kzmira11Lager für Republikaner und Nazis

Konzentrationslager wurden nicht von den Nazis erfunden. Dort, wo die Franquisten siegreich waren, richteten sie ab 1936 Lager dieser Art ein. Im Baskenland: Deustu und Urduña. Das Lager von Miranda, das zu Kriegsbeginn eingerichtet wurde, war am längsten in Betrieb. Seine Geschichte ist einzigartig. Anfangs Internierungslager für republikanische Gefangene, am Ende. Gefängnis für französische Nazis und Faschisten, die vor den Alliierten flohen. Von 1937 bis 1947 wurden hier mehr als 70.000 interniert.

In Miranda (Burgos) entstand das am längsten bestehende Konzentrations-Lager Spaniens, in Betrieb zwischen 1937 und 1947, geprägt von der Geschichte zwischen Spanienkrieg und Zweitem Weltkrieg.

Franco richtete in Spanien um die 300 Konzentrationslager ein. Diese Gefängnisse waren vom Militärputsch bis Ende der 60er Jahre in Betrieb und beherbergten mehr als 700.000 Gefangene. Miranda war ein Sonderfall, da dort neben republikanischen Gefangenen auch Kämpfer der Alliierten des Zweiten Weltkriegs und sogar französische Nazis inhaftiert waren. Durch das Konzentrationslager von Miranda de Ebro gingen etwa 65.000 republikanische Gefangene. Wie in den Lagern und Gefängnissen Francos während des Krieges und der Nachkriegszeit üblich, wurden Gefangene (in der Regel nachts) verschleppt, um ohne Gerichtsverfahren erschossen zu werden. Am 27. Juni 1940 traf die erste Gruppe ausländischer Gefangener, die vom Zweiten Weltkrieg betroffen waren, in Miranda ein. Es handelte sich um 105 belgische Seeleute, die vor der Nazi-Invasion ihres Landes geflohen waren. Im Jahr 1941 gab es kaum noch Spanier (Republikaner) im Lager; die meisten wurden in andere Zentren verlegt oder freigelassen. Das Lager Miranda wurde daraufhin zu einem Zentrum für Ausländer.

Die Wahl von Miranda

kzmira22Miranda de Ebro wurde von den spanischen Putschisten aus mehreren Gründen als Standort ausgewählt. Zunächst einmal war der Militärputsch in der Hauptstadt Burgos erfolgreich gewesen, sodass das Militär die gesamte Provinz kontrollierte. Da es sich außerdem um einen Eisenbahn-Knotenpunkt handelte, verfügten sie über ein Kommunikationssystem, um Gefangene zu transportieren. Die Faschisten suchten zudem einem Ort, der in der Nähe eines Flusses lag, um sich mit Wasser versorgen zu können. Der Fluss Bayas ermöglichte diese Versorgung. Obwohl die Gefangenen zunächst in der Stierkampfarena und in einer Zuckerfabrik untergebracht worden waren, entschied man sich schließlich für das Gelände der Firma Sulfatos. Zunächst nutzten die Franquisten Zirkuszelte, um mit dem Aufbau der Anlagen zu beginnen. Nach und nach wurden Baracken errichtet, in denen die Häftlinge untergebracht werden sollten. Der Fall Bilbaos am 19. Juni 1937 auf dem Vormarsch der Putschisten nach Westen und die Gefangennahme von Tausenden Kriegsgegnern machten das Lager aus der Sicht der Franquisten dringend notwendig.

Die Stadt Miranda im Jahr 1940: Das Konzentrationslager wurde an einem Ort namens “La Hoyada” auf einem Grundstück der Firma Sulfatos Españoles errichtet, das an die Eisenbahnlinie Castejón Bilbao und den Fluss Bayas grenzt. Miranda de Ebro heute: Auf dem Gelände des Lagers befindet sich heute ein Chemie-Unternehmen. Daneben befinden sich das Dokumentations-Zentrum des Konzentrationslagers und der Park der historischen Erinnerung für die Opfer des Franquismus.

