copa24a40 Jahre Wartezeit

Vierzig Jahre und sechs Finalspiele danach hat der Fußball-Club Athletic Bilbao am 6. April 2024 wieder seinen Lieblingstitel gewonnen. Die Rot-Weißen hatten die Trophäe seit ihrem Sieg gegen Barcelona im Jahr 1984 nicht mehr nach Hause geholt, die katalanischen “Blaugrana“ haben sich in der Zwischenzeit den Ehrentitel des Pokalrekords erworben. Die Löwen aus der San-Mames-Kathedrale von Bilbo schlugen 1985 Maradona, mussten sich dann aber Hugo Sánchez, Leo Messi und Real Sociedad geschlagen geben.

In seinem 40. Pokalfinale hat Athletic Bilbao im April 2024 seinen 24. Titel gewonnen. Gegen Real Mallorca mussten die Rot-Weißen nach einem 1:1-Unentschieden in die Verlängerung und entschieden das Spiel schließlich im Elfmeter-Schießen mit 4:2 für sich. Das Finale war gleichzeitig ein Trainer-Duell der beiden “Basken“ Ernesto Valverde und Javier Aguirre.

Die baskische Bevölkerung ist enorm traditionsbewusst, das gilt auch für den Fußball und vor allem bei Athletic Bilbao. Die wichtigste Tradition ist, dass im Club – bei Männern wie bei Frauen, Mädchen und Jungs, ausschließlich Baskinnen und Basken spielen, oder solche, die hier das Kicken gelernt haben. Zweitwichtigste Tradition ist, dass gewonnenen Titel mit einer Fahrt auf der “Gabarra“ gefeiert werden. Aber was bitte ist eine Gabarra? Es handelt sich um ein flaches Transportschiff ohne Motor, das gezogen werden muss. Tradition ist eine Gabarra-Fahrt auf dem Nervión-Fluss vom Stadtrand in die Stadtmitte, um entsprechende Titel zu feiern. Zur Besatzung gehört das erfolgreiche Team. Wo andere im offenen Doppelstock-Bus durch die Stadt fahren, wird die Feier in Bilbo auf den Fluss verlegt, von der Flussmündung bei Portugalete bis zum Arriaga-Theater, mit Hunderttausend Menschen am Ufer.

copa24b40 Jahre gab es keinen Anlass, die Gabarra vom Trockendock zu holen, doch immer, wenn Athletic ein Finale erreicht, starren alle wie gebannt auf das kleine Schiffchen. Es ist 40 Jahre her, dass Trainer Javier Clemente mit Athletic das Double aus Meisterschaft und Pokal feiern konnte. Ein Tor von Endika Guarrotxena gegen Maradonas Barcelona ist den rot-weißen Fans in bester Erinnerung, am 6. April 2024 hat sich der Traum von einem erneuten Sieg in Wirklichkeit verwandelt. Jener Titel von 1984 ging in die Geschichte ein, weil es am Ende des Spiels zu einer heftigen Schlägerei kam, die durch den außer sich geratenen Maradona ausgelöst wurde. Der Sieg ging nach Bilbo, der argentinische Star packte nach der Niederlage seine Koffer und zog nach Neapel.

Athletic war zu dieser Zeit als König der Pokale bekannt. Der Club hatte 23 Trophäen in seinem Museum, und es war für lange Zeit der letzte. In den Jahren 2015 und 2021 gewann das Team den spanischen Super-Cup, zwei Titel, die zwar viel wert sind, aber nicht den symbolischen Wert einer Liga oder eines Pokals haben. Dafür wurde die Gabarra bei den Feierlichkeiten jedenfalls nicht auf den Fluss gesetzt.

