Kolumne 82
Wasser, bitte!

August ist ein trister Monat. Wer keine Kohle hat, um in die Karibik zu fliegen, ein Kreuzfahrtschiff zu chartern oder eine Villa auf Mallorca zu mieten, findet sich in seiner Stadt schnell in der Minderheit wieder. Die Altstädte, Fluss-Promenaden und Museums-Umgebungen sind voller Reisender aus aller Welt, die offenbar bessere Einkünfte haben. Der Weg zum Supermarkt ist von Free-Tour-Gruppen verstopft, die sich unsinnige Geschichten anhören. Bis die Fiesta beginnt – und alles wird anders.

Die Zeiten, als Fiestas aus einem katholischen Umzug, zwei Gottesdiensten und einem Empfang des vom Franco-Regime auserwählten Bürgermeisters bestanden, sind definitiv vorbei. In Kirchen finden heute Rockkonzerte und feministische Kabarets statt.

(2026-08-31)

DONOSTI FEIERT DIE PLÜNDERUNG VON 1813

Bis 1813 war Donostia – wie auch andere baskische Städte von napoleonischen Truppen besetzt. Die Rückeroberung wurde (aus spanischer Sicht) Unabhängigkeits-Krieges genannt, dabei halfen britische und portugiesische Truppen. Als die Franzosen eben vertrieben waren verübten die Verbündeten Spaniens dennoch ein Massaker an der Bevölkerung von San Sebastián, bei dem über 1.600 Menschen getötet und die meisten Frauen vergewaltigt wurden. Am 31. August 1813, vor genau 213 Jahren. Englische, schottische und portugiesische Soldaten hatten die Stadt mehrere Monate lang belagert, um die Franzosen zu vertreiben. Als sie die Stadtmauern durchbrachen und in die Stadt eindrangen, zogen sich die Franzosen auf den Urgull-Hügel zurück.
In der Zwischenzeit plünderten sie die gesamte Habe der Einwohner, vergewaltigten fast alle Frauen und töteten alle, die Widerstand leisteten, wie Zeugenaussagen deutlich machen. Außerdem steckten sie die Stadt in Brand und leugneten ihre Taten jahrelang.

Beim Einmarsch in die Stadt entdeckten die siegreichen britischen und portugiesischen Truppen reichliche Vorräte an Cognac und Wein in den Geschäften und Häusern, viele von ihnen verwandelten sich bald in einen „aufständischen und zügellosen Mob“. Betrunken und wütend über die schweren Verluste, die sie erlitten hatten, verloren die Invasoren die Beherrschung, plünderten und brannten die Stadt nieder und töteten zahlreiche Einwohner. Einige englische Offiziere versuchten, die Plünderungen zu unterbinden, wurden jedoch von den betrunkenen Soldaten ignoriert oder bedroht, oder sie schauten einfach weg oder schlossen sich dem Chaos an. Es wurden 75 Berichte gesammelt, die die Ereignisse bezeugten, die am 31. August begannen. Einer der Überlebenden, der Zeuge Gabriel Serres, erklärte: „Die Angreifer begingen die schlimmsten Gräueltaten, wie das Töten und Verwunden vieler Einwohner sowie die Vergewaltigung der meisten Frauen.“

Weshalb dieser 31. August in Donostia zu einem Straßennamen wurde, weshalb dieser Tag in der Stadt ein Feiertag ist, versteht außerhalb niemand: ein Fest aus Anlass der Verbrennung, Ermordung und Massen-Vergewaltigung. Und einer teuer erkauften Befreiung. (baskultur)

(2026-08-31)

SOLIDARITÄT WIRD VERFOLGT

Während in der baskischen Hauptstadt Donostia praktische Solidarität mit Migranten und Obdachlosen verfolgt und kriminalisiert wird, beklagen viele, dass in der seit November sieben Obdachlose gestorben sind. Ohne Hilfestellung durch die Behörden. Donostia Harrera Sarea betont, dass angesichts der derzeitigen Bearbeitungszeiten bei behördlichen Verfahren „eine Person zwischen einem und zwei Jahren auf der Straße leben muss, ohne über eine feste Anlaufstelle oder wirksame Unterstützung zu verfügen“. Harrera Sarea hat deshalb erneut angeprangert, dass die Stadtverwaltung Solidarität mit Obdachlosen kriminalisiert, obwohl in den letzten Monaten – nach ihren Angaben seit November – „in der Stadt sieben Menschen gestorben sind“, die keinen Ort zum Übernachten hatten, fünf starben „als Folge von Situationen, in die sie das Leben auf der Straße gebracht hat“.

Die Sprecher der Initiative haben betont, dass sich die polizeiliche Verfolgung dieser Menschen im Laufe des Sommers verschärft hat. „Sie mussten alle möglichen Maßnahmen seitens der Stadtpolizei und der Ertzaintza erdulden. Drohungen, die Orte, an denen sie schlafen, zu verlassen, das Zerbrechen und Zerstören ihrer Habseligkeiten, aufgeschlitzte Zelte, das Wegnehmen und Wegwerfen ihrer persönlichen Gegenstände und vieles mehr.“ Sie kritisierten, dass Bürgermeister Jon Insausti „versucht, sein Verhalten schönzureden, indem er Mittel anbietet – oder zumindest versucht, diese anzubieten –, die völlig unzureichend sind, um die Situation zu bewältigen“. So hat Donostia Harrera Sarea einen Ablauf für Neuankömmlinge beschrieben, der mit einer Wartezeit von „zwischen 3 und 4 Monaten auf einen ersten Termin bei einer Sozialarbeiterin“ beginnt, zu der „weitere drei Monate hinzukommen, um sich im Melderegister eintragen zu lassen. Erst nach sechs Monaten Eintragung im Melderegister kann ein Bewertungsgespräch beantragt werden“.

ZWISCHEN EINEM UND ZWEI JAHREN

„Danach muss man etwa einen weiteren Monat auf einen Bescheid warten und schließlich mehrere Monate auf einer Warteliste stehen, bevor man Zugang zu einer Unterkunft erhält. In der Praxis bedeutet dies, dass eine Person zwischen einem und zwei Jahren auf der Straße leben muss, ohne irgendeine feste Unterkunft oder wirksame Unterstützung zu haben.“ Ihre Sprecher fügten hinzu, dass „die städtische Notunterkunft nur fünf Übernachtungen alle drei Monate anbietet; es gibt keine Suppenküche; es gibt keinen ausreichenden Zugang zu Duschen oder Waschmaschinen, und denjenigen, die auf der Straße schlafen, werden weder Kleidung noch eine Decke zur Verfügung gestellt“. Und während die öffentlichen Institutionen diese Lücken nicht schließen, wird es den Bürgern nicht gestattet, sie zumindest teilweise zu schließen, da die Stadtverwaltung von Donostia „Solidarität kriminalisiert, Initiativen wie Solidaritätsessen verbietet und Druck- und Einschüchterungs-Maßnahmen gegen ehrenamtliche Helfer ergreift, die Obdachlosen helfen“. „Es werden nicht nur Menschen verfolgt, identifiziert und bedroht, die am Abend mit ihren eigenen Einkaufswagen losziehen, um Sandwiches zu verteilen, sondern diese Verfolgung erstreckt sich mittlerweile auch auf die Aktivitäten der Vereine selbst“, betonten sie.

IMBISS UND SPRACHKURSE BEI TABAKALERA

In diesem Zusammenhang wiesen sie darauf hin, dass es in den letzten Tagen zu „schwerwiegenden Vorfällen wie der Identifizierung und Androhung von Sanktionen innerhalb der Bibliothek von Tabakalera gekommen ist, bei denen Freiwillige in Begleitung minderjähriger Kinder dabei waren, wie sie ihren Nachmittags-Imbiss mit obdachlosen Jugendlichen teilten“. „Wir haben so gewalttätige Situationen erlebt wie die Identifizierung von Freiwilligen, während sie eine so grundlegende Tätigkeit ausübten wie den Unterricht in Spanisch und Baskisch für eben diese Jugendlichen. Von Migrant*innen wird ständig verlangt, dass sie sich integrieren, die Sprachen hier lernen, den Unterricht besuchen und Fortbildungskurse absolvieren; doch wenn sie diese Anstrengungen unternehmen und versuchen, die beiden hier gesprochenen Sprachen zu lernen, in von Freiwilligen organisierten Angeboten – angesichts des Mangels an ausreichenden Plätzen in den offiziellen Kursen –, sehen sie sich mit Schikanen, Hindernissen und Hemmnissen konfrontiert, die genau jenen Integrationsprozess erschweren, der von ihnen verlangt wird.“

Nachdem sie betonten, dass es sich um eine „zutiefst diskriminierende und rassistische Haltung“ handele, bezeichneten sie es als „schwerwiegend und traurig, dass wir mitten im 21. Jahrhundert solche Situationen erleben müssen, nur weil wir Menschen in Not helfen, sie unterstützen und begleiten. Wir dürfen nicht zulassen, dass Solidarität überwacht, verfolgt oder mit Sanktionen bedroht wird, wenn sie sich an obdachlose Menschen richtet, seien es Migrant*innen oder nicht – Hilfe zu leisten ist kein Verbrechen.“ (naiz-baskultur)


(2026-08-31)

ENDE DES KARLISTEN-KRIEGES

Mit dem Militär-Abkommen von Bergara, im Volksmund als „Abrazo de Bergara“ (Händeschütteln von Bergara) bekannt, wurde am 31. August 1839 in Oñate (Gipuzkoa) der Erste Karlisten-Krieg beendet, der vier Jahre gedauert und sich vor allem im Baskenland abgespielt hatte. Er wurde abgeschlossen / unterzeichnet von dem spanischen General Espartero und dreizehn Vertretern des karlistischen Generals Maroto. Das Abkommen wurde durch die Umarmung besiegelt, an der sich Espartero und Maroto noch am selben Tag beteiligten, vor den Truppen beider Armeen, die sich auf den Feldern von Bergara versammelt hatten – daher auch der volkstümliche Name.

Unterzeichnet wurde das Abkommen nach komplizierten Verhandlungen. Espartero vertrat die spanische oder liberale Seite, die Königin Isabel II. unterstützte, und Maroto die karlistische Seite, die den Thron-Prätendenten Don Carlos, den Bruder von Isabels Vater Fernando VII., unterstützte. Entscheidend war die Vermittlung von Admiral John Hay, dem Chef der in Bilbao stationierten britischen Beobachtungsflotte, der bereits seit 1837 begonnen hatte, die Generäle beider Lager auszuloten, um die Beendigung des Krieges zu erreichen. Bei dem Krieg ging es in erster Linie um die spanische Thronfolge; baskische Kämpfer wurden hineingezogen, weil der Prätendent Carlos den Basken die Beibehaltung der Fueros-Selbstverwaltungs-Rechte zugesagt hatte. Die Liberalen wollten diese Rechte abschaffen. Im Zweiten Karlisten-Krieg 1872 bis 1876 gingen die Fueros definitiv verloren. (baskultur)

(2026-08-31)

DIE ANARCHISTIN KAXILDA 

Vor 34 Jahren starb Soledad Casilda Hernáez Vargas, manchmal auch Casilda Méndez Hernáez genannt und bekannt unter den Namen Kasilda, Kaxilda, Kasi oder „Die Milizionärin“. Sie wurde in Zizurkil, Gipuzkoa, am 9. April 1914 geboren und starb am 31. August 1992, in Donibane Lohizune, französisch: Saint-Jean-de-Luz. Kaxilda war die bekannteste baskische Anarchistin und Lebensgefährtin von Félix Likiniano. Kaxilda wurde als Kind einer alleinerziehenden Mutter und eines unbekannten Vaters im Kinderheim Fraisoro in Zizurkil geboren. Ihre Großmutter gehörte der Roma-Gruppe der Canasteros an. Ihre Onkel waren Anarchisten und Analphabeten, sie prägten ihre frühe libertäre Prägung. Sie wuchs im Donosti-Stadtteil Egia auf, wo sie in der öffentlichen Schule von Atocha lesen und schreiben lernte.

Ab 1931 engagierte sie sich in der „Libertären Jugend“ und besuchte die libertären Kulturvereine, die für sie eine zweite Schule darstellten. Sie wurde kurzzeitig festgenommen, weil sie in einem Unternehmen, dessen Belegschaft ausschließlich aus Frauen bestand, zum Streik aufgerufen hatte. Ebenfalls für Aufsehen sorgte zu jener Zeit ihr FKK-Baden am Strand von Zurriola. Ihre intensive Beteiligung am revolutionären Streik im Oktober 1934 führte dazu, dass sie verhaftet und von einem Kriegsgericht zu neun Jahren Haft wegen der Verteilung von Propaganda-Material sowie zu weiteren zwanzig Jahren wegen des Besitzes von Sprengstoff verurteilt wurde. Sie wurde im Fort Nuestra Señora de Guadalupe auf dem Jaizkibel-Berg bei Hondarribia inhaftiert und später in das Frauengefängnis Ventas in Madrid verlegt. Nach zwei Jahren Haft wurde sie freigelassen, dank der allgemeinen Amnestie, die die Volksfront Anfang 1936 gewährte. Kurz nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis lernte sie den anarchistischen Aktivisten Félix Likiniano kennen, der ihr Lebensgefährte werden sollte. Sie sympathisierte mit der im selben Jahr gegründeten Gruppe „Mujeres Libres“ (Freie Frauen), ohne jemals Mitglied zu werden.

Nach dem faschistischen Militärputsch im Juli 1936 engagierte sie sich in der antifranquistischen Miliz und beteiligte sich an der Verteidigung von Donostia (San Sebastián), an der Schlacht von Irun, der Hilario-Zamora-Kolonne an der Front von Aragón und an der Ebro-Front. Angesichts des Sieges der Putschisten in Barcelona ging sie gemeinsam mit Likiniano über die Pyrenäen ins Exil nach Iparralde und durchlief bis zum Sommer 1940 die Konzentrationslager Argelès und Gurs. Nach ihrer Freilassung zogen die beiden nach Bordeaux. Ihre Wohnung diente als Zentrum des Widerstands gegen den Franquismus und den Nationalsozialismus und war als „baskisches Konsulat“ bekannt.

Jahre später, nach der Zerschlagung der anarchistischen Bewegung im Franquismus, solidarisierte sich das Paar mit der baskischen Unabhängigkeits-Bewegung und der bewaffneten Organisation Euskadi ta Askatasuna (ETA). Die Beziehung zwischen Kaxilda und Félix geriet in eine Krise, sie verfiel in eine Depression, von der sie sich später erholte. Sie starb am 31. August 1992 in Saint-Jean-de-Luz in Iparralde an Krebs. Kaxilda ist zusammen mit Félix Likiniano auf dem Friedhof von Biarritz begraben. Auf ihrem Grabstein wurde auf Initiative ihrer Freundin Begoña Gorospe der folgende baskische Satz eingraviert: „Andra! Zu zera bukatzen ez den sua!“ – Frau, du bist das Feuer, das nicht erlischt“. (wikipedia-baskultur)

(2026-08-31)

HIRTEN-FEST IN UHARTE-ARAKIL  

In Uharte Arakil, im navarrischen Sakana-Tal, wurde der 58. Hirten-Tag gefeiert, Artzai Eguna, bei dem die Molkerei Loperena als Siegerin im Käse-Wettbewerb hervorging. Wie jedes Jahr zum Sommerende wurde in Uharte Arakil der Hirten-Tag organisiert, mit einer Vielzahl von Aktivitäten. Gemäß der jährlichen Tradition fanden in der Gemeinde Sakana traditionelle Wettbewerbe statt, die die Hirtenkultur und die Käseherstellung würdigen. Besucher*innen aller Altersgruppen versammelten sich in Uharte-Arakil, wo sie die verschiedenen Facetten der Schäferkunst entdecken konnten. Der Veranstalter, der Bergverein Aralar, betonte, dass der Festtag „große Andrang“ erlebte. „Es waren viele Menschen anwesend, und wir möchten uns bei allen bedanken, die nach Uharte-Arakil gekommen sind, damit wir diesen Tag feiern konnten“, hieß es in einer Pressemitteilung. Außerdem bestätigten sie, dass sowohl die Besucherzahlen als auch die Ziele hinsichtlich des Ablaufs des Festes als erreicht angesehen werden.

Unter anderem gab es eine Vorführung des Schafscherens, das bis heute eine wichtige Tätigkeit in der Viehwirtschaft darstellt. Am Nachmittag wurde dann der Schäferhunde-Wettbewerb durchgeführt, bei dem die Hirten ihre Hunde von ferne dirigieren müssen, um eine kleine Herde in ein Gatter zu lotsen. Der Tag verlief „in guter Atmosphäre“. Beim 45. Wettbewerb für Käse aus roher Schafsmilch der Rasse Latxa in Navarra ging die Käserei Loperena aus Egozkue als Sieger hervor. Bei der anschließenden Versteigerung wurde der Siegerkäse für 5.000 € an das Restaurant Maher in Zentronico verkauft, im Namen seines Inhabers Enrique Martinez. In der Kategorie Bio-Käse wurde „Utxama Gazta“ aus Torrao zum Sieger gekürt. (naiz-baskultur)

(2026-08-30)

DIE FRIEDLICHEN RIESEN 

Eine lange Reihe aus riesigen Figuren – die so genannten Erraldoiak oder Gigantes – sorgte beim letzten Vormittags-Umzug der Fiesta von Bilbao vor allem in der Kinder-Gemeinde für gute Laune. Etwa fünfzig Riesen aus Bizkaia, Gipuzkoa, Lapurdi und Nafarroa nahmen an der Vorstellung teil, die den krönenden Abschluss einer intensiven Woche für die Kleinsten bildete. Etwa fünfzig Riesen standen im Mittelpunkt des letzten Vormittags der Aste Nagusia, Tausende von Menschen aller Altersklassen verfolgten die Darbietungen dieser typisch baskischen Festfiguren. In kleinen Gruppen zu je vier präsentierten sich die Erraldoiak dem Publikum, tanzten eine kleinen Runde und wurden dann am Straßenrand vor der San Nicolas-Kirche aufgestellt. Eine eindrucksvolle Parade, die von verschiedenen Gruppen aus dem gesamten Baskenland organisiert wurden.

Die bis zu sechs Meter großen Erraldoiak – Gigantes waren von unterschiedlicher Gestaltung, jeder verkörpert eine bestimmte historische oder gesellschaftliche Figur. Der Umzug startete um 10.30 Uhr am Plaza Circular und führte in die Altstadt. Als der Zug beim Arriaga-Theater vorbei kam, nutzten einige Kinder die Gelegenheit, sich vom Kinderfresser Gargantua verschlingen zu lassen, einem sympathischen Riesen, durch dessen offenen Mund die Kinder eintauchen können. Zur Schlange der Giganten trugen Gruppen aus allen Teilen des Baskenlandes bei: Bizkaia Ondalan und Ondalan Txiki, Mamutxak, Konpartsa Txikiena (Deustu), Mairuek Gaztediko Erraldoiak (Santutxu) und Bermeoko Konpartsa, Lazkaoko Erraldoien Konpartsa aus Gipuzkoa, die Gruppe Sukila Elkartea (Kanbo) aus Lapurdi und die Gruppen Lekunberri Erraldoien Konpartsa und Sanduzelaiko Erraldoien Konpartsa aus Navarra.

Bei ihrem Aufbruch in El Arenal nutzte das Publikum die Gelegenheit, um Fotos von dieser einzigartigen Versammlung zu machen, die den Abschluss von acht Tagen bildete, an denen Hunderte von „Txikis“ den Umzügen der städtischen Riesengruppe gefolgt waren. Begleitet wurden die Erraldoiak von den Cabezudos, Riesen-Köpfe, die sich Jugendliche auf die Schulter setzen. Sie laufen durch das Publikum und „schlagen“ mit weichen Knüppeln auf die Leute. Nach dem Ende der Aste Nagusia werden die symbolträchtigen Giganten der Volkskultur noch einige Tage lang in Bilbao zu sehen sein – im Kreuzgang des Euskal Museoa und auf der Ausgrabungsstätte an der Plaza Corazón de María in San Francisco. (baskultur)

(2026-08-30)

DIE KAS-ALTERNATIVE

Vor 50 Jahren, am 30. August 1976, stellte die baskische Unabhängigkeits-Bewegung in Iruñea (Pamplona) die KAS-Alternative vor. Sie beinhaltete das politische Programm der Baskischen Abertzalen Linken und die Mindestbedingungen für die Entwaffnung der Organisation ETA.

Die Forderungen waren: die Umsetzung demokratischer Freiheiten, Amnestie für politische Gefangene, die Verabschiedung von Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse, die Auflösung der repressiven Kräfte, die Anerkennung der nationalen Souveränität von Euskal Herria, ein Autonomiestatut für die vier Provinzen des südlichen Euskal Herria (im spanischen Staat) und in diesem Rahmen die Bildung einer provisorischen Regierung von Euskal Herria. Dieses taktische Programm stellte viele Jahre lang die Mindestbedingungen für die Beendigung des bewaffneten Kampfes von ETA dar. (argia-baskultur)

(2026-08-30)

2.500 STREIKS IN 10 JAHREN

In Araba, Bizkaia und Gipuzkoa gab es im letzten Jahrzehnt insgesamt 2.523 Streiks mit 472.777 Teilnehmer*innen und 1,68 Millionen bestreikten Arbeitstagen. Dies bedeutet, dass es zwischen 2016 und 2025 durchschnittlich etwa 250 Streiks pro Jahr gab, wie aus Daten des Baskischen Rates für Arbeitsbeziehungen hervorgeht. In diesem Jahrzehnt sticht das Jahr 2022 besonders hervor, als die höchste Anzahl an Streiks (342), Streikenden (106.998) und Ausfalltagen (384.459) verzeichnet wurde. In jenem Jahr fanden in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa die Hälfte aller Streiks des Staates statt (679). Der Hauptgrund für diese Arbeitsniederlegungen war die Forderung nach Lohnerhöhungen, die an den Verbraucherpreisindex gekoppelt sind, um angesichts der steigenden Inflation keine Kaufkraft einzubüßen. (Foto: FOKU)

Der Konflikt in der Metallindustrie von Bizkaia war der größte Arbeitskonflikt des Jahres 2022 und betraf rund 52.000 Beschäftigte der Branche. Es wurden zahlreiche Streiktage (im Juni, Juli, November und Dezember) ausgerufen, die die Produktion von Hunderten von Industrie-Unternehmen lahmlegten und zu großen Demonstrationen führten. Mercedes-Benz Vitoria-Gasteiz, das größte Werk der Region Baskenland (mit rund 5.000 direkt Beschäftigten), erlebte im Sommer 2022 während der Verhandlungen über den Tarifvertrag historische Streiktage, die die Produktion von Transportern vollständig zum Erliegen brachten. Einige Monate zuvor, im März, agierte der Verkehrssektor mit massiven Arbeitsniederlegungen, um gegen die exorbitante Verteuerung der Kraftstoffe zu protestieren. Auch Bizkaibus verzeichnete das ganze Jahr über 24-stündige Streiktage, ebenso wie Seniorenheime in Bizkaia und Gipuzkoa.

208 STREIKS IM VERGANGENEN JAHR

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 208 Arbeitsstreiks verzeichnet (ein Drittel der 648 Streiks im gesamten Staat), an denen 35.735 Personen teilnahmen und die zu 163.857 nicht gearbeiteten Arbeitstagen führten. Damit entfielen im vergangenen Geschäftsjahr 23% der durch Streiks verursachten Ausfalltage im gesamten Staat (709.771) auf die Arbeitnehmer*innen der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes. Im Vergleich zum Vorjahr bedeuten diese Zahlen einen Rückgang der Streikzahl um 20%, einen Anstieg der Teilnehmerzahl um 21,3% und einen Anstieg der Anzahl der ausgefallenen Arbeitstage um 57,4%. Die Mehrheit der Personen, die im vergangenen Jahr an verschiedenen Streikaufrufen teilnahmen, stammt aus der öffentlichen Verwaltung. Konkret arbeiteten 75,7% aller Teilnehmer im öffentlichen Sektor, wobei die nicht gearbeiteten Arbeitstage in diesem Sektor 74,7% der Gesamtzahl ausmachten.

Unter den sektoralen Konflikten stach der im öffentlichen nicht-universitären Bildungswesen hervor, der im Jahr 2025 zu 112.020 nicht gearbeiteten Arbeitstagen führte. Somit spielte sich der größte Teil der Arbeitskämpfe auf sektoraler Ebene ab, wobei diese Konflikte 73,3 % aller nicht gearbeiteten Arbeitstage ausmachten. Wie bereits in den beiden Vorjahren konzentrierte sich der Großteil der Arbeitskämpfe auf Branchenebene im Jahr 2025 auf den Dienstleistungs-Sektor. Konkret entfielen im Jahr 2025 62% der Streiks, 86,5% der Teilnehmer und 92,9% der nicht gearbeiteten Arbeitstage auf den tertiären Sektor.

In den Jahren 2021 und 2022 entfiel der Großteil der Ausfalltage auf die Industrie (80,9% bzw. 79,8% der Gesamtzahl), wobei in diesem Zusammenhang der Konflikt in der Stahl- und Metallindustrie von Bizkaia im Jahr 2022 eine besondere Rolle spielte. Der Bericht des CRL stellt klar, dass das Vorhandensein oder Fehlen von branchenweiten Streikaufrufen, die aus Konflikten im Rahmen von Tarifverhandlungen resultieren, einen „entscheidenden Einfluss sowohl auf die Anzahl der nicht gearbeiteten Arbeitstage als auch darauf hat, ob diese sich auf die Industrie oder den Dienstleistungssektor konzentrieren, wobei diese Branchenkonflikte die bestehenden Schwankungen im Jahresvergleich erklären können“. (naiz-baskultur)

(2026-08-30)

ZITRONEN-DUFT STATT PISSE

Bei Fiestas fallen viele Vergnügungslustige in Zeiten zurück, als es noch keinerlei Umwelt-Bewusstsein gab, als man den Verpackungsmüll einfach dort fallen ließ, wo er anfiel. Die Zeiten haben sich geändert, aber das Bewusstsein wenig. Die Reinigungs-Brigaden sammeln an jedem frühen Morgen der Aste Nagusia Fiesta in Bilbo 79 Tonnen Müll ein. Die müssen irgendwo deponiert werden, jeden Tag. Die Reinigung an einem Festtag erfordert den Einsatz von Hunderten von Menschen und eine logistische Herausforderung. Ohne sie keine Fiesta, nach der ersten Nacht wäre Schluss. Ihre Aufgabe ist klar, aber keineswegs einfach. Denn Müll zu verursachen ist einfach, aber der Stadt ihre Begehbarkeit und ihren Duft zurückzugeben – nach Nächten voller Verwüstung in Form von Müll, Konfetti-Regen, Kotze und Urin – erfordert den Einsatz von Hunderten von Arbeitern und eine Logistik, die einem Albtraum gleicht. Denn damit „Party“ gemacht werden kann, muss sich jemand darum kümmern, alles wieder „garbi“ zu machen. Garbi ist Baskisch und heißt sauber.

Eine Aufgabe, an der 620 Mitarbeiter (270 davon wurden eigens für diesen Anlass als Verstärkung eingestellt), 120 Fahrzeuge und verschiedene Hilfsmaschinen beteiligt sind – von Kehrmaschinen mit Hochdruck-Wasserstrahlpistolen und Gebläsen zum Zusammentreiben des Abfalls bis hin zu Lkws, die den Müll nach Sorten trennen und diese kleine Katastrophe in ein Vorzeigeprojekt verwandeln. Die Bilanz eines einzigen Tages – ein Sonntag – spricht für sich: 79 Tonnen Abfall, 7,9% mehr als im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt, Verpackungen führen mit 28 Tonnen die Liste an. Dabei ist die Gesamtmenge der organischen Abfälle im Vergleich zu 2025 um 425% gestiegen. Früher ging alles in einen Container. Die Putzer*innen sind die heimlichen Held*innen der Fiesta. Sie tun ihre Arbeit oft unter dem Applaus des Publikums, das zuschaut, um Selfies zu machen. Jede Besenbewegung verbessert die Atmosphäre. Nebenan drückt ein Japaner ununterbrochen auf den Auslöser seiner Kamera. „Das ist unglaublich, in meinem Land machen wir keinen Müll.“ Inmitten dieser Verschwendung finden sich kleine Schätze: Geldbörsen ohne Geld, aber mit intakten Ausweispapieren, alte Handys, Ohrringe. „Wir geben die Handys und Geldbörsen bei der Stadtpolizei ab, wenn man die Ausweispapiere verliert, wird einem eine Strafe auferlegt.“ Es beginnt mit dem Txupinazo, der Raketen-Eröffnung am Arriaga-Theater, nach der die dümmliche Jugend eine Schlacht veranstaltet und alles mit Cola, Mehl und Eiern überzieht. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie schwer es ist, das wieder wegzumachen, aber die Leute sehen es mittlerweile als Tradition“. „Als Teenager habe ich die Aste Nagusia genauso genossen, mich in alles hineingestürzt. Ich bitte nur um ein bisschen Anstand. Schließlich arbeiten wir dafür, dass andere Spaß haben. Ist es so schwer, die Sonnenblumenkernschalen in der Tüte zu lassen?“.

Die Arbeit fordert keine Eile sondern Genauigkeit. Manche der Putzer*innen wünschen sich, dass der Tag kommt, an dem die Menschen begreifen, dass eine Armee von Straßenkehrern nicht ausreicht. „Du reinigst eine Straße und über die Rückfahrkamera siehst du, wie ein Jugendlicher eine Flasche auf dem Boden zerschlägt? Das nervt. Oder wenn einer einen Mülleimer auf den gerade geräumten Bürgersteig leert.“ Einer ist seit achtzehn Jahren im Dienst. Damals kippte man den Container auf den Boden und musste mit Besen, Schaufel und Schlauch ran. Heute gibt es moderne Mittel. Kehrmaschinen mit Hochdruckwasser, den langen Strahl, um Flaschen wegzuspülen; den feinen Strahl für Zigarettenstummel, Glas und Konfetti. Diesel- und Elektrofahrzeuge, wir müssen versuchen, ökologischer zu werden. Jetzt ist es einfacher, mit weniger Kraftaufwand und besserem Ergebnis.“ Ziel ist das Recycling, damit der Restmüll weniger wird. Die Konpartsa-Fiestagruppen gehen mit gutem Beispiel voran.“

Die Vorgabe lautet, bis 10.30 Uhr alles makellos zu hinterlassen, kurz bevor die gastronomischen Wettbewerbe beginnen. Die Luft nimmt allmählich den Geruch von Zitrone oder Mandarine an. Kehren, Abspritzen, parallele Abholung, Desinfektion … „Die Maschinen lassen keine Verschnaufpause“. Die organischen Abfälle gehen in die Kompostierungsanlage von Artigas; das Plastikbecher in die von Amorebieta; der Karton geht nach Zamudio.“ Das Ziel? Weniger Restmüllanteil. Die letzte Reinigungsschicht steht unmittelbar bevor. (ec-baskultur)

(2026-08-30)

BESUCHERREKORD BEI DER „ASTE NAGUSIA“

Wie die Behörden auf die Ziffer kommen, ist undurchsichtig: über 2 Millionen seien Menschen zu den Feierlichkeiten geströmt, lesen wir in der allwissenden Zeitung. Vielleicht intelligente Drohne, oder einfach Schätzung, wer weiß. Das gute Wetter und die Tatsache, dass die „Semana Grande“ in der letzten Augustwoche stattfand, hätten die Besucherzahlen in die Höhe getrieben. Zumindest letzteres ist zweifelhaft, denn viele beginnen Anfang September wieder mit der Arbeit und haben keine Zeit zur Erholung vom Fiesta-Stress. Die Presse weiß zu erzählen, dass „weniger Straftaten begangen und mehr Festnahmen vorgenommen wurden“. Eigentlich unlogisch. Wenn die Logik stimmt, wird es im nächsten Jahr heißen: „Keine Straftaten und Verhaftungs-Rekord“. Erschreckende Polizei-Logik. Unter den rekord-tauglichen „zwei Millionen“ sind selbstverständlich jene mehrfach mitgezählt die alle neun Tage anwesend waren. (Ich allein habe es an 7 Tagen auf 9 Besuche gebracht.)

Heute Abend ist Schluss, nach neun Tagen ausgelassener Feierlichkeiten wird die Marijaia verbrannt, um nächstes Jahr wieder mit neuen Kräften auferstehen zu können. Rekord also in der Zeit nach der Pandemie, 2023 waren es 1,8 Millionen, 2024 sank die Zahl auf 1,6 Millionen und im Jahr 2025 auf 1,5 Millionen. Nur Hellseher können eine offizielle Bilanz der Fiesta ziehen – zu ihnen gehört der Bürgermeister von Bilbao, JMA, der seine „Zufriedenheit“ zum Ausdruck brachte. „Das gute Wetter war die Basis des Erfolgs“. Selbstverständlich gab es Zwischenfälle, wie immer, wenn zu viel Polizei auf engem Raum auftaucht. Es seien „fast perfekte Feste“ gewesen, betonte der Stadtvorsteher, der direkt aus dem Urlaub kam, und stolz verkündete, Stadtpolizei und Ertzaintza hätten während der neun Tage 243 Personen festgenommen, was selbst Trump neidisch machen muss. Diese Zahl liege über der von 2025, als 228 Personen identifiziert wurden. Taschendiebe und Sexisten. Das soll „perfekt“ sein?

Dass es gerade letzte Nacht in der Gegend Abando zu mehreren Auseinandersetzungen kam, bei denen Flaschen auf die Polizei geworfen wurden, gibt zu denken. Erstens waren es keine Flaschen, wie in Videos zu sehen ist, und zweitens, wo keine Polizei präsent ist, wird auch nicht geworfen. Wohin auch. Die Helden der Fiesta hatten jedenfalls Uniformen an, will man dem Schultheiß glauben. Deren Vorgehen sei „intensiv, proaktiv und unverzichtbar“ gewesen. Andere nennen das Vorgehen „brutal, unverhältnismäßig und rassistisch“, weil es vor allem gegen Migranten ging.

