ghassan1Der Fall Ghassan Abu-Sittah

Auf dem Palästina-Kongress in Berlin sollte der Arzt Ghassan Abu-Sittah über seine Eindrücke aus Gaza sprechen. Doch die deutschen Behörden verweigerten ihm die Einreise. Einen Tag zuvor hielt er an der Glasgow University seine Rede zur Wahl zum Rektor der Universität, die er mit beachtlichen 80 Prozent der Stimmen gewinnen konnte. Seine Kollegin Ophira Gamliel schreibt über diese Rede, über die Lage in Gaza und Abu-Sittahs Erfahrungen. Hintergrundbericht aus dem zeitkritischen Portal Freiheitsliebe.

Wenn die Türkei wegen fehlender demokratischer Strukturen nicht Mitglied in der EU werden darf, sollte sich der deutsche Staat langsam ebenfalls Sorgen machen. Wofür Putin kritisiert wird, keine Presse- und Meinungsfreiheit, wird in der BRD ebenfalls gang und gäbe. Vor allem, wenn es um Palästina geht.

FHL: Es war eine beeindruckende, feierliche Zeremonie. Die kathedralen-artige Bute Hall aus dem 19. Jahrhundert war voll mit Studierenden, mehreren Mitgliedern der University and College Union (UCU) und leitenden Angestellten, die vorne saßen. Der neu gewählte Rektor, Dr. Ghassan Abu-Sittah, wurde von Haillie Pentleton-Owens und Ross Whiptowards, dem Vorsitzenden und dem stellvertretenden Vorsitzenden der Studierendenvertretung, in Begleitung der Universitäts-Seelsorgerin Carolyn Kelly durch den Saal geführt. Dr. Abu-Sittah, ein plastischer Chirurg und ehemaliger Student aus Glasgow, wurde mit dem wunderschönen Lied “Kelvingrove“ begrüßt. Trotz des andächtigen Ambientes waren alle Anwesenden von den erschütternden Berichten aus dem Gazastreifen ergriffen, wo Dr. Abu-Sittah 43 Tage lang als Freiwilliger in vollkommen überlasteten Krankenhäusern arbeitete. Aufgrund seiner Erfahrungen aus erster Hand in der unbarmherzig bombardierten Enklave nominierten ihn unsere Schülerinnen und Schüler, oder in seinen eigenen Worten (1):

„Alles, was ich über Kriege gewusst hatte, war nichts im Vergleich zu dem, was ich gesehen habe. Es war der Unterschied zwischen einer Flut und einem Tsunami. 43 Tage lang sah ich zu, wie die Tötungs-Maschinen das Leben und die Körper der Palästinenser im Gazastreifen zerstörten, von denen die Hälfte Kinder waren. Nachdem ich zurückgekehrt war, baten mich die Studierenden der Glasgow University, für die Wahl zum Rektor zu kandidieren.“

Methode Mundtotmachen

ghassan2Nur einen Tag nach seiner Rede wurde Dr. Abu-Sittah die Einreise nach Deutschland verweigert, um ihn daran zu hindern, auf dem Palästina-Kongress über dieselben schrecklichen Erfahrungen auszusagen. Der krasse Gegensatz zwischen dem hohen Podium der Bute Hall in Glasgow und dem Arrestraum im Berliner Flughafen ist erschütternd. Er verdeutlicht die scharfen Gegensätze zwischen Zuhören und Schweigen, Inklusion und Ausgrenzung, Solidarität und gewaltsamer Unterdrückung.

Dr. Abu-Sittah wurde eingeladen, in der Bute Hall zu sprechen, nachdem er bei den Wahlen mit einer noch nie dagewesenen Wahlbeteiligung einen beeindruckenden Sieg von 80% errungen hatte. Warum war es für unsere Studierenden so wichtig, dass ein so prominenter pro-palästinensischer Fürsprecher sie vertritt? Es muss erwähnt werden, dass unsere Studierenden mit den steigenden Lebenshaltungskosten im Schottland nach dem Brexit zu kämpfen haben und sich noch gut an die Pandemie erinnern, die ihren Studiengang stark beeinträchtigt hat. Dennoch verspürten sie den Drang, den Opfern von Rassismus und Kolonialisierung mit einem Gefühl der Kollegialität zuzuhören, das Dr. Abu-Sittah in seiner Rede sehr wohl zu würdigen wusste:

Sie stimmten für die Solidarität mit den Schülern und Lehrern von 360 zerstörten Schulen und zwölf völlig dem Erdboden gleichgemachten Universitäten. Sie erklärten sich solidarisch mit der Familie und dem Andenken an Dima Alhaj, einer Absolventin der Universität Glasgow, die zusammen mit ihrem Baby und ihrer ganzen Familie ermordet wurde.

