SENER und die Familie Sendagorta
Arbeiter*innen kämpfen ihr ganzes Leben lang für das, was ihnen zusteht: öffentliche Gesundheits-Versorgung, angemessene Renten, Dienstleistungen, die allen zu Gute kommen. Im Rentenalter sehen sie, wie die baskische Regierung aus PNV (rechts) und PSOE (sozialdemokratisch) ihnen alles Stück für Stück wegnimmt. Nicht forsch, sondern mit Schweigen und Hintertüren, indem sie mächtige Unternehmen begünstigt, die nur die Begriffe Gewinn und Verträge verstehen. Sie rauben das, was alle gemeinsam aufgebaut haben, und bezeichnen das auch noch als Fortschritt.
SENER: Der Weg eines baskischen Unternehmens vom Franco-Regime bis zur heutigen Militarisierung. Der Bewegung der Rentner*innen von Euskal Herria entgeht nicht, wenn die Macht das Volk verrät. Es ist an der Zeit, dies laut zu sagen.
Seit ihren Anfängen hat sich die Bewegung der baskischen Pensionärinnen und Pensionäre noch nie allein auf das Thema Renten beschränkt. Schon immer hat sie den Blick über den Tellerrand gerichtet und nicht nur die Misere vieler Rentnerinnen beklagt, sondern auch die Situation der Jugend oder im Gesundheits-System. Sie hat sich mit streikenden Belegschaften solidarisiert oder mit der Feministischen Bewegung auf dem Weg zu einem anderen Pflegesystem. Heute geht es um Waffen, Technologie und Macht. Den Waffenherstellern von Sener und Sendagorta ist es egal, ob dies im Kontext einer bürgerlichen Demokratie oder im Auftrag einer faschistischen Diktatur geschieht.
Wenn wir im Baskenland über unsere Industrie sprechen, kommt immer SENER zur Sprache. „Unsere Spitzentechnologie”, oder „das Aushängeschild des Baskenlandes”, sagen Politiker und Institutionen. Aber was verbirgt sich hinter dieser schönen Rhetorik?
Von den Werften Francos zu den Drohnen der Zukunft
Das Jahr 1956. Die Brüder Enrique und José Manuel Sendagorta gründen SENER in Getxo, mitten während der Industrialisierung unter Diktator Franco. Von Anfang an waren das Unternehmen Teil der strategischen Industrie des Regimes: Werften, Kernenergie, Rüstung. Sie erreichten eine Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für Industrie (INI) und erhielten staatliche Aufträge, was ohne Verbindungen zur damaligen faschistischen Macht unmöglich gewesen wäre. Diese Familie gehörte zur technischen Elite des Franco-Regimes in jenen Jahrzehnten, in denen Macht und Technologie Hand in Hand gingen.
Lemoiz: Als das Volk Nein sagte
In den 70er Jahren erbrachte SENER Ingenieur-Dienstleistungen für Iberduero zum Bau des Kernkraftwerks Lemoiz. Tausende Menschen gingen auf die Straße: Wir wollen keine Atomkraft in unserem Land. Der Druck der Bevölkerung gewann. Lemoiz wurde nie in Betrieb genommen. Auch die ETA protestierte gewaltsam gegen das Projekt. Aber SENER ließ sich nicht aufhalten. Es wechselte lediglich den Schauplatz.
Ein Militär an der Spitze
Heute ist die Familie Sendagorta in der dritten Generation tätig. Andrés Sendagorta McDonnell, der derzeitige Präsident, ist ein ehemaliger Offizier der Marine: ausgebildet an der Marineschule in Marín, Pilot von Harrier-Düsenflugzeugen, ausgezeichnet mit dem Großkreuz für Verdienste um die Marine. Dass ein Berufssoldat das Unternehmen leitet, verändert vieles. Er kennt die Strategie, die Kontakte und die Codes der Macht. Und das spiegelt sich in dem wider, was SENER heute tut.
Das doppelte Gesicht: außen grün, innen militärisch
Auf ihrer Website sprechen sie von erneuerbaren Energien, Nachhaltigkeit und Innovation. Aber die Realität sieht anders aus: (*) Lenk- und Steuerungs-Systeme für Raketen (*) Drohnen und autonome Militärfahrzeuge (*) Verteidigungs-Software für die Marine (*) Weltraum-Technologie mit militärischen Anwendungen.
