zornotz1Sommer-Intensivkurse

Erwachsene Personen, die die baskische Sprache Euskera lernen möchten, haben in den beiden autonomen Regionen Baskenland und Navarra verschiedene Möglichkeiten. Baskisch-Schulen für Erwachsene gibt es in praktisch allen Gemeinden. Zur Auswahl stehen zwei- oder vierstündige Kurse sowie Intensivkurse in Internaten. Eines der bekannteren dieser Internate befindet sich in der Stadt Zornotza (sp: Amorebieta). Hier werden unter anderem Studierende verschiedener Nationalitäten für Sommerkurse aufgenommen.

Das Internat in Zornotza wird von der Stiftung Aurten Bai (Dieses Jahr Ja) verwaltet, die sich seit 1988 für die Förderung der baskischen Sprache und Kultur einsetzt. Im Sommer 2024 konnten dank einer Vereinbarung mit dem Institut Etxepare 33 Studierende aus verschiedenen Ländern an den Kursen teilnehmen.

Das Etxepare-Institut

Das Baskische Institut Etxepare (baskisch: Etxepare Euskal Institutua) ist eine Einrichtung, die sich der baskischen Sprache und Kultur widmet. Es handelt sich um eine öffentliche Institution, die von der baskischen Regierung im Jahr 2010 gegründet wurde. Das Institut verdankt seinen Namen Bernat Etxepare, dem Autor des ersten Buches in baskischer Sprache, “Linguae Vasconum Primitiae“ aus dem Jahr 1545. Dieses erste in baskischer Sprache verfasste Buch enthält den Satz, der das Institut definiert: "Heuscara / Ialgi hadi mundura" (Baskisch, geh hinaus in die Welt). Heute hat das Institut diesen Slogan erneuert: "Euskara. Kultura. Mundura" (Baskisch. Kultur. In die Welt).

zornotz2Ziel des Instituts ist es, die baskische Sprache, die baskische Kultur und das baskische Kunstschaffen auf internationaler Ebene zu fördern und bekannt zu machen und dadurch dauerhafte Beziehungen zu anderen Ländern, Völkern und Kulturen aufzubauen. Zu diesem Zweck werden künstlerische Aktivitäten auf qualitativ hohem Niveau und die Mobilität von Kulturschaffenden, Künstler*innen und Fachleuten aus Kultur und Wirtschaft sowie die Vermittlung der baskischen Sprache und der baskischen Kultur gefördert. Auch die Zusammenarbeit mit internationalen Akteuren im kulturellen und akademischen Bereich ist ein wichtiger Auftrag. Bei all dem arbeitet das Institut eng mit den baskischen Delegationen im Ausland zusammen.

Die Besonderheit der baskischen Sprache und Kultur hat in verschiedenen Teilen der Welt großes Interesse geweckt. Die Stiftung Aurten Bai (Dieses Jahr ja), die seit mehr als dreißig Jahren das Barnetegi-Internat in Zornotza betreibt, hat eine Vereinbarung mit Etxepare getroffen – “barne“ ist Baskisch und bedeutet “innen“ und “tegi“ ist der “Ort“, auf Deutsch also der innere Ort, das Internat. "Es ist schön, die Sensibilität und die Offenheit für die baskische Sprache von Menschen zu sehen, die nicht einmal hier leben", sagt Edurne Etxebarria, Direktorin des Internats. (1)

Insgesamt haben im Sommer 2024 dreiunddreißig Studierende verschiedener Nationalitäten an dem Angebot teilgenommen, eine Rekordzahl. Siebzehn Studierende belegten den ersten Intensivkurs des Sommers und weitere sechzehn den zweiten, der in der ersten Augusthälfte stattfand. Die Personen der zweiten Gruppe kamen von folgenden Universitäten: Bologna (Norditalien), Sorbonne (Paris), Tiflis (Georgien), Udelar (Universidad de la República Oriental del Uruguay), Warszawski (Warschau Polen), Havanna (Kuba), La Plata (Provinz Buenos Aires Argentinien), Chile (Santiago de Chile), Illinois (Chicago USA) und Ca’Foscari di Venezia (Venedig). "In diesem Jahr haben wir 33 Personen aus verschiedenen Ländern empfangen, die in ihrem Herkunftsland begonnen haben, Baskisch zu lernen, und die hier ihre Kenntnisse verbessern wollten, um mit einem besseren Niveau nach Hause zurückzukehren und ihr Studium fortsetzen zu können", fügt Etxebarria hinzu.