Schließlich ist die Solidarität mit den Unterdrückten genau das, was unsere Universitäten als fortschrittlich und erstrebenswert propagieren – und das zu Recht. Die Universität Glasgow ist stolz darauf, Wege zur Aufnahme und Unterstützung von Geflüchteten zu ebnen, was das Schweigen zu Gaza umso peinlicher macht.

Woher kommt dieses Schweigen?

Dozenten in Glasgow wie auch anderswo im Vereinigten Königreich befürchten, wegen ihrer Kritik an Israel des Antisemitismus bezichtigt zu werden. Die Glasgow University hat die IHRA-Definition (2) von Antisemitismus irgendwann im März 2021 übernommen, trotz wiederholter Aufrufe von UCU-Mitgliedern, sie nicht zu übernehmen, da sie über ihre notorische abschreckende Wirkung auf die akademische Freiheit besorgt sind. Und das nicht ohne Grund: Auf die negativen Auswirkungen der IHRA-Definition auf Universitäten wurde von Kritikern in Europa, Nordamerika und dem Vereinigten Königreich, darunter Kenneth Stern, der die Definition entworfen hat, immer wieder hingewiesen. Nach dem 7. Oktober erwiesen sich die verheerenden Folgen der Vermischung von Antisemitismus mit Kritik an Israel als bemerkenswert nachteilig. Trotz wiederholter Aufrufe von Genozid-Forschenden und Rechts-Expert*innen und trotz des Beschlusses des Internationalen Gerichtshofs vom 26. Januar 2024 sowie der Resolution 2728 des UN-Sicherheitsrats war keine Macht in der Lage, die israelische Tötungs-Maschinerie im Gazastreifen zu stoppen, die die gesamte Region in immer größer werdende Gewalt und Elend zu stürzen droht, einschließlich Israelis und Jüd*innen. Wie Dr. Abu-Sittah in seiner Eröffnungsrede sagte:

“Die Studierenden der Glasgow University haben verstanden, was wir zu verlieren haben, wenn wir zulassen, dass unsere Politik unmenschlich wird. Sie haben auch verstanden, dass das Wichtige und Besondere an Gaza ist, dass es das Labor ist, in dem das globale Kapital den Umgang mit überschüssigen Bevölkerungen untersucht. Sie standen an der Seite des Gazastreifens und in Solidarität mit dessen Bevölkerung, weil sie verstanden haben, dass die Waffen, die Benjamin Netanjahu heute einsetzt, die Waffen sind, die Narendra Modi (Indischer Premier) morgen einsetzen wird. Die Quadrokopter und Drohnen mit Scharfschützengewehren – die im Gazastreifen so raffiniert und effizient eingesetzt werden, dass wir eines Nachts im Al-Ahli-Krankenhaus mehr als 30 verwundete Zivilisten empfingen, die von diesen Erfindungen vor unserem Krankenhaus angeschossen wurden – die heute in Gaza eingesetzt werden, werden morgen in Mumbai, in Nairobi und in Sao Paulo eingesetzt. Die von Israel entwickelte Gesichtserkennungs-Software wird schließlich auch in Easterhouse und Springburn zum Einsatz kommen.“

