fbwm26aUmsatz-Rekord-Geschichten

Fußball war einmal Sport. Mittlerweile ist es nur noch Geschäft. Ein brutales und lohnendes Geschäft. Milliardäre kaufen reihenweise Clubs. Jetzt wartet eine neue Weltmeisterschaft. Traum aller Kinder, Alptraum aller Sportfreunde. Die FIFA erwartet einen Umsatzrekord, wenn Präsident Gianni Infantino sein zehnjähriges Jubiläum an der Spitze feiert. In dieser Zeit hat er ganze Arbeit geleistet, strategische Partnerschaften, um der Macht willen, zur Sicherstellung seiner Projekte. Manipulation im Weltmaßstab.

Lange vor der ersten Fußball-Weltmeisterschaft wurde die FIFA 1904 in Paris gegründet, anlässlich des ersten Länderspiels Belgien Frankreich. Gründungsmitglieder: Schweiz, Dänemark, Frankreich, Niederlande, Belgien, Schweden.

Spanien war vom Madrid Football Club vertreten, der Deutsche Fußball-Bund trat der FIFA noch am Gründungstag telegrafisch bei. In den nächsten Jahren kamen weitere Verbände hinzu. Der erste große internationale Wettbewerb fand an den Olympischen Sommerspielen 1908 in London statt. Auch im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 1912 wurde ein Fußball-Wettbewerb ausgetragen. Während des Ersten Weltkriegs geriet die Entwicklung ins Stocken, es konnten keine Spiele mehr ausgetragen werden, mehrere Verbände (u.a. England) traten aus der FIFA aus. Mit der Zeit wurde aus dem Sportverband eine Organisation, mit der viel Geld zu verdienen war und Machtpolitik gespielt werden konnte, mit Boykotten und Austragungs-Vergaben.

Die Drei-Länder-WM 2026 wird zur vorläufigen Krönung der kapitalistischen Entwicklung des Weltverbands. Erschwerend hinzu kommt, dass einer der Veranstalter, die USA, Krieg führen gegen einen anderen Teilnehmer, den Iran, und dass der US-Präsident die beiden anderen Austräger mit militärischer Intervention bedroht hat. Beste Voraussetzungen also für ein „Fest der Völkerverständigung“ wie es von der bürgerlichen Presse gerne, aber völlig unrealistisch dargestellt wird. Weil das genaue Gegenteil der Fall ist, wurden viele Rufe nach Boykott laut. Wenige Tage vor dem unwürdigen Spektakel sind sie verstummt, oder verstummt worden.

Infantinos feuchte Träume

Gianni Infantino erinnert gerne daran, dass die Weltmeisterschaft 2026 die umsatzstärkste in der Geschichte sein wird. Und das ist auch kein Wunder; schließlich war dies das Ziel, als die FIFA beschloss, die Zahl der teilnehmenden Teams von 32 auf 48 zu erhöhen. Dabei muss anerkannt werden, dass die Bemühungen zur Verbesserung der finanziellen Lage der FIFA Früchte getragen haben und sich die Einnahmen der Organisation seit Infantinos Amtsantritt im Jahr 2016 vervielfacht haben. (*)

fbwm26bEs stimmt auch, dass er selbst diese Zielsetzung verkündet hat, als er den Vertretern der 211 nationalen Verbände vollmundig sagte: „Das Geld der FIFA ist euer Geld.“ Das geschah 2016, als er gerade zum Präsidenten gewählt worden war und sich die Gunst jedes einzelnen Verbandes mit Versprechen sichern musste. Eines ist glasklar: Im Königssport ist nur noch wenig Romantik übrig, und so sehr eines der Mottos der FIFA auch „zum Wohle des Fußballs“ lautet, machten Infantinos Worte bereits deutlich, dass der wirtschaftliche Faktor eine der Säulen seiner Amtsführung sein würde.

Um die Einnahmen zu steigern, tastete sich Infantino zunächst mit dem Vorschlag vor, alle zwei Jahre eine Weltmeisterschaft zu organisieren, doch dieser fand wenig Anklang. Er war der Hauptinitiator der Klub-Weltmeisterschaft, doch das Projekt wäre beinahe an fehlender Finanzierung gescheitert. Da es sich um ein Turnier ohne Prestige handelte, das am Ende der Saison 24/25 angesetzt war, sah sich die FIFA gezwungen, den teilnehmenden Clubs erhebliche Einnahmen zu garantieren, um die Teilnahme ihrer besten Spieler sicherzustellen. Wenige Monate vor Turnierbeginn gab es keine Fernsehsender, die bereit waren, die geforderten Summen zu zahlen, bis sie einen Vertrag mit DAZN über die weltweiten Fernsehrechte im Wert von 1 Milliarde Dollar unterzeichneten – eine Summe, die genau dem Betrag entsprach, den die FIFA den teilnehmenden Vereinen zugesagt hatte.