Susana Krzywiec, Marcelo Cunha, Andrea Valle, Dariana López und Eesha Barua sind fünf der 16 Studierenden, die am zweiten Kurs dieses Sommers teilnahmen. Sie kamen aus den Vereinigten Staaten, Uruguay, Kuba und Polen und sind voller Wissbegierde nach Zornotza gekommen, um ihre Baskisch-Kenntnisse zu vertiefen. Sie alle sind begierig darauf, mehr über die baskische Kultur zu erfahren. Die Internats-Leitung weist darauf hin, dass "die meisten der Schüler*innen ein Grundniveau (A0/A1) des Baskischen mitgebracht haben. Außerdem haben einige von ihnen ihren Aufenthalt wiederholt". Tatsächlich bestätigen die Teilnehmer*innen, dass "wir alle zweifellos interessiert sind, da die meisten von uns viele Kilometer zurückgelegt haben, um hierher zu kommen".

Unterschiedliche Motivation

zornotz3Im Fall von Andrea Valle, die aus Uruguay stammt, war es ein 12-stündiger Flug nach Madrid und dann noch eine Stunde nach Bilbao. Die Uruguayerin kam zufällig nach Zornotza: "Ich habe die baskische Sprache im Casa de la Cultura (Kulturzentrum) in Montevideo gelernt, der Stadt, in der ich lebe. Ich ging dort zur Universität, begann die Sprache zu lernen und eins führte zum anderen. Marcelo Cunha, ebenfalls aus Uruguay, hatte seinen ersten Kontakt mit der baskischen Sprache an der Universität. "Ich bin Geschichtslehrer und mache einen Master-Abschluss mit der Besonderheit, die Geschichte von Euskadi mit der von Uruguay zu verknüpfen", erklärt er.

Susana Krzywiec interessiert sich unter anderem für die "baskische Kultur und die Musik der 70er und 80er Jahre, die der polnischen Musik jener Zeit sehr ähnlich ist". Darüber hinaus erklärt Kzrywiec, dass es in ihrem Land "zwei Universitäten gibt, die Baskisch anbieten, in Warschau, wo ich herkomme, und in Posen". Die aus den Vereinigten Staaten kommende Eesha Barua betont: "Ich habe mich in die baskische Sprache verliebt, ich hatte die Möglichkeit zu kommen und bin hier, um zu lernen. Das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Nationalitäten funktioniert sehr gut". In anderen Fällen ist es Gefallen vom ersten Moment an. Valle und Cunha mussten in Uruguay "einen Kurs in einer anderen, also landesfremden Sprache belegen, Baskisch ist dafür nicht vorgesehen, aber wir fanden es attraktiv".

"Kaixo" zu jeder Zeit

Nachdem sie sich auf Baskisch vorgestellt haben, Namen, Nachnamen, ihr Alter und ihre Herkunft genannt haben, fügen sie hinzu, dass "jede Gelegenheit eine gute Gelegenheit ist, um sich auszutauschen, sich auszudrücken und ein wenig mehr von unseren Baskisch-Kenntnissen einzubringen".

In diesem Sinne erläutert Dariana López, dass "wir das Baskische intensiver erleben als die Baskisch-Sprechenden selbst. “Wenn ich in den Supermarkt gehe, weil ich etwas Persönliches brauche, beginnt eine Interaktion, ich stelle Fragen und bestelle auf Baskisch. Die Wahrheit ist, dass wir uns gegenseitig stark animieren. Dank des Baskisch-Lernens konnte ich mich einer Gruppe von Leuten anschließen, die hier leben und Baskisch lernen oder sprechen. Es sind die besten Menschen, die ich je in meinem Leben getroffen habe", resümiert Dariana López. "Das Baskische hat etwas Besonderes, das auch die Menschen, die es sprechen, so besonders macht", fügt sie hinzu.

