunciaga, Juan Zabala Loza, Ambrosio Etxebarria Uriarte und José Txintxurreta Zamakona, allesamt Kämpfer der Partei PNV aus Begoña, wurden in das von der Familie Pikaza gestiftete Pantheon gebracht. Die Zeremonie fand in Anwesenheit von Familienmitgliedern und Vertretern der Partei statt, wie die damalige Presse berichtete.

Es handelte sich um sechs Angehörige der Kompanie Zubiaur des Bataillons Ibaizabal, die in den frühen Morgenstunden des 25. September 1936 bei einem der ersten Kämpfe nach dem Militärputsch an der Front von San Miguel de Elgoibar ihr Leben verloren. Die improvisierte baskische Armee, Euzko Gudarostea, griff hier zum ersten Mal in den Kampf ein, um die faschistischen Truppen aufzuhalten. Dank der Gudaris und Milizionäre, die vor der Grenze zwischen Gipuzkoa und Bizkaia den Vormarsch verhinderten, konnte am 7. Oktober 1936 die erste baskische Regierung unter dem Vorsitz von José Antonio Agirre gebildet werden.

Unai Zabala, Enkel des Euzko Gudarostea Soldaten Juan Zabala Loza, hat beschlossen, mit seinem Anliegen in die Öffentlichkeit gehen und um Unterstützung bitten, nachdem weder die Verantwortlichen der Stadtverwaltung von Bilbo noch die von Gogora auf seine Forderung eingegangen sind, die sterblichen Überreste der Kämpfer (gudariak) zu schützen, die vor 41 Jahren mit allen Ehren bestattet worden waren.

Bei jener emotionalen Zeremonie 1982 in Derio drückte der ehemalige Präsident von Euzko Gudarostea, Roberto Candina, "im Namen des Vaterlandes seine Dankbarkeit gegenüber diesen Gudaris aus, die ihr Leben geopfert hatten. Euzkadi vergisst seine Kinder nicht, es wird sich immer an sie erinnern und ihnen dafür danken, dass sie für seine Freiheit und seinen Frieden gekämpft haben".

Vor drei Jahren begann Unai Zabala mit seinen Bemühungen, das Grab, in dem sein Großvater begraben ist, zu "sichern". Ohne Erfolg, das Rathaus teilte ihm mit, dass trotz der Identität der dort Begrabenen keine Unterscheidungen getroffen werden könnten. Schließlich gelang es ihm im Jahr 2022, die Entnahme der sterblichen Überreste auf unbestimmte Zeit zu stoppen und die Erlaubnis zu erhalten, den Grabstein zu reparieren, der die Identität der dort begrabenen Gudaris anzeigt.

Zabala geht davon aus, dass seine Petition durch das Gesetz über das historische Gedächtnis geschützt ist und dass der Bürgermeister als letzter Verantwortlicher für den Friedhof von Derio dem Antrag auf Schutz nachkommen muss. Er ist der Meinung, dass es Juan Mari Aburto an "politischem Willen" mangelt, um diese Situation der "Verwundbarkeit" zu beenden und für die "Sicherheit" dieser Grabstätte zu sorgen. (gara)

(2023-12-05)

DIE EWIGE RACHEJUSTIZ

Eigentlich hat die baskische Regierung die Kompetenz in der Verwaltung der Gefängnisse. Aber nur eigentlich. Denn die Exekution aller politischen Urteile, die im Madrider Sondergericht Audiencia Nacional gefällt wurden, werden dort peinlich genau überwacht. Wenn also die baskischen Behörden der Meinung sind, dass Gefangene wegen positiver Sozial-Prognosen Freigang haben können oder auf Bewährung entlassen werden, dann heißt das noch lange nichts.

kolu50x05Joseba Arregi kann davon ein Lied singen. Der wegen Mitgliedschaft in der längst aufgelösten Organisation ETA verurteilte Baske ist 77 Jahre alt und hat mehr als 30 Jahre im Gefängnis verbracht. Für die Audiencia in Madrid ist das noch nicht genug. Weil von dem aus Altersgründen kränklichen Arregi keine Gefahr mehr ausgeht und das pädagogisch-psychologische Gefängnis-Personal für ihn eine positive Prognose erstellt hat, wurde ihm der Freigang-Status zugestanden. Acht Monate lang lebte er in “Freiheit“, dann traf ihn die rachsüchtige Faust des Gerichtshofs aus der Franco-Zeit.