Entwicklung des Konzentrationslagers

Das Lager hatte mehrere Formen. Von den ersten Holzbaracken aus dem Jahr 1937 ohne Wasser und Latrinen bis hin zu seinem endgültigen Aussehen, wie auf Luftbildern zu sehen ist. Es umfasste eine Fläche von etwa 42.000 Quadratmetern. Als das Lager eröffnet wurde, befanden sich die Latrinen über dem Fluss Bayas. Über eine ausladende Brücke konnten die Häftlinge tagsüber ihre Exkremente in den Fluss werfen. Endgültige Gestaltung: Der Bereich, der dem Eingang am nächsten lag, war den Unterkünften der Außenwache und der Kommandantur vorbehalten. Der Bereich, der dem Zug am nächsten lag, beherbergte die Baracken der Häftlinge; im entferntesten Bereich waren die Sanitäranlagen. Es gab zwei Reihen mit jeweils 15 Baracken. Sie waren durch den Bereich der Krankenstation und der Duschen von einer Hauptpromenade getrennt, die das Zentrum des Lebens der Insassen bildete. Im Jahr 1938 wurden die ursprünglichen Holzfassaden durch mit Kalk verputzte Lehmwände und ein Ziegeldach ersetzt, das etwas mehr Schutz vor Kälte und Regen bot.

Die Baracken

Die Baracken bestanden aus zwei Reihen von Unterkünften mit jeweils zwei Stockwerken, die durch einen Gang getrennt waren, den man “Straße” nannte. Jede Baracke beherbergte bis zu 400 Gefangene. Auf dem Lehmboden wurde ein etwa 20 Zentimeter hoher Holzboden verlegt. Auf dem Platz befanden sich die Kapelle und das Gebäude, an dem die Flagge gehisst wurde. Die Gefangenen mussten in Formation faschistische Hymnen singen. Zwei Reihen von Baracken führten zu den Unterkünften der Gefangenen.

kzmira33Die drei Phasen des Lagers

In seiner ersten Phase wurde das Lager genutzt, um Soldaten zu inhaftieren, die der Republik treu ergeben waren, sowie Mitglieder der Internationalen Brigaden, Freiwillige aus aller Welt, die nach Spanien gereist waren, um gegen den Faschismus zu kämpfen. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs kamen Menschen nach Miranda, die vor dem Vormarsch der Nazi-Truppen flohen: Soldaten von Armeen, die von den Deutschen besiegt worden waren, alliierte Piloten, die über Europa abgeschossen worden waren, Juden, die vor dem Holocaust flohen. Nach der Invasion in der Normandie landeten Nazis im Lager, die vor den Alliierten in Francos Spanien flohen und an der Grenze festgenommen wurden.

ETAPPE 1 (1937-1940)

REPUBLIKANER UND INTERNATIONALE BRIGADEN

Das Lager war für die Aufnahme von 1.500 Personen ausgelegt, war jedoch sehr schnell überfüllt. Die Bedingungen vor Ort waren sehr hart, geprägt von ständigen Misshandlungen. Daneben herrschten unhygienische Zustände, was zu einer Zunahme von Typhusfällen und anderen Krankheiten führte. Darüber hinaus wurden viele Gefangene gezwungen, sich dem Disziplinarbataillon Nr. 75 für Arbeitsgefangene anzuschließen, was die Bedingungen für die Insassen noch erschwerte. An diesen Ort wurden auch die Mitglieder der Internationalen Brigaden gebracht, die an den verschiedenen Fronten des Bürgerkriegs gefangen genommen worden waren. Menschen aus Dutzenden von Nationen überfüllten das Konzentrationslager, sodass man auf nahe gelegene Mineralbäder zurückgreifen musste, um einen Teil der Gefangenen unterzubringen. Andere wurden in Strafkompanien gebracht, die an der Wiederherstellung der durch den Krieg zerstörten Gebiete arbeiteten, wie beispielsweise im Dorf Nuevo Belchite in Aragon.

Zielort Miranda de Ebro: Die meisten Gefangenen kamen mit dem Zug in Miranda an. Vom Bahnhof des Dorfes mussten sie einige hundert Meter bis zum Eingang des Lagers laufen. Bei ihrer Ankunft im Lager erhielt jeder Gefangene eine Hose, ein Hemd, eine Decke, einen Teller, einen Becher und einen Löffel. Die Klassifizierungskommissionen: Bei ihrer Ankunft wurden die Gefangenen klassifiziert und ihr Schicksal bestimmt. Die Klassifizierungen waren: (*) Die “Anhänger” der Faschisten, sie wurden freigelassen. (*) Gewöhnliche Kriminelle: sie kamen ins Gefängnis und wurden bei Überbelegung freigelassen. (*) Nicht feindlich Gesinnte, die zum Kampf auf der Seite der Republikaner gezwungen worden waren: sie wurden auf der Seite der Putschisten rekrutiert. (*) Abtrünnige in nicht verantwortlichen Positionen: republikanische Freiwillige ohne Verantwortung wurden zur Zwangsarbeit im Konzentrationslager festgehalten. (*) Abtrünnige in verantwortlichen Positionen: republikanische Freiwillige mit Verantwortung wurden zur Zwangsarbeit im Konzentrationslager geschickt. Die “schwerwiegenden Abtrünnigen” kamen ins Gefängnis oder mussten warten, um vor einem Militärgericht angeklagt zu werden.