Den Opfern zuhören

ghassan3(Ophira Gamliel) Als im Ausland lebende Israeli fühle ich mich unwohl, wenn ich diese Worte höre. Aber mein Unbehagen macht diese Bedenken nicht weniger berechtigt, und es legitimiert auch nicht, die Fakten zum Schweigen zu bringen. Darüber hinaus kann ich als israelische Jüdin, die den Holocaust in zweiter Generation überlebt hat, mit Überzeugung sagen, dass es uns Israelis keinen Gefallen tut, die Kritik an Israel zum Schweigen zu bringen. Das Gegenteil ist der Fall. Das Zögern, sich mit den Tatsachen auseinanderzusetzen und sie zu diskutieren, ermutigt die abscheulichsten, kriminellsten und fanatischsten Kräfte in unserer israelischen Gesellschaft, ihre expliziten Völkermord-Pläne unbeirrt weiterzuverfolgen, und ebnet gleichzeitig den Weg zu unserem eigenen Untergang. Mehrere Analysten wie der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des israelischen Nationalen Sicherheitsrates, Eran Etzion, warnen uns vor den Folgen dieser Brutalität. Etzion ist weder ein “Linker“ noch besonders pro-palästinensisch, doch auch er würde die Fakten nicht leugnen. Es wäre unprofessionell und rücksichtslos, dies zu tun. Wie kann unter diesen Umständen das Verschweigen der unmittelbaren Opfer von Israels unsäglicher Brutalität als vorteilhaft für Israelis oder Juden angesehen werden?

Das Gegenteil ist der Fall. Die Projektion von Antisemitismus auf Antizionismus und pro-palästinensische Befürwortung hindert unsere Regierungssysteme daran, die verheerende Katastrophe im Gazastreifen und im Westjordanland und folglich auch in Israel wirksam zu lindern (siehe Neve Gordon, 2024; siehe auch Rebecca Ruth Gould, 2018). Den Opfern von Rassismus und Kolonialisierung zuzuhören, auch wenn sie als “Opfer der Opfer“ betrachtet werden, bringt ein Gefühl der Klarheit, das die negativen Auswirkungen der IHRA-Definition auf den Punkt bringt:

“Für wen haben diese Studierenden also in Wirklichkeit gestimmt? Mein Name ist Ghassan Solieman Hussain Dahashan Saqer Dahashan Ahmed Mahmoud Abu-Sittah, und mit Ausnahme von mir wurden mein Vater und alle meine Vorfahren in Palästina geboren, einem Land, das von einem der früheren Rektoren der Glasgow University (Balfour) verschenkt wurde. Drei Jahrzehnte bevor seine Erklärung mit sechsundvierzig Wörtern die Unterstützung der britischen Regierung für die Kolonisierung Palästinas durch Siedler verkündete, wurde Arthur Balfour zum Lord Rector der Glasgow University ernannt. ‘Ein Blick auf die Welt … zeigt uns eine große Anzahl wilder Communitys, die sich offenbar auf einer Kulturstufe befinden, die sich nicht wesentlich von der des prähistorischen Menschen unterscheidet‘, sagte Balfour in seiner Rektoratsrede 1891. Sechzehn Jahre später entwarf dieser Antisemit das Ausländergesetz von 1905, um Juden, die vor den Pogromen in Osteuropa flohen, daran zu hindern, sich im Vereinigten Königreich in Sicherheit zu bringen.“

(OG) In unseren eigenen Institutionen und in unseren Gemeinschaften kristallisierte sich das Elend und die Verwüstung, die Israel im Gazastreifen anrichtete, als dunkler, schwerer Elefant heraus, der inmitten jedes Hörsaals, jedes Sitzungszimmers und jeder öffentlichen Versammlung stand. Wir lehren unsere Studierenden kritisches Denken und ermutigen sie, die Welt zu verändern: “Glasgow verändert die Welt“ ist ein Slogan, der von unseren Marketing-Teams wiederholt wird. Dennoch sind wir nicht in der Lage, der düsteren Realität der israelischen Besatzung, Unterdrückung, Apartheid, ethnischen Säuberung und ihrem Endergebnis ins Auge zu sehen: einem sich entfaltenden Völkermord in Gaza, der in den letzten sechs Monaten täglich in den sozialen und Mainstream-Medien übertragen wurde. Unsere Studierenden hören zu, und unser Schweigen ist ohrenbetäubend. Deshalb haben die Studierenden der Glasgow University ihre demokratische Macht genutzt und einen freimütigen Rektor gewählt, der sie vertritt. Unsere Studierenden sind nicht die einzigen; progressive und liberale Wähler*innen in den mächtigen Ländern, in denen Kritik an Israel als antisemitisch gebrandmarkt und zum Schweigen gebracht wird, hören zu. Fakten zum Schweigen zu bringen ist nicht nur zwecklos, sondern schadet auch unserer Fähigkeit, zuzuhören, und birgt die Gefahr, dass unsere Universitäten, Rechtssysteme und internationalen humanitären Rahmenwerke, die verhindern sollen, dass sich die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs jemals wiederholen, irreparablen Schaden nehmen.