Die Staatsanwaltschaft hatte Einspruch erhoben gegen den im April von der baskischen Regierung bewilligten Freigangs-Status. Der zuständige Richter in Madrid gab dem Ersuchen nach, weil Arregi "eine ausdrückliche Bitte um Vergebung an seine Opfer ablehnt". Da spielen auch fortgeschrittenes Alter und 31 Jahre Haft Ge keine Rolle. Rachejustiz ist Staatsräson, und umgekehrt. ETA hat sich aufgelöst, die Waffen abgegeben, nicht ohne mitzuteilen, dass ihr Wirken Schaden verursacht hat. Das Gefangenenkollektiv hat Ähnliches bezeugt (der Folter-Staat niemals), dennoch wird von jedem einzelnen Gefangenen noch einmal ein tiefer Bückling gefordert.

Der Richter behauptet, Arregi habe sich geweigert, an der Aufklärung der von der ETA begangenen Taten mitzuwirken, er argumentiert, dass er zwar bereit sei, allen an ihn gerichteten gerichtlichen Aufrufen "aufrichtig (...) zu folgen, dass es aber unangebracht sei, im Jahr 2023" gefragt zu werden, ob er in dieser Angelegenheit mitwirken wolle, nachdem "ETA sich aufgelöst hat". Für den Richter wiegen diese "ungünstigen" Variablen schwerer als das Alter und die gesundheitlichen Probleme des Gefangenen.

Etxerat wies darauf hin, dass Arregi "an verschiedenen altersbedingten Pathologien leidet" und erinnert daran, dass er außerdem im Jahr 2019 drei Viertel seiner Strafe verbüßt hat. Der Richter besteht jedoch darauf, dass sich der Gesundheitszustand nach mehr als drei Jahrzehnten im Gefängnis nicht verschlechtert hat.

Arregi erhielt im Oktober 2022 erstmals den Freigangs-Grad und konnte acht Monate in Freiheit verbringen. Nach dieser Zeit wurde dieser Status ausgesetzt, nachdem die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte. Dasselbe geschah in den Fällen von Xabier Atristain und Juan Manuel Inziarte nach der vom Obersten Gerichtshof festgelegten Doktrin.

Zwei Monate später erhielt Arregi auf Vorschlag des Knast-Personals den zweiten Freigang. Doch wurde er erneut inhaftiert, während die AN nun die Rückstufung bestätigt: raus, rein, raus, rein. Etxerat erinnert daran, dass "wenn die zehn Jahre der französischen Strafe angerechnet worden wären, Arregi schon vor mehreren Jahren frei gewesen wäre". Etxerat: "Die Audiencia Nacional versperrt den baskischen Gefangenen weiterhin systematisch den Weg zurück nach Hause."

(2023-12-03)

VON DER STIMMUNG DER STIMMEN

kolu50x03Wahl-Umfragen sind Schall und Rauch, vor allem dann, wenn der Wahltermin noch nicht einmal feststeht. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen sich die Demokratie-Gläubigen nur alle vier Jahre kümmern mussten. Die neuen Wahlkämpfe beginnen lange vor die Urnengänge festgelegt werden, nach der Wahl dauert es Monate, wenn nicht Jahre, bis eine neue Exekutive in die Gänge kommt. Der eine oder andere Wahlkampf beginnt mit der Auszählung der letzten Stimme des letzten Wahlgangs. So ist für dauerhafte Unterhaltung gesorgt. So auch in Euskadi.

Die aktuelle Umfrage wurde zu 97% durchgeführt, bevor bekannt wurde, dass der alte Regierungschef abgesetzt wird und es einen neuen Kandidaten geben soll. Das Ergebnis sagt einen Anstieg der Postfranquisten voraus, den Absturz von Podemos und das Verschwinden von Vox. Bleibt abzuwarten, welche Folgen das Erdbeben hat, das die PNV mit ihrer Rauswurf-Entscheidung ausgelöst hat.

Das Soziometer der baskischen Regierung prognostiziert, dass die Gottesfürchtigen der PNV wieder die führende Kraft sein werden, aber von 31 auf 29 Sitze abrutschen und der Abstand zur linken Konkurrenz von EH Bildu sich von 21 auf 25 verringert. Der Rückgang der Christdemokraten könnte allerdings durch einen leichten Anstieg der sozialdemokratischen Koalitionäre von 10 auf 11 abgefedert werden. Das heißt, alles darf beim Alten bleiben. Offen bleibt, ob der neue PNV-Kandidat Imanol Pradales sich durchsetzt, welche Dynamik er zu verbreiten weiß und ob er die offensichtlichen Abnutzungs-Erscheinungen der Jeltzale-Partei bei den letzten Wahlen im Mai (minus 85.000) und Juli (minus 100.000) korrigieren kann.