Der Alltag im Konzentrationslager

Die Lebensbedingungen waren sehr schwierig, vor allem in der ersten Phase des Lagers und wenn der Winter kam. Offiziell wurden 162 Todesfälle durch “natürliche Todesursachen” gezählt, das heißt, durch Krankheiten, die durch die schlechten Bedingungen verursacht wurden (Typhus, Lungenentzündung, Skorbut ...). Den Aussagen der Häftlinge zufolge gab es jedoch viel mehr Todesfälle, beispielsweise bei Fluchtversuchen, die mit Schüssen der Wachen endeten. Zu Beginn gab es kein fließendes Wasser, erst mit der Zeit wurden ein Brunnen und ein Wasser-Tankwagen installiert, um alle Häftlinge zu versorgen. In seiner besten Zeit verfügte das Lager über einen einzigen Trinkwasserhahn, sodass es zu langen Warteschlangen kam. Es gab 18 Duschen, 36 Toiletten und 30 Betten für Kranke.

kzmira4406 Uhr früh – Signalhorn: Der Tag begann um 6 Uhr morgens mit dem Signalhorn. Die Häftlinge stellten sich zur Zählung auf und begaben sich dann zum zentralen Platz, wo sie sich aufstellen und die Flagge hissen mussten und gezwungen wurden, die faschistische Hymne zu singen und Gymnastik zu machen. Arbeitstage: Nach dem “Cara al Sol” (Faschisten-Hymne) wurde gefrühstückt, es begann der Arbeitstag bis zur Zählung am Mittag. Am Nachmittag kehrten sie zu ihrer Arbeit innerhalb oder außerhalb des Geländes zurück. Die Arbeit bestand in der Regel aus Instandhaltungs-Arbeiten, Maurer-, Tischler- und Reinigungs-Arbeiten oder dem Sammeln von Kieselsteinen aus dem Bayas-Fluss zum Pflastern von Straßen, dem Bau von Straßen, der Sanierung von Gebäuden. Die Häftlinge erhielten 2,20 Peseten pro Tag für ihre Arbeit und mussten 1,80 Peseten als “Unterkunftskosten” an das Lager zurückzahlen. In der ersten Phase wurden die Gefangenen in Arbeitsbataillone gebracht, um Schützengräben und andere Arbeiten für das Franco-Regime zu verrichten.

Essen: Eine Schüssel Flüssigkeit aus gerösteten Eicheln zum Frühstück und zum Mittagessen eine Art wässrige Suppe mit Brotwürfeln, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und in seltenen Fällen etwas Fleisch oder Fisch. 23 Uhr – Zapfenstreich: Der Tag endete mit dem Einholen der Flagge, dem Abendessen und dem Zapfenstreich. Neben dem Singen aller Hymnen des neuen Regimes und der Verpflichtung zum Besuch der Kapelle waren die republikanischen Gefangenen ständigen Demütigungen und Schikanen ausgesetzt. Freizeit: Die wenige Freizeit, die ihnen zur Verfügung stand, verbrachten sie mit Spaziergängen, Lesen, Kartenspielen oder Zeichnen. Einige Häftlinge hielten den Alltag im Lager in Cartoons fest. Ihre Zeichnungen, die in mehreren Heften gesammelt sind, befinden sich im Dokumentations-Zentrum von Miranda de Ebro.

ETAPPE 2 (1940-1944)

ZWEITER WELTKRIEG

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs veränderte die Funktion des Lagers. Der rasche Vormarsch der Nazis durch Europa führte dazu, dass Dutzende von Soldaten, die nach Spanien flohen, an der Grenze festgenommen und in Miranda inhaftiert wurden. Die erste Gruppe dieser Art kam aus Belgien, das 1940 von Hitler besetzt worden war. Die Niederlage der englischen und französischen Streitkräfte in Dünkirchen im Mai desselben Jahres führte dazu, dass auch zahlreiche britische und französische Soldaten in der Stadt in der Provinz Burgos landeten. Nach der sogenannten “Razzia im Winter-Velodrom“, der größten Aktion gegen Juden, die 1942 von den pro-nazistischen französischen Behörden durchgeführt wurde, stieg die Zahl der Juden, die vor den Deutschen flohen, an der Grenze festgenommen und in Miranda interniert wurden, sprunghaft an. In Miranda lebten Gefangene aus den Alliierten-Ländern zusammen mit Juden, die aus ganz Europa flohen, und Nazis, die beim Franco-Regime Schutz suchten. (Dokumentations-Zentrum Konzentrationslager Miranda de Ebro)