MUNDRAUB

Perfekt ist auch die Beschlagnahme von Lebensmitteln aus dem Straßenverkauf. Dahinter stehen Leute, die so arm sind, dass sie von solcherart Nebeneinnahmen abhängig sind. Für die Behörden ist das ein Problem hygienischer Art. Wenn tagelang Speisereste auf der Straße liegen und nicht gereinigt wird, wenn ein halbes Jahr nicht mit Wasser gereinigt wird, wird nicht derselbe Maßstab angelegt. Aber gegen die Migranten … 624 Kilogramm Lebensmittel hat die Polizei beschlagnahmt, man könnte es Mundraub nennen. Im vergangenen Jahr waren es nur 202 Kilo, was die Zunahme der Armut unter Beweis stellt. (Seltsamerweise habe ich fünf illegale Pintxos gegessen, ohne davon krank zu werden.) JMA ging auch auf die Reinigungsmaßnahmen ein. Er erklärte, dass 553 Tonnen Abfall eingesammelt worden seien, „mehr als im vergangenen Jahr“. Mehr als die Hälfte davon sei „ordnungsgemäß getrennt“ gewesen – von den Fiestagruppen, die nicht erwähnt werden. Darüber hinaus wurden bis zu 400 Gegenstände im Fundbüro abgegeben – es soll tatsächlich noch Leute geben, die in voller Montur zur Fiesta gehen – mit Handy, Ausweis, Scheckkarte, Metro-Dauerkarte und 300 Euro in bar. Vollidioten! Perfekt ist was anderes! (baskultur)

(2026-08-30)

DER MORD AN DER GOÑI-FAMILIE 1936

Was in den Wochen nach dem Militärputsch der Generäle um Franco im kleinen Dorf Gaztelu in Navarra geschah, blieb lange ein Mysterium, das die Gemüter der Bewohnerinnen bewegte. Ein klares Motiv für das Massaker war nie erkennbar, es blieb unklar, weshalb die schwangere Juana Josefa Goñi mit sechs ihrer sieben Kinder in ein 50 Meter tiefes Erdloch geworfen wurde. Der Älteste, Joaquín, war 16 Jahre alt, die Jüngste gerade eineinhalb.

Im Mai 2015 erstatteten die Angehörigen der ermordeten Familie eine öffentliche Anzeige, mit der sie fordern, dass die sterblichen Überreste der sieben Personen ausgegraben werden. Im benachbarten Dorf Donamaría sollten sie würdevoll begraben werden. Nati Zozaya und Asun Zozayawaren die Töchter der Schwester der ermordeten Juana Josefa. Auf der Pressekonferenz, bei der die Anzeige öffentlich bekannt gemacht wurde, sagten die beiden Frauen, erst wenn die körperlichen Reste der Getöteten geborgen seien, könnten auch sie in Frieden sterben. Nati, die ältere, erinnerte an das Trauma, das ihre eigene Mutter erlebte.

NACHFORSCHUNGEN

Keine Anzeichen sprechen dafür, dass das Verbrechen an Juana und ihren Kindern politische Hintergründe hatte. In Gaztelu wählten in jener Zeit alle Bewohnerinnen rechts, keine Stimme ging an republikanische Kräfte. Juanas Ehemann und der älteste Sohn – der einzige, der verschont blieb – waren an die Front geschickt worden, als Juana aus dem Dorf verbannt wurde. Im siebten Monat schwanger wurde sie in eine Hütte außerhalb des Dorfes geschickt, deren Dach nur aus Zweigen bestand. Kurz danach wurde auch diese Notunterkunft in Brand gesteckt, alle wurden in die Felsspalte von Legarrea geworfen.

Über Jahre hinweg hat Jose Mari Esparza alle Informationen, Nachrichten und Dokumente gesammelt, die mit dem Verbrechen in Zusammenhang stehen. Esparza ist Historiker und Direktor des Buchverlags Txalaparta, dort wurde ein Buch publiziert mit den gesammelten Informationen: "La sima. Qué fue de la familia Sagardía?" (Das Erdloch. Was wurde aus der Familie Sagardía?) ist der Titel. Darin beschreibt der Autor jeden Schritt seiner Nachforschungen. Esparza sagte, eine solche Geschichte wieder ans Tageslicht zu befördern sei traumatisch für das ganze Dorf, das diese Angelegenheit mit Ignoranz eigentlich schon hinter sich gebracht hatte. Doch habe die Kenntnis der Umstände des Verbrechens auch eine heilende Wirkung, dies sei die Erfahrung mit dem ersten Buch gewesen. (baskultur)

(2026-08-29)

SOZIALHILFE FÜR FLÜCHTLINGSFRAU

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs des Baskenlandes (TSJPV) hat die baskische Arbeitsbehörde Lanbide dazu verpflichtet, einer Frau venezolanischer Herkunft, die nach Ablehnung ihres Asylantrags eine Aufenthaltsgenehmigung in Spanien aus Gründen des humanitären internationalen Schutzes besitzt, die RGI zu gewähren. Diese war ihr zuvor verweigert worden, weil sie die allgemeine Voraussetzung einer dreijährigen vorherigen Meldezeit nicht erfüllte. Die Sozialkammer hob das erstinstanzliche Urteil auf und kommt zu dem Schluss, dass sie Anspruch auf das Grundeinkommen (RGI) im Baskenland hat. Die Richter kommen zu dem Schluss, dass, obwohl die Rechtsvorschriften die Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen nicht unter den Ausnahmen von der Meldepflicht erwähnen, die Schutzbedürftigkeit diese Art des Aufenthalts rechtfertigt und eine Gleichstellung mit Flüchtlingen und Asylbewerbern erforderlich macht, um ein Mindesteinkommen für ein Leben in Würde zu gewährleisten.

Im Dezember 2024 beantragte die Antragstellerin, die aus Venezuela stammt und durch eine „rote Karte“ offiziell als Antragstellerin auf internationalen Schutz registriert war, die RGI. Die Behörde bewilligte ihr die Leistung mit Wirkung zum 1. Januar 2025. Vier Monate später, am 14. Mai, beschloss der Direktor für Leistungen und Inklusion von Lanbide, die RGI einzustellen, da er der Ansicht war, dass die Voraussetzung, drei Jahre ununterbrochen in der Region Baskenland gemeldet und ansässig gewesen zu sein, nicht erfüllt sei. Die von der Frau eingereichte Verwaltungsbeschwerde wurde von der Behörde im Juni zurückgewiesen. Die Betroffene beschloss, den Rechtsweg zu beschreiten, doch das Sozialgericht von Bilbao entschied zugunsten von Lanbide. In zweiter Instanz hat der Oberste Gerichtshof des Baskenlandes (TSJPV) ihr Recht gegeben und die baskische Arbeitsbehörde verpflichtet, ihr die Beihilfe zu gewähren. (Foto: ecuadoretxea)

MELDEREGISTER

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Frau seit dem 14. August 2023 bis heute in drei Gemeinden des Baskenlandes, darunter Bilbao, gemeldet war. Parallel dazu verweigerte ihr das Innenministerium das Recht auf Asyl und subsidiären Schutz in Spanien, gewährte ihr jedoch eine Aufenthaltsgenehmigung aus Gründen des humanitären internationalen Schutzes. Im Gegensatz zum Urteil der ersten Instanz geben die Richter des TSJPV der Frau Recht aufgrund eines Paragrafen, in dem Ausnahmen von der vorgeschriebenen dreijährigen Meldepflicht festgelegt sind: für Flüchtlinge, Personen mit subsidiärem Schutz, Asylbewerber mit laufendem Verfahren, Begünstigte vorübergehenden Schutzes sowie Opfer von Menschenhandel, sexueller Ausbeutung, geschlechtsspezifischer oder häuslicher Gewalt. Die Richter sind der Ansicht, dass sich das erstinstanzliche Urteil fälschlicherweise wörtlich an diese Aufzählung hielt, und weisen darauf hin, dass die Art der Aufenthaltsgenehmigung der Frau mit den übrigen Ausnahmen vergleichbar ist. Darüber hinaus vertritt die Kammer die Auffassung, dass der Entzug einer grundlegenden Sozialleistung, wenn einer Person aus humanitären Gründen eine Aufenthaltsgenehmigung erteilt wurde, einen Verstoß gegen das in der Verfassung verankerte Recht auf ein menschenwürdiges Leben darstellen würde. Somit wird das Urteil der ersten Instanz aufgehoben und der Frau die RGI mit Wirkung zum 1. Mai 2025 zuerkannt. (elcorreo-baskultur)

(2026-08-29)

KEINE FUSSBALL-FAMILIE MEHR

Bei Athletic Bilbao wird gerne von einer „Familie“ gesprochen, zu der vom Präsident über die Spieler bis zu den Fans alle gehören sollen. Doch allzu oft erscheinen Risse in dieser Idylle. Zuletzt sogar zwischen Clubführung und Spielern. Die Spannungen zwischen dem Team von Athletic und Präsident Jon Uriarte wurden nach dem Spiel bei Barca für alle sichtbar. Das Team beschloss kurz vor dem Spiel, nach der Partie nicht vor die Medien zu treten – eine Druckmaßnahme, die die Entfremdung zwischen Spielern und Präsident deutlich macht. Die Spieler grüßten die Fans nach der Niederlage und hüllten sich danach in Schweigen. Weder auf dem Spielfeld noch im Stadion vor den Fernsehkameras gab es Erklärungen, ebenso wenig gegenüber den Vereinsmedien, auch in der Mixed Zone tauchten sie nicht auf.

Es handle sich um ein internes Problem des Vereins, lautete die knappe Erklärung des Clubs. Der Streik wurde in Barcelona beschlossen. Auslöser war der Entzug der Familien-Einladungen für die Spiele im heimischen Stadion San Mamés. Kurz vor dem Spiel kündigten die Spieler dem Club ihre Protestmaßnahme an. Die Entscheidung des Vorstands, die sechs Eintrittskarten zu streichen, die jeder Spieler traditionell erhielt, hat im Team für große Unzufriedenheit gesorgt. Die Maßnahme betrifft nicht nur die Spieler, sondern auch andere, die historisch mit dem Verein verbunden sind: ehemalige Präsidenten, Mitarbeiter, Rentner und ehemalige Spieler. Dabei ging der Vorstand mit gutem Beispiel voran und verzichtete selbst auf seine Einladungen. Gleichzeitig stellt Athletic den Gästeteams nur noch die von der Liga geforderte Mindestanzahl von 30 Eintrittskarten zur Verfügung. Das Argument des Vorstands: eine Warteliste von mehr als 7.000 Personen, die eine Mitgliedschaft beantragen. Das Stadion ist oft ausverkauft, bei vielen Spielen sind keine Sitzplätze zu bekommen. Die Abschaffung der Freikarten soll ermöglichen, ein größeres Angebot bereitzustellen. Der Wegfall der Freikarten soll 500 zum Verkauf freigeben. Bislang verfügte jeder Spieler des ersten Kaders über vier Einladungen und zwei weitere beim Kauf von Eintrittskarten. Ab 5. September gegen Atlético entfällt dieses Privileg.

Das Team hat sich nicht nur über die Kürzung geärgert, sondern auch über die Art der Mitteilung. Nicht der Präsident, sondern der Generaldirektor Berasategi machte den Job. Uriarte war nicht anwesend und reiste auch nicht nach Barcelona, weil die Beziehungen zu Barça sehr schlecht sind. Im Team ist man der Ansicht, eine Maßnahme dieser Tragweite müsste mit dem Präsidenten besprochen und mit den Kapitänen ausgehandelt werden. Agur Familie! Da die Anzahl der Einladungen für die Gäste reduziert wurde (30), hat dies auch Auswirkungen für Auswärtsspiele. Familienangehörige und Freunde erhalten keine Eintrittskarten mehr. Uriartes Ausrede ist, dass der Vorstand als Erste auf die Einladungen verzichtet, bislang hatte jedes Mitglied vier Freikarten pro Spiel.

Nun soll ein Gespräch die Lage entschärfen. Doch waren die Eintrittskarten nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Unzufriedenheit reicht länger zurück. Der Präsident tauche nur auf, um Forderungen zu stellen und Kürzungen vorzunehmen, sei aber nicht in der Lage, eine Beziehung aufzubauen. Der Mann ist eben Unternehmer und sieht nur Angestellte unter sich. Dazu kommen verschiedene Vorfälle. Der Unternehmer verfolgt eine Sparpolitik, die er auch in seinem Alltag umsetzt. Er fährt lieber im Teambus nutzt, statt mit Taxi oder Chauffeur, wie es andere Präsidenten taten. In der vergangenen Saison schlug Uriarte bei einer Ansprache im Trainingszentrum Lezama einen Ton an, der bei den Spielern auf Ablehnung stieß. Auch seine Reaktion zur spontanen Feier auf der Straße nach dem Gewinn des Pokals kam nicht gut an. Damit nicht genug. Im Verein werden Sparmaßnahmen in Lezama geprüft, Kürzungen bei den Verpflegungskosten für Mitarbeiter, die das Team betreuen, ihnen soll die kostenlose Verpflegung entzogen werden. Nur das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern ist sehr gut, es gibt keine Probleme. (elcorreo-baskultur)

(2026-08-29)

50 JAHRE LEMOIZ-DEMO

Vor 50 Jahren, am 29. August 1976, versammelten sich zum Anti-Atomkraft-Marsch zwischen den Küstenstädten Plentzia und Gorliz (Bizkaia) über 60.000 Menschen, um gegen das im Bau befindliche Atomkraftwerk Lemoiz zu demonstrieren. Im Vordergrund standen Parolen für eine atomkraftfreie baskische Küste. Auch andere Symbole waren zu sehen, wie beispielsweise solche für Amnestie der politischen Gefangenen oder die Ikurriña, die damals noch nicht legalisiert war. Der Kampf gegen das Kernkraftwerk Lemoiz gewann an Dynamik.

August 1976 war neun Monate nach dem Tod Francos. Alle hofften auf eine System-Änderung, doch die Franquisten hatten die Zügel noch fest in der Hand. Dennoch wagten sich Massen auf die Straße, in Gasteiz hatte es im März einen Generalstreik gegeben, die spanische Polizei hatte fünf Arbeiter ermordet. Gegen Lemoiz formierte sich die erste breite Anti-AKW-Bewegung im spanischen Staat. Diese neue und vielfältige Bewegung inszenierte eine Machtdemonstration, an der sich zwischen Plentzia und Gorliz über 60.000 Menschen beteiligten. Es handelte sich um eine der größten Demonstrationen außerhalb der baskischen Hauptstädte, die beiden Küstendörfer waren dicht wie Woodstock 1969. Lemoiz wurde fertig gebaut, aber nie in Betrieb genommen, der Widerstand war zu stark. Genau 50 Jahre danach versammelten sich bei der AKW-Ruine einige ehemalige Aktivist*innen zum Fototermin und um deutlich zu machen, dass die aktuell geplante Fischfabrik ebenfalls nicht für gut geheißen wird. (baskultur)

(2026-08-29)

DER FIESTA-MÜLL

Das Schauspiel wiederholt sich während der Fiesta, jeden Morgen, wenn die letzten nach Hause gehen: Tonnen von Müll liegen auf den Straßen Bilbaos und müssen von den Putztrupps abgeholt werden. Eine Beobachtung: „Ich bin Sohn und Enkel der Armut und werde mich niemals davon distanzieren. Sohn und Enkel von Arbeiterinnen und Arbeitern, die Blut gespuckt haben – eine Folge der natürlichen Verbindung zwischen einem unmenschlichen Kapitalismus und einem schändlichen Patriarchat. Dies ist also eine bescheidene Würdigung in Form einer verdienten Hommage an sie, an die Männer und Frauen, die dafür sorgen, dass unsere vermeintlich festlichen Veranstaltungen sauber bleiben, jedes Mal, wenn wir die Straßen verschmutzen, die allen und niemandem gehören. Gora Marijaia! Niemand soll sie verschmutzen!“ Randbemerkung: Diese Botschaft richtet sich an alle, die sich nicht an die Regeln halten. Feiern und Sauberkeit lassen sich durchaus vereinbaren. Kommentar: Was für eine Unverschämtheit!! Erschreckende Fotos von grenzenloser Zügellosigkeit. Ist all dieser Müll wirklich das Ergebnis von Spaß? Gibt es keine Limits und kein Bewusstsein mehr? Ist das die Kehrseite von Anstand, Respekt, Empathie und Solidarität...? Da mache ich nicht mit! Danke für diese Fotos, Freund Txema, sie zeigen, wie es nicht sein sollte. (facebook-baskultur)

(2026-08-29)

CEUTA UND DIE PNV

Esteban fordert die im Baskenland stationierten spanischen Polizisten und Zivilgardisten auf, „nach Ceuta zu gehen“. Er kritisiert Sánchez’ „verhängnisvolle“ Handhabung der „Migrationskrise“ und plädiert für einen Mittelweg zwischen „Gutmenschentum“ und „rassistischer Demagogie“. Die politische Krise, die die Massenflucht aus Marokko nach Ceuta vor einem Monat ausgelöst hat, hat Auswirkungen bis in die entlegensten Winkel der politischen Agenda, auch im Baskenland. So sehr, dass sie sogar andere, scheinbar nicht damit zusammenhängende Debatten prägt, wie jene, die im Juli das politische Jahr abschloss: der heftige Kompetenzstreit zwischen der baskischen Ertzaintza-Polizei einerseits und der Nationalpolizei sowie der Guardia Civil andererseits im Zusammenhang mit den Festnahmen der Angreifer spanischer Fans während des Finales der Fußball-Weltmeisterschaft. An diesem Freitag hat der PNV-Chef Aitor Esteban erneut angegriffen und einen Versuch der „Usurpation“ baskischer Befugnisse angeprangert. Er forderte die im Baskenland stationierten Beamten der staatlichen Sicherheitskräfte auf, in die spanisch-marokkanische Stadt zu gehen: „Hier haben Sie zu viele Leute, die nichts zu tun haben.“

An der Strandpromenade von Zarautz und in Anwesenheit der Parteiführung im Publikum – darunter auch der Lehendakari, Imanol Pradales – und nach einer morgendlichen Sitzung des EBB in Getaria konzentrierte Esteban den Großteil seiner Rede auf die Lage in Ceuta, verknüpfte das Thema jedoch mit der Kontroverse um die Zuständigkeitsverteilung im Sicherheitsbereich. Er bezog sich implizit auf die Festnahmen im Juli durch die Nationalpolizei, die die baskische Regierung empörten, betonte jedoch, das Problem sei ein Versuch der Rezentralisierung. „Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe es in Madrid erlebt. Man will die Ertzaintza zu einer Hilfspolizei machen, nicht zu einer vollwertigen Polizei, als wäre sie nur eine Zierde“, kritisierte der Politiker. Er stellte unter anderem die Präsenz der staatlichen Sicherheitskräfte in den baskischen Häfen oder bei der Kriminalpolizei in Frage und sagte, der Naturschutz-Dienst Seprona sollte „in den Bergen von Burgos sein und nicht hier“. Er machte den Vorschlag, dass die im Baskenland stationierten Beamten der Nationalpolizei und der Guardia Civil nach Ceuta oder Andalusien versetzt werden sollten, da man sie dort „braucht“.

Anschließend widmete sich der PNV-Vorsitzende intensiv der Migrationskrise – einem Thema, zu dem er sich bisher nicht geäußert hatte In einem kurzen Versprecher benutzte Esteban sogar das Wort „Invasion“, ruderte jedoch schnell zurück und vermied den Begriff, um stattdessen von einem „massiven Zustrom“ zu sprechen. Ebenso wie Pradales am Vortag äußerte er sich kritisch über das „verhängnisvolle“ Vorgehen der Regierung. „Acht Minister, jeder für sich und mit widersprüchlichen Aussagen, und zwei von ihnen, die sich nicht darüber einigen können, wie die Nachrichtendienste gearbeitet haben“, analysierte er.

Der baskisch-nationalistische Politiker kritisierte, dass sich die Probleme in Zukunft wiederholen würden. Er nutzte die Gelegenheit, um die Position der PNV zu verdeutlichen, die angesichts der Polarisierung in der Migrationsfrage einen Mittelweg anstrebt: „Man wird uns weder in eine gutmütige und simplistische Ideologie noch in rassistische Demagogie hineinziehen.“ In diesem Zusammenhang betonte er nicht nur die Rechte der Migranten, sondern auch deren Pflicht zur Integration, und bekräftigte die „nationale Identität“ des Baskenlandes als Element des „Zusammenlebens“.

Was die Situation der unbegleiteten Minderjährigen betrifft, die sich in Ceuta aufhalten, hat er – im Einklang mit der Position der baskischen Regierung – der Familien-Zusammenführung in den Herkunftsländern den Vorrang vor einer Überstellung auf das spanische Festland eingeräumt. Das heißt: deportieren. Andernfalls, so räumte er ein, müsse man sie aufnehmen – „natürlich“, wie er sagte –, forderte jedoch, dass das Baskenland „umfassende“ Zuständigkeiten im Bereich der Migration erhalten solle, um nicht dem Mangel an „Vorhersehbarkeit und Ordnung“ seitens der Zentralregierung ausgesetzt zu sein. (baskultur)

(2026-08-28)

WIE SICH DIE FIESTA VERÄNDERT HAT

Sprechen wir über die „Txosnas“, jene riesigen Fiesta-Stände der Aste Nagusia von Bilbo, in denen 9 Tage und Nächte gefeiert und konsumiert wird. Früher sah es manchmal so aus, als würdest du wählen gehen, anstatt ein „Katxi“ zu bestellen. Aber mal der Reihe nach. Wenn etwas gut läuft, kommt immer jemand und ruiniert es. Das ist eine Weisheit, die am Eingang einer Universität oder an der Tür einer Toilette stehen könnte. Sie gilt für alles. Auch für unsere „Txosnas“ bei der Aste Nagusia. Bizizaleak, Hontzak, Tintigorri, Txomin Barullo, Pinpilinpauxa, Satorrak und Uribarri – das sind die sieben Gruppen, die von den 24 Pioniergruppen übrig geblieben sind. Im Laufe der Jahre gab es mehr als 80. In diesem August sind es 37. Aber sie sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Wie sollten sie auch, wenn fast drei Generationen von Konparseros und Konparseras beteiligt waren und sind. Im Guten wie im Schlechten. Denn von beidem gibt es etwas. Bei den Konpartsas gab immer einen politischen, kulturellen und sozialen Hintergrund. Zwischen den Preisen für Kalimotxo, Bier und Sandwiches hingen Plakate mit politischen Forderungen aller Art. Manchmal musste man es den Auswärtigen erklären, manchmal war das nicht nötig. Die Behörden konnten der Begeisterung der Teilnehmer*innen und bestimmter Gruppen nichts entgegensetzen. Diejenigen von uns, die diese Tage erlebt haben, erinnern sich an jeden Augenblick. Als alles noch einfacher war und den Charme von Stadtvierteln hatte. Nostalgisch gesehen und selbstverständlich übertrieben. Denn Probleme gab es immer.

Die ganz Alten haben Erklärungen zum Verständnis der Veränderungen. Sie sprechen von „Parteipolitisierung“ – als ob es das nicht immer gegeben hätte. Die begann, als eine paritätisch besetzte gemischte Kommission gegründet wurde. Auslöser war der Konflikt, den Bürgermeister Castañares auslöste. Er versuchte, das partizipative Festmodell der ersten beiden Jahre – mit Tausenden von Freiwilligen – zu ändern. Es kam nicht gut an, dass die offiziellen Stellen bestimmen wollten, wie wir uns vergnügen sollten – ein Jahr fiel die Fiesta deshalb ins Wasser, bis das Rathaus nachgab. Die Kommission zwischen Rathaus und Konpartsas lief zunächst gut, bis politische Differenzen auf den Tisch kamen. Ganz natürlich. Denn das Rathaus stand rechts und die Mehrheit der Fiestagruppen orientierten sich links oder gar nicht. Es gab Konpartsas, die sich aus den Entscheidungsprozessen zurückzogen, weil sie sich von anderen angegriffen und an den Pranger gestellt fühlten. So kam es, dass wir von einer Situation, in der die Stadtverwaltung tat, was sie wollte, zu einer Situation gelangten, in der die Entscheidungen von einer Handvoll Festgruppen mit sozialem und politischem Einfluss getroffen wurden. Und so sind wir bei der heutigen Situation angelangt. Anstatt einen „Katxi“ zu bestellen, hat man das Gefühl, zur Wahl zu gehen. Es gibt „Txosnas“, die an jene Szene aus „Das Leben des Brian“ erinnern, in der darüber gestritten wird, ob man zur „Volksfront von Judäa“ oder zur „Jüdischen Volksfront“ gehört.

Keine Übertreibung. Zum Beispiel die Ästhetik. Wegen der bürokratischen Vorschriften ist alles professioneller, pompöser und teurer geworden. In den 80er Jahren entsprach die größte Txosna in Größe und Personalbestand einer kleinen von heute. Das hinderte sie jedoch nicht daran, zu einem jeweiligen Wallfahrtsort zu werden. Jedes Barrio organisierte nach und nach seine eigene Txosna. Diese Dynamik war nicht zufällig. Es gab kaum eine Bar in Bilbao, die im August geöffnet hatte. Heute haben alle auf, weil sie von dem Fiesta-Konzept profitieren können.

Die Fiesta war so etwas wie eine Art „Kneipe im Freien“, wie dies in den Dörfern üblich war: selbst aufbauen. Das wurde getan. Die Txosnas wurden zum Bezugspunkt für jedes Viertel oder jede Gruppe. Man ging zuerst zu der eigenen „Txosna“ und anschließend zu den anderen, um Nachbarschaft zu pflegen. So einfach war das. Menschen jeden Alters und Jugendliche aller Art. Manche verließen das Gelände nie, andere stiegen hinauf zur Granja, nach Ledesma, Iruña und in den Rest des Ensanche. Tatsächlich breitete sich das Phänomen bis nach Indautxu aus, und es war nicht ungewöhnlich, Mini-Txosnas an Orten zu sehen, die heute unvorstellbar sind. Alle waren schlicht. Aus Stahlrohren, einer Plane und wenig mehr. Dann geriet alles außer Kontrolle. Einer schlug vor, einen jährlichen Design-Wettbewerb ins Leben zu rufen, um die Hässlichkeit der Mammutbauten zu vermeiden, die sich zunehmend ausbreiteten. Bilboko Konpartsak lehnte dies ab. Die Stadtverwaltung wollte, dass aus der Veranstaltung ein kommerzielles Münchner Oktoberfest werden sollte. Völlig absurd. So ist das meiste bis heute geblieben. Das Wichtigste ist, dass die Leute Spaß haben. Wenn das, was es jetzt gibt, gefällt, dann ist alles gut. Aber früher ging man von einer zur anderen, ganz gleich, zu welcher Gruppe oder welchem Verein sie gehörte. Heute sind die Txosnas, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr das, was sie einmal waren. Manche erkennen sich selbst nicht mehr. Als wäre jede einzelne ein eigenständiger Planet. Nichts ist wie früher, alles ist gleich geblieben. (baskultur)

(2026-08-28)

SOLIDARITÄT MIT VERFOLGTEN STRASSENHÄNDLERN

Der Verband der Fiestagruppen in Bilbao, Bilboko Konpartsak, steht den verfolgten Straßenhändlern zur Seite und prangert die „grausamen Angriffe“ an. Die Organisation entgegnet dem Bürgermeister, dass „hinter diesen Menschen keine kriminelle Organisation steckt“. „Arbeiten ist kein Verbrechen, und kein Mensch ist illegal“, betonten die Teilnehmer*innen der Kundgebung. Bilboko Konpartsak hatte für Donnerstagnachmittag zu einer Kundgebung aufgerufen, um deutlich zu machen, dass sie keinerlei Angriffe auf die Gemeinschaft der Straßenhändler zulassen werden, „egal von wem sie kommen“. Mehrere hundert Menschen haben sich mitten auf dem Arenal versammelt, um die Institutionen zur Verantwortung zu ziehen und dazu aufzurufen, keinen Rassismus zu schüren. (Gut besuchte Kundgebung von „Comparseros“ und Straßenhändlern gemeinsam / Marisol Ramirez | Foku)

Dem Bürgermeister Aburto wurde entgegnet, dass „hinter diesen Menschen keine kriminelle Organisation steckt“, wie der Bürgermeister diese Woche behauptet hatte. „Was tatsächlich dahintersteckt, sind immer kompliziertere Verwaltungsverfahren zur Legalisierung ihrer Situation, Obdachlosigkeit, wenige wirksame Antworten seitens der Behörden, Rassismus, Aporophobie und Polizeigewalt. Arbeiten ist kein Verbrechen, und kein Mensch ist illegal“, wurde mit Nachdruck betont. Argumentiert wurde, dass ein Verbrechen vorliegt, „wenn politische Vertreter die Macht in unserem Namen missbrauchen. Wenn diejenigen, die uns vertreten, Hassreden halten, wenn diejenigen, die uns eigentlich schützen sollen, ihre Autorität gegen die Schwächsten einsetzen“.

Die Konpartsak haben beschlossen, während der Aste Nagusia gegen die anhaltenden Angriffe auf diese afrikanischen Migranten zu mobilisieren, die versuchen, durch Straßenverkauf ihr Überleben zu sichern. Nach Ansicht der Konpartsak ist es notwendig, den „beschämenden und grausamen Angriffen“ Einhalt zu gebieten, denen die Gruppe der Straßenverkäufer täglich durch öffentliche Institutionen und einige Medien ausgesetzt ist. Insbesondere die Rolle der Polizei wurde kritisiert, die „mit Grausamkeit, Gewalt und Diskriminierung“ vorgeht. „Wir können nicht nachvollziehen, wie man im Namen der Sicherheit und des Wohlergehens der Allgemeinheit die Waren von Menschen stehlen – oder, wie sie es nennen, beschlagnahmen – kann, die auf der Straße verkaufen, hart arbeiten und zudem in einer prekären Lage sind“. „Sie arbeiten auf der Straße mit allem, was das mit sich bringt: Chancenungleichheit und unter inakzeptablen Bedingungen, die aus unserer privilegierten Perspektive unvorstellbar sind. Und die politisch Verantwortlichen fragen sich nicht, was getan werden könnte, um diese Realität zu ändern, sondern greifen ausschließlich auf Zwangsmaßnahmen zurück“, beklagten sie.

NICHT WEGSCHAUEN

Die Gruppen haben deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sind, dies hinzunehmen, „geschweige denn wegzuschauen“. „Kein Mensch mit einem Funken Empathie kann das nachvollziehen. Die Gesellschaft von Bilbao zeichnet sich durch Offenheit, Solidarität und Fleiß aus. Hier war es immer an der Zeit, in schwierigen Zeiten zusammenzuhalten, und es ist nicht hinnehmbar, dass nun in unserem Namen Menschen diskriminiert, missbraucht und so niedergemacht werden“, betonten sie. Für Bilboko Konpartsak wäre es ein „schwerwiegender Fehler“, wenn die Stadtverwaltung den Protest igorieren und das bürgerschaftliche Netzwerk, das die Straßenhändler unterstützt, nicht ernst nehmen würde. „Die Gesellschaft von Bilbao fordert mit diesen Zeichen der Unterstützung lautstark ein Ende des institutionellen und polizeilichen Rassismus und all seiner gewalttätigen Mechanismen. Denn es ist nicht zulässig, dass im Namen der Sicherheit Menschen kriminalisiert werden, die versuchen, durch den Verkauf auf den Straßen dieser Stadt, die uns allen gehört, zu überleben“, erklärten sie. (naiz-baskultur)

(2026-08-27)

ARBEIT FÜR MIGRANT*INNEN

Der Anteil der Migrantinnen im Baskenland, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, ist vergleichsweise niedriger als im spanischen Staat. Uhr Anteil liegt bei 11% aller Arbeitnehmer*innen. Die baskische Rechtspresse nutzt diese Zahl, um einmal mehr gegen die baskische Sprache zu wettern. Die soll neben der zurückhaltenden Industrie nämlich schuld sein an diesem geringen Anteil, weil sie eine Sprachbarriere darstelle. Im Baugewerbe, das unter dem Arbeitsplatz-Abbau infolge der Krise von 2008 litt, stammen 25% der Beschäftigten im Baskenland aus dem Ausland – ein höherer Anteil als in Spanien insgesamt – dort sind die Löhne niedrig. Im Baskenland stammen 118.700 bei der Sozialversicherung gemeldete Arbeitskräfte aus dem Ausland beschäftigt, was 11,39% der insgesamt über eine Million Beschäftigten entspricht (1.042.300 im vergangenen Juli). Diese Zahl liegt um 4,2 Prozentpunkte unter dem nationalen Durchschnitt von 15,6%. Nur in Andalusien (11,38%), Kantabrien (11,07%), Asturien (8,74%), Galicien (8,28%) und Extremadura (5,69%) beträgt der Anteil der erwerbstätigen Migrantinnen weniger als im Baskenland. Spitzenreiter sind die Balearen, wo jeder vierte Arbeitsplatz (26,31%) von Ausländer*innen besetzt ist (Tourismus, Dienstleistung – schlecht bezahlt).

Schlüsselbranchen wie die Industrie, die eine höhere Qualifizierung erfordern, senken im Baskenland den Anteil. So liegt der Anteil ausländischer Arbeitskräfte in diesem Sektor derzeit im Baskenland bei weniger als 6,5%, während er im staatlichen Durchschnitt 10,85 % erreicht. Ähnliches gilt für technische Berufe wie Telekommunikation, Programmierung, Informatik oder Beratung. Im Baskenland beträgt der Anteil der Bevölkerung mit Migrations-Hintergrund 6,14%, zehn Prozentpunkte weniger als im Staat, wo er bereits bei 16,35% liegt. Dasselbe gilt für wissenschaftliche und technische Tätigkeiten, bei denen im Baskenland 5,6% der Beschäftigten ausländischer Herkunft sind (die Hälfte des spanischen Durchschnitts von 11%), sowie für den Finanz- und Versicherungs-Sektor, wo der Anteil von 1,6% beträgt (staatlicher Durchschnitt 6,13%). Im Bereich der Strom-, Gas-, Dampf- und Klimaversorgung geschieht Ähnliches. nur 1,81% im Baskenland gegenüber 5,43% im Staat.

Daneben gibt es laut der Rechtspresse weitere Faktoren, die für Ausländer in der Region Hindernisse darstellen, wie die baskische Sprache in Bereichen wie dem Bildungswesen. Während ihr Anteil im Staat 5,23% beträgt, sinkt er im Baskenland auf 2,35%. Dies zeigt sich besonders deutlich in den Bereichen Rundfunk, Produktion und Vertrieb von Inhalten: 8,26% im gesamten Staat, 2,73% im Baskenland. Offen bleibt, weshalb es in Katalonien – ebenfalls eine zweisprachige Region – dieses Problem nicht gibt. Falls die Problem-Analyse zutrifft, gäbe es eine einfache Lösung: das Euskara-Angebot steigern und kostenlos anbieten.