Die PNV gewinnt in Bizkaia klar, in Alava knapp, erleidet aber in Gipuzkoa mit sechs Prozentpunkten eine deftige Schlappe gegen EH Bildu, eine Wiederholung des Provinzwahl-Ergebnisses vom Mai 2023. Die Unabhängigkeits-Befürworter*innen könnten zwar noch nicht ihren Traum von der Tabellenspitze im Baskenland verwirklichen, aber den Vorsprung verringern. Und das, nachdem Arnaldo Otegi seinen Verzicht auf eine Kandidatur als Spitzenkandidat erklärt hat. Die Prognosen bestätigen den Aufwärtstrend von EH Bildu, die ihren Prozess der politischen Etablierung als zuverlässiger Partner von Pedro Sánchez in Madrid eindrucksvoll in Szene gesetzt hat.

Die Sozis wären somit als drittstärkste Kraft erneut Schlüssel zur Regierungsfähigkeit im Baskenland. Ein diskreter Fortschritt für die Partei von Eneko Andueza, der sein Debüt als Kandidat für den Lehendakari gibt und seit seinem Amtsantritt als Parteivorsitzender einen kritischeren Ton gegenüber der PNV angeschlagen hat.

Podemos und Sumar werden sich bis zur Wahl im Frühjahr weiter derart zerfleischen, bis sie am Rand der Bedeutungslosigkeit stehen. Die beste Leistung, die von den Postfranquisten der PP zu erwarten ist, könnte darin bestehen, den Neofaschisten von VOX ihren Sitz in Araba zu nehmen. Für Nicht-Eingeweihte sei gesagt, dass in dieser Provinz ein Viertel der sonst üblichen Stimmanteile genügt für einen Sitz im Parlament. Was traditionell dazu geführt hat das die spanische Rechte überrepräsentiert ist. Ohne VOX wäre die Autonome Gemeinschaft Baskenland dann die einzige Region im spanischen Staat, die keine erklärten Faschisten im Parlament hätte – in heutigen Zeiten keine schlechte Leistung.

(2023-12-02)

GUGGENHEIM URDAIBAI VOR GERICHT

kolu50x02Die Bürgerinitiative “Stopp Guggenheim Urdaibai“ wird gegen die Herabstufung des Schutzes des von der Murueta-Werft besetzten Küstenstreifens klagen. Bei der Gruppe fragt man sich, wozu die Umweltvorschriften gut sind, wenn sie dann den "Launen" der Befürworter des umstrittenen Museumsprojekts angepasst werden. “Stopp Guggenheim Urdaibai“ ist vehement dagegen, dass das Museum in der alten Dalia-Fabrik oder in der Murueta-Werft untergebracht wird.

Die Initiative “Stopp Guggenheim Urdaibai“ hat mitgeteilt, dass sie notfalls vor Gericht gehen wird, wenn der Beschluss der Küstenbehörde, die Schutzzone der Murueta-Werft von 100 auf 20 Meter zu reduzieren, nicht zurückgenommen wird. Diese Werft, die zugunsten des Museums-Projekts geschlossen werden soll, ist einer der Standorte, die der Provinzialrat von Bizkaia für den Bau eines Museumskomplexes in Erwägung zieht.

Bei “Stopp Guggenheim Urdaibai“ ist man besorgt über "die Missachtung und Verantwortungslosigkeit, die baskische Politiker in Bezug auf den Naturschutz an den Tag legen". Sie halten es für bedenklich, dass die Umweltvorschriften an die "Launen" der Projektträger angepasst werden. Deshalb soll zunächst auf dem Verwaltungsweg Einspruch eingelegt werden gegen den am 21. November mitgeteilten, aber auf den 19. Oktober datierten Beschluss der Küstenbehörde, den Schutzraum zu reduzieren. Sollte die spanische Regierung als für Küsten-Angelegenheiten verantwortliche Instanz den Argumenten nicht folgen, wird “Stopp Guggenheim Urdaibai“ den Schutz ordentlicher Gerichte suchen, insbesondere des Obersten Gerichtshofs (Supremo), das hierfür zuständige Gericht.