Das Schicksal der ausländischen Häftlinge im Lager entwickelte sich entsprechend den Wechselfällen des Krieges. Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika im Jahr 1942 begann das Franco-Regime, Häftlinge aus Drittländern besser zu behandeln. In vielen Fällen ermöglichte die Intervention des Roten Kreuzes und der amerikanischen und britischen Botschaften die Freilassung von Häftlingen. Dennoch kam es 1943 zu einem Hungerstreik polnischer Gefangener, die eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen forderten. Fotos zeigen den Blick auf die Anlage vom Fluss Bayas aus. Küche und Duschen (Dokumentations-Zentrum Konzentrationslager Miranda de Ebro).

ETAPPE 3 (1944-1947)

NAZIS UND FASCHISTEN

kzmira55Nach der Landung in der Normandie im Jahr 1944 begannen Dutzende deutscher Soldaten, die in Südfrankreich gefangen waren, nach Spanien zu fliehen. Nachdem sie an der Grenze festgenommen worden waren, wurden viele von ihnen nach Miranda de Ebro und in andere Konzentrationslager im ganzen Land gebracht. Die ersten, die in der Stadt in der Provinz Burgos ankamen, waren eine Gruppe von Zollbeamten aus Irún, die später in die Kurorte Karrantza (Bizkaia)und Sobrón (Araba) gebracht wurden. Durch die Ankunft der Besiegten des Zweiten Weltkriegs musste das Lager in Miranda in zwei Teile geteilt werden: Alliierte und deutsche Nazis. (Fotos: Nazi-Häftlinge spazieren zwischen 1944 und 1945 durch die Pavillons und posieren im Garten. Dokumentations-Zentrum Konzentrationslager Miranda de Ebro. / Am Ende des Flurs befanden sich die Küchen, die Garage und die Ställe. Es gab einen Brunnen und einen Waschplatz für alle Häftlinge des Lagers. / Die Allee, an der sich die Krankenstation, der Friseur, die Werkstätten und das Lager befanden, reichte bis zu den Kommando-Gebäuden, wo sich das Schwimmbad und das Ausgangstor befanden.)

Amerikaner und Engländer begannen, Druck auf Franco auszuüben, der nach der endgültigen Niederlage Hitlers isoliert war. Die neue demokratische Ordnung vergaß nicht ihre Beziehung zu Nazi-Deutschland und die Hilfe, die sie den Besiegten geleistet hatte. Im August 1946 wurde ein großer Teil der im Lager internierten Deutschen zum Hafen von Bilbao gebracht und dort auf die “SS Marine Marlin” verladen, die sie in ihre Heimat zurückbrachte. Bei den meisten handelte es sich um Soldaten ohne größere ausstehende Anklagen. Anderen faschistischen Führungskräften, gegen die schwere Vorwürfe vorlagen, ermöglichte das Franco-Regime die Flucht. Das Lager wurde am 13. Januar 1947 geschlossen, die verbliebenen republikanischen Häftlinge wurden in das Gefängnis von Nanclares de la Oca im baskischen Araba (Álava) verlegt. Zwischen 1949 und 1953 wurden die Einrichtungen als Ausbildungszentrum für Rekruten genutzt und 1954 vollständig abgerissen.

Ein Waschhaus, ein Teil des Wachhäuschens und der Wasserspeicher sind alles, was von diesem Lager übrig geblieben ist, dessen Gelände heute von einem Chemieunternehmen genutzt wird. Nur wenige Meter von diesem Komplex entfernt befindet sich das Dokumentations-Zentrum des Konzentrationslagers. Die Stadtverwaltung von Miranda de Ebro hat diesen Bereich im Bürgerzentrum Raimundo Porres 2024 um Informationstafeln, Fotos und Nachbildungen von Elementen erweitert, die Teil des Lagers waren, sie bietet außerdem Führungen an, um die Bedeutung dieser franquistischen Einrichtung zu erklären, in der Gefangene so vieler Nationalitäten und Ideologien zusammenkamen.

ANMERKUNGEN:

(*) Originaltitel: “El campo de concentración de Miranda, prisión para rojos y nazis“ – “Das Konzentrationslager von Miranda, Gefängnis für Rote und Nazis”, Tageszeitung El Correo, 12.10.2024 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Konzentrationslager Miranda (elcorreo)

(VERÖFFENTLICHUNG BASKULTUR.INFO 2026-02-08)



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