Doch gibt es auch Sektoren, in denen das Baskenland einen höheren Anteil an ausländischer Bevölkerung aufweist als der Staat. Zum Beispiel im Baugewerbe, wo seit der Krise von 2008 ein Fachkräfte-Mangel herrscht. Ausländer machen dort bereits 25% aus, was leicht über den 24,4% im Rest des Landes liegt. In Landwirtschaft, Fischerei und Viehzucht stammen 12,34% der Beschäftigten aus dem Ausland (Staat 10,11%). Besonders ausgeprägt ist der Anteil der Zuwanderer*innen im Gastgewerbe, wo fast 33% aus dem Ausland stammen. Hier liegen der Staat und das Baskenland fast gleichauf (30,8% im Baskenland, 31,75% im Staat). Im Baskenland beschäftigt der Sektor 6,93% aller migrantischen Arbeitnehmer*innen (abhängig beschäftigt oder selbstständig), während es im Staat 10% sind.

50.000 ANTRÄGE – Andererseits hinterlässt das außerordentliche Legalisierungs-Verfahren der spanischen Regierung für Migrant*innen Spuren auf dem baskischen Arbeitsmarkt. Aufgrund des am 16. April eingeleiteten Verfahrens sind im Baskenland fast 50.000 Anträge eingegangen, das führt auch zu mehr Schwarzarbeit Zum Beispiel in der häuslichen Pflege (fast nur Frauen). Von April bis Juli stieg die Zahl der Sozialversicherten in diesem Bereich um 11%, das heißt, 1.161 mehr Beitrags-Zahlerinnen in diesem Bereich. Gestiegen ist in diesen vier Monaten der Anteil der ausländischen Bevölkerung im Baugewerbe: um fast 10% (fast 1.400 mehr), und im Handel mit einem Plus von 11,8% (1.600 mehr ausländische Arbeitnehmer*innen). (ec-baskultur)

(2026-08-27)

DIE BESETZTER DER BILBO-FIESTA

Mit einer Dekoration, die dem 40-jährigen Jubiläum der Besetzung des Gaztetxe-Jugendhauses von Bilbo gewidmet ist, wurde die Fiesta-Gruppe Kranba mit der von Bilboko Konpartsak verliehenen „Campana“ ausgezeichnet – eine Glocke, die jedes Jahr den Besitzer wechselt. Kranba ist die Konpartsa-Gruppe der Hausbesetzungs-Bewegung in Bilbo. Die historische Konpartsa Txomin Barullo (ehemals baskische Kommunisten) erhielt hingegen die „Mosca“ – die Fliege, als Zeichen für die schlechteste Dekoration des Fiesta-Stands. Die mit der Hausbesetzerbewegung verbundene Konpartsa nutzte die Fassade ihres Festbereichs in diesem Jahr, um zurückzublicken und einen Teil der Geschichte von Bilbao zu würdigen: 40 Jahre, die seit der Besetzung des „Gaztetxe“ in der Altstadt von Bilbao vergangen sind. (Marisol Ramirez | FOKU)

Unter dem Motto „40 urte ateak zabaltzen“ (40 Jahre Türen öffnen) haben sie die Fassade des historischen Gebäudes in der Altstadt nachgebildet, das zwischen 1986 und 1992 besetzt war und heute eine Aula der baskischen Universität EHU beherbergt. Wie es bereits Tradition ist, hat die Gruppe der Hausbesetzer an einer Seitenwand der „Txosna“ eine Kletterwand eingerichtet. Die Fenster des ehemaligen Squats sind mit politischen Botschaften verziert: Niemand ist illegal; Fuck Fascism; im Baskenland wird Baskisch gesprochen; Solidarität mit den politischen Gefangenen; Hass gegen Rassismus, Liebe für Antifaschismus; Kampf dem Kapital. Neben der Theke hängt eine abgeschnittene Autoschnauze, deren Kennzeichen ACAB-1323 lautet – die vorbeikommenden Polizisten werden es mit Freude zur Kenntnis nehmen. Niemand verkörpert den ehemaligen politischen Charakter der Bilbao-Fiesta so wie die erst vor 10 Jahren gegründete Kranba-Konpartsa.

Am anderen Ende der Rangliste befindet sich die Konpartsa Txomin Barullo, die in diesem Jahr die „Mosca“ erhalten hat, die Auszeichnung, die der am wenigsten gelungenen Dekoration vorbehalten ist. Diesen Preis übernahmen die Txomins, deren Symbol Groucho Marx ist, von der Konpartsa Moskotarrak, die diesen besonderen Titel in den letzten beiden aufeinanderfolgenden Ausgaben verliehen bekam. Die erfahrene Fiestagruppe hat sich dieses Jahr mächtig ins Zeug gelegt, um keine „Dreifach-Fliege“ zu kassieren, und hat eine Txosna präsentiert, die mythologische Elemente, ein buntes „Guernica“-Bild (Picasso) und Kritik am gerichtlichen Eingriff in die Baskisch-Prüfungen der Hochschulzugangsreife vereint. Die Glocke und die Fliege sind eines der kleinen Rituale der Aste Nagusia. Über den festlichen Charakter der Auszeichnungen hinaus spiegeln beide Ehrungen die Bedeutung wider, die die Karnevalsgruppen dem Bau und der Dekoration ihrer Txosnas beimessen. (naiz-baskultur)

(2026-08-27)

FEMINISTISCHER HUMOR VOR GERICHT

In Bilbao beginnt der Prozess gegen die Schauspielerin und Komikerin Ane Lindane wegen einer vorgetäuschten Masturbation auf einem Altar. Die Organisation „Abogados Cristianos“ (Christliche Anwälte) hatte Anzeige gegen sie erstattet, weil sie auf dem Hauptaltar einer Kirche mit einem Kruzifix vorgetäuscht hatte, sich zu befriedigen, und dabei „Hil da Jainkoa“ (Gott ist tot) gerufen hatte. Stellt sich die Frage, was schlimmer war, die Vortäuschung, das Kreuz oder der Spruch? Das Publikum war jedenfalls zufrieden und hatte nichts auszusetzen. Die reaktionären Anzeigen-Erstatter – obwohl sie nicht einmal präsent waren und somit gar nicht wissen, wovon sie sprechen – sie sehen das selbstverständlich anders. Sie werfen der Monologistin eine Straftat wegen Gotteslästerung vor und beantragen eine Geldstrafe von acht Monaten.

Wie die Spanische Stiftung christlicher Anwälte (!) in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat das Amtsgericht Bilbao die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen Ane Miren Hernández Unda, Künstlerinnen-Name „Ane Lindane“, angeordnet, nachdem sie am 29. Juni 2025 während des Kulturfestivals „Euskal Herria Zuzenean“ (EHZ) in der französischen Ortschaft Arberatze vor etwa 200 Menschen, die sich im Inneren der Kirche San Lorenzo versammelt hatten, auf den Hauptaltar stieg und ein Kruzifix ergriff, „eines der zentralen Symbole des christlichen Glaubens“. 150 Zuschauer*innen wären möglicherweise strafmildernd gewesen. In diesem Moment simulierte sie einen Masturbationsakt, während sie auf Baskisch „Hil da Jainkoa!“ („Gott ist tot!“) rief. Anschließend verbreitete Ane Lindane das Video der Aktion über ihre Profile in den sozialen Netzwerken und fügte eine Botschaft hinzu, in der sie angeblich schrieb, sie habe „die Kirche besudelt, gelästert und deren Missbräuche angeprangert“.

„Obwohl die Handlungen in einer Kirche in Frankreich stattfanden, fand die Verbreitung des Videos und der begleitenden Kommentare vollständig in Spanien statt“ – Gott ist eben überall und nirgends. Diese Beweise wurden bereits während des Verfahrens von einem Provinzgerichtshof bestätigt, versicherten die VOX-Freunde von „Abogados Cristianos“. Wie sie hervorhoben, „behielt die Kirche ihren Status als heiliger Ort bei, da sie von der kirchlichen Autorität nicht entweiht worden war“. Was die Opfer von sexistischem Missbrauch durch Pfaffen dazu wohl meinen? Zudem erinnern sie daran, dass „die Schwere der Taten den Bischof von Bayonne, Marc Aillet, dazu veranlasste, diese öffentlich als ‚Sakrileg und Entweihung‘ zu bezeichnen und anschließend eine Sühne-Messe zu feiern, um die Würde des Gotteshauses wiederherzustellen“. Und die Sühne für tausend Priester-Vergewaltigungen gleich mit.

Die Vorsitzende von „Abogados Cristianos“, Polonia Castellanos, prangerte an, dass „die Verwendung eines Kruzifixes zur Vornahme obszöner Handlungen auf dem Altar einer Kirche eine unerträgliche Demütigung für Millionen von Christen darstellt“ – gleichzeitig aber auch eine enorme Genugtuung für zwei Millionen von Nicht-Christen. Polonia forderte die Justiz auf, „entschlossen gegen diejenigen vorzugehen, die absichtlich das Heilige angreifen. Es lebe Franco! Hier handelt es sich weder um Kritik noch um eine Meinungsäußerung, sondern um eine absichtlich beleidigende Handlung, die anschließend verbreitet wurde, um ihre Reichweite zu vergrößern. Die Meinungsfreiheit darf nicht zu einem Freibrief werden, um unseren Glauben absichtlich anzugreifen und lächerlich zu machen“, versicherte sie. Jenen Glauben lächerlich zu machen, dazu ist Ane Lindane gar nicht notwendig, das machen die vergewaltigenden Priester schon selbst. Einen Menschenrechts-Preis für Ane Lindane! (baskultur)

(2026-08-27)

TEPPICH-HÄNDLER WERDEN KRIMINALISIERT

Viele afrikanische Männer in Bilbao haben keine Papiere oder keine Arbeitserlaubnis. Deshalb verkaufen sie Trikots, um zu überleben. Sie sind äußerst beliebt in der Bevölkerung und bei Touristen. Weil sie ihre Ware auf einem Teppich – manta – auf die Straße legen, werden sie Manteros genannt. Leider sind die Trikots „Schwarzkopien“, irgendein Kapitalist verliert dabei also Geld. Deshalb werden sie in Bilbao heftig verfolgt, verhaftet und kriminalisiert. In kleineren Orten wie Gernika oder Orereta hingegen, grüßen sich Manteros und Stadtpolizisten freundschaftlich mit Vornamen. Denn überall haben sie die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. Nunr nicht dern rechten Bürgermeister von Bilbo. Aburto rechtfertigt die Schikanierung der Straßenverkäufer damit, dass „dahinter eine kriminelle Organisation steckt“. Das ist nur die halbe Wahrheit. Irgendwer stellt die falschen Trikots her, daran gibt es keinen Zweifel. Das das kein legales Unternehmen ist, stellt ebenfalls niemand in Frage. Das Problem ist, dass den Leute keine andere Möglichkeit gelassen wird. Sie stören niemand (außer den Bürgermeister und ein paar kapitalistische Trikot-Händler. (Straßenverkäufer bei der Protestkundgebung gegen den jüngsten Polizeieinsatz am 12. August. / Marisol Ramirez | Foku)

Die Behandlung der Straßenverkäufer durch die Stadtpolizei von Bilbao steht an dieser Aste Nagusia Fiesta erneut im Rampenlicht. Die mit der Eröffnungsrede für die Fiesta beauftragte Onintza Enbeita prangerte dies an. Doch für den Bürgermeister müssen die Straßenverkäufer verfolgt werden, um zum Kern der „kriminellen Organisation“ vorzudringen, die sie beliefert. Damit hat er die riesige Mehrheit der Freiwilligen der Fiesta-Gruppen (Konpartsak) gegen sich. So steht auch in dieser Aste Nagusia (bask: Große Woche) die polizeiliche Misshandlung der Straßenverkäufer in Bilbao wieder im Fokus. Letzte Woche tauchte ein Video auf, das einen neuen Fall gewaltsamen Vorgehens gegen einen Straßenverkäufer zeigt, was zu einer Protestkundgebung führte. In ihrer Eröffnungsrede am Samstag, zum Beginn der Feierlichkeiten, setzte sich Onintza Enbeitia für diese Gruppe ein. Bürgermeister Aburto wurde am Montag bei Radio Euskadi dazu befragt. Er rechtfertigte das harte Vorgehen der Stadtpolizei damit, dass deren Tätigkeit „nicht legal“ sei und dass „dahinter eine kriminelle Organisation stecke“, weshalb es seine Absicht sei, „den Faden weiterzuverfolgen, um zur Quelle zu gelangen“.

Nachdem er seine Unterstützung für den „lokalen Handel“ bekundet hatte, wies er Vorwürfe zurück, die Polizei würde Straßenhändler misshandeln – mehrere Videos beweisen das Gegenteil, sie vermitteln den Eindruck, als wären es Aktionen der rassistischen ICE-Truppe von Trump. Aburto verteidigte dieses Vorgehen. Er weitete diese Verteidigung auf andere Bereiche aus, wobei er sich stets stark auf das Thema Sicherheit konzentrierte und diese als eine rein polizeiliche Angelegenheit interpretierte. Oder: Migration ist ein Polizeiproblem, keines von Koexistenz und Integration. Das ist institutioneller Rassismus. So hat der Rassist Aburto, wie zuvor bereits sein Amtskollege Jon Insausti in Donostia während der Aste Nagusia, das „großartige“ Sicherheitsdispositiv gelobt, das anlässlich der Fiesta aufgeboten wurde und bei dem die Ertzaintza und die Stadtpolizei sowohl innerhalb als auch außerhalb des Veranstaltungsgeländes zusammenarbeiten und präsent sind.

OHNE DIE FESTGRUPPEN

„Die Sicherheit fällt in die Zuständigkeit der Ertzaintza und der Stadtpolizei. Sie ist das Hauptanliegen der Bürger und auch unser Anliegen, und da sie in unseren Zuständigkeitsbereich fällt, können wir darüber mit niemandem verhandeln“, betonte er auf die Frage, ob er diesbezüglich irgendeine Art von Vereinbarung mit den Konpartsak in Erwägung ziehe. „Sollte etwas passieren, würden die Fragen nicht an die Festgruppen gerichtet werden, sondern an den (Sicherheits-)Minister oder an mich“, erklärte er. In diesem Zusammenhang bestätigte er, dass er mit dem Sicherheits-Departement der baskischen Regierung übereinstimme, das sich besorgt über polizeifeindliche Haltungen äußert, und bekräftigte: „Wir verlieren das Prinzip der Autorität, etwas, das sehr wichtig ist und das wir wiederherstellen müssen.“ Aber nicht auf diesem Weg. Der Bürgermeister von Bilbao betonte in diesem Zusammenhang, dass die Polizei „niemandes Feind ist, sondern für unsere Sicherheit sorgt“, und dass dies „der Gesellschaft klar sein muss“. In Bilbao und vielen anderen Orten wird das komplett anders gesehen. Deshalb ist in den Straßen überall die Ziffer 1312 zu lesen, die Ziffern-Übertragung von ACAB, „All Cobs Are Bastards“. (naiz-baskultur)

(2026-08-27)

DAS MASSAKER VON VALCALDERA

1936: Im Halbdunkel der Abenddämmerung, mit frischem Blut befleckt, gelang Honorino Arteta die Flucht über die öde Ebene der Bardenas-Einöde im Süden Navarras. Er hatte vier Einschusswunden am Körper. Zunächst versteckte er sich in einer Höhle, in der Hoffnung, seinen Verfolgern zu entkommen. Einen Monat später, als ihm klar wurde, dass sich der Krieg länger hinziehen würde als erwartet, schloss er sich einer Gruppe von Flüchtlingen an und machte sich auf den Weg zum Grenzübergang von Belagua in den Pyrenäen. Er trug einen blauen Overall. Da er keine Schuhe hatte, hatte er seine Füße mit Jutefetzen umwickelt und spürte, wie die Herbstkälte ihm das Fleisch aufriss und ihm bis ins Mark drang.

Er überlebte Hunger und Durst. Er drang in so raue und undurchsichtige Gegenden vor, dass er beinahe von den Fluten des Flusses Aragón mitgerissen worden wäre. Schließlich, kurz vor der Grenze, stieß er auf eine Gruppe von Carabineros und verlor bei der Flucht seine Reisegefährten. Er war allein und vor Erschöpfung am Ende seiner Kräfte. Er hätte sich im Schnee sterben lassen, hätte ihm das Schicksal nicht eine Mission zugewiesen: Er war der einzige Überlebende des Massakers von Valcaldera und musste sein Zeugnis in Sicherheit bringen. Hätten die Faschisten ihn aufgespürt, hätte Honorino Arteta niemals die Einzelheiten seiner Flucht niedergeschrieben, und diese Chronik würde nicht existieren.

In Urdatx wurde ihm von einigen Jägern geholfen. Nachdem er sich den französischen Behörden gestellt hatte, gelangte er ins Krankenhaus von Maule, wo er auf andere Exilanten der Volksfront traf. In der Ruhepause seiner Genesung beschloss er, nach Barcelona zu fahren, um sich den republikanischen Bataillonen anzuschließen. Er kaufte eine Zugfahrkarte, ohne zu ahnen, dass der Grenzübergang von Portbou so viel Widerstand leisten würde. Er hatte keine Ausweispapiere bei sich, sodass die Beamten der spanischen Polizei ihn für einen feindlichen Spion hielten und ihm sogar mit der Erschießung drohten, als sie erfuhren, dass er aus Iruñea stammte. Das Letzte, was er wollte, war, wie Marino Húder zu enden.

Marino Húder war Arzt und engagiertes Mitglied der Izquierda Republicana. Zwei Tage nach dem Militärputsch wurde er gewaltsam aus seinem Haus geholt und ins Provinzgefängnis von Iruñea gebracht. Dort landete auch sein Cousin Ramón Húder. Die Gefangenen mit ihren kahlgeschorenen Köpfen und ihren vorzeitig gealterten Gesichtern stammten aus den verschiedenen Strömungen der navarrischen Linken. Da war Miguel Antonio Escobar, Generalsekretär der Sozialistischen Föderation. Dort war Jesús Otermin, ein Blechschmied aus Pamplona, der in der PCE aktiv war. Und José Belloz, ein junger Arbeiter aus Tudela, der der CNT angehörte.

Dass wir wissen, was danach geschah, liegt daran, dass Honorino Arteta es niedergeschrieben hat. Am Nachmittag des 23. August, während die Armee des Faschisten-Generals Emilio Mola die Verteidigungslinie von Buruntza angriff, betrat ein Offizier den Hof des Provinzgefängnisses von Iruñea und verlas laut die Namen der Gefangenen, die freigelassen werden sollten. Er befahl ihnen, ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen. Draußen warteten zwei Reisebusse. Als er das Gefängnis verließ, sah Honorino Arteta eine Patrouille bewaffneter Männer und erkannte sofort Gregorio Apesteguía, den Milchmann aus La Rochapea, einen Führer mit langjähriger Falangisten-Tradition, der sich später derartige Verdienste erwarb, dass er den Sarg des Falange-Gründers José Antonio Primo de Rivera auf den Schultern tragen durfte.

Honorino Arteta wurde von einer Vorahnung erfasst. Die mit 52 Häftlingen beladenen Reisebusse fuhren auf der Straße in Richtung Zaragoza und bogen auf Höhe von Cadreita auf einen Feldweg ab. Nach und nach nahm der Hof von Valcaldera die Gestalt eines Schafotts an. Die Henker trennten die Gefangenen von ihren Habseligkeiten und ließen elf Geistliche herbeirufen, um ihnen den Trost der Beichte zu spenden. Sie wurden zu je sechs erschossen. Auf dem Boden türmten sich die Leichen von Pablo Galbete, der Brüder Cayuela und einer ganzen rebellischen Generation, deren Knochen noch immer vor Wut im Schoß der Erde knirschen.

Honorino Arteta rannte, von vier Kugeln verwundet, machte sich unsichtbar, irrte über namenlose Pfade und überquerte mit seinem zerschundenen Körper die Grenze, Maule Barcelona. Dort stellte er sich in den Dienst der CNT. Unmittelbar danach schloss er sich der Ascaso-Kolonne an, fest entschlossen, die Front in Aragón zu durchbrechen, nach Iruñea zurückzukehren und den Tod seiner Kameraden zu rächen. Er durfte nicht zulassen, dass sein Optimismus nachließ. Angetrieben von seinem proletarischen Gewissen glaubte er, dass die republikanischen Truppen die Aufständischen zerschlagen müssten, damit der Keim des Faschismus nie wieder aufkeimen würde.

Die Niederlage machte ihn zu einem Schatten seiner selbst. Nach dem Rückzug kam er ins französische Lager Saint-Cyprien. Er starb 1978 im Exil. Im Nebel des Krieges, lange bevor er seinen letzten Atemzug tat, hatte er der Mutter von Dr. Marino Húder einen maschinengeschriebenen Bericht über das Massaker von Valcaldera geschickt. Der Brief gelangte nach Venezuela und trat erst vor knapp fünf Jahren den Rückweg an, als die Nachkommen der Familie Húder die Nachkommen der Familie Arteta ausfindig machten. Auf der Plaza de los Fueros in Elizondo überreichte Maricarmen Yárnoz Húder während einer Gedenkfeier für die Exilanten Eneko Arteta eine Kopie des Berichts.

Am 23. August 2026 jährt sich zum 90. Mal der Todestag der Opfer von Valcaldera. Unter ihnen war Amadeo Urla, Vorsitzender der Izquierda Republicana. Unter ihnen war der Journalist Miguel Antonio Escobar, Mitglied der PSOE und der UGT. Unter ihnen war Dr. Evaristo Pérez, der zwar in den Norden hätte fliehen können, sich jedoch entschied, in Auritz zu bleiben, weil er sich für unschuldig hielt. Ihre Namen hallen noch immer aus den Tiefen des Provinzgefängnisses wider, laut vorgelesen von einem Sprecher des Todes und nun, fast ein Jahrhundert später, wiederholt von den Sprechern der Erinnerung. Die Geschichte unseres Landes ist eine ewige Erinnerung an ein offenes Grab. (naiz-baskultur)

(2026-08-26)

KOLLATERAL-SCHÄDEN

Eine baskische Fiesta gilt erst als eröffnet, wenn die Startrakete gezündet ist und hoch über den Köpfen der Festgemeinde explodiert. Manchmal werden mehrere hintereinander gezündet. Meist mitten in Menschenansammlungen. Mitunter geht das schief. Wie jetzt im navarrischen Noain. Mindestens 31 Verletzte, drei davon schwer, als beim Txupinazo mehrere Raketen in der Menschenmenge explodierten. Anscheinend haben sich die Zündschnüre durch die Funken der ersten beiden Raketen entzündet, und drei Raketen gingen nach unten los. Ergebnis: Prellungen, Schürfwunden und Verbrennungen.

Die ersten beiden Raketen wurden ohne Zwischenfälle abgefeuert. Doch dann entzündeten sich die Lunten mehrerer Raketen, die als Nächstes abgefeuert werden sollten, durch die Funken der ersten beiden. Sie gingen los und explodierten inmitten der Menschenmenge, die sich auf der Plaza de los Fueros versammelt hatte. Anschließend explodierten weitere Raketen – einigen Zeugenaussagen zufolge etwa fünf – auf dem Prominenten-Balkon, der zu diesem Zeitpunkt voller Menschen war. Die am schwersten Verletzten wurden wegen Verbrennungen an Händen und Füßen ins Krankenhaus gebracht. Nach dem Vorfall herrschte Chaos, Verwirrung und Angst, während einige Menschen darauf warteten, medizinisch versorgt zu werden. Die Raketen-Praxis wird sich nicht ändern, wie sonst sollte eine Fiesta gestartet werden! Kollateral-Schäden. (baskultur)

(2026-08-26)

STREIK BEI DER FIESTA

Er war von langer Hand angekündigt, aber wer sich nicht für die Rechte von arbeitnehmer*innen interessiert und Streiks nur als Belästigung betrachtet, muss dennoch überrascht gewesen sein. Der Streik der Kultur-Techniker*innen hat bei der Fiesta in Bilbo auch die „Bilbainadas“ der Aste Nagusia unterbrochen. Aus dem ignoranten Publikum waren Rufe von „Raus, raus!“ zu hören. Die Konpartsak-Fiestagruppen hatten einen anderen Umgang mit dem Streik – sie solidarisierten sich mit den Streikenden und sagten alle ihre programmierten Veranstaltungen ab. Das ist Klassenbewusstsein.

Bereits vor einen Monat war der Streik der Branchen-Gewerkschaft Teknikariok für heute, Mittwoch, den 26. August, angesetzt. Wie zuvor an jeweils einem Tag bei den Jaiak in Donostia und Gasteiz. Der Streik der Kultur-Arbeiter*innen hat dazu geführt, dass die traditionellen „Bilbainadas“, die an diesem Mittwoch in der Pérgola Doña Casilda stattfanden, unterbrochen werden mussten. Das anwesende Publikum reagierte wenig arbeitnehmerfreundlich. Die Veranstaltungs-Arbeiter*innen prangern die „Gleichgültigkeit“ und das „absolute Schweigen“ seitens des Arbeitgeberverbands EUKI an. Die Verhandlungen über den Tarifvertrag für Arbeitnehmerinnen bei Kulturevents und Veranstaltungen im Baskenland – sie bauen überall die Bühnen auf und sorgen für Licht und Ton – sind bereits seit mehr als zweieinhalb Jahren blockiert, der erste Streiktag fand am 15. Mai in Bizkaia statt. Die Teknikariok wehren sich unter anderem gegen die Praxis, dass ihnen nur mit 5 Tagen Vorlaufzeit ihre Einsatzzeiten mitgeteilt werden, was einen persönlichen Alltag außerhalb der Arbeit praktisch unmöglich macht. (baskultur)

(2026-08-25)

VERMIETUNGS-KATASTROPHE

Neun von zehn Wohnungen, die in Bilbao vermietet werden, haben Mietverträge mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr. Das Angebot an Langzeitwohnungen ist nach der Einführung von Maßnahmen zum Schutz der Mieter auf ein Minimum geschrumpft. Viele der in Bilbao angebotenen Wohnungen richten sich an Studenten oder vorübergehend ansässige Arbeitnehmer. „Luxuriöse und gemütliche Wohnung für Saisonmietverträge im Herzen von Bilbao zu vermieten, mit guter Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, Geschäfte und Restaurants“ - „Wunderschöne, 200 Quadratmeter große, möblierte Wohnung für Studenten und Saisonarbeiter“ - „Vermietung nur für kurzfristige Mietverträge“ – „Gemütliche Wohnung in einer der besten Gegenden von Bilbao, in der Nähe von Campuzano“. Von den 416 Immobilien, die am Montag – dem Tag dieser Recherche – auf dem führenden Immobilienportal des Landes zur Vermietung angeboten wurden, handelte es sich bei mindestens 355 um Saisonmieten, die sich an Studierende oder Saisonarbeiter richten und deren Verträge meist eine Laufzeit von weniger als einem Jahr haben. Das sind mehr als 85% des Angebots. Weniger als 60 Immobilien waren für Familien, Paare oder Einzelpersonen bestimmt, die eine Wohnung suchen, in der sie über einen längeren Zeitraum wohnen können.„Das Thema Hauptwohnsitz ist kompliziert“, fasst Ana Acasuso, Vizepräsidentin der Kammer der Immobilienmakler von Bizkaia. Die Fachfrau spielt darauf an, dass es immer weniger Angebote gibt, um eine Nachfrage zu befriedigen, die sich auf Tausende beläuft. Warum? Experten weisen auf eine Ursache hin: die Preisbeschränkungen in angespannten Gebieten und die Anforderungen des nationalen Wohnungsgesetzes, das 2023 vom spanischen Parlament verabschiedet wurde. Der Punkt ist, dass die Regelung den Fokus auf Dauermietverträge mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr legt und den befristeten Mietverträgen, die monatlich abgeschlossen werden, „freie Hand“ lässt. Dass Vermietern mit langfristigen Mietverhältnissen eine Preiskontrolle auferlegt wird – in angespannten Gebieten wie Bilbao dürfen Wohnungseigentümer die Miete nicht beliebig erhöhen, sondern müssen sich an bestimmte Richtwerte halten; dass sie verpflichtet sind, eine Vertragsverlängerung zu akzeptieren, wenn der Mieter dies wünscht; oder dass sie die Maklergebühren übernehmen müssen, während Eigentümer von Ferienwohnungen oder Studentenwohnungen von jeglicher Verpflichtung befreit sind, hat zu einer offensichtlichen Verlagerung von Mietverträgen geführt.

„Wir haben diese Abwanderung festgestellt“, erklärte der Wohnungsbau-Minister Denis Itxaso in einem Interview, in dem er versprach, den Betrug trotz der damit verbundenen Schwierigkeiten „zu verfolgen“. „Dort, wo das (Wohnungsgesetz) angewendet wird, wie beispielsweise in Katalonien, hat sich gezeigt, dass dieses Problem zu den unbeabsichtigten Folgen gehört“, fügte er hinzu. Die Zentralregierung kündigte im vergangenen Juni an, ein Maßnahmenpaket zur Regulierung von befristeten Mietverhältnissen und Zimmermietverträgen zu verabschieden, doch bis dahin besteht eine Rechtslücke, die sich einige Vermieter zunutze machen. Acasuso erklärt, dass für eine vorübergehende Vermietung die Befristung nachgewiesen werden muss, beispielsweise durch Vorlage der Immatrikulationsbescheinigung oder eines befristeten Arbeitsvertrags. Tatsächlich ist es jedoch so, dass „die Menschen verzweifelt sind und uns ständig anrufen, um irgendeine Wohnung zu finden“. „Viele Menschen verstehen nicht, was es bedeutet, dass eine Vermietung befristet ist, und obwohl sie nur für einzelne Monate angeboten wird, sind sie bereit, sie anzunehmen, nur um überhaupt etwas zu haben. Sie bringen alle möglichen Ausreden vor, um zu versuchen, die Wohnung zu bekommen“, räumt er ein.

IN WENIGEN MINUTEN VERMIETEN

Experten sind sich einig, dass die Anwendung des Referenzpreisindex – eines vom Wohnungsbau-Ministerium anhand von Daten der baskischen Finanzbehörden erstellten Indikators, der die Preise für Wohnungen begrenzt, die in den letzten fünf Jahren nicht vermietet wurden oder von Großvermietern verwaltet werden – dazu geführt hat, dass sich einige Eigentümer für eine vorübergehende Vermietung entschieden haben. Sie betonen jedoch, dass das „wahre Problem“ in der „Unsicherheit“ liege. „Die meisten Mieter zahlen ihre Miete und kümmern sich gut um die Wohnungen, aber die Angst ist groß. Sie befürchten, dass ein Mieter nicht mehr zahlt und nicht gekündigt werden kann oder dass er länger als vereinbart bleiben will“, erklärt Acasuso, der bedauert, dass die Benachteiligten „letztendlich genau jene Menschen sind, die die Regierung schützen will: die mit den niedrigsten Einkommen, die am Ende in substandardmäßigen Unterkünften oder Zimmern leben müssen, weil ihnen keine andere Wahl bleibt“. Tatsächlich liegt der durchschnittliche Mietpreis in weiten Teilen der Stadt deutlich über 900 Euro.

Das Ungleichgewicht zwischen Wohnungen zur vorübergehenden Nutzung und solchen, die als Hauptwohnsitz dienen, „ist kein Einzelfall“ und hat auch nichts mit dem Frühling oder Sommer zu tun, wenn die meisten Mietverträge für Studenten abgeschlossen werden. Die Nachfrage ist „übertrieben“, bis zu dem Punkt, dass „die Systeme zusammenbrechen“. Die neuesten Statistiken von Idealista zeigen, dass jede fünfte auf dem Portal inserierte Wohnung innerhalb von weniger als 24 Stunden vermietet wird, was den enormen Bedarf in einer Hauptstadt verdeutlicht, in der mindestens 30.000 Menschen bei Etxebide registriert sind, in der Hoffnung, eine Sozialwohnung zu erhalten. Es stimmt zwar, dass immer mehr Agenturen es aus zwei Gründen vermeiden, die in ihr Portfolio aufgenommenen Immobilien auf den Portalen zu veröffentlichen. Der erste Grund ist, dass die Makler bereits über eine sehr lange Kundenliste verfügen. Sie kennen deren Bedürfnisse, und wenn die Anforderungen mit denen des Eigentümers übereinstimmen, verhandeln sie den Vertrag direkt, ohne ihn anderen Interessenten anzubieten.
Der zweite Grund ist die Komplexität der Mietverwaltung angesichts der Flut von Anfragen. „Es gibt Kollegen, die sich aufgrund des hohen Zeitaufwands dafür entschieden haben, keine Mietobjekte mehr zu betreuen. Jeden Tag erhalten wir Dutzende von Anfragen von Menschen, die uns ihre Situation und ihre Anforderungen schildern“, erklärt die Vizepräsidentin der API. Für die Branche liegt die Lösung darin, den Eigentümern „Sicherheit“ zu geben, und „das ist eine politische Frage“. Sie betonen, dass es über Preisobergrenzen hinaus entscheidend sei, „die Vorschriften zu ändern“, um „Sicherheit zu schaffen“. „Solange das nicht geschieht, solange die Eigentümer nicht die Gewissheit haben, dass sie ihre Wohnung zurückbekommen, wenn sie sie brauchen, wird sich die Situation nicht verbessern, sondern verschlechtern“, warnen sie. (elcorreo-baskultur)

(2026-08-25)

KABARETTISTIN VOR GERICHT

In Bilbao beginnt der Prozess gegen die Schauspielerin und Komikerin Ane Lindane wegen einer vorgetäuschten Masturbation auf einem Altar. Die Organisation „Abogados Cristianos“ (Christliche Anwälte) hatte Anzeige gegen sie erstattet, weil sie auf dem Hauptaltar einer Kirche mit einem Kruzifix vorgetäuscht hatte, sich zu befriedigen, und dabei „Hil da Jainkoa“ (Gott ist tot) gerufen hatte. Stellt sich die Frage, was schlimmer war, die Vortäuschung, das Kreuz oder der Spruch? Das Publikum war jedenfalls zufrieden und hatte nichts auszusetzen. Die reaktionären Anzeigen-Erstatter – obwohl sie nicht einmal präsent waren und somit gar nicht wissen, wovon sie sprechen – sie sehen das selbstverständlich anders. Sie werfen der Monologistin eine Straftat wegen Gotteslästerung vor und beantragen eine Geldstrafe von acht Monaten.