Mit Ernesto Valverde am Ruder und den Williams-Brüdern Iñaki und Nico, die das Tempo vorgeben, setzte Athletic in der laufenden Saison wieder eine Thron-Besteigung in Gang. Seit 1984 mussten sich die Rot-Weißen in sechs erreichten Endspielen geschlagen geben, das erste im Jahr nach dem Erfolg von 1984. Dauergewinner Barcelona hat dem Club aus Bilbo in der Zwischenzeit den Ehrentitel des Rekordhalters entrissen, die Culés (Spitzname für Barca) haben insgesamt 31-mal gewonnen, sieben Mal in der trophäenlosen Zeit der Bilbainos.

Erster Misserfolg 1985

Der erste gescheiterte Versuch war 1985. Clemente's Athletic erreichte erneut das Finale, das wie im Vorjahr im Santiago Bernabéu ausgetragen wurde. Dort trafen sie auf das Team von Atlético de Madrid, mit dem legendären Luis Aragonés als Coach und Hugo Sánchez in seinen Reihen. Der mexikanische Stürmer war während seiner Zeit in der spanischen Liga ein Albtraum für alle Verteidiger von Bilbao und war neben dem Schiedsrichter hauptverantwortlich für die Niederlage. Es war sein Abschied von Atlético zu Real Madrid, und er ließ sich mit zwei Toren feiern.

Das erste resultierte aus einem Elfmeter, den der Schiedsrichter erfunden hatte. Das brachte die rot-weißen Löwen aus dem Gleichgewicht und in der zweiten Halbzeit kassierten sie bei einem Konter das zweite Tor. Julio Salinas gelang zwar noch der Anschlusstreffer, doch die Zeit reichte nicht aus, sich in die Verlängerung zu retten. Seit dieser Niederlage ist es Athletic nicht mehr gelungen, Atlético im Pokal zu eliminieren – bis zum Halbfinale dieser Saison, als Athletic gleich zweimal erfolgreich war, erst auswärts mit 1:0, dann zu Hause 3:0.

Seit dem Finale der Europa League 2012 in Bukarest war Simeones Atlético einer der schwierigsten Gegner für Athletic. Schlimmer war nur Messis Barcelona. Der Argentinier hat zwar zwei Supercup-Endspiele gegen Athletic verloren, aber vier Pokalendspiele gewonnen. Messi war die Schlüsselfigur, die in den Endspielen gegen Athletic 2009, 2012, 2015 und 2021 den Ausschlag zugunsten der Blaugrana gab.

Athletic musste nach dem verlorenen Finale von 1985 mehr als zwei Jahrzehnte warten, um wieder in einem Endspiel zu stehen. Der Riss, der sich nach der Entlassung von Clemente im Verein auftat, und die Zersetzung der damaligen Meistermannschaft führten zu einer Zeit des Auf und Ab und der Komplikationen. In den neunziger Jahren wurden die europäische Qualifikationen mit Spielfeld-Invasionen gefeiert. Vereins-Ikonen wie Julen Guerrero erreichten nie ein Finale. Das Höchste, was sie erreichten, war ein zweiter Tabellen-Platz im Jubiläumsjahr 1998 (100 Jahre Club) und die entsprechende Qualifikation für die Champions-League.

Zykluswechsel mit Caparrós

copa24cIn Europa zu spielen war immer ein Ziel, bis Athletic nach der Jahrhundert-Wende fast in die Zweite Liga abstieg. Bis 2007, als Joaquín Caparrós das Traineramt übernahm und es schaffte, die Rot-Weißen wieder auf Erfolgskurs zu bringen und den kämpferischen Stil des Teams zu reaktivieren. Er holte zwei baskische Fußball-Arbeiter wie Koikili und Toquero zu Athletic, beide kamen vom Bilbao-Vorort Sestao River in der Zweiten Liga B und standen beim Pokalfinale 2009 im Mestalla-Stadion in der Startelf. Caparrós stellte Iraizoz ins Tor und bot eine Abwehr mit Iraola, Aitor Ocio, Amorebieta und Koikili, sowie Javi Martínez und Pablo Orbaiz im Mittelfeld auf. Die Flanken wurden von David López und Fran Yeste gespielt, während Toquero und Llorente die Spitze bildeten.