Denn so sehr die FIFA auch versucht hat, ihre Einnahmen zu diversifizieren, und so sehr sie vom Wachstum des Frauen-Fußballs profitiert hat – das Produkt, das ihr Einnahmen in Milliardenhöhe garantiert, ist nach wie vor die Männer-WM. Mit diesem neuen 48-Team-Format für die Ausgabe 2026 hofft sie, Einnahmen in Höhe von 11 Milliarden Dollar zu erzielen und damit die 7,5 Milliarden aus Katar und die 5,3 Milliarden aus Russland zu übertreffen. So lässt sich auch der Wunsch der FIFA besser verstehen, den Fußball zu globalisieren. Wie es bereits in einem ihrer Mottos heißt, tut sie alles „zum Wohle des Fußballs“.

Nicht ganz so global

Die FIFA spricht auch gerne davon, dass Fußball der globalste Sport sei, und sie lügt nicht einmal, wenn sie sagt, dass die Weltmeisterschaft das meistverfolgte Sportereignis der Welt ist. Allerdings hat sie noch eine Rechnung offen mit der bevölkerungsreichsten Region der Erde. Denn während der Fußball in weiten Teilen Amerikas, Afrikas und Europas für Begeisterung sorgt, ist er in vielen Teilen Asiens nicht die Haupt-Sportart. Die fünf bevölkerungsreichsten Länder der Welt (Indien, China, die Vereinigten Staaten, Indonesien und Pakistan) machen 45% der Weltbevölkerung aus, doch nur im Falle Indonesiens könnte man sagen, dass es sich um die Hauptsportart des Landes handelt. Der vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping vor mehr als einem Jahrzehnt in China initiierte Plan zur Entwicklung des Fußballs scheiterte letztendlich, und in Indien und Pakistan kann er nicht mit der Popularität des britischen Kolonialsports Cricket konkurrieren.

Auch kann nicht behauptet werden, die FIFA habe nicht zum chinesischen Entwicklungsplan beigetragen. Infantino selbst besuchte den asiatischen Riesen und wurde von Xi Jinping empfangen, als die Regierung den Fußball im Land förderte und die Liga internationale Stars wie Tévez, Alexandre Pato, Lavezzi oder Robinho anzog. Zu Beginn seiner Amtszeit an der Spitze des Welt-Fußball-Verbandes wurde China zu einem der wichtigsten Verbündeten für Infantinos Pläne, als der „FIFAgate“-Skandal mehrere westliche Unternehmen vom Fußball distanzierte und chinesische Sponsoren diesen strategischen Platz einnahmen. Später ließen Korruptionsskandale im chinesischen Verband selbst das Interesse der Regierung schwinden, der Fußball wuchs in dem asiatischen Land nicht mehr weiter.

Die Lücke, die durch das Scheitern von Xi Jinpings Plan entstanden war, wurde von zwei Verbündeten gefüllt, die für Infantino und die Weltmeisterschaft 2026 letztlich von entscheidender Bedeutung waren. Während das FBI die Korruption bei der FIFA aufgedeckt hatte, profitierten US-amerikanische Fernsehsender wie FOX (weit rechts) von dem entstandenen Vakuum auf unternehmerischer Ebene und konnten ihre Position in für den Fußball besonders wertvollen Märkten, wie den lateinamerikanischen Ländern, festigen. Gleichzeitig erkannten US-amerikanische Investoren in diesem Sport einen lukrativen Markt, und innerhalb eines Jahrzehnts hat sich die Zahl der englischen Vereine mit Eigentümern aus den USA sowohl in der Premier League als auch in der Championship, der ersten und zweiten Liga in England, verdoppelt.

Das Interesse der US-Amerikaner, das die FIFA mit der WM 1994 wecken wollte, hat sie dreißig Jahre später schließlich gefunden. Hand in Hand mit dem Wachstum der hispanischen Bevölkerung im Land hat der Fußball immer mehr Fans gewonnen und ist schließlich zu einem Schlüsselelement der Fernseh-Strategien geworden. Die Verpflichtung von Leo Messi bei Inter Miami im Jahr 2023 hat dieses Wachstum endgültig gefestigt – mit einem Vertrag, der die Option auf eine Beteiligung am Verein sowie eine Beteiligung an den neuen Einnahmen von Apple TV ab dem Zeitpunkt der Verpflichtung des argentinischen Spielers beinhaltete. So wird die Weltmeisterschaft 2026 in einem ganz anderen Kontext stattfinden als die von 1994 und vor einer Bevölkerung, die sich viel stärker für Fußball interessiert.