Wie die Spanische Stiftung christlicher Anwälte (!) in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat das Amtsgericht Bilbao die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen Ane Miren Hernández Unda, Künstlerinnen-Name „Ane Lindane“, angeordnet, nachdem sie am 29. Juni 2025 während des Kulturfestivals „Euskal Herria Zuzenean“ (EHZ) in der französischen Ortschaft Arberatze vor etwa 200 Menschen, die sich im Inneren der Kirche San Lorenzo versammelt hatten, auf den Hauptaltar stieg und ein Kruzifix ergriff, „eines der zentralen Symbole des christlichen Glaubens“. 150 Zuschauer*innen wären möglicherweise strafmildernd gewesen. In diesem Moment simulierte sie einen Masturbationsakt, während sie auf Baskisch „Hil da Jainkoa!“ („Gott ist tot!“) rief. Anschließend verbreitete Ane Lindane das Video der Aktion über ihre Profile in den sozialen Netzwerken und fügte eine Botschaft hinzu, in der sie angeblich schrieb, sie habe „die Kirche besudelt, gelästert und deren Missbräuche angeprangert“.

„Obwohl die Handlungen in einer Kirche in Frankreich stattfanden, fand die Verbreitung des Videos und der begleitenden Kommentare vollständig in Spanien statt“ – Gott ist eben überall und nirgends. Diese Beweise wurden bereits während des Verfahrens von einem Provinzgerichtshof bestätigt, versicherten die VOX-Freunde von „Abogados Cristianos“. Wie sie hervorhoben, „behielt die Kirche ihren Status als heiliger Ort bei, da sie von der kirchlichen Autorität nicht entweiht worden war“. Was die Opfer von sexistischem Missbrauch durch Pfaffen dazu wohl meinen? Zudem erinnern sie daran, dass „die Schwere der Taten den Bischof von Bayonne, Marc Aillet, dazu veranlasste, diese öffentlich als ‚Sakrileg und Entweihung‘ zu bezeichnen und anschließend eine Sühne-Messe zu feiern, um die Würde des Gotteshauses wiederherzustellen“. Und die Sühne für tausend Priester-Vergewaltigungen gleich mit.

Die Vorsitzende von „Abogados Cristianos“, Polonia Castellanos, prangerte an, dass „die Verwendung eines Kruzifixes zur Vornahme obszöner Handlungen auf dem Altar einer Kirche eine unerträgliche Demütigung für Millionen von Christen darstellt“ – gleichzeitig aber auch eine enorme Genugtuung für zwei Millionen von Nicht-Christen. Polonia forderte die Justiz auf, „entschlossen gegen diejenigen vorzugehen, die absichtlich das Heilige angreifen. Es lebe Franco! Hier handelt es sich weder um Kritik noch um eine Meinungsäußerung, sondern um eine absichtlich beleidigende Handlung, die anschließend verbreitet wurde, um ihre Reichweite zu vergrößern. Die Meinungsfreiheit darf nicht zu einem Freibrief werden, um unseren Glauben absichtlich anzugreifen und lächerlich zu machen“, versicherte sie. Jenen Glauben lächerlich zu machen, dazu ist Ane Lindane gar nicht notwendig, das machen die vergewaltigenden Priester schon selbst. Einen Menschenrechts-Preis für Ane Lindane! (baskultur)

(2026-08-25)

VON NAZIS ERMORDET

Bittor Iturria Sararra wurde vor 82 Jahren in der Bretagne von den Nazis ermordet. Er war ein hervorragender Pelota-Spieler. Als er für den Zweiten Weltkrieg einberufen wurde, setzte er seine Spiel-Fähigkeiten ein. So zerstörte er beispielsweise im Mai 1940 sieben deutsche Panzer mit Handgranaten. Später schloss er sich den Freien Französischen Streitkräften an und diente als Fallschirmjäger. 1943 erhielt er für seine Tapferkeit eine Militärmedaille. Im August 1944 nahm er am Vormarsch der alliierten Truppen von England aus teil und wurde bei einem Hinterhalt der Nazis durch Maschinengewehrfeuer getötet. Sein Leichnam wurde im kleinen Ort Sara in Iparralde beigesetzt, wo ihm 1947 auf dem Stadtplatz ein Denkmal errichtet wurde. (Quelle: Joseba Aurkenerena, Bittor Iturria, Pilot und Soldat / ZuZeu, 9. Juli 2018). (argia-baskultur)

(2026-08-24)

RENTEN-FORDERUNGEN BEI FIESTA

Die Forderung nach „angemessenen“ Renten bleibt auch während der Aste Nagusia in Bilbao nicht stumm. Hunderte Menschen haben an diesem Montag auf den Straßen von Bilbao erneut „angemessene“ staatliche Renten gefordert, diesmal in festlicher Atmosphäre, begleitet vom Rhythmus von Txistu und Tamboril, mitten in der Aste Nagusia von Bilbao. Die Forderung nach einer Rentenerhöhung lässt auch während der Feste in Bilbao nicht nach. Eine besondere Mobilisierung, die sich jedes Jahr wiederholt und Festlichkeit mit Protest verbindet, mit Gästen, die auch aus anderen Teilen des Baskenlandes und Spaniens angereist sind.
„Auch bei den Fiestas: Rentnerinnen auf die Straße“ lautete das Motto auf dem Haupttransparent der Demonstration, die von der Rentnerbewegung von Bilbao organisiert durch die Innenstadt zog. An der Spitze marschierte eine Gruppe von Rentnern in Festkostümen mit Txistus und Trommeln, deren Klänge sich mit den Forderungen der Demonstrationsteilnehmer vermischten. Die Demonstration startete vom Eliptika-Platz Richtung Rathaus, dessen Treppenstufen der übliche Schauplatz der Kundgebungen der Rentnerbewegung des Baskenlandes sind, die nach der Sommerpause im August ihre wöchentlichen Proteste am kommenden 7. September wieder aufnehmen wird. Die Demonstranten skandierten während des Marsches die üblichen Parolen der Gruppe wie „Pentsionistak aurrera“, „Es lebe der Kampf der Rentner“, „Jo eta ke, irabazi arte“, „Pentsio txikia, miseria handia“ oder „Terrorismus ist, wenn man nicht über die Runden kommt“. Zum Abschluss gab es für die Rentner an den „Txosnas“ einen Imbiss, bei dem sie lediglich die Getränke bezahlen mussten. (Demonstration für angemessene Renten während der Aste Nagusia in Bilbao. (FOKU)

NEUN JAHRE KAMPF

„Wir werden weitermachen“, kündigte Andrea Uña an, eine der Sprecherinnen der Bewegung, die daran erinnerte, dass sich im kommenden Januar der Beginn des „Kampfes“ der Gruppe für ein öffentliches Rentensystem „mit würdigen und ausreichenden Renten für alle Rentner“ zum neunten Mal jährt. Während des Marsches prangerten die Demonstranten den Kaufkraftverlust bei Renten und Löhnen an. „Der Verbraucher-Preisindex lag im Juli bei 3,6%, während die Renten nur um 2,7% gestiegen sind“, erklärte Uña. In einer Erklärung kritisierte die Gruppe zudem „die Weigerung der baskischen Regierung, die Mindestrenten auf den Mindestlohn (SMI) aufzustocken, nachdem eine Volksinitiative mit 145.142 Unterschriften eingereicht worden war“, was ihrer Ansicht nach „weder sozial noch demokratisch im Geringsten zu rechtfertigen ist“.

Jon Fano betonte seinerseits, dass sich die Bewegung neben ihrem Kampf für würdige und gerechte Renten auch solidarisch mit den Forderungen des Pflege- und Gesundheits-Sektors zeige und „mehr denn je ein würdiges, universelles öffentliches Gesundheits- und Pflegesystem für alle“ fordere, „da dies besondere Auswirkungen auf ältere Menschen hat“. Sowohl Fano als auch Uña wiesen auf die derzeitige „turbulente Welt“ hin, die „Europa und das Baskenland betrifft“, mit Konflikten, die „Krisen und wirtschaftliche Instabilität hervorrufen und in denen sich die wirtschaftlichen Ungleichheiten zugunsten der Eliten verschärfen“. Deshalb, so schlossen sie, „zeigen wir baskischen Rentner*innen Solidarität mit bestehenden Konflikten, nicht nur im Baskenland, sondern auch im spanischen Staat, in Europa und weltweit, denn als Menschen, die sich gegen alle sozialen Ungerechtigkeiten solidarisieren, kämpfen wir für die Rechte aller Menschen“. (naiz-baskultur)

(2026-08-23)

DER VIEH-PFERCH VON VALCALDERA

1936: Im Halbdunkel der Abenddämmerung, mit frischem Blut befleckt, gelang Honorino Arteta die Flucht über die öde Ebene der Bardenas-Einöde im Süden Navarras. Er hatte vier Einschusswunden am Körper. Zunächst versteckte er sich in einer Höhle, in der Hoffnung, seinen Verfolgern zu entkommen. Einen Monat später, als ihm klar wurde, dass sich der Krieg länger hinziehen würde als erwartet, schloss er sich einer Gruppe von Flüchtlingen an und machte sich auf den Weg zum Grenzübergang von Belagua in den Pyrenäen. Er trug einen blauen Overall. Da er keine Schuhe hatte, hatte er seine Füße mit Jutefetzen umwickelt und spürte, wie die Herbstkälte ihm das Fleisch aufriss und ihm bis ins Mark drang.

Er überlebte Hunger und Durst. Er drang in so raue und undurchsichtige Gegenden vor, dass er beinahe von den Fluten des Flusses Aragón mitgerissen worden wäre. Schließlich, kurz vor der Grenze, stieß er auf eine Gruppe von Carabineros und verlor bei der Flucht seine Reisegefährten. Er war allein und vor Erschöpfung am Ende seiner Kräfte. Er hätte sich im Schnee sterben lassen, hätte ihm das Schicksal nicht eine Mission zugewiesen: Er war der einzige Überlebende des Massakers von Valcaldera und musste sein Zeugnis in Sicherheit bringen. Hätten die Faschisten ihn aufgespürt, hätte Honorino Arteta niemals die Einzelheiten seiner Flucht niedergeschrieben, und diese Chronik würde nicht existieren.

In Urdatx wurde ihm von einigen Jägern geholfen. Nachdem er sich den französischen Behörden gestellt hatte, gelangte er ins Krankenhaus von Maule, wo er auf andere Exilanten der Volksfront traf. In der Ruhepause seiner Genesung beschloss er, nach Barcelona zu fahren, um sich den republikanischen Bataillonen anzuschließen. Er kaufte eine Zugfahrkarte, ohne zu ahnen, dass der Grenzübergang von Portbou so viel Widerstand leisten würde. Er hatte keine Ausweispapiere bei sich, sodass die Beamten der spanischen Polizei ihn für einen feindlichen Spion hielten und ihm sogar mit der Erschießung drohten, als sie erfuhren, dass er aus Iruñea stammte. Das Letzte, was er wollte, war, wie Marino Húder zu enden.

Marino Húder war Arzt und engagiertes Mitglied der Izquierda Republicana. Zwei Tage nach dem Militärputsch wurde er gewaltsam aus seinem Haus geholt und ins Provinzgefängnis von Iruñea gebracht. Dort landete auch sein Cousin Ramón Húder. Die Gefangenen mit ihren kahlgeschorenen Köpfen und ihren vorzeitig gealterten Gesichtern stammten aus den verschiedenen Strömungen der navarrischen Linken. Da war Miguel Antonio Escobar, Generalsekretär der Sozialistischen Föderation. Dort war Jesús Otermin, ein Blechschmied aus Pamplona, der in der PCE aktiv war. Und José Belloz, ein junger Arbeiter aus Tudela, der der CNT angehörte.

Dass wir wissen, was danach geschah, liegt daran, dass Honorino Arteta es niedergeschrieben hat. Am Nachmittag des 23. August, während die Armee des Faschisten-Generals Emilio Mola die Verteidigungslinie von Buruntza angriff, betrat ein Offizier den Hof des Provinzgefängnisses von Iruñea und verlas laut die Namen der Gefangenen, die freigelassen werden sollten. Er befahl ihnen, ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen. Draußen warteten zwei Reisebusse. Als er das Gefängnis verließ, sah Honorino Arteta eine Patrouille bewaffneter Männer und erkannte sofort Gregorio Apesteguía, den Milchmann aus La Rochapea, einen Führer mit langjähriger Falangisten-Tradition, der sich später derartige Verdienste erwarb, dass er den Sarg des Falange-Gründers José Antonio Primo de Rivera auf den Schultern tragen durfte.

Honorino Arteta wurde von einer Vorahnung erfasst. Die mit 52 Häftlingen beladenen Reisebusse fuhren auf der Straße in Richtung Zaragoza und bogen auf Höhe von Cadreita auf einen Feldweg ab. Nach und nach nahm der Hof von Valcaldera die Gestalt eines Schafotts an. Die Henker trennten die Gefangenen von ihren Habseligkeiten und ließen elf Geistliche herbeirufen, um ihnen den Trost der Beichte zu spenden. Sie wurden zu je sechs erschossen. Auf dem Boden türmten sich die Leichen von Pablo Galbete, der Brüder Cayuela und einer ganzen rebellischen Generation, deren Knochen noch immer vor Wut im Schoß der Erde knirschen.

Honorino Arteta rannte, von vier Kugeln verwundet, machte sich unsichtbar, irrte über namenlose Pfade und überquerte mit seinem zerschundenen Körper die Grenze, Maule Barcelona. Dort stellte er sich in den Dienst der CNT. Unmittelbar danach schloss er sich der Ascaso-Kolonne an, fest entschlossen, die Front in Aragón zu durchbrechen, nach Iruñea zurückzukehren und den Tod seiner Kameraden zu rächen. Er durfte nicht zulassen, dass sein Optimismus nachließ. Angetrieben von seinem proletarischen Gewissen glaubte er, dass die republikanischen Truppen die Aufständischen zerschlagen müssten, damit der Keim des Faschismus nie wieder aufkeimen würde.

Die Niederlage machte ihn zu einem Schatten seiner selbst. Nach dem Rückzug kam er ins französische Lager Saint-Cyprien. Er starb 1978 im Exil. Im Nebel des Krieges, lange bevor er seinen letzten Atemzug tat, hatte er der Mutter von Dr. Marino Húder einen maschinengeschriebenen Bericht über das Massaker von Valcaldera geschickt. Der Brief gelangte nach Venezuela und trat erst vor knapp fünf Jahren den Rückweg an, als die Nachkommen der Familie Húder die Nachkommen der Familie Arteta ausfindig machten. Auf der Plaza de los Fueros in Elizondo überreichte Maricarmen Yárnoz Húder während einer Gedenkfeier für die Exilanten Eneko Arteta eine Kopie des Berichts.

Am 23. August 2026 jährt sich zum 90. Mal der Todestag der Opfer von Valcaldera. Unter ihnen war Amadeo Urla, Vorsitzender der Izquierda Republicana. Unter ihnen war der Journalist Miguel Antonio Escobar, Mitglied der PSOE und der UGT. Unter ihnen war Dr. Evaristo Pérez, der zwar in den Norden hätte fliehen können, sich jedoch entschied, in Auritz zu bleiben, weil er sich für unschuldig hielt. Ihre Namen hallen noch immer aus den Tiefen des Provinzgefängnisses wider, laut vorgelesen von einem Sprecher des Todes und nun, fast ein Jahrhundert später, wiederholt von den Sprechern der Erinnerung. Die Geschichte unseres Landes ist eine ewige Erinnerung an ein offenes Grab. (naiz-baskultur)

(2026-08-23)

DIE TEPPICH-HÄNDLER VON BILBO

Viele afrikanische Männer in Bilbao haben keine Papiere oder keine Arbeitserlaubnis. Deshalb verkaufen sie Trikots, um zu überleben. Sie sind äußerst beliebt in der Bevölkerung und bei Touristen. Weil sie ihre Ware auf einem Teppich – manta – auf die Straße legen, werden sie Manteros genannt. Leider sind die Trikots „Schwarzkopien“, irgendein Kapitalist verliert dabei also Geld. Deshalb werden sie in Bilbao heftig verfolgt, verhaftet und kriminalisiert. In kleineren Orten wie Gernika oder Orereta hingegen, grüßen sich Manteros und Stadtpolizisten freundschaftlich mit Vornamen. Denn überall haben sie die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. Nunr nicht dern rechten Bürgermeister von Bilbo. Aburto rechtfertigt die Schikanierung der Straßenverkäufer damit, dass „dahinter eine kriminelle Organisation steckt“. Das ist nur die halbe Wahrheit. Irgendwer stellt die falschen Trikots her, daran gibt es keinen Zweifel. Das das kein legales Unternehmen ist, stellt ebenfalls niemand in Frage. Das Problem ist, dass den Leute keine andere Möglichkeit gelassen wird. Sie stören niemand (außer den Bürgermeister und ein paar kapitalistische Trikot-Händler. (Straßenverkäufer bei der Protestkundgebung gegen den jüngsten Polizeieinsatz am 12. August. / Marisol Ramirez | Foku)

Die Behandlung der Straßenverkäufer durch die Stadtpolizei von Bilbao steht an dieser Aste Nagusia Fiesta erneut im Rampenlicht. Die mit der Eröffnungsrede für die Fiesta beauftragte Onintza Enbeita prangerte dies an. Doch für den Bürgermeister müssen die Straßenverkäufer verfolgt werden, um zum Kern der „kriminellen Organisation“ vorzudringen, die sie beliefert. Damit hat er die riesige Mehrheit der Freiwilligen der Fiesta-Gruppen (Konpartsak) gegen sich. So steht auch in dieser Aste Nagusia (bask: Große Woche) die polizeiliche Misshandlung der Straßenverkäufer in Bilbao wieder im Fokus. Letzte Woche tauchte ein Video auf, das einen neuen Fall gewaltsamen Vorgehens gegen einen Straßenverkäufer zeigt, was zu einer Protestkundgebung führte. In ihrer Eröffnungsrede am Samstag, zum Beginn der Feierlichkeiten, setzte sich Onintza Enbeitia für diese Gruppe ein. Bürgermeister Aburto wurde am Montag bei Radio Euskadi dazu befragt. Er rechtfertigte das harte Vorgehen der Stadtpolizei damit, dass deren Tätigkeit „nicht legal“ sei und dass „dahinter eine kriminelle Organisation stecke“, weshalb es seine Absicht sei, „den Faden weiterzuverfolgen, um zur Quelle zu gelangen“.

Nachdem er seine Unterstützung für den „lokalen Handel“ bekundet hatte, wies er Vorwürfe zurück, die Polizei würde Straßenhändler misshandeln – mehrere Videos beweisen das Gegenteil, sie vermitteln den Eindruck, als wären es Aktionen der rassistischen ICE-Truppe von Trump. Aburto verteidigte dieses Vorgehen. Er weitete diese Verteidigung auf andere Bereiche aus, wobei er sich stets stark auf das Thema Sicherheit konzentrierte und diese als eine rein polizeiliche Angelegenheit interpretierte. Oder: Migration ist ein Polizeiproblem, keines von Koexistenz und Integration. Das ist institutioneller Rassismus. So hat der Rassist Aburto, wie zuvor bereits sein Amtskollege Jon Insausti in Donostia während der Aste Nagusia, das „großartige“ Sicherheitsdispositiv gelobt, das anlässlich der Fiesta aufgeboten wurde und bei dem die Ertzaintza und die Stadtpolizei sowohl innerhalb als auch außerhalb des Veranstaltungsgeländes zusammenarbeiten und präsent sind.

OHNE DIE FESTGRUPPEN

„Die Sicherheit fällt in die Zuständigkeit der Ertzaintza und der Stadtpolizei. Sie ist das Hauptanliegen der Bürger und auch unser Anliegen, und da sie in unseren Zuständigkeitsbereich fällt, können wir darüber mit niemandem verhandeln“, betonte er auf die Frage, ob er diesbezüglich irgendeine Art von Vereinbarung mit den Konpartsak in Erwägung ziehe. „Sollte etwas passieren, würden die Fragen nicht an die Festgruppen gerichtet werden, sondern an den (Sicherheits-)Minister oder an mich“, erklärte er. In diesem Zusammenhang bestätigte er, dass er mit dem Sicherheits-Departement der baskischen Regierung übereinstimme, das sich besorgt über polizeifeindliche Haltungen äußert, und bekräftigte: „Wir verlieren das Prinzip der Autorität, etwas, das sehr wichtig ist und das wir wiederherstellen müssen.“ Aber nicht auf diesem Weg. Der Bürgermeister von Bilbao betonte in diesem Zusammenhang, dass die Polizei „niemandes Feind ist, sondern für unsere Sicherheit sorgt“, und dass dies „der Gesellschaft klar sein muss“. In Bilbao und vielen anderen Orten wird das komplett anders gesehen. Deshalb ist in den Straßen überall die Ziffer 1312 zu lesen, die Ziffern-Übertragung von ACAB, „All Cobs Are Bastards“. (naiz-baskultur)

(2026-08-23)

VON CEUTA NACH BILBAO

Minderjährige, die nach Ceuta geflohen sind: „Ich möchte nach Bilbao. Ich werde so lange warten, wie es nötig ist.“ El Príncipe, das am stärksten stigmatisierte Viertel von Ceuta, beherbergt die meisten ausländischen Minderjährigen. Die Mädchen suchen Zuflucht, um ihren Peinigern zu entkommen. Es gibt Kindheiten, durch die sich kein Erwachsener allein trauen würde zu gehen, und laut Angaben der Nachbarschafts-Vereine von Ceuta campieren derzeit viertausend solcher Kinder vor den Türen ihrer Häuser. Ihre Geschichte ist geprägt von Hilflosigkeit und Ungewissheit. Nun befinden sie sich in einer rechtlichen Grauzone, aus der es nur schwer einen Ausweg gibt. Ali Shby ist mit 17 Jahren aus Fès gekommen; als er den Tumult sah, der sich in Castillejos gebildet hatte, beschloss er, „sein Glück zu versuchen“ und sich dem Zug anzuschließen. Hadilla, im gleichen Alter, begann ihre Reise in Tétouan und verweist stolz auf ihr Abitur, als wäre es der Schlüssel, der jede Tür öffnet: „Mir ist es egal, ob Málaga, Madrid oder Barcelona“, sagt sie, während sie sich eine kleine Tasche um den Arm bindet.

Und dann ist da noch Zakaria, der Jüngste der Gruppe; seine 14 Jahre spiegeln sich in seinem ansteckenden Lachen wider. Er weiß genau, wohin er will: „Nach Bilbao. Ich habe einen Bruder, der dort in einer Aufnahmeeinrichtung war, und ich denke nur daran, zu ihm zu gehen.“ Zakaria befindet sich in jenem Alter, in dem die Grenze zwischen Träumen und Realität sehr schmal ist, als gäbe es kein Problem, das seine Entschlossenheit brechen könnte. Doch der Junge kennt viele Unbekannte in dieser Gleichung nicht, angefangen beim Streit zwischen den Behörden um die Verteilung der Verpflichtungen, die sich aus dem Migrationsstrom ergeben. Gerade in Bizkaia warnte die Generalabgeordnete Elixabete Etxanobe vergangene Woche eindringlich und forderte die Regierung von Pedro Sánchez auf, alle Möglichkeiten zu prüfen, um die Minderjährigen aus Ceuta nach Marokko zurückzuschicken, bevor eine Verteilung erfolgt. Etxanobe erklärte, sie habe „die Nase voll“ von der mangelnden Solidarität der von der PP und Vox regierten Regionen, und führte eine Zahl an: 584 minderjährige Migranten, um die sich die Provinz Bizkaia kümmert, obwohl sie nur über 345 Plätze verfügt (La Rioja nimmt nur 90 auf, und Aragón liegt unter 250). Bisher bezog sich Familien-Zusammenführung auf eine Zusammenführung im Fluchtland, jetzt sprechen baskische Politiker von Zusammenführung im Ursprungsland.

Doch diese Feinheiten entgehen natürlich Zakarias Verständnis, der, beflügelt vom jüngsten Sieg Spaniens bei der Weltmeisterschaft, die Namen von Unai Simón, Laporte und Nico Williams aufzählt, als hätte er ein Ass im Ärmel. „Ich möchte Torwart werden, vielleicht schaffe ich es mit Gottes Hilfe.“ Bis es so weit ist, möchte der Junge, der von den Vorzügen des öffentlichen Gesundheits- und Bildungswesens gehört hat, studieren, um unabhängig zu werden und seiner Familie zu helfen. „Ich werde so lange warten, wie es nötig ist“, schwört er sich. Mohamed Layasi wohnt in den Wohnungen, die man hier „Los Colorines“ nennt, in Loma Colmenar, und was er in den letzten Wochen gesehen hat, wird er so schnell nicht aus seinem Gedächtnis löschen können. Er war „Zeuge von Übergriffen auf Mädchen, die in einer nahegelegenen Sporthalle Zuflucht suchten; Kinder ohne Wasser, ohne Essen, ohne hygienische Versorgung“. Vor allem aber waren sie Opfer der Unsicherheit in einem Viertel, El Príncipe, wo schon vor dieser humanitären Tragödie Schießereien und Drogenhandel an der Tagesordnung waren.

Um dieser dystopischen Realität entgegenzuwirken, sind Nachbarschaftsvereine auf den Plan getreten, die dort aktiv werden, wo sich die Verwaltung nicht einmal blicken lässt. Nur knapp 300 Meter von Mohameds Wohnort entfernt haben sich die Anwohner zum Ziel gesetzt, zu zeigen, dass man in dem am stärksten stigmatisierten Block des gesamten Stadtviertels zwar das Schlimmste im Menschen finden kann, aber auch das Beste. Und um dies zu überprüfen, genügt es, einen Nachmittag lang den Spuren von Ahmed Enfed-dal zu folgen, einem Sozialmediator und Mitglied der Bürgerbrigaden. Die Armee hat in der vergangenen Woche ein provisorisches Lager auf einem Kleinfeld-Fußballplatz errichtet, um etwa hundert Schwangeren und Müttern mit ihren Kindern sowie insgesamt 270 Mädchen und Jugendlichen Schutz zu bieten, von denen zum Zeitpunkt dieser Reportage nur noch etwa zwanzig nicht registriert waren und die im Laufe der Tage in andere, besser ausgestattete Zentren weitergeleitet werden.

Ahmed erinnert sich besonders an den Fall eines Mädchens, das mit dem Zustrom vom 30. Juli angekommen war und aus einem bis in die Grundfesten zerrütteten Elternhaus geflohen war: ein alkoholkranker und sexuell missbrauchender Vater, der seine Tochter auf die Straße geworfen hatte, als er zum zweiten Mal heiratete, nachdem er sie zur Arbeit gezwungen und ihr Geld an sich genommen hatte. „Wenn man dazu noch bedenkt, dass ihre Mutter psychische Probleme hatte, kann man sich das Bild gut vorstellen“, erzählt er. „Die Hoffnung ist der Motor, der all das antreibt“, sagt Ahmed. Alles, was verteilt wird, sind Spenden von Privatpersonen, von Unterhosen bis hin zu Jeans. Außerdem erhalten sie drei Mahlzeiten am Tag: Frühstück und Mittagessen auf Kosten von „Luna Blanca“, das Abendessen auf Kosten der Stadtverwaltung. Ahmed weiß nicht, wie es mit ihnen weitergehen wird. Er war bei der Regierungsdelegation, um zu fordern, dass dort keine Razzien durchgeführt werden, alle Sicherheitsgarantien eingehalten und die Rechte der Mädchen respektiert werden, während gleichzeitig die strikte Einhaltung des Internationalen Übereinkommens zum Schutz von Kindern gefordert wird (unter anderem, um sicherzustellen, dass Rückführungen nur an solvente Familien erfolgen, die in der Lage sind, ihre Töchter großzuziehen). Wenn man ihn fragt, wie das Treffen verlaufen ist, vermittelt seine Antwort eine tiefe Resignation: „Nichts Konkretes, denn Spanien und Marokko arbeiten an einem bilateralen Abkommen, um diese Kinder in ihre Heimat zurückzuschicken, aber unter welchen Bedingungen? Als ob das irgendjemanden interessieren würde!“ (baskultur)

(2026-08-22)

BERGARBEITER-STREIK 1906

Schwere Unruhen in Bilbao während des Bergarbeiter-Streiks und vier Tote in Setares. Vor 120 Jahren, am 22. August 1906, kam es in Bilbao während des Bergarbeiter-Streiks zu schweren Zwischenfällen. Die Behörden verhängten den Ausnahmezustand. Der Streik war von den Sozialisten ausgerufen worden, um eine Verkürzung der Arbeitszeit und die Bezahlung von Überstunden zu fordern. Bei dem Streik gab es vier Tote in Setares und zwei Schwerverletzte in Ortuella. In Durango wurde von Arbeitern die Eisenbahnstrecke gesprengt. Der Protest endete, als die Organisatoren die Rückkehr an den Arbeitsplatz empfahlen, da sie der Ansicht waren, dass die Vorgehensweise des Streiks unangemessen sei und nur geringe Ergebnisse erzielt würden. (Quelle: Ricardo Miralles, La Gran Huelga Minera de 1890. En los orígenes del Movimiento Obrero en el País Vasco. Historia contemporánea, 1990) (Der große Bergarbeiterstreik von 1890. Zu den Anfängen der Arbeiterbewegung im Baskenland. Zeitgeschichte, 1990). (argia-baskultur)

(2026-08-22)

ARBEIT FÜR MIGRANT*INNEN

Der Anteil der Migrantinnen im Baskenland, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, ist vergleichsweise niedriger als im spanischen Staat. Uhr Anteil liegt bei 11% aller Arbeitnehmer*innen. Die baskische Rechtspresse nutzt diese Zahl, um einmal mehr gegen die baskische Sprache zu wettern. Die soll neben der zurückhaltenden Industrie nämlich schuld sein an diesem geringen Anteil, weil sie eine Sprachbarriere darstelle. Im Baugewerbe, das unter dem Arbeitsplatz-Abbau infolge der Krise von 2008 litt, stammen 25% der Beschäftigten im Baskenland aus dem Ausland – ein höherer Anteil als in Spanien insgesamt – dort sind die Löhne niedrig. Im Baskenland stammen 118.700 bei der Sozialversicherung gemeldete Arbeitskräfte aus dem Ausland beschäftigt, was 11,39% der insgesamt über eine Million Beschäftigten entspricht (1.042.300 im vergangenen Juli). Diese Zahl liegt um 4,2 Prozentpunkte unter dem nationalen Durchschnitt von 15,6%. Nur in Andalusien (11,38%), Kantabrien (11,07%), Asturien (8,74%), Galicien (8,28%) und Extremadura (5,69%) beträgt der Anteil der erwerbstätigen Migrantinnen weniger als im Baskenland. Spitzenreiter sind die Balearen, wo jeder vierte Arbeitsplatz (26,31%) von Ausländer*innen besetzt ist (Tourismus, Dienstleistung – schlecht bezahlt).

Schlüsselbranchen wie die Industrie, die eine höhere Qualifizierung erfordern, senken im Baskenland den Anteil. So liegt der Anteil ausländischer Arbeitskräfte in diesem Sektor derzeit im Baskenland bei weniger als 6,5%, während er im staatlichen Durchschnitt 10,85 % erreicht. Ähnliches gilt für technische Berufe wie Telekommunikation, Programmierung, Informatik oder Beratung. Im Baskenland beträgt der Anteil der Bevölkerung mit Migrations-Hintergrund 6,14%, zehn Prozentpunkte weniger als im Staat, wo er bereits bei 16,35% liegt. Dasselbe gilt für wissenschaftliche und technische Tätigkeiten, bei denen im Baskenland 5,6% der Beschäftigten ausländischer Herkunft sind (die Hälfte des spanischen Durchschnitts von 11%), sowie für den Finanz- und Versicherungs-Sektor, wo der Anteil von 1,6% beträgt (staatlicher Durchschnitt 6,13%). Im Bereich der Strom-, Gas-, Dampf- und Klimaversorgung geschieht Ähnliches. nur 1,81% im Baskenland gegenüber 5,43% im Staat.

Daneben gibt es laut der Rechtspresse weitere Faktoren, die für Ausländer in der Region Hindernisse darstellen, wie die baskische Sprache in Bereichen wie dem Bildungswesen. Während ihr Anteil im Staat 5,23% beträgt, sinkt er im Baskenland auf 2,35%. Dies zeigt sich besonders deutlich in den Bereichen Rundfunk, Produktion und Vertrieb von Inhalten: 8,26% im gesamten Staat, 2,73% im Baskenland. Offen bleibt, weshalb es in Katalonien – ebenfalls eine zweisprachige Region – dieses Problem nicht gibt. Falls die Problem-Analyse zutrifft, gäbe es eine einfache Lösung: das Euskara-Angebot steigern und kostenlos anbieten.

Doch gibt es auch Sektoren, in denen das Baskenland einen höheren Anteil an ausländischer Bevölkerung aufweist als der Staat. Zum Beispiel im Baugewerbe, wo seit der Krise von 2008 ein Fachkräfte-Mangel herrscht. Ausländer machen dort bereits 25% aus, was leicht über den 24,4% im Rest des Landes liegt. In Landwirtschaft, Fischerei und Viehzucht stammen 12,34% der Beschäftigten aus dem Ausland (Staat 10,11%). Besonders ausgeprägt ist der Anteil der Zuwanderer*innen im Gastgewerbe, wo fast 33% aus dem Ausland stammen. Hier liegen der Staat und das Baskenland fast gleichauf (30,8% im Baskenland, 31,75% im Staat). Im Baskenland beschäftigt der Sektor 6,93% aller migrantischen Arbeitnehmer*innen (abhängig beschäftigt oder selbstständig), während es im Staat 10% sind.