Dieses Team verfügte über Spieler von großer Qualität wie Fran Yeste. Vom linken Fuß des Spielers aus Basauri ging das Tor aus, das die Fans von einer Sensation träumen ließ. Seinen Pass köpfte "lehendakari" Gaizka Toquero über die Verteidiger der Blaugrana (wegen der Farbe der Barca-Trikots) ins Tor. Ekstase auf den Tribünen, bis Guardiolas Barcelona in Fahrt kam. Nach 24 Jahren des Wartens musste Athletic gegen eines der besten Teams der Geschichte antreten, das am Ende alle Titel gewann, die in diesem Jahr verfügbar waren.

Die Blaugrana waren eine Dampfwalze, die Athletic keine Luft ließ. Messi, damals bereits als Nachfolger von Maradona gehandelt, entschied das Spiel mit seinem Treffer in der zweiten Halbzeit. Bojan und Xavi sorgten für den Endstand (1:4). Keine Chance auf ein Comeback, auch wenn in der zweiten Hälfte mit Etxeberria, Susaeta und Vélez die Offensive verstärkt wurde. Athletic und Barcelona gingen mit 23 zu 24 Pokaltiteln fast punktgleich ins Finale. Danach qualifizierten sich die Rot-Weißen in den folgenden fünfzehn Jahren für fünf Endspiele, die alle verloren gingen, während die Katalanen sieben Trophäen gewannen.

Auch Bielsa scheitert an Guardiola

Es dauerte nicht lange, bis Bilbao wieder im Endspiel stand. Mit Trainer Joaquín Caparrós kam der Umschwung und der Argentinier Marcelo Bielsa beeindruckte mit seinem Team in ganz Europa. Mit dem Bielsa am Ruder absolvierte Athletic eine unvergessliche Saison. Eine Lektion für Manchester United im eigenen Stadion Old Trafford war der glorreichste Moment, Athletic erreichte 2012 gleich zwei Finale: im Pokal- und der Europa-League. Doch wie schon 1977 verloren sie beide nacheinander mit jeweils 0:3.

Zunächst verlor man das Europa-Finale in Bukarest mit 0:3 gegen Atlético Madrid. Das Pokal-Finale wurde im Vicente Calderón ausgetragen (da Real das Bernabéu nicht zur Verfügung stellen wollte), im Abschiedsspiel von Guardiola traf Athletic erneut auf Messis Barcelona. Obwohl der Katalane ein erklärter Bewunderer von Bielsa ist, zeigte er keine Gnade und beendete dessen Amtszeit mit Stil.

Das von der schmerzhaften Niederlage in der Europa-League gezeichnete Team von Athletic war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, mit Barcelona mitzuhalten. Bielsa trat meist mit einer festen Elf an: Iraizoz, Iraola, Javi Martínez, Amorebieta, Aurtenetxe, Iturraspe, Herrera, De Marcos, Susaeta, Llorente und Muniain. Am Ende der Saison war das Team erschöpft und musste für das Pokalfinale neu zusammengestellt werden. Ekiza rückte in die Innenverteidigung, Javi Martínez ins Mittelfeld und Ibai Gomez in den Angriff. Barcelona legte los wie die Feuerwehr, die Umstellungen funktionierten nicht. In 30 Minuten war das Spiel entschieden, zwei Mal Pedro, ein Tor von Messi.