Mit der Weltmeisterschaft als Haupt-Attraktionspunkt hat Infantino Allianzen geknüpft, die es ihm ermöglichen, den Fußball mit ausreichender Stabilität zu führen. Er hat bereits angekündigt, dass er sich 2027 zur Wiederwahl stellen wird, und es scheint unwahrscheinlich, dass ihm ein anderer Kandidat den Rang ablaufen könnte.

Der arabische Faktor

fbwm26cInfantino erkannte das Interesse der Vereinigten Staaten nach dem Eingreifen des FBI im „FIFAgate“-Skandal, doch das ist nicht der einzige wichtige Schachzug des Schweizers. Als er die Leitung der FIFA übernahm, hatten die arabischen Länder bereits ihren eigenen Wettlauf um den Einstieg in die Welt des Fußballs begonnen, und das Geld aus diesen Ländern war bereits eine wichtige Finanzquelle in diesem Sport. Während die Vereinigten Arabischen Emirate bereits 2008 Manchester City übernahmen und Katar 2012 Paris Saint-Germain erwarb, kaufte Saudi-Arabien schließlich 2021 Newcastle United. Gleichzeitig leistete Infantino entscheidende Unterstützung, um nach dem „FIFAgate“-Skandal Zweifel an der Austragung der Weltmeisterschaft 2022 in Katar auszuräumen. Anschließend vergab er an dieses Land die Ausrichtung der U-17-Weltmeisterschaften 2025 und 2026. Auch die VAE haben ihren Anteil am Kuchen erhalten, dort fanden während Infantinos Amtszeit drei Ausgaben der Klub-Weltmeisterschaft statt.

Doch die Beziehung der FIFA zu Saudi-Arabien war noch enger. Im Laufe des Jahrzehnts, in dem Infantino das Amt des Präsidenten innehatte, haben die massiven saudischen Investitionen die Fußball-Landschaft verändert. Der Schweizer hat es verstanden, seine Beziehung zu den saudischen Machthabern zu vertiefen. Er spielte eine Schlüsselrolle bei der Beilegung des Konflikts zwischen Saudi-Arabien und dem katarischen Fernsehsender beIN Sports, was letztlich entscheidend dafür war, dass die Premier League das Angebot des Staatsfonds PIF für Newcastle United akzeptierte.

Im Jahr 2023 versuchte er, eine Vereinbarung zwischen der saudischen Tourismus-Agentur und der FIFA über das Sponsoring der Frauen-WM abzuschließen, doch die Proteste der Fußballerinnen verhinderten, dass diese zustande kam. Ein Jahr später unterzeichnete der saudische Ölkonzern Aramco, das Unternehmen mit dem höchsten Marktwert der Welt, einen Sponsorenvertrag, der ihn zum strategischen Partner der FIFA machte. Ende des Jahres erreichte Saudi-Arabien eines seiner strategischen Ziele, als der außerordentliche FIFA-Kongress dem Land per Akklamation die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2034 zusprach. Kurz darauf sicherte die Vereinbarung mit DAZN die Finanzierung der Klub-Weltmeisterschaft. Einige Tage später stieg Saudi-Arabien als Anteilseigner in die Plattform ein, die seitdem ihre Beziehung zur FIFA weiter vertieft hat und heute auch den Streaming-Kanal der Institution betreibt, einschließlich ihres Archivs der Weltmeisterschaften.

Die FIFA verfügt heute über ein bei Investoren sehr begehrtes Produkt, und Infantino wusste dies seit seinem Amtsantritt als Präsident der Institution geschickt zu nutzen. Mit der Weltmeisterschaft als Haupt-Anziehungspunkt hat er Allianzen geknüpft, die es ihm ermöglichen, den Fußball mit ausreichender Stabilität zu führen. Er hat bereits angekündigt, dass er sich 2027 zur Wiederwahl stellen wird, und es scheint unwahrscheinlich, dass ihm ein anderer Kandidat den Rang ablaufen könnte.

Gleichzeitig sind im letzten Jahrzehnt Investoren aus den USA und den arabischen Ländern über Fernsehrechte oder den Kauf von Vereinen in den Fußball eingestiegen. Von der FIFA aus hat Infantino beobachtet, wie sich Phänomene wie Mehrfachbesitz ausbreiteten, während Investmentfonds dazu beitrugen, die Projekte zu finanzieren, auf denen das wirtschaftliche Wachstum der Institution beruhte. Infolgedessen erwartet die FIFA bei dieser Weltmeisterschaft 2026 einen neuen Umsatzrekord. Wir wissen ja: alles „zum Wohle des Fußballs“.

ANMERKUNGEN:

(*) „El mundial más rico de la historia” (Die reichste Weltmeisterschaft der Geschichte), Tageszeitung Gara, 2026-06-06, Übersetzung: baskultur.info (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) FIFA (giger graphics)
(2) FIFA (facebook)
(3) FIFA (picture alliance)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-06-07)

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