50.000 ANTRÄGE – Andererseits hinterlässt das außerordentliche Legalisierungs-Verfahren der spanischen Regierung für Migrant*innen Spuren auf dem baskischen Arbeitsmarkt. Aufgrund des am 16. April eingeleiteten Verfahrens sind im Baskenland fast 50.000 Anträge eingegangen, das führt auch zu mehr Schwarzarbeit Zum Beispiel in der häuslichen Pflege (fast nur Frauen). Von April bis Juli stieg die Zahl der Sozialversicherten in diesem Bereich um 11%, das heißt, 1.161 mehr Beitrags-Zahlerinnen in diesem Bereich. Gestiegen ist in diesen vier Monaten der Anteil der ausländischen Bevölkerung im Baugewerbe: um fast 10% (fast 1.400 mehr), und im Handel mit einem Plus von 11,8% (1.600 mehr ausländische Arbeitnehmer*innen). (ec-baskultur)

(2026-08-22)

PALÄSTINA IN BILBAO

„Palestinarekin Elkartasuna“ (Solidarität mit Palästina) hat am gestrigen Freitag in Bilbao bei einer Demonstration mit rund tausend Teilnehmern „Widerstand und Solidarität“ gegenüber Israel und den USA gefordert und eine landesweite Mobilisierung für den 3. Oktober für die „Auflösung“ des Staates Israel angekündigt. Der Marsch startete um 19:00 Uhr an der Plaza Elíptica und führte durch die Straßen der Hauptstadt der Provinz Biskaya bis zur Plaza Arriaga, vorbei an der Brücke vor dem Rathaus. Im Bereich der „Txosnas“ wurden die Demonstranten mit Applaus und Transparenten empfangen, während es vor dem von israelischem Kapital finanzierten Hotel Nyx zu lautstarken Buhrufen kam. Viele der Demonstranten trugen bereits die unverkennbaren T-Shirts der verschiedenen Gruppen, die an der „Aste Nagusia“ teilnehmen werden, die diesen Samstag beginnt. (Demonstration von „Palestinarekin Elkartasuna“ in Bilbao / Aritz Loiola | FOKU)

Die Organisatoren betonten, dass die Mobilisierung im Rahmen der Forderung nach „Widerstand und Solidarität“ gegenüber Israel und den Vereinigten Staaten stehe, sowohl in Palästina und im Libanon als auch im „gesamten Westen“. Zudem riefen sie zur Teilnahme an der landesweiten Kundgebung auf, die am 3. Oktober in Bilbao „zugunsten des palästinensischen Widerstands und für die Auflösung des Terrorstaates Israel“ stattfinden wird. In der verlesenen Erklärung prangerten die Sprecher an, dass Israel 78 Jahre nach der Nakba weiterhin versuche, in Palästina eine „ethnische Säuberung“ durchzuführen. In diesem Zusammenhang betonten sie, dass der israelische Staat seit Oktober 2023 „deutlicher denn je“ seine Absicht gezeigt habe, das Projekt „Groß-Israel“ durch die Besetzung Palästinas und seine Expansion nach Osten und Süden voranzutreiben.

Die Organisatoren kritisierten zudem die Rolle der Medien, denen sie vorwerfen, „zu schweigen“, während Israel weiterhin den Gazastreifen angreift und bombardiert. Zudem haben sie die Angriffe im Westjordanland und die fortgesetzte Kolonisierung sowie die Bombardierungen im Libanon angeprangert. Ihrer Ansicht nach sind all diese Handlungen Teil derselben Strategie, um „mehr Territorium zu besetzen und die Kolonisierung zu festigen“. Angesichts dieser Situation hielten sie es für „unabdingbar“, die politische und moralische Legitimität Israels in Frage zu stellen, und vertraten die Ansicht, dass „die einzige Garantie“ für die Freiheit des palästinensischen Arbeitervolkes und der Völker der Region die Auflösung Israels sei. In diesem Sinne haben sie dazu aufgerufen, die Komplizen des Zionismus „ins Visier zu nehmen“ und weiterhin Druck auszuüben, um die Beziehungen zu ihnen durch Mobilisierung, Anprangerung, Boykott und „andere Mittel der Konfrontation“ abzubrechen. Schließlich haben sie die zunehmende „Verfolgung und Kriminalisierung“ der Solidaritätsbewegung mit Palästina, auch im Baskenland, angeprangert und ihre Solidarität mit den sieben Mitgliedern bekundet, die wegen des Protests während der Etappe der Vuelta 2025 in Bilbao vor Gericht stehen, sowie mit den in Loiu festgenommenen Aktivisten der Flottille und mit Asier und Youseff. (naiz-baskultur)

(2026-08-22)

ASTE NAGUSIA VOR 25 JAHREN STREICH?

Erinnerst du dich an die „Aste Nagusia“ von 2001? Das Jahr, in dem sich alles für immer änderte. Alle wissen, dass die Feste von Bilbao eine neue Schöpfung sind. Auch wenn „neu“ relativ ist, denn seit 1978, als sie praktisch aus dem Nichts entstanden, sind bereits 48 Jahre vergangen. Heute Nachmittag, mit dem Abschuss der Rakete (Txupinazo) vom Balkon des Arriaga-Theaters, wird ein Meilenstein gefeiert: 25 Jahre seit der zweiten „Aste Nagusia“ des 21. Jahrhunderts. Tatsächlich wurde diese Fiesta von 2001 anders konzipiert, mit Veränderungen und Neuerungen. Die erste war die Änderung des Ortes für die Eröffnung: Nach fünf Ausgaben auf der Plaza Nueva wurde der Start auf den Balkon des Arriaga-Theaters verlegt. Ein Txupinazo auf der Plaza Nueva schien eine gute Idee zu sein, nachdem dieser Start mehrere Jahre lang (seit 1990) vom Rathaus aus als krönender Abschluss der Marijaia-Flussfahrt entlang der Ría durchgeführt worden war, ohne viel Erfolg. Auch die Plaza Nueva brachte nicht das erhoffte Ergebnis. Eine große Menschenmenge in das Innere des Platzes zu leiten, wurde zu einer komplizierten und gefährlichen Aufgabe. Zudem war der Platz „zu klein geworden“, um eine der besucherstärksten Veranstaltungen der „Semana Grande“ zu beherbergen. Heute mag es überraschend erscheinen, dass der Arriaga-Platz eine umstrittene Option war, aber Tatsache ist, dass die städtische Kulturabteilung ihren Standpunkt durchsetzen musste. Das Ergebnis dieses Umzugs war ein voller Erfolg, der die Entscheidung für einen offeneren Ort bestätigte. Bei ihrer Premiere am 18. August 2001 versammelten sich 25.000 Menschen und stellten einen vorläufigen Rekord in der Geschichte des Txupinazo dar. Diese Veränderung festigte das Modell der Massen-Eröffnung.

Der Ortswechsel war nicht die einzige Neuerung. Mit dem bis dahin höchsten Budget in der Geschichte des Festes, 350 Millionen Peseten (2.103.542,35 Euro) präsentierten die Stadtverwaltung von Bilbao und die Festkommission ein ehrgeiziges Programm. Zum ersten Mal wurde das Programmheft in die Briefkästen von 145.000 Haushalten verteilt. Das war nützlich, als es noch nicht selbstverständlich war, dass alle rund um die Uhr Zugang zum Internet hatten. Highlight war die erste Wal-Parade am Sonntag. Ein Umzug mit zwei Booten und vier Festwagen, die von verschiedenen Punkten der Stadt aus starteten, um sich am Circular-Platz zu treffen und die Gran Vía entlang bis zum Doña-Casilda-Park zu fahren. Im Mittelpunkt ein 14 Meter langer aufblasbarer Wal, der über seinen Rücken Wasser auf die Zuschauer spritzte – willkommen, da die Thermometer an diesem Tag 35 Grad anzeigten, auch wenn niemand wusste, ob dies beabsichtigt war oder eine technische Panne.

Das Guggenheim-Museum Bilbao war zum ersten Mal offizieller Veranstaltungsort. Am 25. August präsentierte die schwedische Gruppe ELD eine zeitgenössische Tanzperformance am Teich und an den Titanwänden des Gebäudes, die das Publikum in Bilbao etwas „verwirrt“ zurückließ, zwischen der Faszination für das Visuelle und dem Unverständnis für ein Konzept, das manche als elitär und nicht festlich bezeichneten. Eine „unspektakuläre“ Neuerung war die Einrichtung des „Gaztegune“ am Muelle de Ripa. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Jugendliche ein vom traditionellen „Txikigune“ für Kinder unterschiedliches Angebot benötigten, wurde dieser spezielle Bereich für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren konzipiert.

MUSIK AUF HÖCHSTEM NIVEAU: Highlights auch bei der Musik. Wegen zweier Auftritte aus einem Programm, das angesichts der heutigen Lage wie eine Fantasie erscheint: Manu Chao und Platero y tú standen an der Spitze einer Reihe von Konzerten, bei denen auch Fermín Muguruza Dub Manifest, Los Piratas, El Canto del Loco, Luz Casal, Etsaiak, Pedro Guerra und Estrella Morente auftraten. Der Auftritt, der sich in das kollektive Gedächtnis der Feste von 2001 eingebrannt hat, war der von Manu Chao auf dem Plaza del Gas, damals die Hauptbühne. Das Konzert des ehemaligen Frontmanns von Mano Negra, dessen Mutter aus Bilbao stammt, übertraf alle Erwartungen hinsichtlich Sicherheit und Logistik bei weitem, möglich, dass es im Rathaus noch heute für Gänsehaut sorgt, wenn man daran zurückdenkt. Rund 20.000 Menschen versuchten, das Konzert zu verfolgen, das seit seiner Ankündigung als Highlight der Feste gehandelt worden war. Fans aus halb Europa waren angereist, etwa 11.000 Menschen schafften es, in das mit Zäunen abgesperrte Gelände zu kommen, während die Stadtverwaltung neben dem Rathaus eine Großbildleinwand aufstellte, damit der Rest des Publikums das Live-Konzert mitverfolgen konnte.

Das zweite historische Konzert: Bilbao erlebte eines der letzten großen Konzerte von Platero y Tú. Bei diesem Konzert, das heute als legendär gilt, begann das Publikum zu skandieren: „Ari, ari, ari! Fito lehendakari!“ Der Angesprochene nahm den Erfolg von „Chao“ seinerseits mit Humor und summte eine abgewandelte Version eines der beliebtesten Songs von Manu Chao: „Ich mag Marihuana, ich mag dich … ich mag Platero, ich mag dich …“. Fito und seine Band hatten außergewöhnliche Vorgruppen: die noch sehr jungen Marea. Diese ersten Feste des 21. Jahrhunderts zeichneten sich trotz des massiven Besucherandrangs durch Zurückhaltung aus – die Bahn musste ihren Nachtverkehr verdreifachen, um mehr als 600.000 Fahrgäste zu befördern. Eine symbolische Tatsache war, dass „Marijaia“ im Gegensatz zum Vorjahr „nicht den Verstand verlor“. Denn im Jahr 2000 hatten ihr Vandalen schwer zugesetzt, sie endete enthauptet … und das gleich zweimal! Doch 2001 überstand die Festkönigin ihre neuntägige Regentschaft unversehrt. (ec-baskultur)


(2026-08-21)

SCHMUTZIGER KRIEG ODER MAKABRER STREICH?

25 Jahre seit der Tragödie im „Txioka“. Es war nicht das einzige, aber eines der seltsamsten Ereignisse jener Jahre. Auch nach einem Vierteljahrhundert ist der Fall noch immer ungeklärt: Die Explosion einer Spielzeugbombe, die jemand in der Toilette einer Bar in der Altstadt von San Sebastián platziert hatte, tötete eine Frau und verletzte ein Baby schwer. Schmutziger Krieg? Diejenigen, die es erlebt haben, haben es nicht vergessen und werden es ihr Leben lang nicht tun. Die Explosion ereignete sich kurz vor 11 Uhr morgens an jenem 20. August 2001 in der Calle Aldamar, ganz in der Nähe des Marktes La Bretxa, der an diesem Sommertag voller Menschen war. Als der Krankenwagen eintraf, war die 62-jährige Francisca Eraunzetamurgil Alkorta bereits verblutet, und einer ihrer Enkel, ein 16 Monate altes Baby namens Jokin, war schwer verletzt. Beide waren zusammen mit drei weiteren Familienmitgliedern in einem Opel Corsa unterwegs, darunter auch ein vierjähriger Junge, der Bruder des Babys. (Kundgebung der abertzalen Linken, die einen Tag nach der tragischen Explosion auf den Staatsterrorismus hinwies. / Jon Urbe | Foku)

Die Ursache der Explosion löste gleichermaßen Verwunderung und Bestürzung aus. Die Bombe, klein, aber stark genug, um einen Menschen zu töten, war in ein ferngesteuertes Spielzeugauto gesteckt worden. Jemand, dessen Identität nicht ermittelt werden konnte, hatte es zwei Tage zuvor, an einem Samstag, in der Toilette der Bar „Txioka“ in der Altstadt von San Sebastián neben einer Plüschgiraffe abgelegt. Die Besitzer dieses Lokals warteten an jenem Samstag und Sonntag vergeblich darauf, dass sich jemand melden würde, da sie offensichtlich davon ausgingen, dass es sich um ein vergessenes Spielzeug handelte. Da dies nicht geschah, nahm die Tante des verletzten Kindes, die in der Bar arbeitete, das Spielzeug mit. So gelangte es in den Innenraum des Opel Corsa. Die Explosion hatte tödliche Folgen, die jedoch von demjenigen, der das Ganze aus makabren Gründen ausgeheckt hatte, sicherlich vorgesehen waren. Das baskische Innenministerium erklärte, dass dieses Spielzeug manipuliert worden war, „indem in sein Inneres ein Metallbehälter mit einer Menge Sprengstoff, wahrscheinlich Schießpulver, eingebracht und mittels eines elektrischen Systems so eingerichtet wurde, dass es sich aktivierte und eine Explosion auslöste, sobald der Schalter betätigt wurde“.

NACHMITTAG DER DEMONSTRATION

Einige Politiker wie der Sozialdemokrat Jesús Caldera wollten die ETA dafür verantwortlich machen, der von der UPN geführte Stadtrat von Iruñea berief eine außerordentliche Plenarsitzung ein, um in dieselbe Richtung zu rudern, am Ende wurde sie abgesagt. Doch diese Stimmen waren in der Minderheit: Die Hypothese eines schmutzigen Krieges oder des Staatsterrorismus gewann unter der baskischen Bevölkerung als Haupthypothese bald an Bedeutung, sowohl aufgrund des Kontextes als auch aufgrund der Vorgeschichte. An jenem Samstagnachmittag neigte sich die Aste Nagusia von Donostia ihrem Ende zu. Am Nachmittag war eine Demonstration der „Gestoras pro-Amnistía“ durch die Straßen gezogen und hatte die Rückkehr der Gefangenen und Exilanten in ihre Heimat gefordert. Der Marsch war von der Plaza Zuloaga in der Nähe der Calle Narrika gestartet und endete am Boulevard. Die Explosion kostete die Mutter eines LAB-Vertreters das Leben und hinterließ bei ihrem Sohn lebenslange Folgen. Auch wenn dies nur dem Zufall zuzuschreiben war – sie hätte eigentlich jeden töten können. Dennoch schienen der Ort und der Zeitpunkt, zu dem der Sprengkörper „vergessen“ wurde, auf eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe hinzudeuten. Und die Tatsache, dass es in ein Spielzeug eingebaut war, fügte ein düsteres Element hinzu: die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind verletzt würde.

MUSKIZ UND ARTXANDA

Am nächsten Tag bezeichnete Batasuna das Geschehene als „ein weiteres Kapitel des schmutzigen Krieges gegen Euskal Herria“ und erinnerte daran, dass „es nicht das erste Mal ist, dass solche dunklen Kapitel stattfinden“. Automatisch kehrte ein Ereignis, das sich kaum sieben Jahre zuvor zugetragen hatte, ins kollektive Gedächtnis zurück: die Explosion von zwei Sprengkörpern am 30. Mai 1994 am Strand von Muskiz und auf dem Berg Artxanda, bei der drei Menschen schwer verletzt wurden. Eine Doppelaktion, deren Urheberschaft die ETA kategorisch bestritten hatte und die auf eine Art wahllosen schmutzigen Krieg hindeutete. In jenem Fall handelte es sich nicht um eine Spielzeugbombe, sondern um zwei Geldbörsenbomben, die dort mit der offensichtlichen Absicht abgelegt worden waren, dass jemand sie aufheben und sie explodieren würden. Wie bei dem Vorfall im Txioka ist die Urheberschaft bis heute ungeklärt geblieben.

Nicht nur die abertzale Linke wies auf den „schmutzigen Krieg“ hin, sondern auch Joseba Egibar, Sprecher der rechten PNV, der dabei auf den Präzedenzfall von Muskiz und Artxanda verwies. Der damalige Regierungs-Sprecher, Josu Jon Imaz, beschränkte sich hingegen darauf, dass alle Hypothesen offen blieben. In Madrid schloss der damalige Innenminister Mariano Rajoy eine Aktion der ETA aus, versuchte jedoch, die These der „Kale Borroka“ (Straßenkampf) unterzubringen. Wenn es kein „schmutziger Krieg“ war, könnte es sich natürlich auch um einen makabren Streich gehandelt haben. Ein Vierteljahrhundert später gibt es keine neuen Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass die Aufklärung vorangeht. Es sei denn, jemand würde offenbaren, was passiert ist und warum. (naiz-baskultur)

(2026-08-20)

ZENSUR IM BASKISCHEN FERNSEHEN

Die Absetzung von Xabier Lapitz zugunsten von Miriam Duque bei der Mittagssendung „En Jake“ (Schach) des öffentlichen baskischen Fernsehens sorgt in den sozialen Netzwerken für Kontroversen. Die neue Staffel von „En Jake“ ab September, der führenden Informations- und Diskussions-Sendung auf ETB-2, wird nicht mehr von Xabier Lapitz moderiert, sondern von Miriam Duque. Ein Wechsel, der in den sozialen Netzwerken Diskussionen und Spekulationen ausgelöst hat. Politische Gründe könnten dahinter stehen. Lapitz wurde in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten und einflussreichsten Journalisten des Senders. Er moderierte „En Jake“ seit 2015 und erzielte dabei gute Einschaltquoten, prägte die Tagesordnung und gab der Sendung seine ganz persönliche Handschrift – mit klaren Stellungnahmen zu bestimmten Themen, die sicher nicht allen gefallen haben.

So hat Xabier Lapitz beispielsweise auf die offensichtlichen Probleme mit dem aktuellen Modell der Ertzaintza hingewiesen. Dies führte bereits im Jahr 2023 dazu, dass die rechte Polizei-Gewerkschaft ESAN seinen „sofortigen Ausschluss“ forderte und ihm vorwarf, „sowohl die Ertzaintza als auch ihre Mitarbeiter zu beleidigen, herabzuwürdigen und zu schikanieren“. In jenen Tagen machte Lapitz bekannt, dass er auf der Straße von einem Ertzaina-Polizisten bedroht worden sei: SA-Methoden. Er wurde auch von spanischen Rechtsextremisten wie dem „Journalisten“ Cake Minuesa angegriffen.

Andere Meldungen bringen den Rauswurf an der Spitze der Sendung mit der Person von Itxaso Atutxa in Verbindung. Die ehemalige Vorsitzende der rechten PNV-Partei in Bizkaia (Bizkai Buru Batzar) ist nach ihrer Abwahl umgehend zur Generaldirektorin von Prime Time Media befördert worden, dem Unternehmen, das sowohl „En Jake“ als auch die Sendung „Euskadi Quédate“ für ETB-2 produziert. Offensichtliche Verquickung von Parteipolitik und öffentlichen Medien, im Baskenland als die legendären „Drehtüren“ bezeichnet. Die Partei kontrolliert alles. Wie ein Redakteur der linken Tageszeitung Gara berichtete, verlief der Wechsel der rechten Politikerin von der Politik in die Fernsehproduktion sehr schnell. Er vollzog sich in nur zwei Monaten, zwischen November 2024 und Januar 2025. Zudem ist Atutxa die Ehefrau des neuen PNV-Vorsitzenden Aitor Esteban – offensichtlicher geht es nicht.

Die neue Moderatorin von „En Jake“, Miriam Duque, war bereits bei EiTB tätig, wo sie vor allem als Moderatorin der Radiosendung „Ganbara negra“ (Schwarze Dachkammer) bekannt wurde, die sich mit Kriminalfällen befasst. Das könnte zur neuen Orientierung des Magazins werden: weg von politischen Themen, hin zu Kriminalität, Unsicherheit und Polizeithemen. Diesen Paradigmenwechsel – mit ausländer-feindlichem Unterton – hat die Partei in den vergangenen Jahren bereits vollzogen. Mit kräftiger unterstützung der rechten Medienlandschaft. Zur Ankündigung der Sendung, deren Moderation sie ab September übernehmen wird, erklärt Duque: „Jeden Tag passiert viel, und ‚En Jake‘ möchte euch davon mit Vielseitigkeit, Genauigkeit und Nähe berichten und dabei den Fokus auf das legen, was euch wichtig ist, auf das, was hier passiert.“ Sie weist darauf hin, dass das „neue ‚En Jake‘“ „mehr Informationen und weniger Lärm“ bieten werde und „die Fakten von den Informationen trennen“ werde. Kryptisch, kein gutes Zeichen. (naiz-baskultur)

(2026-08-19) 

BEWAFFNETER LÄRM IN KORSIKA

In mitteleuropäischen Medien finde Nachrichten wie die folgende wenig Raum, im Baskenland werden sie hingegen beachtet: Die Korsische Nationale Befreiungsfront (FLNC) ist wieder einmal mit einem bewaffneten Auftritt an die Öffentlichkeit gegangen. Dabei wurden alle Personen aus dem Ausland bedroht, die auf die Insel gezogen sind, sowohl Franzosen als auch Ausländer. „Bleibt in euren Häusern. Andernfalls könnt ihr euch auf unserem Staatsgebiet nicht sicher fühlen.“ Der Auftritt hat die Pariser Staatsanwaltschaft veranlasst, Ermittlungen einzuleiten. Die Drohung wurde bei einem Auftritt von fünfzehn vermummten Personen in schwarzer Kleidung ausgesprochen, die automatische Waffen in den Händen hatten. Einer las vor Journalisten von „Corse Matin“, der einzigen Tageszeitung, die zu dieser Inszenierung eingeladen worden war, eine Erklärung. In dem Manifest greift die FLNC auch die „Beauvau-Gespräche“ an, in denen die in der Territorialversammlung vertretenen nationalistischen Parteien über die Ausarbeitung eines Autonomiestatuts beraten, das im Oktober im französischen Senat geprüft werden soll. Für die Aktivisten führt diese politische Initiative „zur Leugnung der Existenz unseres Volkes“. Neben den Drohungen gegen Menschen, die von außerhalb der Insel kommen, greifen sie auch die „Kaste der korsischen Finanzgruppen“ und die Anti-Mafia-Gruppierungen an.

Die FLNC ist derzeit die einzige bewaffnete Gruppe mit Unabhängigkeits-Bestrebungen, die in Europa noch aktiv ist, nachdem Organisationen wie die ETA oder die IRA, zu denen sie freundschaftliche Beziehungen unterhielt, sich aufgelöst haben. Schlagzeilen kommt es nur in Todesfällen, wie dem des korsischen Gefangenen Yvan Colonna, der 2022 in einem französischen Gefängnis ermordet wurde. Die korsische Bewegung ist von internen Kämpfen geprägt, von denen viele blutig endeten. Im Januar dieses Jahres wurde beispielsweise Alain Orsoni auf der Insel ermordet, ein langjähriger Unabhängigkeitskämpfer, dessen Lebensgeschichte perfekt widerspiegelt, was die Bewegung auf Korsika ausgemacht hat. Orsoni leitete in den 80er- und 90er-Jahren die FLNC und gründete in den 90er-Jahren die Bewegung für Selbstbestimmung, eine Abspaltung vom offiziellen korsischen Nationalismus. 1996 floh er aus Angst, internen Kämpfen der Unabhängigkeits-Bewegung zum Opfer zu fallen. 2008 kehrte er zurück und wurde Präsident seines Fußballvereins, des AC Ajaccio. Im selben Jahr vereitelte die Polizei einen Mord-Plan der lokalen Mafia. Am 12. Januar 2026 nahm er an der Beerdigung seiner Mutter teil und wurde von einem Scharfschützen mit einem Schuss in die Brust getötet.

In dem verlesenen Manifest wird auch daran erinnert, dass die FLNC in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Diese fünfzig Jahre bewaffneter Kampf werden Gegenstand der Diskussionen bei den sogenannten „Ghjurnate Internaziunale di Corti“ sein, einem Treffen europäischer Unabhängigkeits-Bewegungen und ehemaliger französischer Kolonien. Die Tagung findet im August statt. Angekündigt ist die Teilnahme der ehemaligen Präsidentin des katalanischen Parlaments, Laura Borràs. Die „Ghjurnate Internaziunale“ von 2024 sorgten sowohl in Frankreich als auch in Spanien für Kontroversen. Während der Veranstaltung stürmten vermummte und bewaffnete Personen das auf dem Veranstaltungsgelände aufgestellte Podium und verlasen dort eine Erklärung, in der sie sich zu einer Reihe von Anschlägen auf öffentliche Gebäude bekannten. Unter den Gästen, die an diesen Tagen teilnahmen und zu diesem Zeitpunkt anwesend waren, befand sich die Vorsitzende von Sortu, Elena Beloki. An ihrer Seite der damalige Präsident der Katalanischen Nationalversammlung, der im Baskenland bekannte und beliebte Liedermacher Liedermacher Lluis Llach. (baskultur)

(2026-08-19)

AUCH DIE BASKISCHE POLIZEI FOLTERT

Dass die spanische Polizei – die Nationalpolizei wie die Guardia Civil bis vor wenigen Jahren systematisch gefoltert hat, ist mittlerweile allgemein bekannt. Weniger bekannt ist die Folterpraxis der baskischen Ertzaintza-Polizei. Der 19. August 1993 ist kein Ruhmesblatt für die Ertzaintza. An diesem Tag wurde ein Inhaftierter aus dem Verließ der Polizei-Akademie Arkaute abtransportiert, nachdem er an den Folgen von Folter gestorben war. Wie und warum wurde Juan Calvo auf der Polizeiwache der Ertzaintza getötet? Mit Spuren von Gewalt und Gas, das aus seinem Mund strömte, wurde Juan Calvo tot aus der Polizeiwache von Arkaute gebracht. Die Leiche wies Spuren von Gewalt auf und aus dem Mund des Toten strömte Gas. 1995 wurden acht Ertzainas wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, niemand verlor seinen Arbeitsplatz oder musste ins Gefängnis, niemand wurde wegen Misshandlung oder Folter verurteilt. Calvo war psychisch labil, das war bekannt. Anlässlich des 30. Jahrestags dieses Todesfalls im Jahr 2023 erhielt die Zeitschrift ARGIA neue Informationen zu dem Fall: medizinische und gerichtsmedizinische Untersuchungen der Leiche; ein Interview mit dem Sanitäter, der Calvo versorgt hatte, bevor er tot aufgefunden wurde; die Aussage des einzigen direkten Zeugen, der bestätigt, dass der Vorfall „ungeklärt blieb“, sowie weitere Details. Wie und warum wurde Juan Calvo in der Polizeistation der Ertzaintza in Vitoria ermordet? Nach Abschluss des Prozesses im Jahr 1995 blieben diese Fragen unbeantwortet. Die von ARGIA veröffentlichten Informationen werfen neue Fragen auf und bestätigen die einzige Gewissheit von damals: Die offizielle Version erklärt nicht, was geschehen ist. (argia-baskultur)

(2026-08-18)

KICKER ALS SPEKULANTEN

Kicker wie Messi oder Ronaldo wissen sicher gar nicht, was mit ihrem „verdienten“ Geld alles passiert, wo es investiert ist – weil es zu viel ist, um den Überblick zu behalten. Was aber machen Durchschnitts-Fußballer wie die von Athletic mit ihrer Kohle. Befragt wurden Carlos Gurpegi, Cuco Ziganda, Andoni Goikoetxea und Javi Martínez, wobie nur letzterer einem deutschen Publikum bekannt sein dürfte, wegen seiner neun Jahre bei Bayern München. Sie verraten, wie sie das Geld verwaltet haben, das sie im Fußball „verdient“ haben. Angesichts der enormen Geldsummen, die im Fußball im Umlauf sind, stellen sich viele Fans solche Fragen. In den meisten Fällen sind die Antworten ausweichend und wenig detailliert. Doch hin und wieder trauen sich einige, über ihre Erfahrungen zu berichten.

Die vier aus Navarra sind ehemalige Spieler von Athletic Bilbao. Sie haben Geschichten aller Art zu erzählen. Die Jüngeren berichten von kuriosen Anekdoten. Wie Javi Martínez, der neun Jahre lang bei Bayern mit Weltklasse-Fußballern zusammenlebte. Dort wurden Abendessen im Wert von 10.000 Euro per Los entschieden. „Wir legten unsere Kreditkarten zusammen, und der Kellner zog eine. Wer an der Reihe war, machte ein langes Gesicht … Zum Glück war ich nie dran“, verrät Martínez. „Meine Teamkollegen bestellten Weine für 500 Euro … da ich kein Weintrinker bin, mischte ich ein bisschen Cola dazu, um einen Kalimotxo zu machen. Pizarro sagte zu mir: Was machst du denn da, du Idiot!“

Nach seiner Zeit bei Bayern wechselte er für fünf Jahre nach Katar. In dem arabischen Land werden lukrative Verträge für Fußballer geboten, die sich dem Ende ihrer Karriere nähern. Martínez verrät, dass es in Doha unmöglich ist, im Immobiliengeschäft Fuß zu fassen: „Da ist alles viel stärker reguliert, es gibt Holdinggesellschaften, die alles kontrollieren. Man kommt da alleine nicht rein.“ Er selbst besitzt nur eine Wohnung in der katarischen Hauptstadt, und die dient „zum Wohnen“. Er hat jedoch weitere Immobilien in Spanien, wo er sich dem Kauf und Verkauf von Immobilien widmet. „Immobilien, Start-ups, Bauprojekte … ich habe eine Firma mit meinem Bruder und weiteren Leuten. Wir wachsen stark“, versichert er. Das Ziel des Unternehmens ist es, Grundstücke zu kaufen, die rentabel sein könnten, und sie über Bauträger zu vermarkten. Die Geschichte ist bekannt.

Das Immobiliengeschäft ist unter Fußballern sehr verbreitet, auch wenn es nicht immer gut ausgeht. Carlos Gurpegi erzählt, dass er sich bei einem Wohnungsbauprojekt in Bukarest „vergaloppiert“ habe. „Wir haben uns darauf eingelassen, weil man uns gesagt hat, es wäre ein aufstrebendes Land und so weiter … Wir haben zwei Wohnungen gekauft und konnten sie einfach nicht mehr loswerden. Außerdem verlangten sie von uns, eine Gesellschaft zu gründen … wer hat mir das nur angetan“. „Weil man nicht groß nachdenkt – man sagt dir, dass das gut laufen wird, und schon lässt man sich darauf ein.“ Dem ehemaligen Kapitän der „Rojiblancos“ gelang es, die Immobilien loszuwerden. Er gibt zu, dass er mehr als die Hälfte seines investierten Kapitals verloren hat, aber es handelte sich nicht um große Summen. Heute bezeichnet er sich selbst als „vorsichtig“ und investiert nur noch in „greifbare Dinge“. Seinen Angaben zufolge besitzt er einige Büros, zwei Marktstände und ein paar Wohnungen.

Die Spieler der 80er und 90er Jahre verdienten zwar weniger Geld, investierten aber ebenfalls. Andoni Goikoetxea verrät, dass er bei Osasuna eine enge Freundschaft mit einem ehemaligen Funktionär schloss. Der beriet ihn beim Kauf seiner ersten Wohnung und stand ihm mit Ratschlägen für solche Investitionen zur Seite. „Mit ihm habe ich immer alles richtig gemacht, es war der Hammer. Jetzt besitze ich mehrere Wohnungen und Geschäftsräume, die alle vermietet sind.“ Aber es gibt auch eine Kehrseite. Goikoetxea teilte sich beim FC Barcelona die Umkleidekabine mit Julio Alberto, einem ehemaligen Fußballer, der mehrere Suchterkrankungen hatte. Er erinnert sich, dass sein Teamkollege „zum Feiern nach Ibiza oder Miami fuhr, mit dem Motorrad zum Training kam, im Anzug … ich war beeindruckt von seinem Lebensstandard“. Persönlich betont er, dass er „weder ein Verschwender“ sei noch gerne Geschäfte eröffne. Ein Bekleidungsgeschäft überlebte nicht einmal ein Jahr. Dazu versichert er, dass der Tag, an dem das Geschäft geschlossen wurde, „der glücklichste Tag war, denn wir hatten keine Ahnung davon und aus betriebswirtschaftlicher Sicht war es der reine Wahnsinn“. Einfacher verlief das Leben von Cuco Ziganda. Der Stürmer erzählt die Geschichte seiner Familie. Als eine Milch-Fabrik in Ulzama geschlossen wurde, stand die Familie ohne Einkommen da und fand einen neuen Weg, indem sie Vieh kaufte, um Milchprodukte herzustellen. Dreißig Jahre später gehört das Unternehmen weiterhin der Familie und exportiert seine Produkte mittlerweile in ganz Spanien und nach Südfrankreich. (elcorreo-baskultur)

(2026-08-18)

INNER-LINKE ZENSUR

Die letzte große Fiesta des Baskenlandes steht vor der Tür. Die Freiwilligen von 28-Fiesta-Gruppen – konpartsak genannt – bauen fleißig an den Fiesta-Ständen. Nur eine Gruppe bleibt außen vor. Nicht aufgrund eines Verbots von Seiten der rechten Stadtverwaltung, sondern ausgerechnet wegen eines Veto durch einen Teil der übrigen Fiesta-Gruppen. Denn seit die sozialistische Organisation Kontseilu Sozialista (KS) im politischen Panorama des Baskenlandes aufgetaucht ist, fühlt sich die neue baskische Linke in ihrer Hegemonie bedroht, ihrer Jugend-Organisation laufen die Jugendlichen weg. Mit einer neu gegründeten Konpartsa-Gruppe, versuchte KS, sich einen Platz in der Föderation zu sichern, scheiterte aber am Veto einiger abertzaler Gruppen – im besten Stil ultrarechter Zensur. Dennoch nimmt die KS-Konpartsa Luberri an der Fiesta teil. Nicht offiziell, aber hier und da und überall.

Luberri Konpartsa kritisiert eine „absurde“ Situation und kündigt eine Unterschriften-Aktion auf dem Festgelände an, um Unterstützung zu sammeln. Die mit KS verbundene Gruppe prangert erneut das „Veto“ gegen den Aufbau eines Feststandes bei der Aste Nagusia (Große Woche) an. Luberri, die mit derJugendorganisation GKS und der Sozialistischen Bewegung verbundene Festgruppe, hat zum dritten Mal in Folge das „Veto“ gegen den Aufbau eines eigenen Feststandes auf dem Festgelände von Aste Nagusia angeprangert. Die Gruppe kritisiert, dass „die Aufrechterhaltung dieses Ausschlusses Hunderte von organisierten Jugendlichen aus Bilbao von den Festen ausschließt und den ursprünglichen Volks-Charakter der Bilboko Konpartsak in Frage stellt“.