Im Camp Nou, unmöglich

copa24dUnter der Präsidentschaft von Josu Urrutia kehrte Trainer Ernesto Valverde 2013 zu seiner zweiten Amtszeit zu Athletic zurück und schaffte es, das Team vier Spielzeiten in Folge für Europa zu qualifizieren. In einer davon schaffte er es in die Champions League, 2015 erreichte er das Pokalfinale. Diesmal fand das Finale im Camp Nou von Barca statt, das somit ein Heimspiel hatte. Erneut ging es gegen Messi, mit Luis Enrique auf der Bank. Messi war erneut der Schlüsselspieler. Der Argentinier brachte die Blaugranas auf die Siegerstraße, Neymar traf noch vor der Halbzeit und machte in der zweiten Halbzeit drei Tore. Iñaki Williams erzielte in den letzten Minuten den Ehrentreffer. Drittes Endspiel gegen Messi, dritte Niederlage, vier Tore des Argentiniers. Die Bilanz: zwei zu zehn Tore aus Sicht von Athletic. Die Revanche für so viel Schmerz sollte im spanischen Super-Cup erfolgen. Valverdes Athletic gewann den Titel 2015, nachdem man die Katalanen im Hinspiel in San Mamés mit 4:0 besiegt und im Rückspiel im Camp Nou ein 1:1-Unentschieden erreicht hatte. Damit endete eine mehr als dreißigjährige Durststrecke.

Im Jahr 2021 gewann Athletic denselben Titel auf überraschende Weise. Das Format des Turniers war in ein Final-Four geändert worden, vier Teams spielten mitten in der Pandemie, ohne Fans. Athletic schaltete im Halbfinale Real Madrid aus und besiegte Messis Barcelona in Sevilla mit 3:2. Marcelino war nach der Entlassung von Gaizka Garitano gerade zum neuen Trainer ernannt worden, seine Ankunft diente dazu, ein Team wiederzubeleben, die sich in einer Flaute befand.

Zwei Endspiele in zwei Wochen

Die Pandemie legte 2020 die ganze Welt lahm und das baskische Pokalfinale musste verschoben werden. Ausgerechnet das Finale zweier baskischer Teams: Real Sociedad und Athletic Bilbao. Zum vierten Mal in der Geschichte sollten sich zwei baskische Teams gegenüber stehen – nach 1910 Athletic / Vasconia 1:0; 1913 Racing Irun / Athletic 2:2, 1:0; 1927 Real Union / Arenas Gecho 1:0. Lange Diskussionen, ob und wann das Spiel stattfinden sollte, mit oder ohne Publikum … die Pandemie diktierte die Verlegung ins nächste Jahr. Als bereits das Finalduell des Jahres 2021 feststand (Barcelona – Athletic), musste das Vorjahresfinale stattfinden, ohne Publikum in Sevilla. So kam es, dass Athletic im April 2021 innerhalb von zwei Wochen zwei Pokalspiele austragen musste.

Dritter April 2021, Pokalfinale des Jahres 2020. Spieler wie Aritz Aduriz, Mikel San José und Beñat Etxebarria konnten nicht mitspielen, weil sie mittlerweile ihre Karriere beendet oder den Club gewechselt hatten. Auch Trainer Gaizka Garitano, der die Finalteilnahme geschafft hatte, war nicht dabei, weil er zum Jahresende entlassen worden war. Mit Marcelino auf der Bank stand Athletic in drei Monaten drei Mal im Finale. Die Saison-Leistung war sehr dürftig, doch der Super-Cup-Erfolg machte Hoffnung. Das “baskische Finale“ gegen Real Sociedad aus Donostia war ein verkrampftes Spiel, beide Teams bemühten sich, Fehler zu vermeiden. Ein Fehlpass von Yeray führte zu einem Steilpass von Merino und Iñigo Martínez brachte Stürmer Portu zu Fall. Der Innenverteidiger von Ondarroa erhielt für diese Aktion die Gelbe Karte, was seinem ehemaligen Team letztendlich den Sieg bescherte. Oyarzabal schoss den Elfmeter, der zur Niederlage führte. Für La Real der dritte Pokal-Triumpf nach 1909 und 1987 (viermal hatte RSSS ein Endspiel verloren). Viele analysierten, dass Athletic ohne sein treues Publikum zum Verlieren verdammt war.