Die Urdaibai-Schutzgruppe ist nicht damit einverstanden, dass das “Ministerium für den ökologischen Wandel und demografische Fragen“ das Argument der Provinzregierung von Bizkaia akzeptiert hat, wonach der von der Werft belegte Küstenabschnitt als "städtisches Land" eingestuft wurde, obwohl dieses Stück Land in Wirklichkeit durch eine Schutzdistanz von 100 Metern geschützt war. Im Jahr 2021 beantragte die Regional-Regierung unter dem Vorsitz von Unai Rementeria, dass diese auf 20 Meter reduziert wird, was das Ministerium akzeptierte.

Laut den Akten hat die staatliche Küstenbehörde verbindliche Berichte von der Stadtverwaltung Murueta, der baskischen Wasserbehörde URA (die das Schutzgebiet verwaltet), der Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung, Nachhaltigkeit und Umwelt der baskischen Regierung (zuständig für den Vorstand des Biosphären-Reservats Urdaibai), und dem regionalen Umweltministerium angefordert (die beiden letztgenannten sind zuständig für die Regulierung und Verwaltung der Schutzgebiete). Keines dieser Dokumente ist eingegangen.

Keine Berichte und kein Plan

Der einzige Bericht, der der Bürgerinitiative zufolge die Entschließung der Regierung stützt, ist ein kommunaler Plan, der besagt, dass dieses Gebiet von Murueta für die Bebauung vorgesehen ist, obwohl es das vorher nicht war. Das Küstengesetz von 1988 besagt, dass in einem Abstand von 100 Metern zum Meer nichts gebaut werden darf, es sei denn, es handelt sich um einen Ort, der vor seiner Genehmigung als bebaubar eingestuft wurde.

“Stopp Guggenheim Urdaibai“ weist darauf hin, dass bereits Monate vor der Entscheidung der Küstenbehörde Medien-Berichte die Richtung des Urteils vorgegeben haben. "Wir haben keinen Zweifel daran, dass diese Entscheidung in derselben Küche ausgekungelt wurde, in der das Projekt gekocht werden soll", wird festgestellt.

Ohne diese Änderung sei es unmöglich, das Projekt als Ganzes zu verwirklichen. "Ohne die Verringerung der Schutzdistanz des Grundstücks gäbe es keinen Platz für den Bau eines zweiten Gebäudes des Guggenheim-Museums", wird betont. Zu bedenken sei, dass es sich um "das am stärksten gefährdete Gebiet des Biosphären-Reservats handelt, ein besonderes Schutzgebiet, dessen Hauptziel die Erhaltung und/oder Wiederherstellung von Lebensräumen und Arten ist".

(2023-12-01)

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde, nicht in aller Hirne. Für die einen das Ende der Zivilisation, für die zweiten die Rettung für alle Probleme, für die dritten die Realität von Orwells Dystopie und für die vierten die Herausforderung des Jahrhunderts. In der baskischen Hauptstadt Vitoria-Gasteiz wurden soeben Überwachungskameras aufgehängt, deren programmierter Geist in der Lage ist, Gesichter zu identifizieren und zu erkennen, ob eine gefilmte Situation eine Gefahr beinhaltet oder nicht. Entsprechende Folge-Entscheidungen trifft die Maschine, Polizisten droht die Entlassung.

kolu50x01In der Baskisch Nationalistischen Partei PNV, der so viel spanischer Geist nachgesagt wird wie Cervantes, scheint die neue KI-Wissenschaft auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Denn bei der Auswahl des neuen Kandidaten für den Posten der Ministerpräsidenten hat der Parteivorstand weniger sich selbst und seinen eigenen Kriterien vertraut als der maschinellen Intelligenz. Das brachte der Vorsitzende (seinerzeit mit wenig Intelligenz gewählt) bei einem Interview zum Ausdruck.

Andoni Ortuzar erklärte, seine Partei habe "ein Roboter-Porträt" des Profils der Person erstellt hat, die in den nächsten 12 Jahren für das Amt des Lehendakari-Ministerpräsidenten kandidieren soll. Dabei sei der Name Imanol Pradales herausgekommen, weil der in dieses "Roboterporträt" am besten passte. Herzlichen Glückwunsch Imanol RoboCop!