Dank der Zusammenarbeit mit einigen Festgruppen, die ihre Aufnahme in den Verband befürworten, wird Luberri jedoch mehrere Veranstaltungen auf dem Festgelände organisieren, darunter ein Volksessen, eine Protestkundgebung und Konzerte. Außerdem wird eine Unterschriftenaktion auf der Straße gestartet, um eine Situation zu ändern, die sie als „absurd“ betrachten und die sie daran hindert, „normal“ an den Festen teilzunehmen. Argia Kortabitarte und Maren Martínez, Sprecherinnen der Festgruppe, haben am Dienstag gemeinsam mit Mitgliedern von Luberri auf der Plaza del Arriaga eine Erklärung verlesen. Im Vorfeld hatten 450 baskische Künstler*innen die Aufnahme von Luberri in die Föderation gefordert und das „Veto“ gegen GKS in den Txosnas von Bilbao und Gasteiz kritisiert: unter anderem Atxaga, Sarrionandia, Evaristo, Itziar Ituño, bedeutende Figuren innerhalb der Linken. In diesem Fall richtet sich das Dokument nicht gegen die abertzale Linke, die die Sozialistische Bewegung als direkt verantwortlich für das Veto ansieht, unter dem sie sowohl in Bilbao als auch in anderen Orten wie Gasteiz leidet, da diese die Festgelände kontrolliert.

Um in den Verband der Festgruppen aufgenommen zu werden (und somit eine „Txosna“ in El Arenal aufstellen zu dürfen), muss eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein, darunter unter anderem die Übernahme der Grundsätze von „Bilboko Konpartsak“, die Gründung als gemeinnütziger Verein, ein soziokultureller und festlicher Charakter sowie die Förderung der Verwendung der baskischen Sprache. Quellen aus der KS-Jugendbewegung versichern, dass sie alle Anforderungen erfüllen. Wie sie erklären, war traditionell die Zustimmung der Hälfte der 28 Festgruppen erforderlich. Als sie jedoch den Beitritt zum Verband beantragten, sei dieser Anteil plötzlich auf 75% angehoben worden – eine Zustimmungsquote, die sie nicht erreichten. Das sind Manöver, die aus rechten Kreisen wohl bekannt sind.

„So wie seit der Gründung von Bilboko Konpartsak Dutzende von Gruppen der Volksbewegung in den Verband aufgenommen wurden, hat auch Luberri das Recht, Teil davon zu sein“, betonten die Sprecherinnen der Gruppe. „Solange dieses Recht verweigert und die Teilnahme einer Gruppe, die alle Kriterien erfüllt, systematisch verhindert wird, kann kaum von offenen, vielfältigen und partizipativen Festen die Rede sein“, fügten sie hinzu. Der heute verlesene Text erinnert daran, dass vor knapp zwei Monaten rund 450 Vertreter der baskischen Kulturszene ein öffentliches Manifest unterzeichnet haben, in dem sie forderten, den jungen Sozialiste*innen eigene Räume auf den baskischen Festgeländen zu gewähren. „Die Situation bleibt jedoch unverändert“, bedauert Luberri. In dieser Zeit, so betont die Organisation, habe sich Bilboko Konpartsak nicht einmal mit ihnen in Verbindung gesetzt.

KONFLIKT MIT DER ABERTZALEN LINKEN

Dank der Zusammenarbeit mit verschiedenen Festgruppen hat Luberri jedoch verschiedene Aktivitäten organisiert. Unter diesen hebt die Organisation zwei Veranstaltungen besonders hervor. Am Sonntag (23) findet eine Sonderveranstaltung statt, um zu fordern, dass die Festgruppe „ihren Platz bei der Aste Nagusia haben muss“. Auf dem Programm stehen Konzerte von Sembrando Kaos, 48280 und Kalipotxo sowie ein Auftritt von DJ Salda Dago. Außerdem findet am Freitag (28) der „Luberri Eguna“ bei der Gruppe Askapeña statt, mit einem Volksessen und mehreren Konzerten. Die Frage der Feststände, die für Mitgliederwerbung und die Beschaffung von Finanzmitteln von Bedeutung sind, ist eine weitere der verschiedenen Fronten, an denen sich die KS und die abertzale Linke gegenüber stehen. Die Linkspartei Sortu hat über ihre Jugendorganisation Ernai in den letzten Jahren den Aufstieg der Sozialistischen Bewegung miterlebt, die in den „Gaztetxes“ (besetzte Jugendhäuser) stark vertreten ist und damit letztlich in einen ideologischen Raum besetzt, der bis dahin ausschließliches Revier der abertzalen Linken war. (baskultur)

(2026-08-18)

ANGRIFF GEGEN DAS EUSKARA

Unverständliches Urteil inmitten einer Welle gegen die baskische Sprache. Das Verwaltungsgericht von Pau hat die Beschlüsse von Baiona und Sara, mit denen das Baskische offiziell als eigene Sprache anerkannt wurde – im Falle der Hauptstadt des Labord-Gebiets zudem das Gaskonische –, vorläufig aufgehoben. Dies geschah aufgrund einer Beschwerde des Präfekten des Departements Atlantischen Pyrenäen, Jean Marie Girier, der sich aus dem Amt verabschiedet und eine Spur von Entscheidungen gegen das Baskische hinterlässt. Die Entscheidung wäre schon allein angesichts der rechtlichen Konsequenzen schwer nachvollziehbar, da sie den Willen missachtet, den die Gemeinde Sara einstimmig und Baiona mit dem gesamten Gemeinderat zum Ausdruck gebracht hat. Noch unverständlicher ist sie jedoch, da es sich um eine symbolische Anerkennung handelt, mit der sich die Gemeinden zum Schutz ihrer Sprachen verpflichteten und feststellten, dass das Baskische die eigene Sprache beider Gemeinden ist.

Der Richter sieht einen „ernsthaften Zweifel“ an der Rechtmäßigkeit im Hinblick auf Artikel 2 der Verfassung, der Französisch als Sprache der Republik festlegt. Diese Vorschrift wirkt seit Jahrzehnten wie ein Korsett gegenüber dem Euskara und anderen Sprachen. Einer ihrer Verfasser, Alain Lamassoure, erklärte dieser Zeitung bereits, dass es nie darum ging, diese Sprachen einzuschränken, er bekräftigte dies auch bei der Anhörung in Pau – allerdings ohne Erfolg. Auch Präzedenzfälle hatten keinen Einfluss. Antton Curutcharry, Vizepräsident von Euskal Hirigune Elkargoa (Verband baskischer Gemeinden), erinnert daran, dass die Vereinbarung, die die Institution 2018 zu beiden Sprachen verabschiedete, gemeinsam mit Staatsbeamten ausgearbeitet wurde und die Rechtmäßigkeits-Prüfung ohne jegliche Einsprüche bestand.

Die Entscheidung fällt zudem in eine Zeit, in der das nördliche Baskenland Fortschritte verzeichnet. Die Unabhängigkeits-Bewegung gewinnt bei jeder Wahl an Boden, und Mobilisierungen wie der zivile Ungehorsam der Schüler, die ihre Prüfungen auf Baskisch ablegen wollen, öffnen Türen, die zuvor verschlossen waren. Das Baskische wird toleriert, solange es in der Ecke bleibt, doch sobald es an Raum gewinnt, kommt es zu Gegenreaktionen, denn im Grunde schlägt dort die Vorherrschaft einiger Sprachen über andere. Es sind dieselben Motive, der die Offensive im Süden des Landes befeuern. Baiona und Sara werden Berufung einlegen, andere Orte bereiten eine ähnliche Anerkennung vor. Kein Beschluss kann eine Entschlossenheit rückgängig machen, die von der Gesellschaft und ihren gewählten Vertreterinnen getragen wird. Jede Reaktion wird daher unverzichtbar sein, angefangen mit der am 21. November in Baiona für den offiziellen Status des Baskischen und des Gascognischen. (naiz-baskultur)

(2026-08-17)

DER STROMPREIS EXPLODIERT

Die Strompreise schießen im August in die Höhe und lassen eine Rechnung von über 100 Euro erwarten. Die Rechnung eines Durchschnitts-Verbrauchers könnte auf über 100 Euro steigen. Die baskische Verbraucher-Genossenschaft FACUA warnt vor einem Anstieg von 17,3% im Jahresvergleich und fordert Änderungen, um die „unverhältnismäßigen Margen“ der Strombranche einzudämmen. Erstmals seit vier Jahren würde die 100-Euro-Marke wieder überschritten. Eine höhere Rechnung im August gab es zuletzt im Jahr 2022, als sie 158,30 Euro erreichte. Der Durchschnittspreis pro Kilowattstunde (kWh) des in dieser ersten Augusthälfte verbrauchten Stroms lag in der Spitzenzeit bei 27,74 Cent, in der Normalzeit bei 19,29 Cent und in der Schwachlastzeit bei 21,34 Cent. Somit ist der Strompreis im Vergleich zum August 2025 nach Berechnungen von Facua bislang um 13,9% in der Spitzenzeit, um 21,7% in der Nebenzeit und um 37,1% in der Nachtstromzeit gestiegen.

Was die Entwicklung im Jahresvergleich betrifft, so ist die Rechnung in dieser ersten Monatshälfte im Vergleich zum gleichen Zeitraum im August 2025 um 17,3% gestiegen. Auf einen ganzen Monat hochgerechnet belief sich die Rechnung damals auf 86,31 Euro. In den letzten Jahren belief sich die Stromrechnung im Durchschnitt – bei Kunden mit einer vertraglich vereinbarten Leistung von 4,4 Kilowatt (kW) und einem monatlichen Verbrauch von 366 kWh – im August auf 80,71 Euro im Jahr 2025, 78,21 Euro im Jahr 2024, 73,21 Euro im Jahr 2023 und 158,30 Euro im Jahr 2022. Auf der Grundlage der Daten der ersten Augusthälfte beträgt der Anstieg gegenüber Juli – der mit 93,65 Euro ohnehin schon der teuerste Monat des Jahres war – 8,1%. Daher hat FACUA erneut „weitreichende regulatorische Änderungen seitens der Regierung gefordert, um die unverhältnismäßigen Gewinnspannen im Stromerzeugungs-Sektor zu beseitigen“. (naiz-baskultur)


(2026-08-17)

DER ERMORDETE RUGBY-SPIELER

In Biarritz formiert sich Solidarität vor dem Prozess um den Tod des Rugby-Spielers Fede Aramburu. Der Verein Hego Pampa mobilisiert, um das Andenken an den argentinischen Rugbyspieler lebendig zu halten, der 2022 von Rechtsextremen erschossen wurde. Seinen Angehörigen soll geholfen werden, am Prozess teilzunehmen, der am 7. September vor dem Strafgericht in Paris beginnt. In der Umgebung der Halles von Biarritz, dem Epizentrum der Touristen- und Küstenstadt, gibt es Dinge, die sich nicht ändern. Auf den Terrassen der Cafés treffen sich ehemalige Spieler und Fans des Biarritz Olympique (BO), des traditionsreichen Rugby-Clubs der Stadt: Sie begrüßen sich, klopfen sich auf die Schulter und lächeln. Doch seit einigen Wochen hat sich ein neues Element in das Stadtbild eingefügt. Vor „Le Comptoir du Foie Gras“, neben dem kleinen Supermarkt des Viertels, ist ein farbenfrohes Wandbild entstanden. Darauf zu sehen das Gesicht von Federico Martín Aramburu, die baskische und die argentinische Flagge sowie weitere Symbole, die an das Leben des ehemaligen Spielers erinnern, der am 19. März 2022 in Paris von Loïk Le Priol erschossen wurde. (Pierre Guerin, Gründer von Hego Pampa, legt einer Frau vor dem Wandbild zum Gedenken an Fede Aramburu ein Tuch um. / Patxi Beltzaiz)

Der Rechtsextremist wird ab dem 7. September vor dem Pariser Strafgericht zusammen mit Romain Bouvier wegen vorsätzlicher Tötung des Spielers von Biarritz Olympique angeklagt. Die beiden Männer werden außerdem wegen „schwerer Gewalt in einer Gruppe und unter Einsatz einer Waffe“ gegen Shaun Hegarty angeklagt, einen ehemaligen Teamkollegen, Geschäftspartner und Freund von Aramburu, der in jener Nacht bei ihm war. Vor dem Wandgemälde stellt der Verein Hego Pampa jeden Samstagvormittag einen Tisch auf und legt rote Halstücher darauf, wie man sie zu Tausenden während der Fiestas de Baiona sieht, bedruckt mit einer argentinischen Flagge und der Aufschrift „Fede 13“ – der Rückennummer, die er als Mittelstürmer sowohl im argentinischen Nationalteam als auch beim BO trug. „Ich habe fast das Gefühl, dass es einen Bedarf gab, Initiativen dieser Art ins Leben zu rufen. Wir hatten schon seit einiger Zeit über diese Idee nachgedacht. All dies entspringt in gewisser Weise einem Gefühl der Ungerechtigkeit“, erklärt Pierre Guerin, ein langjähriger Freund von Federico Martín Aramburu und Initiator dieses Vereins, der am 7. Juli gegründet wurde.

Seit mehr als einem Monat verkaufen mehrere Personen Halstücher und Flaschen argentinischen Weins und sammeln Spenden von Privatpersonen und Sportvereinen, um „Fedes Vermächtnis am Leben zu erhalten: Brücken zwischen Argentinien und Frankreich zu bauen und die Werte des Rugby lebendig zu halten“. Bereits wurden mehr als 1.500 Halstücher zu je 10 Euro verkauft, größtenteils über die Online-Plattform HelloAsso. Der Erfolg während der Fiestas de Baiona war so groß, dass einige Bestellungen sogar aus der Bretagne, von der Côte d’Azur oder aus dem Großraum Paris eingingen. In den nächsten Tagen sollen auch Bälle und Trikots erhältlich sein.

EHRUNG BEIM ERSTEN VORBEREITUNGSSPIEL

Ein Teil der von Hego Pampa gesammelten Gelder wird es den Angehörigen von Aramburu ermöglichen, von der anderen Seite des Atlantiks zum Prozess anzureisen, der in Paris voraussichtlich drei Wochen dauern wird. „Wir möchten der Familie logistische Unterstützung bei Flugtickets und Unterkunft bieten, soweit dies ihren Bedürfnissen entspricht“, erklärt Guerin. Am Freitag, dem 14. August, füllten die Halstücher während des Spiels zwischen dem BO und Perpignan, dem ersten der Saisonvorbereitung, die Tribünen. Im Laufe seiner sportlichen Karriere spielte „Fede“ für beide Vereine.
Vor Spielbeginn wurde an den ehemaligen Spieler erinnert, dessen Gesicht auch in Schwarz-Weiß auf einer der Tribünen des Stadions von Aguilera abgebildet ist. Der Verein Handi-BO überreichte Hego Pampa einen Scheck über 3.000 Euro, und der Vereinspräsident Cyril Arrosteguy hielt eine kurze Ansprache, um die Arbeit des Vereins zu würdigen und zu unterstützen. Am kommenden Samstag wird Pierre Ranchou, ein Autor aus Las Landes, der den Kriminalroman „RIP Frère d’ovalie“ (2024, im Eigenverlag erschienen) verfasst hat, vor Ort sein, um Exemplare dieses Romans zu signieren, dessen Ausgangspunkt der Mord an Aramburu ist. Ein Teil des Erlöses kommt Hego Pampa zugute. Die Veranstaltung findet von 11:00 bis 13:00 Uhr vor dem Wandgemälde bei den Halles statt und wird anschließend in der Bar „Le P’tit Coin“ fortgesetzt. Am 14. und 15. September wünscht sich Pierre Guerin eine große Mobilisierung vor dem Strafgerichtshof in Paris. „Unsere Werte sind die des Rugbys. In diesem Sport wird jeder akzeptiert, unabhängig von seiner Geschichte, seiner Größe oder seinem Charakter. Mein heimlicher Traum ist es, dass sich vor dem Gericht eine Flut roter Halstücher bildet“, sagt der Gründer von Hego Pampa sichtlich bewegt. (naiz-baskultur)

(2026-08-17)

HINRICHTUNG, KEINE FESTNAHME

Vor 35 Jahren ermordete die Guardia Civil im Stadtteil Morlans von Donostia den aus Urbina stammenden ETA-Aktivisten Iñaki Ormaetxea Antepara zusammen mit zwei weiteren Aktivisten. Zwei Angehörige der Guardia Civil berichten, wie sie die Opfer ermordeten, und prahlten unverhohlen mit den Morden: „Ich hatte das Vergnügen, den ETA-Mitgliedern in die Eingeweide zu spucken“, erklärten sie. „Die wird Pedro Sánchez nun nie mehr nach Hause bringen; sie werden nicht einmal mehr von Würmern gefressen werden, sie wurden auf abscheuliche Weise zerschossen.“ Es war der 17. August des Jahres 1991. Dieser Tag war der letzte im Leben von Iñaki Ormaetxea Antepara, Patxi Itziar und Jokin Leunda. Die drei ETA-Aktivisten wurden in Morlans (Donostia) durch Schüsse der Guardia Civil ermordet. Alle drei wiesen Schusswunden auf, die aus nächster Nähe verursacht worden waren. Die Gerichte leiteten Ermittlungen ein, stellten das Verfahren jedoch rasch ein. Der erste der drei, Ormaetxea, stammte aus der Ortschaft Urbina in Álava. Er war 24 Jahre alt.

Am frühen Nachmittag umstellte die Guardia Civil das Haus Tolaretxe, das im oberen Teil des Stadtviertels Morlans liegt, und begann einen Sturmangriff, der etwa vier Stunden dauerte. Die Guardia Civil setzte eine Serie von Waffen ein, darunter Bomben und Rauchgranaten, die in das Innere des Hauses geworfen wurden, angeblich mit dem Ziel, die darin befindlichen Personen zum Verlassen des Hauses zu zwingen. Der damalige Direktor der Guardia Civil, Luis Roldán, dessen korrupte Machenschaften zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich bekannt waren, reiste nach Donostia, um vor den Medien in der Zivilverwaltung zu erscheinen und die Bedeutung der Operation hervorzuheben, die die spanische Sicherheitsbehörde gerade durchgeführt hatte.

Die Angehörigen der Getöteten, Herri Batasuna und Gestoras pro-Amnistía, machten sich daran, die offizielle Version zu widerlegen. Iñaki Ormaetxea wurde im Badezimmer mit zwei Schüssen in nicht lebenswichtige Körperregionen und einer weiteren Wunde im Gesicht aufgefunden, die eine Fraktur der Schädelbasis zur Folge hatte und zu seinem Tod führte. Dieser letzte Schuss wurde aus einer Entfernung von etwa 25 Zentimetern abgefeuert. Das Untersuchungsgericht Nr. 1 unter Vorsitz von Fernando Andreu leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die Guardia Civil ein, und sieben Beamte wurden angeklagt. Die Zivilregierung von Gipuzkoa schien jedoch mit anderen Dingen beschäftigt zu sein: Sie reagierte darauf, indem sie der Staatsanwaltschaft die Erklärungen der Sprecher von HB übermittelte, in denen diese das Vorgehen der Guardia Civil anprangerten. Schließlich ordnete Andreu im November 1993 die Einstellung des Verfahrens an, da er der Ansicht war, dass „keine begründeten Hinweise auf eine Straftat gegen eine bestimmte Person als persönlich Verantwortliche für die drei Todesfälle gefunden wurden“.

27 Jahre später interviewte die Online-Zeitung El Español zwei der Angehörigen der Guardia Civil, die Ormaetxea und seine beiden Kameraden ermordet hatten. „Das Ziel war die Guardia Civil, aber sie hatten Angst vor uns“, erklärt Paco, der vor seiner Zeit bei der Guardia Civil Legionär war. „Sie konnten uns nie besiegen, niemals“, betont er. „Wir wussten, wie wir ihnen die Stirn bieten mussten“, fügt José Luis, der andere Angehörige der Guardia Civil, hinzu.

Beide berichten, dass es üblich war, das Feuer auf ETA-Kämpfer zu eröffnen, wie an dem Tag, an dem diese drei Mitglieder des Kommandos „Donosti“ in Morlans starben. Sowohl Paco als auch José Luis fügten ein unverblümtes Zeugnis hinzu. „Ich hatte das Vergnügen, auf die Eingeweide der ETA-Mitglieder zu spucken“, erklären sie. „Die wird Pedro Sánchez nun nie mehr nach Hause bringen; sie werden nicht einmal mehr Würmer haben, sie wurden auf abscheuliche Weise durchsiebt.“ „Man schoss, ohne hinzuschauen“, versichert José Luis. „An den Wänden waren mehr als 600 Einschusslöcher!“, führt er aus. „Es gab Kameraden, die die Eingeweide der ETA-Mitglieder in den Absätzen ihrer Stiefel trugen; man hatte sie ihnen in die Brust gerammt.“ „Schau mal, ich bekomme Gänsehaut“, fügt er hinzu. Die Operation, die vom damaligen Generaldirektor der Guardia Civil, Luis Roldán, genau verfolgt wurde, endete damit, dass sich die Beamten umarmten, wie sie im Interview berichteten. (halabedi-baskultur)

(2026-08-16)

DIE TOTEN VON DER MÜLLDEPONIE

Das Abrutschen der Mülldeponie im Bizkaia-Ort Zaldibar geschah im Februar 2020, wenige Wochen vor Beginn der Pandemie. Sechs Monate später – heute vor genau sechs Jahren – wurde bei den Aufräumungs- und sicherungs-Arbeiten eine Leiche gefunden. Identifiziert wurde sie als die des Arbeiter Alberto Sololuze, den die abstürzende Deponie in den Tod riss. Sololuze war nicht das einzige menschliche Opfer. Dasselbe Schicksal ereilte Joaquín Beltrán, dessen Leiche nie gefunden wurde. Die baskische Regierung stellte die Suche im Mai 2021 ein.

Das von den Betreibern der Deponie fahrlässig in Kauf genommene Unglück erschütterte damals das ganz Baskenland und wurde von der Covid-Pandemie überschattet. Sechs Jahre später ist die Angelegenheit noch lange nicht abgeschlossen; es gibt noch offene Gerichtsverfahren und viele offene Wunden. Obwohl das Projekt von der baskischen Regierung genehmigt wurde, sind viele der Meinung, dass diese Deponie aufgrund der geografischen Gegebenheiten des Gebiets, auf dem sie errichtet wurde – ein entscheidender Faktor für den Einsturz – niemals hätte eingerichtet werden dürfen. „Sie hätte niemals gebaut werden dürfen“, versicherte der Umweltexperte und Träger des Nationalen Umweltpreises von 1998, Julen Rekondo, in einem Bericht anlässlich des dritten Jahrestags der Tragödie.

Bislang ist lediglich ein Fall abgeschlossen. Die drei obersten Verantwortlichen des Betreibers der Deponie, Verter Recycling, wurden wegen fahrlässiger Tötung und eines Verstoßes gegen die Arbeitssicherheit zu sechs Monaten Haft verurteilt. Billig angesichts der Tatsache, dass sie zwei Leben auf dem gewissen haben. Der eingereichte Bericht belegte, dass die Verantwortlichen des Unternehmens sich der Mängel an der Deponie mindestens zwei Tage vor dem Einsturz bewusst waren, nach dem die Deponie in Bewegung geraten war. Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass die Verantwortlichen trotz der offensichtlichen Gefahr nichts unternahmen. Auch die Belegschaft wurde nicht gewarnt, keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen eingeführt und der Betrieb nicht eingestellt. Verbrecher. Schließlich einigten sich beide Seiten darauf, dass die Verantwortlichen die Freiheitsstrafe nicht verbüßen müssen, und legten eine Entschädigung für die Familien in Höhe von 2,8 Millionen Euro fest. Eine Familie erlebt den schwachen Trost, ihren Verwandten wenigstens begraben zu können. Für die andere Familie ist der Müllberg das größte Grab im Baskenland. Zu befürchten ist, dass sich eine solche Katastrophe wiederholt. Müll ist ein Geschäft ohne Sicherheit, die Kontrollen sind lau, Politik und Betreiber stecken unter einer Decke. (baskultur)

(2026-08-16)

WOHNUNGSNOT

Mit Sopela und Urduliz gibt es in Bizkaia nun bereits sechs Gemeinden mit „angespanntem Wohnungsmarkt“. Dies ist eine Maßnahme, die auf einer Regulierung der baskischen Regierung beruht. Damit sollen die steigenden Mietpreise kontrolliert bzw. begrenzt werden, die in einige Orten wie Bilbao ins Unermessliche wachsen. Jetzt hat die Regierung die Küstengemeinden Sopela und Urduliz als Orte mit angespanntem Wohnungsmarkt ausgewiesen. Damit erhöht sich die Zahl der Orte in Bizkaia, die diesen Status erhalten, auf sechs – neben Basauri, Bilbo, Barakaldo und Galdakao. Beide Gemeindeverwaltungen hatten am 8. Januar bzw. am 9. Februar beantragt, dass die Exekutive ihre Orte als Gebiete mit „angespanntem Wohnungsmarkt“ ausweist. Im Amtsblatt des Baskenlandes (BOPV) wurden am Freitag die entsprechenden Verordnungen veröffentlicht. Diese Einstufung tritt jedoch erst offiziell in Kraft, wenn sie im Staatsanzeiger (BOE) veröffentlicht wird.

Es handelt sich um eine im Gesetz über das Recht auf Wohnen vorgesehene Maßnahme, die den Einsatz spezifischer Instrumente ermöglicht, um den Zugang zu Wohnraum in den Gemeinden zu erleichtern. Die Erklärung bedeutet die Anwendung der in den geltenden Rechtsvorschriften vorgesehenen Maßnahmen zur Förderung eines zugänglicheren Mietmarktes unter den in den staatlichen Vorschriften festgelegten Voraussetzungen und Bedingungen. Die anfängliche Geltungsdauer beträgt drei Jahre, mit der Möglichkeit einer Verlängerung, sofern die Umstände, die zu dieser Einstufung geführt haben, weiterhin bestehen. Mit Sopela und Urduliz sind nun bereits sechs Gemeinden in Bizkaia als Wohngebiete ausgewiesen. Die Anträge für Gorliz, Bermeo, Lekeitio und Elorrio sind derzeit in Bearbeitung. Gleiches gilt für Bergara, Deba, Oiartzun, Orio und Hondarribia in Gipuzkoa.

MIETBEIHILFEN IN DERIO

Die Stadtverwaltung von Derio stellt für junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren 20.000 Euro für Mietbeihilfen bereit. Die Antragsfrist beginnt am Tag nach der Veröffentlichung der Ausschreibung im Amtsblatt von Bizkaia (BOB) und läuft bis zum 30. September. Diese Zuschüsse werden einkommensabhängig gewährt und betragen maximal 50% der Miete oder 300 Euro monatlich. Die Anträge können online über das elektronische Portal der Stadtverwaltung oder persönlich beim Bürgerdienst (SAC) der Stadtverwaltung eingereicht werden. Weitere Informationen erhalten Interessierte beim SAC selbst oder in den Ausschreibungsbedingungen auf der Website der Stadtverwaltung. (naiz-baskultur)

(2026-08-16)

DIE KRISE DER BASKISCHEN ALTENHEIME

Die Nachfrage nach Altenheimen im Baskenland geht deutlich zurück zugunsten der häuslichen Pflege. Ein Bericht der baskischen Regierung warnt davor, dass die Hälfte der Senioren finanzielle Unterstützung beantragt und sich nur 5,4% für ein Altenheim entscheiden. Zufall kann das nicht sein. Immer mehr ältere Menschen möchten in ihrem eigenen Zuhause alt werden, und immer mehr Familien versuchen, den Einzug in ein Altenheim hinauszuzögern. Tatsächlich verzeichnet das Baskenland einen drastischen Rückgang der Nachfrage nach Pflegeheimplätzen zugunsten von finanzieller Unterstützung und Hilfen für die persönliche Betreuung oder Pflege. Wie aus der „Baskischen Strategie für ältere Menschen 2026–2029“ hervorgeht, beantragt die Hälfte der pflegebedürftigen Menschen Hilfen zur Bewältigung ihrer eigenen Pflege, während weitere 35% Unterstützung in Form von Begleitung oder Beaufsichtigung beantragen. Andere Arten von Dienstleistungen hingegen, wie Tages- oder Beschäftigungs-Einrichtungen (7,6%) oder spezialisierte stationäre Einrichtungen (5,4%), werden weitaus seltener in Anspruch genommen.

Dem Dokument zufolge ist die Nachfrage nach dieser Art von Leistungen „erheblich“ zurückgegangen, da die Zahlen im Jahr 2006 noch bei etwa 13 bis 16% lagen und bis 2022 auf 5 bis 7% gesunken sind. Diese Entwicklung, die sich im Baskenland seit mehr als einem Jahrzehnt festigt, hat einen Wandel des Pflegemodells vorangetrieben, hin zu einem Modell, das die häusliche Pflege und gemeindenahe Unterstützung stärkt, damit die Menschen so lange wie möglich in ihrem Zuhause bleiben können. In diesem Zusammenhang ist eine „Konsolidierung“ der häuslichen Pflege als Hauptnachfrage zu beobachten, während die Inanspruchnahme und Beantragung von stationären und spezialisierten Pflegediensten „deutlich“ zurückgegangen ist. Gleichzeitig gibt es immer mehr Haushalte, in denen keine Pflegeperson im eigenen Haushalt lebt.

WARUM?

Dass sich alte Menschen unfreiwillig abgeschoben fühlen, wenn sie in Altenheime platziert werden, ist ein Klassiker der Soziologie. Doch drängen der Arbeitsstress und die schlechte Bezahlung vieler Arbeitnehmer zu solchen Entscheidungen. Eine bedeutende Rolle spielt auch die Tatsache, dass solche Einrichtungen immer mehr von privaten Unternehmen angeboten werden, die – wie der Kapitalismus befiehlt – nach Profitkriterien funktionieren. Die Kosten für eine Vollzeit-Unterbringung gehen in die Tausende, nur Wohlhabende können sich dies leisten, häufig wird das während der Arbeitsbiografie angesammelte Vermögen aufgebraucht. Gleichzeitig lässt die Qualität der Betreuung nach, das Personal ist ein reiner Kostenfaktor, die Arbeitsbedingungen sind schlecht. Die öffentliche Verwaltung hält dabei verdächtig zurück. Doch Kapitalinteressen haben schon immer zur Verschlechterung von Sozialleistungen geführt. In Regionen wie Madrid ist diese Entwicklung bereits weit fortgeschritten. Viele haben nicht vergessen, dass die Rechtsregierung während der Covid-Pandemie Tausende von Alten in den Heimen unversorgt sterben ließ, „weil sie ohnehin keine Zukunft“ hatten. Seither ist die Zahl 7209 zum Inbegriff eines Massenmordes von alten geworden. Altersheime sind zum Inbegriff für unwürdiges Leben geworden. 

Die Daten spiegeln „einen Trend zur zunehmenden Auslagerung der Pflege wider, wobei immer mehr Familien auf professionelle und privat beauftragte Pflegekräfte zurückgreifen, anstatt auf familiäre Pflege und öffentliche Unterstützung“. Zu dem Wunsch, zu Hause alt zu werden, kommen die Schwierigkeiten beim Zugang zu einem Pflegeheim hinzu, der durch die Kosten und die Wartelisten charakterisiert ist. Daher steigen die finanziellen Hilfen sowie das Angebot an Dienstleistungen, die den Verbleib zu Hause unterstützen, wie beispielsweise der Hauspflegedienst (SAD) und die Fernbetreuung, während die Zahl der Plätze in Pflege- und Tagesstätten zurückgeht. Und in dem Maße, wie der Pflegebedarf zunimmt, erhöht das Baskenland seine Sozialausgaben. In Zahlen ausgedrückt sind die Ausgaben für Sozialleistungen für Senioren von 771.622 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 975.946 drei Jahre später gestiegen, was einen Anstieg von durchschnittlich 347 Euro pro Einwohner vor sechs Jahren auf 440 Euro bedeutet – eine Zunahme, die auf einen immer vielfältigeren und komplexeren Pflegebedarf zurückzuführen ist. Die autonome Region spiegelt diesen Wandel auch durch den „erheblichen“ Anstieg der Arbeitsplätze im Gesundheits- und Pflegebereich wider, die zwischen 2011 und 2021 um 24% zunahmen – deutlich stärker als in anderen Sektoren wie den allgemeinen Dienstleistungen, der Industrie oder der Landwirtschaft. So hat sich beispielsweise die Zahl der Beschäftigten in Pflegeheimen verdreifacht (von 4.854 auf über 15.000) und in Tagesstätten vervierfacht (von 542 auf über 2.200).

DIE AKTIVE ROLLE DER ÄLTEREN MENSCHEN

Andererseits wird geschätzt, dass im Baskenland etwa 80.000 Menschen (3,9% der Bevölkerung) Pflegeaufgaben im häuslichen Umfeld übernehmen. Und wie sieht das Profil der Pflegepersonen aus? Der Bericht hebt hervor, dass die Pflege nach wie vor vorwiegend von Frauen geleistet wird. Im Jahr 2022 machten sie 56% der Pflegepersonen aus, gegenüber 43% Männern. Nach Altersgruppen betrachtet entfällt diese Aufgabe vor allem auf die Altersgruppe zwischen 55 und 74 Jahren. Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt ist die „aktive Rolle“, die ältere Menschen selbst innerhalb des Pflegesystems spielen: Mehr als 26.500 Menschen ab 65 Jahren kümmern sich um andere pflegebedürftige Personen, was „Stereotypen widerlegt“ und ihren „Beitrag zum gesellschaftlichen Leben“ belegt.

Die Bevölkerung altert rasant, und die Langzeitpflege befindet sich im Wandel. Jeder vierte Baske (25,4%) ist über 65 Jahre alt, während der Anteil der unter 20-Jährigen kaum 17% erreicht. Diese Umkehrung des demografischen Trends deutet auf die prognostizierte „Überalterung“ der Bevölkerung hin, die in ländlichen Gebieten besonders ausgeprägt ist. Die Zahl der Hundertjährigen wird sich in nur 15 Jahren verdreifachen und im Jahr 2038 etwa 2.700 erreichen. Zudem steigt die Lebenserwartung weiter an, sie liegt bei Frauen bei 87 Jahren und bei Männern bei 81,7 Jahren. In diesem Zusammenhang bleibt die Feminisierung des Alterns „ein strukturelles Merkmal“, insbesondere in höheren Altersgruppen: Frauen machen 63% der über 80-Jährigen aus. Die Studie warnt zudem vor geschlechtsspezifischer Gewalt gegen ältere Frauen, „einem historisch wenig beachteten Phänomen, das in einer zunehmend alternden Gesellschaft in jüngster Zeit an Bedeutung gewinnt“. Nach Angaben von Emakunde hat jede vierte Baskin (23,4%) im Alter von 65 Jahren oder älter im Laufe ihres Lebens geschlechtsspezifische Gewalt erlebt, und 5,7% sind derzeit davon betroffen. (elcorreo-baskultur)

(2026-08-15)

MARAVILLAS, DIE ROSE VON LARRAGA

Maravillas Lamberto Yoldi wurde im navarrischen Larraga geboren, am 28. Juni 1922. Dort starb sie auch, aber keines natürlichen Todes. Alles andere. Kurz nach dem Militärputsch wurde sie von Faschisten vergewaltigt und ermordet. Heute vor 90 Jahren. Keine Persönlichkeit in der baskischen Memoria-Bewegung hat eine Bekanntheit erlangt wie Maravillas. – Maravillas war ein junges Mädchen, das im Spanienkrieg von 1936 in Navarra Opfer der Putschisten wurde. Sie wurde zusammen mit ihrem Vater Vicente Lamberto festgenommen, vergewaltigt und anschließend gemeinsam mit ihrem Vater von Falangisten ermordet, als sie gerade vierzehn Jahre alt war. Maravillas ist zu einem Symbol für die Barbarei und Unterdrückung geworden, die im spanischen Staat nach dem Staatsstreich vom 18. Juli 1936 herrschten.