Doch das war noch nicht alles. Wie schon 2012 stand Athletic zwei Wochen später in einem weiteren Endspiel, das mit einer gewissen Niedergeschlagenheit und gegen Barcelona mit wenig Optimismus bestritten wurde. Spieler wie Iker Muniain waren durch Verletzungen gehandicapt und mussten zur Halbzeit ausgewechselt werden. Die Rot-Weißen hielten bis zur Halbzeit gut mit, brachen dann aber in einer verhängnisvollen Viertelstunde zusammen. Antoine Griezmann eröffnete den Torreigen und es folgten drei weitere Treffer durch De Jong und zweimal Messi. Eine weitere Niederlage für einen Club, der den Druck in großen Spielen nicht abschütteln konnte.

Spieler wie Oskar De Marcos und Iker Muniain haben mit Ausnahme des ersten Finales der “Neuzeit“ alle anderen seit 2009 mitgespielt und somit eine lange Erfahrung in Endspielen gesammelt. Sie sind seit Sommer 2009 im Team und fungieren als Spielführer. Sie hatten 15 Jahre danach erneut die Gelegenheit, den Fluch zu überwinden und Athletic Bilbao endlich wieder einen Titel zu bescheren.

Wartezeit, harte Zeit

In einer Welt des Fußballs, in der für Spielerwechsel astronomische Summen bezahlt werden, neuerdings vor allem Erdöl-Dollars aus dem arabischen Raum, verwundert es wenig, dass Clubs, die hierbei nicht mithalten können oder wollen, wenig Chancen auf Erfolg haben. Nur ausnahmen bestätigen die Regel. Im spanischen Fußball dominieren Barca, Real und Atletico ohne jegliche Konkurrenz. Während diese Clubs hunderte von Millionen Euros investierten, hatte Athletic nur einen Zugang zu verzeichnen: der 30-jährige Ruiz de Galarreta kam kostenlos, weil sein Vertrag ausgelaufen war.

copa24eDafür hatten die Bilbainos mit Ernesto Valverde einen Trainer, um den sie von vielen beneidet werden. Athletic spielte die beste Saison seit Jahren, belegte den fünften Tabellenplatz und machte sich zum ersten Mal seit 6 Jahren wieder Hoffnung auf eine Europa-Teilnahme. Auf dem Weg ins Pokalfinale 2024 wurden Hochkaräter wie Barcelona (4:2) und Atletico Madrid (1:0 und 3:0) in hochklassigen Spielen ausgeschaltet. Mit Gorka Guruzeta hatte man endlich wieder einen Mittelstürmer und die Flügelzange der Williams-Brüder Nico und Iñaki machte jedem Gegner Angst.

Eigentlich sprach alles für eine Neuauflage des verlegten Finales von 2020-2021 gegen Real Sociedad, denn die spielten das zweite Halbfinale gegen den eher als schwach eingeschätzten Club aus Mallorca, vom “Basken“ Javier Aguirre trainiert. Doch erstens kam es anders und zweitens als man denkt. Real spielte auf der Baleareninsel 0:0 und war für das Rückspiel hoher Favorit. Doch das Spiel endete unentschieden 1:1 und im Elfmeter-Schießen hatten die Insulaner die Nase vorn (5:4).

Bilbaos Finalgegner 2024 war also Real Mallorca, in der Liga im unteren Mittelfeld angesiedelt und noch nicht aus der Abstiegszone gerettet. 80.000 Personen machten sich auf die Reise ins 900 Kilometer entfernte Sevilla. Eine Art von “Jetzt oder nie“ machte sich in Bilbao breit. Auch wenn es niemand gerne hörte: Athletic war klarer Favorit und fühlte sich in dieser Rolle wenig wohl. So lief denn auch das Spiel. Mallorca rauh, Athletic unfähig – kein Genuss für Fußball-Feinschmecker. Nur Nico Williams ließ gelegentlich sein Genie aufblitzen. Mallorca ging mit einem zweifachen Nachschuss in Führung, erst in der zweiten Hälfte konnte Athletic durch Oihan Sancet ausgleichen.