Von Dr. Ophira Gamliel, Dozentin für South Asian Religions an der Glasgow University. Die vollständige Rede von Ghassan Abu-Sittah kann unter dem folgenden Link gefunden werden (1).

International Holocaust Remembrance Alliance

ghassan4Um die immer wiederkehrende Kritik an der Kritik – jede Kritik am kolonialen Staat Israel sei antisemitisch motiviert – besser zu verstehen lohnt sich ein Blick auf die Geschichte der IHRA, der “Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken“, die 1998 in Stockholm mit dem Ziel gegründet wurde, um die Aufklärung, Erforschung und Erinnerung des Holocaust weltweit zu fördern. Bis Januar 2013 hieß sie “Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research” (englisch abgekürzt ITF). Sie ist die einzige zwischenstaatliche Organisation, die sich ausschließlich diesem Zweck widmet. Sie hat derzeit (2021) 34 Mitgliedstaaten, einen Partnerstaat und acht Beobachterstaaten. Basis und Arbeitsauftrag der IHRA und ihrer Mitglieder ist die „Stockholmer Erklärung“ aus dem Jahr 2000. (2)

Kontroversen: Die IHRA-Arbeitsdefinition wurde jahrelang von Antisemitismus-Forschern erarbeitet und von demokratisch gewählten Parlamenten und Regierungen angenommen. Kritik daran bezieht sich laut der Kultur-Wissenschaftlerin Aleida Assmann vor allem auf zwei Fragen: welche Kritik an Israels Regierungen legitim sei und ob Antisemitismus grundsätzlich getrennt von Rassismus oder beide als Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu betrachten seien. Gemäß der IHRA-Arbeitsdefinition stufen Antisemitismus-Forscher und Politik-Wissenschaftler die internationale Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) meist als antisemitisch ein, zum einen wegen der gegen Israels Existenzrecht gerichteten BDS-Ziele, zum anderen, weil BDS-Anhänger Israels Palästina-Politik oft mit Nazismus und Rassismus gleichsetzen, Israel selektiv und maßlos Menschenrechts-Verstöße vorwerfen, jüdisches Selbstbestimmungsrecht bestreiten und jüdische Individuen angreifen. Dagegen lehnen BDS-Unterstützer-Gruppen die IHRA-Definition und ihre Anwendung auf BDS als Angriff auf ihre Meinungsfreiheit ab.

In mehreren westlichen Staaten stellten sich Akademiker als Einzelne oder in Gruppen öffentlich gegen parlamentarische und staatliche Beschlüsse zur Annahme der IHRA-Definition:

(*) Im September 2019 in Deutschland veröffentlichte der Antisemitismus-Forscher Peter Ullrich ein Gutachten für die Rosa-Luxemburg-Stiftung, das die IHRA-Definition als „inkonsistent, widersprüchlich und ausgesprochen vage formuliert“ kritisierte. In ihr fehlten ideologische und organisationssoziologische Aspekte des Antisemitismus. Viele ihrer Beispiele seien mehrdeutig und nur mitsamt Kontextinformationen anwendbar. Sie sorge daher nur für prozedurale Legitimität verschiedener, letztlich willkürlicher Anwendungen.

(*) Am 2. Dezember 2019 in Frankreich erklärten 127 jüdische und israelische Akademiker: Die “unklare und ungenaue“ IHRA-Definition bringe “bewusst Kritik und Opposition gegen die politischen Maßnahmen des Staates Israel mit Antisemitismus in Verbindung“ und führe selbst eine “ungerechtfertigte Doppelmoral zugunsten Israels und gegen die Palästinenser“ ein.