Maravillas Lamberto war die Älteste von drei Schwestern, Töchter von Vicente Lamberto Martínez, einem Bauern, der in der Gewerkschaft UGT aktiv war, und Paulina Yoldi. Beim Staatsstreich gegen die Regierung der Zweiten Spanischen Republik war Navarra eines der wichtigsten Gebiete, in denen die Verschwörung sowohl auf militärischer als auch auf ziviler Ebene geschmiedet wurde. Auf militärischer Seite war General Emilio Mola Militärgouverneur von Pamplona und befehligte die 12. Infanteriebrigade, während auf ziviler Seite die „Comunión Tradicionalista“ und die karlistischen „Requeté“ die Mehrheit stellten. Navarra stand von Beginn an unter der Kontrolle der Putschisten, in der Region kam es zu keinerlei kriegerischen Aktionen.

Um drei Uhr morgens am 15. August 1936 erschienen zwei Beamte der Guardia Civil vom Posten in Artajona in Begleitung von zwei Zivilisten (dem Falange-Mitglied Julio Redín Sanz und dem als „Sohn des Churrero von Larraga“ bekannten Requeté) am Wohnsitz der Familie Lamberto Yoldi, um Vicente Lamberto festzunehmen und ihn ins Rathaus zu bringen, wo er verhört werden sollte. Zuvor war ihm bereits mit der Vertreibung aus Larraga gedroht worden. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die gesamte Familie zu Hause. Die 14-jährige Maravillas befand sich mit ihrer 10-jährigen Schwester Pilar in ihrem Zimmer. In einem anderen Raum befanden sich ihre 7-jährige kleine Schwester Josefina und Vicentes Ehefrau Paulina Yoldi. Während der Festnahme von Vicente erklärte die Guardia Civil, dass sie ihn zur Vernehmung ins Rathaus bringen würden; Maravillas bat darum, ihn begleiten zu dürfen, woraufhin diese zustimmten.

Im Rathaus wurde der Vater in die Arrestzelle gesperrt, und das Mädchen wurde in die oberen Räumlichkeiten gebracht, wo es wiederholt von den Beamten, die ihn festgenommen hatten, vergewaltigt wurde, teilweise in Anwesenheit ihres Vaters. Unter den Vergewaltigern befand sich auch der damalige Gemeindesekretär von Larraga. Später, gegen fünf Uhr morgens, wurden sie in einem Fahrzeug abgeholt und in einen Wald gebracht, wo das Mädchen erneut vergewaltigt und anschließend beide ermordet wurden. Nach ihrem Tod warfen sie den nackten Leichnam des Mädchens den Hunden vor. Einige Nachbarn fanden die Überreste eine Woche nach dem Verbrechen und verbrannten sie. Die Mörder stellten ihre Taten öffentlich zur Schau, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. Kurz darauf durchsuchte die Guardia Civil das Haus erneut und nahm die Mutter, Paulina Yoldi, fest. Der Familienbesitz wurde unter einigen Dorfbewohnern aufgeteilt; die Stute, die sie besaßen, behielt der Bäcker aus Larraga unter dem Vorwand, Vicente schulde ihm Geld. Die Familie geriet in Armut und musste nach Pamplona ziehen, um dort ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese Ereignisse prägten sie für immer. (wikipedia-baskultur)

(2026-08-15)

SAISONARBEITER FÜR WEINLESE

500 Saisonarbeiter und eine Lohnerhöhung von 12% bei der Weinlese in der Rioja Alavesa, die am 24. August beginnt. UAGA, die Landwirtschafts- und Viehzuchtvereinigung der baskischen Provinz Araba bestätigt, dass die Weinlese in der Rioja Alavesa „früher denn je“ beginnt, weshalb die Winzer die Löhne der Saisonarbeiter um 12% erhöhen werden, um diese anzulocken, da sich die Weinlese an anderen Orten mit der Obsternte überschneidet. Ab dem 24. August werden 500 Arbeitskräfte benötigt. Die UAGA, geht davon aus, dass die Weinlese „historisch früh“ stattfinden wird, da bereits ab 24. August Saisonarbeiter benötigt werden. Sie versichert jedoch, dass die Qualität der Ernte aufgrund der geringen Feuchtigkeit „ausgezeichnet“ sein wird, da es im Laufe des Jahres zu keinerlei Zwischenfällen gekommen ist. (Weinberge in Bilar, im August des vergangenen Jahres. / Raul BOGAJO | FOKU)

Was die Anwerbung von Saisonarbeitern betrifft, hat die UAGA mitgeteilt, dass sie bereits begonnen hat, Arbeitskräfte zu kontaktieren, da sie seit 25 Jahren über ein Vermittlungsprojekt verfügt, um „die Saisonarbeiter mit den landwirtschaftlichen Betrieben, die Arbeitskräfte benötigen, zu koordinieren“. In diesem Jahr werden im Rahmen der Initiative bis zu 500 Personen eingestellt, und die UAGA hofft, den Bedarf decken zu können. Allerdings führt der vorzeitige Beginn der Weinlese zu Überschneidungen mit der Obsternte, sodass es zu Schwierigkeiten bei der Deckung des Bedarfs an Saisonarbeitern kommen kann. Aus diesem Grund haben die Winzer der Rioja Alavesa die Arbeitsbedingungen verbessert und den Lohn um 12% über den Tarifvertrag hinaus angehoben, um die Arbeit attraktiver zu machen und den Arbeitskräftemangel zu mildern. (Wurden vorher Sklavenlöhne gezahlt?)

Zudem hat die UAGA betont, dass in der Rioja Alavesa mehr Arbeitskräfte benötigt werden, da die Auswahl der Trauben „aus Qualitätsgründen“ von Hand erfolgt, im Gegensatz zu anderen Regionen, in denen dies maschinell geschieht. Der Vorsitzende des Regionalverbands Rioja Alavesa innerhalb der UAGA erklärte gegenüber Europa Press, dass die Weinlese gestaffelt erfolge, sie beginne je nach Rebsorte zu unterschiedlichen Zeitpunkten; nach den Prognosen der UAGA werde jedoch bereits am kommenden 24. August ein Arbeitskräftemangel eintreten. „Das bedeutet eine Vorverlegung um etwa 15 Tage gegenüber dem, was in den frühesten Jahren üblich war“, betonte er, auch wenn die Weinlese erst ab dem 15. September flächendeckend stattfinden wird. Er erinnerte daran, dass vor 20 Jahren die flächendeckende Lese in der Region am 10. Oktober stattfand.

„Hervorragende“ Qualität

Was die Ernte angeht, hob er hervor, dass die Qualität „hervorragend“ sein werde, und bezeichnete den Reifegrad als „sehr gut“, was auf den Mangel an Feuchtigkeit während der Sommermonate zurückzuführen sei – ein Faktor, der zusammen mit der Hitze allerdings zur Entstehung von Bakterien, Pilzen und anderen Krankheiten führen könne. „Davon sind wir dieses Jahr verschont geblieben, und die Reben sind in sehr gutem Zustand“, betonte er. In diesem Zusammenhang stellte er klar, dass der Wassermangel aufgrund der Hitze zwar die Menge, nicht jedoch die Qualität des Produkts beeinträchtigen werde. „Wir haben noch einige Tage Zeit, um die Reifung abzuschließen, aber die Aussichten sind unübertrefflich“, freute er sich.

Was die zu erntende Menge angeht, fügte er hinzu, dass der Regulierungsrat der DOC Rioja aufgrund eines Nachfragerückgangs festgelegt habe, dass nicht mehr als 5.850 Kilogramm Trauben pro Hektar geerntet werden dürfen, während es vor einigen Jahren noch 6.500 Kilogramm waren. Er bedauerte, dass diese Vorgabe negative Auswirkungen auf die Branche habe und zu einem Produktionsrückgang von 10% geführt habe. „Es handelt sich um ein administratives Problem, aber wer wirklich darunter leidet und den Preis dafür zahlt, ist die Erzeugerbranche, nicht die Weingüter“, warnte er. Er fügte hinzu, dass die Rentabilität um 40% gesunken, die Kosten gestiegen seien und die Preise stagnierten oder sanken, weshalb es Betriebe gebe, die „nicht rentabel“ seien. Zudem warnte er vor einem fehlenden Generationswechsel aufgrund der sinkenden Gewinne der Betriebe. (naiz-baskultur)

(2026-08-14)

RECHENZENTREN IN SICHT

Die Ökologie-Bewegung Araba Bizirik äußert ihre Bedenken hinsichtlich eines nicht abgelehnten Solaria-Projekts: Rechenzentren. Araba Bizirik warnt: „Die baskische Regierung hat uns weisgemacht, dass die in Ekienea erzeugte Energie 47.500 Haushalte versorgen würde, doch in Wirklichkeit werden 200 Hektar Land beansprucht, um eine neue Installation zu versorgen, nämlich die Hyperscale-Rechenzentren.“ Die Plattform geht davon aus, dass das Solarkraftwerks-Projekt in Ribavellosa mit dem Namen „Solaria Zierbena Solar 2“ der Versorgung der Rechenzentren des Unternehmens Merlin Properties dienen wird, das im Gewerbegebiet Arasur ansässig ist – eine Vermutung, die bereits von der linksliberalen Koalition EH Bildu geäußert wurde. (Auf dieser Fläche wird Ekienea entstehen, sollte das Projekt umgesetzt werden. / Krean)

In einer Erklärung hat die Initiative beanstandet, dass von den 22 Anlagen, die Solaria im Rahmen eines „großen Energieprojekts“ in Araba vorgelegt hat dieses Element das „einzige ist, dessen Genehmigung die baskische Regierung nicht abgelehnt hat“. Auffällig. Ende Juli wurde bekannt, dass weitere 19 Projekte abgelehnt wurden, da die Genehmigungsfristen abgelaufen waren. Nach Ansicht von AB haben Solaria und die baskische Regierung ein „besonderes Interesse“ an genau dieser Photovoltaik-Anlage, da sie sich in unmittelbarer Nähe der Rechenzentren von Merlin Properties befindet. Vermutet wird, dass Solaria beabsichtigt, die 17 km lange 132-kV-Übertragungsleitung von Ekienea, die über das Kraftwerk verläuft, zu nutzen, um den Strom am Knotenpunkt ST Puentelarrá einzuspeisen und diese Infrastruktur zu nutzen, um „den erzeugten Strom an die Rechenzentren in Arasur zu verkaufen“. Solche Rechenzentren benötigen bekanntlich eine riesige Menge an Strom, die das normale Netz nicht liefern kann.

Araba Bizirik hat dargelegt, dass Ekienea die größte Photovoltaik-Anlage der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes (CAV) sein wird, die von der EVE, der Provinzverwaltung von Araba, Iberdrola und Krean gefördert wird. Die Plattform hat mitgeteilt, dass ein Vertrag im Wert von 375 Millionen Euro zur Stromlieferung an Merlin Properties unterzeichnet wurde. Ekienea erhielt im Juli die vorläufige behördliche Genehmigung durch die spanische Regierung. Es handelt sich um eine Anlage mit 231.000 Solarmodulen, die sich über eine Fläche von 200 Hektar neben der Lagune von Lacorzana erstrecken. „Die baskische Regierung hat uns vorgemacht, dass die in Ekienea erzeugte Energie 47.500 Haushalte versorgen würde, doch in Wirklichkeit werden 200 Hektar Ackerland – die den höchsten agrar-ökologischen Qualitäts-Koeffizienten im Baskenland aufweisen – beansprucht, um eine neue Industrie zu versorgen, nämlich die Hyperscale-Rechenzentren“, wird kritisiert.

Deshalb wird der Industrieminister Mikel Jauregi gefragt: „Wie viele Lügen wird er noch erzählen, um die Zerstörung des Landes zu rechtfertigen?“ und „Wie können ein Kraftwerk und die dazugehörige Infrastruktur als Allgemein-Interesse bezeichnet werden, wenn das Ziel darin besteht, ein privates Unternehmen wie die Rechenzentren von Merlin Properties mit Energie zu versorgen?“ Die Initiative zum Schutz der Provinz Araba erinnert daran, dass Hyperscale-Rechenzentren „große Energieverbraucher“ sind, und erklärt, dass „Merlin Properties, sollte das Unternehmen die zweite Phase mit drei weiteren Gebäuden realisieren, genauso viel Strom verbrauchen würde wie ganz Araba, was einem Jahresverbrauch von 2.628 Giga-Watt-Stunden entspricht“.

„NÖTIGUNG“

Araba Bizirik denunziert zudem, dass Solaria Briefe an die Grundstücks-Eigentümer verschickt, in denen der Vertrag um ein Jahr verlängert wird. Gleichzeitig kritisiert die Gruppe, dass eine Mitarbeiterin des multinationalen Konzerns „in der Gemeinde herumläuft und wieder Kontakte knüpft“. In diesem Zusammenhang wies die Organisation darauf hin, dass Anwohner des Erriberabeitia-Tals berichteten, Vertreter des EVE und von Iberdrola würden mit den Eigentümern der Grundstücke, auf denen die Masten der Abtransportleitung von Ekienea errichtet werden sollen, „sprechen und Druck ausüben“ und ihnen sagen: „Entweder ihr stimmt zu, oder das Projekt wird zum Projekt von allgemeinem Interesse erklärt und eure Grundstücke werden enteignet.“ (naiz-baskultur)

(2026-08-13)

GEWALT GEGEN STRASSENHÄNDLER

„Es reicht jetzt“: Bilbaos Straßenhändler fordern nach der jüngsten Festnahme ein Ende der Polizeirazzien. Die Festnahme eines Straßenhändlers am Montag in der Calle Somera hat erneut die Aufmerksamkeit auf die polizeiliche Verfolgung dieser Gruppe in Bilbo gelenkt. Bei einer Kundgebung von Manteroekin Bat und Mbolo Moye Doole wurde ein Ende der Razzien und der Identitätskontrollen mit rassistischem Profiling gefordert. Bei der Kundgebung wurde am Donnerstagnachmittag die polizeiliche Repression angeprangert, unter der die Straßenhändler seit Jahren ständig auf den Straßen von Bilbao leiden. Zum jüngsten Polizeieinsatz entsandte die Stadtpolizei mehrere Streifenwagen zum Restaurant Adaxka, um einen Straßenhändler gewaltsam festzunehmen. (Von Manteroekin Bat und Mbolo Moye Doole in Alde Zaharra organisierte Kundgebung. / Marisol RAMIREZ | FOKU)

Das Adaxka veröffentlichte die Bilder, die zeigen, wie die Festnahme ablief. Auf diesen Videos war zu sehen, wie drei Beamte der Stadtpolizei den Mann am Boden festhielten, während ein vierter seine Waren in eine große Tasche packte. Anschließend nahmen sie ihn fest und setzten ihn in den Polizeiwagen, um ihn zur Polizeiwache zu bringen. Dort wurde er einige Stunden festgehalten und dann wieder freigelassen. Wie Adaxka berichtete, strömten zahlreiche Kunden und Anwohner während der Festnahme zum Ort des Geschehens. „Der Polizeieinsatz und das gewaltsame Vorgehen der Beamten waren unerklärlich und ganz offensichtlich rassistisch“, erklärten heute Sprecher der Straßenhändler.

Doch handelte es sich nicht um einen Einzelfall. Solche Polizeieinsätze sind auf der Gran Vía, im Arenal und in der Altstadt mittlerweile häufig geworden, und wenn der Sommer kommt und die Aste Nagusia näher rückt, nehmen sie weiter zu. Tatsächlich prägten diese Polizeieinsätze den Verlauf der Feierlichkeiten 2024 derart, dass es am letzten Tag, kurz vor Beginn der traditionellen Verbrennung von Marijaia, zu Spannungen kam, als die Polizei die Straßenverkäufer von der Puente del Arenal vertreiben wollte und sich eine Menschenkette aus Fest-Teilnehmern dazwischen stellte, um dies zu verhindern.

„INSTITUTIONELLER UND POLIZEILICHER RASSISMUS“

„In allen Fällen sehen wir uns mit Situationen schwerwiegenden institutionellen und polizeilichen Rassismus konfrontiert, der sich gegen unsere Körper und unser Leben richtet. Eine Gewalt, die für uns sehr nachteilige Folgen haben kann, wie Geldstrafen oder endlose Gerichtsverfahren mit schwerwiegenden strafrechtlichen Konsequenzen“, beklagten sie. Zudem kritisieren sie, dass die Stadtverwaltung „zu keinem Zeitpunkt die Absicht gezeigt hat, nach Wegen zu suchen, um dieser Art von anhaltenden rassistischen Polizeigewalt ein Ende zu setzen“. „Den politisch Verantwortlichen für die rassistischen Razzien und Festnahmen sagen wir laut und deutlich, dass wir diese Behandlung nicht verdienen, nur weil wir verkaufen, um zu überleben, weil wir arbeiten, um über die Runden zu kommen. Nichts rechtfertigt diesen Einsatz, diese Gewalt oder die Beschlagnahmung unserer Habseligkeiten und Waren“, fügten sie hinzu. Aus all diesen Gründen forderten sie „ein Ende der Verfolgung und der Kontrollen aufgrund von rassistischem Profiling“. „Wir Straßenhändler werden nicht zulassen, dass uns irgendetwas oder irgendjemand unsere Würde nimmt – weder vor der Aste Nagusia noch während des restlichen Jahres“, schlossen sie. (naiz-baskultur)

(2026-08-13)

FINSTERER KATZENJAMMER

Es kam, wie es kommen musste. Noch keine Massen-Hysterie hat dabei eine Ausnahme gemacht. Auch wenn sie so friedlich daher kam wie gestern zur totalen Sonnenfinsternis im Baskenland und Nordspanien. In den Wochen zuvor wurde millionenfach gewarnt, nicht in das Spektakel zu schauen, nur technisch einwandfreie Schutzbrillen zu benutzen. Das Ergebnis: Dutzende leichter Fälle von Augenproblemen, Warteschlangen und Rettungsmaßnahmen. Die Sonnenfinsternis hinterlässt ihre Spuren. Was das Gesundheitswesen betrifft, betonen die Augenabteilungen, dass es noch zu früh sei, um mögliche Beschwerden einzuschätzen, doch in den ersten Stunden gab es bereits etwa 70 Fälle, die meisten davon leicht. Doch bekanntlich zeigen sich die Folgen von Verbrennungen oft erst viel später. Der Straßenverkehr war vor allem in Navarra auf dem Rückweg beeinträchtigt.

Die Nachwirkungen der Sonnenfinsternis werden zur Kenntnis genomen. Drei Bereiche gaben Anlass zu besonderer Sorge: das Gesundheitswesen, der Verkehr sowie mögliche Überlastungen im Telefonnetz oder in anderen Bereichen. Zu diesem Zweck hatten die Verwaltungen der Regierungen m Baskenland und Navarra Sondermaßnahmen ergriffen, die später ohne nennenswerte Zwischenfälle wieder für beendet erklärt wurden. Angemerkt werden muss jedoch, dass es noch zu früh ist, um mögliche Augenschäden zu beurteilen, die durch das Betrachten der Sonnenfinsternis ohne Schutzbrille oder mit unzureichendem Schutz entstanden sein könnten. Experten weisen darauf hin, dass Schäden an der Netzhaut erst später, sogar erst nach bis zu einem Monat, auftreten können. Das Problem bei der Erkennung besteht darin, dass diese Verletzungen zum Zeitpunkt ihres Entstehens keine Schmerzen verursachen, sodass die Folgen möglicherweise erst spät wahrgenommen werden. Osakidetza hatte das Personal in den Augenabteilungen der Krankenhäuser in den drei Hauptstädten aufgestockt.

Am Abend gab Osakidetza bekannt, dass in den ersten Stunden zwischen der Sonnenfinsternis und Mitternacht 58 Personen mit leichten Augenbeschwerden behandelt wurden, davon 22 in der Primärversorgung und 36 stationär. Die Leiterin der Notaufnahme in Donostia erklärte, dass „keine schweren Verletzungen“ vorlägen. Was die Symptome angeht, wies sie darauf hin, dass die Patienten „gewisse Sehstörungen“ beschrieben hätten, „Menschen, die kamen, obwohl sie ihre Augen gut geschützt hatten.“ Angeblich. Die Leiterin der Notaufnahme betonte, dass es in den nächsten Tagen zu Fällen von Personen mit „Symptomen“ kommen könne und dass diese möglicherweise erst in den folgenden 30 Tagen auftreten könnten. „Die Menschen müssen darauf achten, dass sie keine Sehstörungen haben, dass sie keinen zentralen Fleck sehen, dass sie Linien gerade sehen und dass sie keine Blitze oder ungewöhnliche Lichterscheinungen wahrnehmen“. „Wenn so etwas auftritt, sollten sie sich bei uns melden“, riet sie.

Auch die Telekommunikationsdienste hielten dem Ansturm trotz des Spitzenaufkommens an Anrufen und Nachrichten, das zum Höhepunkt der Sonnenfinsternis auftrat, ohne größere Probleme stand. Aus den offiziellen Berichten geht hervor, dass es zudem zehn Rettungseinsätze für Personen gab, die sich anlässlich der Sonnenfinsternis in die Berge begeben hatten. So verzeichnete SOS Deiak-112 elf Vorfälle im Zusammenhang mit der Sonnenfinsternis. Darunter waren acht Bergrettungen zwischen 17:55 Uhr und 22:05 Uhr: zwei in Olarizu (Gasteiz), Jaizkibel, Aiako Harria, Aizkorri, Ibarra, Xoxote (Azpeitia) und Gorliz. Darüber hinaus wurde eine Rettung in Binnengewässern am Stausee von Maroño und eine weitere an der Küste von Gorliz durchgeführt. Für jene Vollidioten wird die Finsternis teuer, denn die Einsätze müssen bezahlt werden. (baskultur)

(2026-08-13)

UNBEZAHLTE ÜBERSTUNDEN

Die Hälfte der Arbeitnehmer, die im Baskenland Überstunden leisten, erhält dafür keine Vergütung. Fast 25.000 Arbeitnehmer sind davon betroffen, wobei das Problem laut einem Bericht der Gewerkschaft CCOO besonders im Gesundheitswesen auftritt. – Es gibt Arbeitsstunden, die nie auf der Gehaltsabrechnung erscheinen. Sie fallen nicht unter die vereinbarte Arbeitszeit und werden, obwohl sie geleistet wurden, weder bezahlt noch später durch Freizeit ausgeglichen – die beiden Möglichkeiten, die das Arbeitsrecht zur Vergütung dieser Mehrarbeit vorsieht. Es handelt sich in jeder Hinsicht um Überstunden, die jedoch zu unbezahlter Arbeit für die Unternehmen werden. Im Baskenland beläuft sich dieser unentgeltliche Arbeitsaufwand auf 145.400 Stunden pro Woche, was 48,7% aller in der autonomen Region geleisteten Überstunden entspricht.

Laut einem Bericht des Wirtschaftsreferats der Gewerkschaft CCOO sind 24.993 baskische Arbeitnehmer von diesen Überstunden betroffen. Demgegenüber stehen weitere 20.055 Arbeitnehmer, die ebenfalls Überstunden leisten, dafür aber eine Vergütung erhalten. Insgesamt verlängern somit 45.048 Arbeitnehmer im Baskenland regelmäßig ihre Arbeitszeit, 55,5% von ihnen tun dies ohne Vergütung und ohne später eine entsprechende Freizeitausgleich zu erhalten. Die Häufigkeit dieser Praxis variiert jedoch je nach Tätigkeitsbereich erheblich. Der Gesundheits- und Sozialdienstleistungs-Sektor weist mit 43.014 unbezahlten Überstunden pro Woche gegenüber nur 2.374 bezahlten das größte Ungleichgewicht auf. Auf jede bezahlte Überstunde kommen 18 unbezahlte. Die Natur der Tätigkeit selbst erklärt, warum es schwieriger ist, die Arbeitszeiten in feste Zeitrahmen zu pressen, da die Betreuung eines Patienten nicht unbedingt mit dem Ende der Schicht endet und Bereitschaftsdienste, Schichtwechsel oder Notfälle im Pflegebereich häufig eine Verlängerung der Arbeitszeit erfordern.

Das Gastgewerbe sowie Verwaltungs- und Hilfsdienstleistungen sind die beiden anderen großen Branchen, in denen die unbezahlten Überstunden die bezahlten übersteigen; in allen diesen Bereichen ist die Nachfrage schwer in feste Arbeitszeiten einzupassen. Der Bericht der Gewerkschaft nennt zudem die verarbeitende Industrie als den Wirtschaftszweig, in dem im Baskenland das größte Arbeitsvolumen außerhalb der vereinbarten Arbeitszeit konzentriert ist – 54.847 Stunden pro Woche –, wenn auch „mit einer ausgewogeneren Verteilung zwischen bezahlten und unbezahlten Stunden“. Ein Unterschied, der mit einer stärkeren Verbreitung von Tarifverhandlungen und Betriebsvereinbarungen in einem Sektor einhergeht, der bereits an Arbeitskonflikte gewöhnt ist.

MEHR KONTROLLEN

Der Missbrauch unbezahlter Überstunden ist im Baskenland besonders dramatisch, wo sie 48,7% der Gesamtzahl ausmachen, gegenüber 39,6% in ganz Spanien. Eine Praxis, die bei der baskischen Regierung Alarmglocken läuten ließ, die die Kontrolle der Arbeitszeiterfassung zu einer ihrer Prioritäten im Arbeitsbereich gemacht hat. Die Ergebnisse zeigen jedoch, wie schwierig es ist, diesem Problem Einhalt zu gebieten, da die Arbeitsaufsichts-Behörde bei rund 60% der durchgeführten Kontrollen weiterhin Unregelmäßigkeiten feststellt. Eine Tatsache, die den baskischen Ministerpräsidenten Imanol Pradales dazu veranlasste, in einer Plenarsitzung im April einzuräumen, dass unbezahlte Überstunden trotz verstärkter Überwachung „kaum zurückgegangen“ seien.

Die Arbeitsaufsichts-Behörde hat in der Tat eingeräumt, dass die Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten bei der Arbeitszeiterfassung „eines der am schwierigsten nachzuweisenden Themen“ ist, da hierfür häufig die Mithilfe von Personen aus den Reihen der Belegschaft selbst erforderlich ist. Eine Einschränkung, die jedoch bald überwunden werden könnte. Die Zentralregierung plant, nach der Sommerpause ein Dekret zur Verschärfung der Arbeitszeitkontrolle zu verabschieden, das Unternehmen zur Einführung eines digitalen Systems verpflichtet und der Arbeitsaufsichts-Behörde den Fernzugriff auf die Aufzeichnungen ermöglicht, um die Einhaltung der Arbeitszeit zu überprüfen, ohne ausschließlich auf einen Besuch am Arbeitsplatz angewiesen zu sein. Die Regelung ist in dieser Schlussphase der Legislaturperiode zu einem der wichtigsten Anliegen der Vizepräsidentin und Arbeitsministerin Yolanda Díaz geworden, nachdem der Kongress ihren Versuch vereitelt hatte, die Wochenarbeitszeit per Gesetz auf 37,5 Stunden zu senken. (elco-baskultur)


(2026-08-12)

FESTNAHME VON BASKISCHEN FUSSBALL-FANS

Die spanische Polizei ignoriert den baskischen Innen-Senator Zupiria und nimmt in Gasteiz fünf weitere Personen im Zusammenhang mit der Fußball-WM fest. Die spanische Polizei hat in Gasteiz fünf Personen festgenommen – eine am Montag und vier am Dienstag, denen wegen einer Auseinandersetzung mit einem spanischen Fan während einer Demonstration zugunsten der Euskal Selekzioa ein Hassverbrechen vorgeworfen wird. Zupiria hatte bereits frühere Festnahmen im Baskenland beklagt, es geht um Polizei-Kompetenzen. (Demonstration in Gasteiz anlässlich des WM-Finales, die nach den in der Meldung beschriebenen Vorfällen stattfand. / FOKU)

Fünf Männer wurden zwischen Montag und Dienstag in Gasteiz festgenommen und wegen eines Hassverbrechens angeklagt, da sie angeblich während der WM versucht hatten, eine Person anzugreifen, wie die spanische Polizei mitteilte, die die Operation durchgeführt hat. Die Vorfälle ereigneten sich während einer Demonstration zugunsten der „Euskal Selekzioa“. Nach Angaben der Polizei versuchten die fünf Festgenommenen, einen Mann anzugreifen, der ein Trikot der spanischen Auswahl trug, weshalb ihnen ein Hassverbrechen vorgeworfen wird. Der am Montag Festgenommene wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, während die vier heute Festgenommenen weiterhin in den Räumlichkeiten der Nationalpolizei in der Hauptstadt der Provinz Araba festgehalten werden.

Die Organisation Aske hat die Festnahmen angeprangert und erklärt, dass sich die ihnen vorgeworfenen Taten am 13. Juni während einer Kundgebung zugunsten der offiziellen Anerkennung der „Euskal Selekzioa“ ereignet hätten, zwei Tage vor dem Debüt Spaniens gegen Kap Verde. Aske hat angeprangert, dass der Anzeigeerstatter an der Kundgebung vorbeiging und dabei den faschistischen Gruß zeigte. „Diese Vorfälle zeigen, dass der Assimilationsprozess seitens des spanischen Staates weitergeht und dass jeder, der sich dagegen auflehnt, bestraft wird, mit der Absicht, die Basken einzuschüchtern. Das werden sie nicht schaffen“, erklärten Mitglieder der Organisation bei einem öffentlichen Auftritt. Die Nationalpolizei nahm im vergangenen Monat weitere baskische Fans wegen Zusammenstößen mit spanischen Anhängern fest, was vom Innenminister der baskischen Regierung Bingen Zupiria, kritisiert wurde, der geltend machte, dass diese Maßnahmen einen Kompetenz-Verletzung darstellen. (naiz-baskultur)

(2026-08-12)

POLIZEI-AGGRESSION GEGEN AFRIKANER

In Bilbao wird von einem erneuten Übergriff der Stadtpolizei auf einen Straßenverkäufer berichtet. Die Solidaritäts-Initiativen „Manteroekin Bat“ und „Mbolo Moye Doole“ haben deshalb zu einer Kundgebung in der Altstadt von Bilbao aufgerufen, um die brutale Festnahme eines afrikanischen Straßenverkäufers durch anzuprangern, die in verschiedenen Videos in den sozialen Netzwerken dokumentiert wurde. Die Festnahme hat bei mehreren sozialen Gruppen Empörung ausgelöst, die nun eine Protestkundgebung in der Hauptstadt der Provinz Bizkaia organisiert haben. (Moment der Festnahme des Straßenhändlers vor dem Adaxka-Restaurant / naiz)

Der Polizeieinsatz, für den mehrere Streifenwagen der Stadtpolizei mobilisiert wurden, fand am Montag in der Calle Somera statt, direkt gegenüber von Adaxka Kultur Elkartea. Der X-Account des Restaurants verbreitete die Bilder, die zeigen, wie die Festnahme ablief. „Die Stadtpolizei ist heute vor unserer Tür hart gegen die Straßenhändler vorgegangen. Das ist kein Einzelfall, sondern Teil der Sommeraktionen der Stadtverwaltung von Bilbao. Das Verhalten der Kunden und Anwohner war lobenswert. Adaxka wird immer ein Zufluchtsort sein, und wir wollen dem Festgenommenen unseren vollen Schutz gewähren. Achtet auf die Mobilisierungen!“, erklärte der Kulturverein auf seinem X-Account.

Auf diesen Videos ist zu sehen, wie drei Beamte der Stadtpolizei den Mann am Boden festhalten, während ein vierter das Material des Straßenhändlers in einer großen Tasche verstaut. Wie Adaxka berichtet, sind zahlreiche Gäste und Anwohner während der Festnahme zum Ort des Geschehens geeilt. Zu diesem Zeitpunkt belief sich die Zahl der Beamten bereits auf etwa zehn. Um gegen diese erneute Festnahme zu protestieren, haben die Plattform „Manteroekin Bat“ und die Initiative „Mbolo Moye Doole“ für diesen Donnerstag um 19:00 Uhr am Portal de Zamudio zu einer Demonstration unter dem Motto „Schluss mit den Übergriffen der Polizei auf Straßenverkäufer“ aufgerufen. (naiz-baskultur)

(2026-08-12)

PROFIT DURCH SONNENFINSTERNIS

Alle reden darüber: was sie für die Wissenschaft bedeutet – weshalb gerade im Baskenland sichtbar – wann war die letzte, wann die nächste – welche Schutzbrillen sind ausreichend – wie viele Touristen werden angezogen – die Medien haben ihr Sommer-Thema. Wie immer, haben Groß-Ereignisse auch eine finanzielle Komponente: Die totale Sonnenfinsternis wird im Baskenland wirtschaftliche Auswirkungen in Höhe von 21,6 Millionen Euro haben. Was Profite aus dem Spektakel anbelangt, liegt das Baskenland an sechster Stelle. An der Spitze der Rangliste steht die Region Valencia mit einer Prognose von 130,67 Millionen Euro. Davor liegen zudem Madrid, Kastilien-León, Aragon und Galicien, was zeigt, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen auf verschiedene Regionen des Landes erstrecken werden, die eine gute Sicht auf den Sternenhimmel mit einer entsprechenden Aufnahmekapazität verbinden können.