Das Projekt COMMANDS (2024) ist das perfekte Beispiel: Ein autonomer Militärkonvoi, der zu 90% aus dem Europäischen Verteidigungs-Fonds finanziert wird. 27 Millionen Euro für Lastwagen, die Waffen ohne menschlichen Fahrer transportieren und von künstlicher Intelligenz gesteuert werden. Ist das Innovation? Ist das Nachhaltigkeit?
Unser Geld, ihre Waffen
SENER erhält Millionen an öffentlichen Mitteln: (*) Aus dem Europäischen Verteidigungs-Fonds: Dutzende von Projekten (*) Von der baskischen Regierung: technologische Beihilfen, öffentliche Aufträge, institutionelle Unterstützung (*) Im Jahr 2023 weihte Lehendakari (Ministerpräsident) Urkullu persönlich die Erweiterung der Unternehmens-Anlagen in Zamudio (Bizkaia) ein. Öffentliche Gelder finanzieren Waffensysteme. Unsere Regierungen unterstützen Projekte zur Stärkung der NATO und der europäischen Streitkräfte. Und niemand sagt Nein dazu.
Macht in Männer-Hand
Diese Familie, dieses Unternehmen, diese Machtstruktur ist das Erbe eines Männer-Clans. Alle Namen, alle Entscheidungen, alle offiziellen Porträts: Männer. Die Frauen? In der Produktion, in der Verwaltung, in der Pflege. Niemals am Tisch, an dem die Entscheidungen getroffen werden.
Was sie uns wegnehmen
Viele von uns sind Rentner*innen. Wir haben unser ganzes Leben lang gearbeitet, um die öffentlichen Dienste zu finanzieren und zu verteidigen. Das Gesundheitswesen, das Bildungswesen und die Renten sind historische Errungenschaften. Erreicht in Jahrzehnten des Kampfes. Und jetzt sehen wir, wie alles privatisiert wird. Wir sehen, wie die großen Unternehmen, die Lobbys immer wieder auftauchen, um Profit zu machen und öffentliche Gelder abzuschöpfen. SENER ist eines davon. Als ob die Profite nicht bereits genug wären. Ein Kind der Technologie des Franco-Regimes. Historischer Verbündeter der Armee. Speerspitze der europäischen Militarisierung. Und unterstützt von den Institutionen des Baskenlandes.
Die Lektion von Lemoiz
In Lemoiz hat das Volk gewonnen, weil wir auf die Straße gegangen sind. Wir haben klar gesagt: Wir wollen keine Militarisierung unseres Territoriums. Heute wird die Kriegs-Technologie mit schönen Worten, mit Innovation und Nachhaltigkeit verpackt. Aber das Ziel ist dasselbe: eine militarisierte Welt, in der die Macht durch Waffen ausgeweitet wird. Und wir? Wir bezahlen. Mit unseren öffentlichen Geldern. In unserem Namen.
Zum Schluss
Man sagte uns, wir würden ein ökologisches, nachhaltiges Euskal Herria in Frieden aufbauen. Aber die Realität zeigt ein Euskal Herria, in dem die Technologie in den Dienst der Waffen gestellt wurde, in dem öffentliche Gelder in den Krieg fließen, in dem die Macht weiterhin stillschweigend in den Händen einiger weniger Familien liegt. Wir, viele Rentner*innen, die wir unser ganzes Leben lang gearbeitet haben, sind nicht blind. Wir wissen, wann die Macht flüstert. Wir wissen, welche Farbe das Geld des Krieges hat. Sie konnten Lemoiz nicht in Betrieb nehmen, weil wir auf die Straße gegangen sind. Sie werden uns das Öffentliche nicht wegnehmen, wenn wir wieder auf die Straße gehen. Die Erinnerung ist unsere Waffe und die Würde unser Banner.
Frühere Veröffentlichungen über das Baskenland und die Rüstung:
28.04.2025: „Die Rüstungsindustrie – Sich die Taschen füllen” (LINK)
04.02.2024. „Baskische Rüstungs-Profite – Kriegsproduktion auf Hochtouren“ (LINK)
02.11.2023: „Tödliche Geschäfte – Baskische Waffenindustrie“ (LINK)
03.04.2022: „Kriegsgewinnler – Ukraine und baskische Rüstungsindustrie“ (LINK)
ANMERKUNGEN:
(*) Original: ”SENER y la familia Sendagorta: Tecnología, defensa y poder” (SENER und die Familie Sendagorta: Technologie, Verteidigung und Macht), gaurgeroa, Online-Zeitung der baskischen *innen-Bewegung, 2025-11-06 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) Rente und Militarismus (gaurgeroa)
(VERÖFFENTLICHUNG BASKULTUR.INFO 2025-11-06)