Im Interview mit Radio Euskadi hat der Vorsitzende des Euzkai Buru Batzar, des Parteivorstands der PNV versucht, die Entscheidung der PNV zu erklären, auf den bisherigen Amtsinhaber Iñigo Urkullu zu verzichten und ihn durch einen Robo zu ersetzen. Er verweigerte die Aussage auf die Frage, ob Urkullu weiter zur Kandidatur bereit gewesen sei oder nicht, und verwies auf die Äußerungen des noch amtierenden Lehendakari, der sagte, er behalte es für sich, ob er habe weitermachen wollen oder nicht, aber er halte sich an die Entscheidung der Partei.

Der EBB-Vorsitzende bestand darauf, dass die PNV "nicht auf Urkullu verzichtet hat", sondern dass es "vielmehr um eine Nachfolge ging als um die Absetzung desjenigen, der da ist". Wortspiele, heiße Luft, Erklärungs-Notstand. Die PNV habe bereits vor Monaten mit den Überlegungen begonnen und "eine Skizze" der Personen angefertigt, die als Kandidaten in Frage kämen: "Es sollte jemand sein, der jünger ist als meine Generation, der nachweislich über politische Erfahrung und Management im politischen Alltag verfügt, der mehrsprachig ist und interne Kenntnisse der institutionellen und parteipolitischen Gegebenheiten hat. Das waren die Anforderungen, die wir gestellt haben, so haben wir das Robot-Profil gemacht". Und nun hat er auch noch Aktien diverser multinationaler baskische Konzerne! Auf dieser Grundlage, fügte er hinzu, wurde "noch am selben Samstag" Imanol Pradales ausgewählt.

Ortuzar sagte, sei Pradales eine "zuverlässige" Person und sei auf Grundlage dessen vorgeschlagen worden, "was Euskadi braucht", mit Blick auf "zwei oder drei Legislaturperioden". Auch, um einer "gewissen Erosion der Marke PNV" entgegenzuwirken, die seiner Meinung nach jedoch nichts mit dem Management der aktuellen Regierung oder deren Chef Urkullu zu tun hat. Womit denn dann? Vielleicht mit dem Ende der Dinosaurier?

Zudem versicherte er, dass es niemand aus der Partei war, der die brandneue Nachricht fahrlässig an die Medien weiter gegeben hatte, dass auf Urkullu künftig verzichtet werde. Die Information war vor wenigen Tagen “wie eine Bombe eingeschlagen“. Er räumte ein, dass "nur sehr wenige Leute" in der PNV "von der Nachricht wussten" und dass "die Parteileute selbst am meisten verärgert und unzufrieden waren" von der undichten Stelle. "Das war nicht unser Plan", versicherte er. Wenn es von den Lebenden keiner war, dann kann es nur Gott gewesen sein, der bekanntlich im Namen der JEL-Partei dauerpräsent ist: JEL bedeutet Jainkoa eta Lege Zaharrak – Gott und die alten Gesetze.

Zum Wahltermin sagte Ortuzar, man vertraue blind auf Urkullus Riecher, für die Partei und das Land den besten Zeitpunkt zu wählen. Seine folgende Feststellung – weder von künstlicher noch von menschlicher Intelligenz beseelt – darf als besonderer politischer Leckerbissen genossen werden.

Für den Vorsitzenden der Jeltzalen ist es nicht mehr und nicht weniger als "eine der ersten Folgen der Kandidaten-Benennung" seiner Partei, dass Arnaldo Otegi bei der linken Koalition EH Bildu aus der Liste für den Ministerpräsidenten-Posten gefallen sei. Otegi hatte zwei Tage nach dem sensationellen PNV-Beschluss verkündet, dass er als Kandidat nicht in Frage käme. Die Entscheidung überraschte im linken Lager niemand wirklich, denn Otegi gehört mit seinen 65 Jahren bereits zur alten Garde, zu alt, um den bevorstehenden “Machtwechsel“ länger als eine Legislatur zu begleiten. Ortuzars Interpretation ist somit der Tatsache geschuldet, dass die Kandidaten-Entscheidung bei der Linken unspektakulär und rational fiel – ganz anders als in den eigenen Reihen. Nicht einmal die beste Rhetorik verdeckt seinen Neid. Nur eines muss man ihm lassen: Der Mann hat echten Unterhaltungswert, ein ernsthafter Kandidat für den KI-Preis des Jahres.

ABBILDUNGEN:

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2023-12-01)

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