Eine andere Art des Lernens

zornotz4In ihren Heimatländern vermissen sie beim Baskisch-Lernen die Tatsache, sich direkt unterhalten zu können, nicht nur durch Ton- und Video-Aufzeichnungen. Der Kontrast, den sie diesen Sommer im Barnetegi erlebten, ist somit total. "Hier sind wir 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, was bedeutet, dass wir jeden Tag mit etwas Neugelerntem aufs Zimmer gehen. Dieses Neue, das wir in uns aufnehmen, erlaubt uns, jeden Tag ein bisschen mehr zu sprechen", sagt Andrea Valle. Susana Kzrywiec weist lachend darauf hin, dass sie einige Ähnlichkeiten zwischen Polnisch und Baskisch entdeckt hat. "Manchmal ist es lustig, als Polin Baskisch zu lernen, weil manche baskischen Wörter wie polnische Diminutive klingen". Eesha Barua verweist anekdotisch auf den Unterschied zwischen "dem gesprochenen Baskisch und den in Liedern zu hörenden Versionen". Sie sagt, sie habe sich in die Euskal Abestiak, die baskischen Lieder verliebt.

Positive Bewertung

Edurne Etxebarria zieht eine positive Bilanz der Erfahrungen in dem von ihr geleiteten Barnetegi. "Zwölf Tage hier, acht Stunden Unterricht pro Tag, dann Aktivitäten, den ganzen Tag zusammen verbringen. Wir bieten den Schüler*innen ein System des totalen Eintauchens und aufgrund dessen verlassen sie uns mit einem höheren Sprachniveau". Ein Unterschied, den Etxebarria eindeutig in den unteren Klassenstufen feststellt, für deren Niveau sich normalerweise die Interaktion eher kompliziert darstellt. Aus diesem Grund fügt die Direktorin hinzu, dass "mit Geduld und Willen hier alles erreichbar ist – und die Studierenden haben sehr viel Engagement gezeigt. Außerdem haben wir Lehrpersonal, das nicht nur Baskisch spricht, sondern auch Spanisch, Englisch, verschiedene Sprachen also, mit denen sie kommunizieren können".

Alle Jahre wieder

Die Stiftung Aurten Bai, die das Barnetegi verwaltet, ermöglicht es den Studierenden, die aufgrund einer mit dem Etxepare-Institut geschlossenen Vereinbarung teilnehmen, ihren Aufenthalt zu wiederholen. In all den Jahren seit das Projekt aktiv ist, gibt es einige Studierende, die nach den Worten der Direktorin ihren Aufenthalt "fünf oder sechs Jahre hintereinander" wiederholt haben. In diesem Zusammenhang erinnert Edurne Etxebarria daran, dass eine Schülerin aus Polen das C2-Zertifikat erworben hat, die höchste Auszeichung im Zusammenhang mit der baskischen Sprache. Jene Schülerin hatte ein so außerordentliches sprachliches Interesse, das Euskera erhielt in ihrem Leben eine derartige Bedeutung, dass sie schließlich umzog, um hier in Euskal Herria zu leben.

ANMERKUNGEN:

(1) Die Basis-Information sowie alle Zitate stammen aus folgendem Artikel, es handelt sich um keine Übersetzung: “El barnetegi de Zornotza acoge a alumnos de diferentes nacionalidades unidos por el euskera“ (Das Barnetegi von Zornotza empfängt Studenten verschiedener Nationalitäten, die durch die baskische Sprache vereint sind) Tageszeitung Deia, 2024-08-11 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Barnetegi Zornotza (deia)

(2) Barnetegi Zornotza

(3) Barnetegi Zornotza (elaide)

(4) Barnetegi Zornotza

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-10-18)

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