(*) Am 11. Januar 2021 in Großbritannien forderten rund 180 Akademiker die britischen Universitäten und Studenten auf, die “inhärent falsche“, “vage“ und “inhaltsarme“ Definition abzulehnen oder zurückzunehmen. Zuvor hatte der britische Historiker David Feldman die IHRA-Definition als ungeeignet kritisiert, jüdische Studenten und Lehrende an britischen Universitäten zu schützen. Sie lasse offen, ob etwa Boykott-Aufrufe gegen Israel inhärent antisemitisch seien.

(*) Ab 27. Februar 2020 in Kanada unterzeichneten mehr als 600 Akademiker eine Petition gegen die IHRA-Definition. (*) Am 8. April 2021 folgten in Kanada rund 150 jüdische Hochschullehrer mit einem ähnlichen Appell. (*) Ab Dezember 2019 in den USA verstärkte Donald Trumps BDS-Dekret Befürchtungen, die IHRA-Definition werde zum Unterdrücken freier Meinungen über Israel an Hochschulen der USA führen. So erklärte Kenneth S. Stern, Antisemitismusexperte des American Jewish Committee (AJC) und Mitautor der IHRA-Definition: Sie sei nie für justiziablen Gebrauch gedacht gewesen. Politisch rechtsgerichtete jüdische Gruppen verwendeten sie als Waffe gegen die Meinungsfreiheit. (*) Am 12. Januar 2021 lehnten linksgerichtete jüdische Organisationen in den USA die rechtliche Kodifizierung der IHRA-Definition ab.

(*) Am 26. März 2021 kritisierten die Politik-Wissenschaftler Neve Gordon (Queen Mary University of London) und Mark LeVine (University of California, Irvine) die “verwirrende und irreführende“ IHRA-Definition als “Werkzeug der Wahl für so genannte pro-israelische Organisationen“. Am 29. März 2021 erschien die von rund 200 Akademikern unterzeichnete Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus (englisch abgekürzt JDA) mit dem Anspruch, die IHRA-Definition zu präzisieren und ihr eine kohärente und politisch neutrale Definition zur Seite zu stellen. Dazu unterscheidet sie Antizionismus kategorisch von Antisemitismus. Folglich beurteilt die 14. ihrer 15 Richtlinien Staatsboykotte als “gängige, gewaltfreie Formen des Protestes“ und die BDS-Kampagne gegen Israel als “nicht per se antisemitisch“. Antisemitismus wird als Sonderform von Rassismus aufgefasst, so dass er nur mit letzterem zusammen bekämpft werden könne.

(*) Aleida Assmann kritisierte 2020 vor allem den Satz der IHRA-Definition, auch der als jüdisches Kollektiv verstandene Staat Israel könne Ziel antisemitischer Angriffe sein. Dieser Satz unterscheide nicht zwischen einer Leugnung des Existenzrechts Israels und einer Kritik an dessen Besetzungspolitik. Das habe ein “Klima des Verdachts, der Verunsicherung und Denunziation“ gegen nicht-antisemitische BDS-Befürworter erzeugt und behindere die globale Solidarität im Kampf gegen Judenhass. Die sieben Beispiele der IHRA für aktuellen, auf Israel bezogenen Antisemitismus würden “ausgenutzt, um Personen und Gruppen, die Israel oder dem Zionismus kritisch gegenüberstehen, als antisemitisch zu delegitimieren“. Assmann verfasste darum die Jerusalemer Erklärung mit. (2)

ANMERKUNGEN:

(1) “Zeugen zum Schweigen bringen: Der Fall Ghassan Abu-Sittah“, Autorin: Dr. Ophira Gamliel, NachDenkSeiten, 2024-05-03 (LINK)

(2) “International Holocaust Remembrance Alliance“ - Internationale Allianz zum Holocaustgedenken, 1998 in Stockholm gegründet.Wikipedia (LINK)

ABBILDUNGEN:

(1) Ghassan Abu-Sittah (NDS)

(2) Ophira Gamliel (uni glasgow)

(3) Ghassan Abu-Sittah (inews)

(4) Ghassan Abu-Sittah (middle east news)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-05-04)

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