Je länger das Spiel dauerte, desto überlegener die Basken. Mallorca spielte destruktiv und spekulierte eindeutig auf die Elfmeter. Besonders deutlich wurde dies am Ende der Verlängerung, als die Balearen-Spieler und ihre Fans enthusiastisch jubelten – wo doch noch nichts gewonnen war. Nüchtern und fast enttäuscht hingegen die Athletic-Szenerie, Mallorca hatte den Ruf von Penalty-Spezialisten. Dennoch waren die Basken cooler, Raul Garcia, Iker Muniain, Mikel Vesga und Alex Berenguer legten uneinholbar vor, Torhüter Julen Agirrezabala hielt einen Elfmeter.

Ende einer 40-jährigen Durststrecke. Athletic hatte wieder einen neuen Pokal für die Vitrine, triumpf-erfahrene Beteiligte wie Verteidiger Yuri Berchiche (Paris Saint Germain) oder Trainer Ernesto Valverde beteuerten, dass keiner ihrer bisherigen Erfolge einen derartigen Symbolwert habe wie dieser. Tatsächlich haben wir Valverde selten so gelöst und offensichtlich glücklich gesehen wir im Cartuja-Stadion. Nach diesem Erfolg ist er im Club definitiv zur Legende geworden. Angreifer Asier Villalibre aus Gernika durfte mit seiner Trompete im Mittelkreis ein Ständchen spielen und endlich durfte in Bilbao ernsthaft, und ohne den Eindruck von Überheblichkeit zu provozieren, von der Gabarra-Fahrt auf dem Nervion-Fluss gesprochen werden. Dafür werden am 11. April 2024 an den Ufern eine Million Menschen erwartet.

Erinnerung

Hoch anzurechnen ist es dem vormaligen Vereins-Präsidenten Aitor Elizegi, dass er in der allgemeinen Final-Euphorie als einziger die Größe hatte, öffentlich an ein tragisches Ereignis zu erinnern, das sich vor genau 12 Jahren in Bilbo abgespielt hatte. Im Rückspiel um die Europa-League standen sich Athletic und Schalke 04 gegenüber, nach dem Spiel schoss die baskische Polizei in eine Menge von Bilbo-Fans und zertrümmerte mit einem Gummigeschoss einem jungen Mann den Schädel, er starb vier Tage darauf, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben: Iñigo Cabacas. Sein Tod blieb ohne Folgen und ohne Bestrafung, geblieben ist ein politischer Skandal ohne Vergleich.

Übrigens: Eingefleischte Fans und die Clubführung von Athletic bestehen darauf, dass Athletic die Ehre eines weiteren Pokals zusteht: der allererste, von 1902, als noch Engländer im Team spielten. Dann wäre es im Jahr 2024 der 25. Pokalerfolg gewesen. Diese Anerkennung steht allerdings offiziell noch aus.

Weitere Artikel:

Baskultur.info publizierte am 05-04-2024 im Vorfeld des Pokalfinales 2024 den Artikel “Das baskische Trainerduell – Athletic gegen Mallorca“ (LINK). Bereits in der Vergangenheit war Athletic Bilbao bei Baskultur.info ein Thema: “Athletic gegen Chivas-Mexiko – Duell der Talentschmieden“ (2022-09-29) (LINK). “4.000 Mal im Einsatz – Zahlen-Geschichte von Athletic Bilbao“ (2022-01-09) (LINK). “Jupp Heynckes in Bilbao – Bei Athletic ticken die Spieler anders“ (2017-09-29) (LINK). “Nachwuchs-Erfolge von Athletic – Bilbao auch 2016 in der Europa-League“ (2016-09-28) (LINK). “Athletic Bilbao (II) – Iñaki Williams: Baske oder nicht“ (2016-01-25) (LINK). “Athletic Bilbo – Wo allein der Nachwuchs zählt“ (2015-11-19) (LINK)


ANMERKUNGEN:

(1) Information aus: “40 años y seis finales después, el Athletic vuelve a aspirar a recuperar su trono” (40 Jahre und sechs Endspiele später will Athletic erneut den Thron besteigen), Tageszeitung Gara, 2024-04-06 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Finale 2024 (elcorreo)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2024-04-08)

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