„Betroffen“ sind die Bereiche Freizeit, Verkehr, Beherbergung, Gastronomie und Handel im Baskenland: Die prognostizierten 21,6 Millionen sind für die Wirtschaft von großer Bedeutung und können verglichen werden mit den 14,9 Millionen, die der Behobia-Marathon einbringt, oder den 47,9 Millionen des Zinemaldia-Filmfestivals. Der größte Teil der Ausgaben kommt mit dem internationalen Tourismus und ausländischen Besuchern. Die Veranstaltung wirkt als Katalysator, um Reisende in Gebiete fernab der Massentourismus-Routen zu locken. In einigen Gebieten hat sich das Buchungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um das 3,8-fache erhöht. Im Staat wird die Sonnenfinsternis in nur einer Woche Tourismusausgaben in Höhe von 362 Millionen Euro generieren, zu 88,1% von internationalen Touristen. Für die ländlichen Gemeinden im Baskenland, die im Bereich der totalen Sonnenfinsternis liegen, stellt das heutige Ereignis eine beispiellose Chance dar, sich bei einer finanzstarken Reise-Klientel bekannt zu machen, die sich unter normalen Umständen kaum dazu entschlossen hätte, mitten im August das Landesinnere zu erkunden. Über den direkten wirtschaftlichen Impuls hinaus werden die Ausgaben der Besucher während der Veranstaltungswoche einen starken Sogeffekt auf die gesamte Wirtschaft auslösen, der der nationalen Wirtschaft 421 Millionen Euro an Bruttowertschöpfung einbringt, 7.300 Vollzeitstellen sichert und Steuereinnahmen in Höhe von 146 Millionen Euro generiert. (ec-baskultur)

(2026-08-11)

DONOSTIA MUCKT AUF

Als die Stadtverwaltung von Donostia das Austeilen von Abendessen auf der Straße für Migranten und Obdachlose verbot, beschloss die Gruppe Kaleko Afari Solidarioak, Sandwiches „ohne festes Ziel“ zu verteilen. Darauf reagierte die Stadtpolizei mit der Identifizierung der Freiwilligen, die Essen austeilen, als auch diejenigen, die es entgegennehmen. – Die Initiative Kaleko Afari Solidarioak (KAS), die mittellosen Migranten auf den Straßen von Donostia Abendessen zur Verfügung stellte, hat von der Stadtverwaltung gefordert, „die rechtswidrige Schikane und Einschüchterung“ ihrer Freiwilligen und der von ihnen betreuten Menschen zu beenden, denn „Solidarität ist kein Verbrechen“.

In einer Erklärung hat KAS dargelegt, dass sich seit dem Verbot dieser Abendessen „die Lage vieler Migranten, die in unserer Stadt leben, weiter verschlimmert hat“ und dass „angesichts des Hungers, unter dem viele dieser jungen Menschen leiden“, einige ihrer Freiwilligen beschlossen haben, „Sandwiches ohne festen Standort und aus menschlicher Verantwortung heraus zu verteilen“. In diesem Zusammenhang prangerte die Organisation die „Schikanen“ an, denen sie „seitens der Stadtpolizei allein aufgrund der Tatsache ausgesetzt sind, dass sie Sandwiches an hungernde Menschen verteilen“. Laut KAS wurden ihre Freiwilligen „beim Verteilen von Sandwiches angehalten und identifiziert“ sowie „ohne ihre Zustimmung verfolgt und fotografiert“. „All dies geschah, wie uns die Beamten selbst mitgeteilt haben, auf Anweisung von oben“, betonten sie. Ihrer Ansicht nach ist es „inakzeptabel, dass Solidarität kriminalisiert wird und dass diejenigen, die ihre Zeit und ihr Geld dafür einsetzen, Menschen in extrem prekären Situationen zu helfen, so behandelt werden, als würden sie eine Straftat begehen“.

Darüber hinaus kritisierte die KAS, dass „die Stadtpolizei junge Migranten systematisch identifiziert und fotografiert, um ein Fotoarchiv anzulegen, das künftige Identifizierungen erleichtern soll, falls in der Stadt etwas passiert“. „Den uns vorliegenden Aussagen zufolge werden diese Fotos aktualisiert, wenn sich das Aussehen dieser Personen verändert“, hieß es weiter. Die KAS erklärte: „Wir haben es mit einer zutiefst besorgniserregenden Praxis zu tun, die eine ganze Gruppe allein aufgrund ihrer bloßen Existenz stigmatisiert und sie als permanente Verdächtige behandelt.“

Zudem wurde angeprangert, dass in einer Bar der Stadt „ein Mitarbeiter einem Migranten in einer prekären Lage einen Pintxo anbot – was in vielen Bars üblich ist. Als dieser auf die Straße trat, näherten sich ihm zwei Beamte der Stadtpolizei in Zivil, um ihn zu identifizieren“. „Solidarität darf nicht zum Grund für Verfolgung werden, und wer einen Hungrigen mit Essen versorgt, darf nicht als Bedrohung für das Zusammenleben behandelt werden“, betonten Vertreter von KAS. Abschließend warnten sie, dass sie es nicht hinnehmen würden, „dass diejenigen, die Solidarität üben, eingeschüchtert werden, oder dass Migranten systematisch als verdächtig abgestempelt werden“.

Die linke Koalition EH Bildu hat den Freiwilligen des Bürgernetzwerks KAS ihre Unterstützung bekundet und die Stadtverwaltung aufgefordert, „die Schikanierung der Menschen einzustellen, die dieses Bürgernetzwerk tragen, durch Angst und Einschüchterung“. In diesem Zusammenhang kritisierte Bildu die Abwesenheit von KAS bei der Sprecherratssitzung. Auch der Sprecher von Elkarrekin Donostia, Víctor Lasa, hat in einer Erklärung bekannt gegeben, dass er beim Bürgermeisteramt die vollständigen Berichte der Abteilungen für die Nutzung des öffentlichen Raums, für öffentliche Gesundheit und der Stadtpolizei angefordert hat, auf denen der Beschluss basiert, und dass er sich mit Fachleuten für Verwaltungsrecht über die Möglichkeit beraten hat, gegen den Beschluss Rechtsmittel einzulegen und dessen vorläufige Aussetzung zu beantragen. Seiner Ansicht nach ist der Beschluss „völlig unmenschlich und erniedrigend für alle Bürger“. „Er vermischt Argumente wie die Belegung des öffentlichen Raums, gesundheitliche Auflagen und Sicherheitsprobleme“, doch „keines davon führt zwangsläufig zu einem stadtweiten Verbot von Abendessen im Freien“, erklärte Lasa. (naiz-baskultur)

(2026-08-11)

BILLIG WOHNEN

Eine Wohnungsanzeige in Bilbao sorgt in den sozialen Netzwerken für Empörung: „Das grenzt schon an Beleidigung und Demütigung“, lautet ein Kommentar dazu. Es handelt sich um eine 17 Quadratmeter große Wohnung für 595 Euro in der Nähe des Alhondiga-Kulturzentrums in der Innenstadt. Eine Architektin widmet immer wieder der Analyse von Wohnungsanzeigen. In der Regel um kleine Wohnungen mit baulichen Mängeln und Problemen hinsichtlich der Bewohnbarkeit zu völlig überhöhten Preisen. Genau das ist bei der umstrittenen Wohnung der Fall. Im Zentrum, im sechsten Stock ohne Aufzug, 17 Quadratmeter für 595 Euro im Monat.
„Wie ihr seht, handelt es sich um ein Einzimmerapartment, in dem wir gleich beim Betreten auf der linken Seite die komplett ausgestattete Küche vorfinden, mit italienischer Kaffeemaschine“, beschreibt sie humorvoll, während sie mit einem Kugelschreiber auf den Computerbildschirm tippt und dabei auf das Wort „Luxus“ zeigt. „Da steht ein Eiswürfelbehälter, der als Blumentopf dient. Tropenholzboden, ein 90er-Bett vor der Küche. Ein perfekter Schrank für Röcke und dreiviertellange Kleidungsstücke, nicht für Anzüge, aber so viel wollen wir nun auch wieder nicht erwarten“, fügt sie hinzu.

Durch eine Trennwand abgetrennt befindet sich das Badezimmer, mit der Toilette direkt unter dem Waschbecken: „Die Körperpflege muss eben auf den Knien erledigt werden“, merkt sie an. „Es gibt einen eigenen TV-Anschluss, allerdings ohne Fernseher. Wer da noch einen Platz zum Aufstellen findet … Beeilt euch, die Wohnung geht weg wie warme Semmeln“, schließt sie. Schnell gab es Kommentare zu den Charakteristika der Mietwohnung. „Niemand erwähnt, dass man sich von Dosen ernähren muss, denn es gibt keinen Kühlschrank“. „Was für ein hübsches Versteck.“ „Wenn die Milch überkocht, ist das Kopfkissen versaut.“ „Im Ernst, so ein Preis für diesen Abstellraum?“ „Ich weiß, dass Bilbao teuer ist, aber das grenzt an Beleidigung und Demütigung“, kommentieren die Nutzer. Eigentlich ein Thema zum Lachen, doch stellt es die Wohnungsrealität in ihrer brutalen Rücksichtslosigkeit knallhart dar. (baskultur)

(2026-08-11)

DIE IGNORANTE BÜRGERMEISTERIN

Viele baskische Orte haben für ihre Fiestas Symbolfiguren, die zur Eröffnung derselben bemüht werden und bei den Aktivitäten präsent. In Bilbao ist es die Marijaia, die Fest-Marie, in einem Bilbo-Stadtteil die riesige Kasemira. Diese Figuren haben die religiösen Symbole aus der Franquismus-Zeit ersetzt und sind überall sehr beliebt. Auch in der Hauptstadt Vitoria-Gasteiz gibt es eine solche Figur, in diesem Fall ein Mann, der auch noch lebendig ist: der Celedón. Zur Eröffnung wird er quer über den zentralen Platz über den Köpfen von 70.000 Begeisterten an einem gespannten Draht abgeseilt, mit der Ankunft und ein paar entsprechenden Worten gelten die Fiestas als eröffnet. Im Gegensatz zu Bilbo, wo die Pregonera regelmäßig einen politischen Diskurs von sich gibt, wird vom Celedon Zurückhaltung erwartet. Eine Erwartung, die nicht immer erfüllt wird. 2026 war der 50. Jahrestag des Polizei-Massaker vom 3. März 1976, ein Hit in der Stadtgeschichte, der bis heute die Mehrheit der Bewohnerinnen stark bewegt. Diesen Hit erwähnte der Celedon in einer seiner öffentlichen Auftritte und erhielt Dafür von der sozialdemokratischen Bürgermeisterin einen kräftigen Tritt zwischen die … Ohren.

„Für unsere Großmütter und Großväter, denn vor 50 Jahren haben sie uns eine Lektion in Würde erteilt. Gora Martxoaren 3a!“ – „Es lebe der Dritte März!“ Das war die Botschaft, die sicher zwei Drittel der Bevölkerung gut fanden, die der Bürgermeisterin jedoch auf den Magen fiel. Sie machte deutlich, dass „man Politik und Feste nicht vermischen darf“. Auf Nachfrage konkretisierte sie: „Ich verlange nicht mehr von ihm, als dass ich der Meinung bin, man solle politische Themen nicht mit den Festen in Vitoria vermischen“, fügte sie hinzu. Solche Jahrestage also unter den Teppich kehren, den Franquismus am besten gleich mit. Sozialdemokraten haben ihre Verbindungen zur Arbeiterbewegung bereits vor Jahrzehnten auf den Müll geworfen.

Der Sturm, den die Politikerin mit ihrer Kritik entfachte, führte dazu, dass sie zurückruderte und sich entschuldigte. Wofür eigentlich? Dummheit ist nicht zu entschuldigen. „Politische Eile und Müdigkeit“ hätten ihr „einen Streich gespielt“ – da haben wir also die Schuldigen! Sie habe sich auch beim Celedon Kerejazu entschuldigt, es sei nicht ihre Absicht gewesen, „das kollektive Gedächtnis an diese Tragödie zu trüben, schon gar nicht am 50. Jahrestag“. Ja was denn nun!

Etxebarrias Äußerungen stehen im Gegensatz zu den Diskursen, die das ganze Jahr über aus allen politischen Richtungen zu hören waren und bei denen die Erinnerung an die fünf von der Polizei erschossenen Arbeiter Vorrang vor jeglicher ideologischen Positionierung hatte. Kerejazu selbst nahm an einem Gedenkakt der Memoria-Gruppe Ditter März teil. Am 3. März dieses Jahres hörte sich die Sozialdemokratin noch etwas anders an. „In einer Welt, in der Intoleranz weltweit an Boden gewinnt“, sei es wichtig, sich daran zu erinnern, „dass unsere demokratischen Rechte nicht vom Himmel gefallen sind, sondern errungen wurden. Ein System der Freiheiten, das hart erkämpft wurde und das sogar diejenigen das Leben gekostet hat, die sich dem Franco-Regime nicht beugten“. Das hat sie mit ihrer Kritik am Celedon relativiert. Ihre damalige Rede endete zudem mit einem Satz, der heute paradox erscheint: „Die Erinnerung gehört niemandem“. Wer hat uns verraten … (naiz-baskultur)

(2026-08-10)

DIE GÄMSEN SIND ZURÜCK

Gämsen erobern die Felsgebiete westlich des Irati zurück und lassen sich in Aezkoa nieder. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren Gämsen nur in Larra-Belagua, im nordöstlichsten und bergigsten Teil von Navarra, anzutreffen. Nach und nach tauchen mehrere Herden dieser Pyrenäen-Gämsen auch häufiger im Westen auf und sind nun bereits in der Lage, im Aezkoa-Tal für Nachkommen zu sorgen. „Hier stehent die Gämsen unter Naturschutz, und wir haben festgestellt, dass sie Jahr für Jahr an Boden gewinnen“, erklärt Förster Jon Huarte. Die Pyrenäen-Gämse ist mittlerweile westlich des Irati-Flusses zu sehen, und ihre Anwesenheit ist kein Einzelfall, sondern dauerhaft. Sie pflanzen sich dort fort. (Ein Gamsbock in der Kakoia-Schlucht. / Nafarroako Basozainak)

Im Jahr 2003 gab es in Navarra nur zweihundert dieser Tiere, die hauptsächlich in Larra nahe der Grenze zum französischen Staat lebten, obwohl sie gelegentlich auch in Ezkaurre an der Grenze zu Aragon gesichtet wurden. Bereits vor zwei Jahrzehnten zeichnete sich jedoch ein deutlicher Anstieg ihres Bestands ab, der sich in den vorangegangenen zehn Jahren praktisch verdoppelt hat. Gämsen sind Hochgebirgstiere, die dichte Wälder weniger schätzen als Hügel, Felsgebiete und steile Hänge, auf denen sie sich mit erstaunlicher Geschicklichkeit fortbewegen. Man sieht sie in Höhen zwischen 1.000 und 3.000 Metern an Bergseen und Gletschertälern der Gebirgskette. Da es keine Wölfe gibt und Bären nur in geringer Zahl vorkommen, haben die Gämsen keine natürlichen Feinde. In Navarra dürfen sie zudem nicht gejagt werden, im Gegensatz zur Nachbar-Provinz Aragon, die aufgrund der Mobilität dieser Art Herden und Einzeltiere mit dem Gebiet von Navarra und Zuberoa teilt.

Huarte erklärt, dass die Gämsen zwar ihre Verbreitung im Norden Navarras ausweiten, aber „weiterhin gefährdet sind, allerdings nicht mehr als bedrohte Art gelten“. „Gäms-Böcke sind Einzelgänger, während sich die Weibchen in Gruppen zusammenfinden und sich gemeinsam mit den Jungtieren des laufenden Jahres und den Segallos bewegen – das sind die im Vorjahr geborenen Jungtiere, die jedoch noch nicht selbstständig sind“, präzisiert der Förster. Im Jahr 2019 wurden die ersten Gämsen im weiter südlich liegenden Aezkoa-Tal (Landkreis Zanzoza) gesichtet, matriarchale Herden, was belegt, dass sich das Tal zu einem Aufzuchtgebiet entwickelt hat. Deshalb wurde dieses Gebiet in die Gämsenzählung 2023 einbezogen.

MEHR WEIDELAND DURCH RÜCKGANG DER VIEHZUCHT

Die in den Pyrenäen heimische Gämsen-Spezies ist etwas größer und schwerer als das Reh, das in Navarra zunehmend an Präsenz gewinnt. Das Höchstgewicht einer Gämse beträgt 50 Kilogramm, während ein Reh bei 30 Kilogramm bleibt. Damhirsche, die in Kintoa-Bezirk ohne großen Erfolg wiederangesiedelt wurden, erreichen bis zu 80 Kilogramm. Im Gegensatz zu diesen oder zu den Hirschen, die bis zu 200 Kilogramm erreichen können, gehören die Sarrio-Gämsen zur Familie der Ziegen und werfen ihre Hörner am Ende des Winters nicht ab. Neben dem Fehlen von Raubtieren führt Huarte die Ausbreitung der Sarrio-Gämsen auch auf den Rückgang der extensiven Viehzucht zurück, da ihnen nun mehr Flächen zur Verfügung stehen, die zuvor von Schafen beweidet wurden.

Die andere große Herausforderung, die diese Ziegenart bewältigen musste, ist das Pestivirus, eine Seuche, die ein Drittel der infizierten Tiere tötet und die Art bis vor kurzem schwer getroffen hat. Hierbei – so argumentieren die Wildhüter – wirkt sich das Fehlen natürlicher Raubtiere nachteilig aus, da diese Ansteckungen verhindern, indem sie schwache und kranke Tiere jagen. Andererseits wurde in Gebieten, in denen gejagt wird, festgestellt, dass das Verhältnis zwischen Männchen und Weibchen durch menschliche Intervention verzerrt ist, weil Männchen als Trophäen bevorzugt werden. Die Gämsen bringen ihre Jungen Mitte Mai und Anfang Juni zur Welt. Jedes Weibchen bringt ein einziges Jungtier zur Welt, die Sterblichkeitsrate ist mit rund 50% hoch – eine Zahl, die zeigt, wie wichtig und schwierig der Fortbestand dieser Art ist. Schätzungen zufolge beträgt der Bestand an Gämsen in den gesamten Pyrenäen mehr als 50.000 Tiere. Es handelt sich um eine für diese Gebirgskette endemische Art. Ihr nächster Verwandter ist das kantabrische Gämse, eine etwas kleinere Unterart, die die höchsten Berge der Provinzen Asturien, León und Palencia besiedelt. (naiz-baskultur)


(2026-08-10)

SPUREN DER FRANCO-SKLAVEN

Auf den Spuren der Arbeits-Sklaven des Franquismus, die vor 85 Jahren die Bunker in den Pyrenäen von Navarra erbauten. Ein Team aus 25 jungen Menschen arbeitet im Rahmen der Initiative „Fronteras de Hormigón“ (Grenzen aus Beton) an der Sanierung mehrerer Bunker im navarrischen Ort Lesaka. Die Befestigung der Pyrenäen nach dem Sieg der faschistischen Putschisten nach dem Krieg von 1936 bis 1939 umfasste den Bau von etwa 10.000 militärischen Schutzräumen, die zunächst von politischen Gefangenen und Arbeits-Sklaven ausgehoben wurden. Die Grenze zum französischen Staat ist übersät mit Bunkern, die letztendlich zu nichts gedient haben, außer viele Geschichten zu erzählen. Von den mehr als 10.000 Bunkern, die es entlang der Pyrenäen gibt, befinden sich etwa 2.000 in Nafarroa. Es ist nicht immer einfach, sie zu finden, die meisten sind in schlechtem Zustand, da die Armee sie in den 80er Jahren aufgab, nachdem sie schließlich von ihrer Nutzlosigkeit überzeugt war. Junge Freiwillige führen seit mehreren Sommern Reinigungs-Kampagnen durch, um sie wiederherzustellen. (Die Freiwilligen erhalten Besuch von der Ministerin für Erinnerung und Zusammenleben, Ana Ollo. / Iñigo Alzugaray | Regierung Navarra)

Bevor zur Hacke gegriffen wird, um das Brombeergestrüpp zurückzuschneiden, das den Eingang versperrt, und das Innere dieser Militärunterstände und Maschinengewehr-Nester aufzuräumen, müssen die verfügbaren Unterlagen studiert werden. Deshalb beginnt die Suche nach den Befestigungsanlagen in den Pyrenäen in Ávila, in Zentralspanien, im Allgemeinen Militärarchiv. „Es ist ein alter Palast, in dem Tausende und Abertausende von Kisten gestapelt sind. Die Bunker sind nummeriert und nach dem Widerstandszentrum sortiert, zu dem sie gehören“, erklärt Nico Zuazua, Archäologe bei Tesela, der das diesjährige Sommer-Arbeitslager leitet. Die wertvollste Geschichte, die diese Bunker bewahren, ist die älteste und bitterste. Die ersten Schutzräume wurden von Zwangsarbeitern ausgehoben.

„Bei den Sklavenarbeitern handelte es sich um Regimefeinde. Man schätzt ihre Zahl auf 10.000 bis 15.000. Deshalb ist es interessant zu erfahren, ob irgendwo in den Bunkern Eigennamen mit Bleistift geschrieben oder in den frischen Zement geritzt sind“, erklärt Zuazua. Die Informationen über die Sklavenbataillone in Ávila sind umfangreich, aber komplex, lückenhaft und ungenau. Man könnte sagen, dass sie mit absichtlicher Nachlässigkeit zusammengestellt wurden, weil diese Menschen niemals für irgendjemanden von Bedeutung sein sollten. Deshalb ist es, obwohl mehr als 10.000 Namen vorliegen, schwierig zu wissen, wo sich jeder Einzelne zu welchem Zeitpunkt befand. Diejenigen, die im Verdacht standen, mit der Republik oder dem baskischen Nationalismus zu sympathisieren, wurden willkürlichen Strafen unterworfen, das Verschwindenlassen der Namen stellte eine zusätzliche Strafe dar. Der Zwangseintritt in die Sklavenbataillone wurde von den Faschisten als eine Art Wehrdienst verstanden, der sich schließlich auf drei bis fünf Jahre ausdehnte. Oder so lange dauerte, bis jemand diese Arbeiter zurückforderte. Während dieser Zeit wurden sie so weit wie möglich von den Waffen ferngehalten und nicht in deren Gebrauch unterwiesen. In der Praxis handelte es sich um Zwangsarbeit.

„ES LEBE DIE ARBEITERKLASSE“

Es ist schwierig zu überprüfen, ob eine Unterschrift von einem Zwangsarbeiter stammt und nicht von einem Wachmann – der einer geringeren Strafe ausgesetzt war. Manchmal ist das Auffinden mit Glück verbunden. In einer Festung in Navarra fiel ein durch Feuchtigkeit und Alter aufgeweichter Betonblock herunter und legte drei Namen sowie die Inschrift „Es lebe die Arbeiterklasse“ frei. Die Sommer-Arbeitslager von „Fronteras de Hormigón“ starteten 2017. Derzeit säubern 25 junge Freiwillige Bunker und suchen auf dem Berg Agiña in Lesaka nach Namen. Es handelt sich um drei Maschinengewehr-Nester und eine größere, komplexere Anlage für eine Panzerabwehr-Kanone, die über Tunnel und einen Raum zum Übernachten verfügt. „Es ist ein sehr düsterer, aber faszinierender Ort“, bemerkt Zuazua über diesen dritten Bunker. Die Befestigungsanlagen von Lesaka wurden ausgewählt, weil dort ein vom Instituto de la Memoria initiierter Wanderweg vorbeiführt. In wenigen Tagen wird das Team nach Baztan weiterziehen. Dort, in der Nähe von Erratzu, gibt es ebenfalls durch Tunnel verbundene Bunker.

Bibiana, Alejandra, Iván und Alba sind aus Madrid, Sevilla, León und Cádiz angereist, um hier mitzuarbeiten. Diese vier Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 17 Jahren hat das Angebot aufgrund ihres Interesses an Geschichte und der Möglichkeit gereizt, Menschen „mit denselben Werten und Ansichten“ kennenzulernen, so Bibiana. Alejandra fügt hinzu, dass sie das Gefühl haben, „etwas Sinnvolles zu tun“. Auf die Frage, ob sie aus republikanischen Familien stammen – falls dies der ausschlaggebende Grund für die Wahl dieses Freiwilligen-Einsatzes gewesen sein sollte –, antworten sie, dass sie es nicht wissen. Der Krieg fand zur Zeit ihrer Urgroßeltern statt. Sie sind sich einig, dass zu Hause nicht über den Krieg gesprochen wird und dass sie hier viel lernen. (naiz-baskultur)

(2026-08-09)

THIS IS NOT SPAIN

Die baskische gesellschaftliche Realität ist beständig, ihre demokratischen Bestrebungen erfordern, dass man diesen Anforderungen gerecht wird. Die Ituna-Umfrage 2026 zum Wirtschaftsabkommen und zur Selbstverwaltung in der Autonomen Gemeinschaft Baskenland liefert interessante Daten. 94,2% der Bürger in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa sprechen sich für die Beibehaltung oder den Ausbau der Selbstverwaltung aus. Während die wichtigsten Parteien kontrovers darüber debattieren, wie ein neuer politischer Status für die baskischen Gebiete vereinbart und umgesetzt werden kann, halten zwei von drei Personen (66,3%) die Verabschiedung eines neuen Statuts für vorrangig. Die Studie hebt hervor, dass in der baskischen Gesellschaft ein direkter Zusammenhang zwischen einem höheren Maß an Souveränität und dem kollektiven Wohlstand besteht. Die baskische Bevölkerung ist der Ansicht, dass die Entscheidungs-Hoheit über Ressourcen, Sozialpolitik und öffentliche Dienstleistungen das wirksamste Instrument zum Schutz von Lebensqualität, Gleichberechtigung und Entwicklung ist.

„Die Dinge, die die Menschen interessieren“, um es mit den Worten einiger rechter spanischer Politiker zu sagen, sind genau das: 64,4% der Befragten fordern die Übertragung der Verwaltung der Sozialversicherungs-Beiträge und -Leistungen. Dabei handelt es sich um eine der Kompetenzen, deren Übertragung der Staat nach 47 Jahren der Nichteinhaltung des Statuts von Gernika weiterhin ablehnt. Ein nicht eingehaltener Vertrag. Diese Befugnisse würden dazu dienen, eine Verteilungsgerechtigkeit zu entwickeln, aber darüber hinaus ist die Mehrheit der Basken und Baskinnen der Ansicht, dass unterzeichnete Vereinbarungen auch eingehalten werden müssen. Die Studie ergibt ein klares Mandat: Die baskischen und demokratischen Kräfte müssen Weitsicht beweisen, um ein neues politisches Statut zu vereinbaren, das die baskische Nation anerkennt, dem Land Struktur verleiht und dem demokratischen Wunsch der Bürger sowie den Herausforderungen der Zukunft gerecht wird.

BASKISCH-SPANISCHE KONTROVERSEN

Den Kontext bildet eine zunehmende Divergenz zwischen der baskischen und der spanischen Realität. Während im gesamten Staat die politischen Dynamiken von reaktionären Diskursen, autoritären Tendenzen und Kräften bestimmt werden, die sich gegen eine legitime Regierung und ein legitimes Parlament verbündet haben, vertritt die baskische Gesellschaft fortschrittliche Positionen in Bezug auf Gerechtigkeit und Demokratie. Es handelt sich nicht nur um eine Kluft bei den Wahlergebnissen, sondern um die Feststellung, dass die sozialen Prioritäten und die demokratische Kultur auf immer weiter auseinanderlaufenden Gleisen voranschreiten. Es ist beachtlich, dass Positionen, die im spanischen Staat relevant sind, im Baskenland kaum 5% Zuspruch erreichen.

Aufschlussreich ist die Reaktion der Bürger auf hypothetische Szenarien von staatlichen Einmischungen. Die Studie geht der Frage nach, was passieren würde, wenn der Staat das bestehende Wirtschaftsabkommen einseitig aufheben würde. Die Antwort ist eindeutig: Die Zustimmung zur Unabhängigkeit als erste Option würde sich verdoppeln, von 20,5% auf 51,1%. Ein autoritärer Kurs würde eine demokratische Selbstverteidigung auslösen. Diejenigen, die diese Hypothese als trügerisch abtun und das damit verbundene Risiko herunterspielen, sollten daran erinnert werden, dass die frühere PP-Regierung Artikel 155 angewandt hat, um die katalanische Selbstverwaltung zu beschneiden. Das ist noch keine zehn Jahre her. Wenn man dazu noch die offen autoritäre Agenda von Vox hinzunimmt, könnte das, was wie eine Umfrage-Halluzination erscheint, Realität werden. Der Lehendakari Imanol Pradales hat bereits im Parlament davor gewarnt und darauf hingewiesen, dass „dunkle Zeiten“ bevorstehen.

Andererseits darf im Baskenland nicht vergessen werden, welche Kosten an Freiheiten, Rechten und menschlichem Leid frühere Regierungen verursacht haben. Diese Erinnerung wirkt nach, und der „tiefe Staat“ bezieht sie in seine Kalkulationen mit ein. Das Regime von 1978 hat ausgedient, doch man versucht, es rückwärtsgewandt und autoritär neu zu erfinden. Die Souveränitäts-Bewegung im Baskenland ist solide, realistisch und demokratisch; sie entspricht den Bedürfnissen der Menschen. Sollte die Antwort des Staates erneut Ablehnung oder Bestrafung sein, werden die baskischen Bürger in der Unabhängigkeit die gerechteste Option sehen. Wird ein demokratisches und pluri-nationales Mandat formuliert, wird die Souveränität der wirksamste Weg sein, um Fortschritte zu erzielen. In beiden Fällen – auch wenn die Umfrage dies nicht erwähnt – werden Mut, Intelligenz und Gelassenheit erforderlich sein. (naiz-baskultur)

(2026-08-09)

ENDE DER STIERKÄMPFE

In Donostia wird ein Ende der Stierkämpfe gefordert: „Vielleicht begreifen sie es ja endlich: Tiere haben Gefühle“. Gestern Nachmittag zog eine Demonstration durch die Straßen der Innenstadt, um ein Ende der Stierkämpfe während der Aste Nagusia zu fordern. Rund 300 Menschen haben sich am ersten Tag der Aste Nagusia (Fiesta-Woche) der Demonstration gegen die Durchführung der drei für diese Tage geplanten Stierkämpfe angeschlossen und gefordert, dass der Stierkampf nicht länger Teil des Festprogramms von Donostia sein soll. Die von der Plattform „Gipuzkoa Antitaurina“ organisierte Demonstration startete um 18:00 Uhr am Boulevard und führte durch mehrere Straßen der Innenstadt, angeführt von einem Transparent mit der Aufschrift „Zezenketarik ez. Tauromaquia no“ (Keine Stierkämpfe) sowie einer Puppe, die einen Stierkämpfer mit dem Gesicht des Bürgermeisters von Donostia, Jon Insausti, darstellte. (Foto: Figur eines Stierkämpfers mit dem Kopf des Bürgermeisters Jon Insausti führte die Demonstration gegen Stierkämpfe an. / Jon URBE | FOKU)

Wie könnt ihr Spaß daran haben, ein Tier leiden zu sehen? Folter ist keine Kultur, Zezenketarik ez. Vielleicht versteht ihr es ja endlich: Tiere haben Gefühle. Weniger Stierkämpfer, mehr Feuerwehrleute. Ohne Subventionen seid ihr nichts. Stierkämpfer, Stierkampfbefürworter, ihr habt nur noch vier Gläser Wein – das waren einige der Slogans, die entlang der Strecke skandiert wurden. Unter den Teilnehmern befanden sich mehrere Stadträte von EH Bildu sowie Mitglieder von Umweltverbänden und der Tierschutzpartei PACMA. Die Sprecher*innen der Anti-Stierkampf-Plattform verlasen eine Erklärung, in der sie kritisierten, dass die Stadtregierung aus PNV und PSE „erneut die Wünsche der Einwohner von San Sebastián zugunsten der wirtschaftlichen Interessen einiger weniger unter den Teppich kehrt“. „Stierkämpfe passen nicht in eine Stadt, die danach strebt, in Sachen ‚Respekt, Nachhaltigkeit und Empathie‘ an der Spitze zu stehen“, betonten sie.

Zudem forderten sie „Konsequenz“ von den politischen Parteien, die in bestimmten Gemeinden Bürgerbeteiligung und Nachbarschafts-Befragungen verteidigen, während sie in anderen wie Azpeitia, Deba, Mutriku, Tolosa, Hernani, Pasaia und Eibar Stierkämpfe unterstützen oder fördern. Die Anti-Stierkampf-Plattform bekräftigte ihre Ablehnung der neuen baskischen Regelung, die (von PNV und PSE vorangetrieben) und die Teilnahme von Minderjährigen unter 16 Jahren an Stierkämpfen erlaubt, was ihrer Ansicht nach im Widerspruch zu den Empfehlungen des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes steht. Das Gesetz, gegen das die Plattform und andere Gruppen 41.000 Unterschriften eingereicht hatten, um dessen Rücknahme zu fordern, „wurde schließlich verabschiedet, wodurch Tausende von Euro an die Stierkampf-Lobby der Region flossen“. (naiz-baskultur)

(2026-08-09)

DOPPELTER SONNENUNTERGANG

Alle reden von der Sonnenfinsternis am kommenden Mittwoch. Solche Naturereignisse gibt es häufig, doch zu sehen sind sie jeweils nur in begrenzten kleinen Zonen. Am Mittwoch ist das südliche Baskenland an der Reihe. Nicht nur, aber auch. Zum ersten Mal seit 114 Jahren, in 156 Jahren die nächste. Also einmal im Leben. Grund genug für Aufregung, massive Hotel-Belegungen, erwartet werden finanzstrake Neugierige aus aller Welt, die Geburt des SF-Tourismus. Einige machen ein gutes Geschäft mit Schutzbrillen, invasions-gefährdete Orte wie die Thrones-Insel Gaztelugatxe werden vorsichtshalber geschlossen. Am Mittwoch verschwindet also um 20:30 kurz die Sonne, um eine Minute später wieder zu erscheinen und wie gewohnt eine Stunde später definitiv die Tageserhitzung aufzugeben. Im baskischen Fernsehen werden die unmöglichsten Geschichten aus dem Archiv gekramt, das Thema beginnt zu langweilen.

Die Rede ist zum Beispiel vom kleinsten Dorf in Bizkaia, von dem aus die Sonnenfinsternis in der Provinz am besten zu sehen sein wird. Denn Lanestosa, ganz weit im Süden, ist eine der drei Gemeinden der Region, in denen das Phänomen in seiner totalen Phase länger als eine Minute zu beobachten sein wird. Mit einem Unterschied von nur einer Sekunde wird Lanestosa am kommenden Mittwoch das Dorf in Bizkaia sein, in dem die Sonnenfinsternis am besten zu sehen ist. Sollte es nicht bewölkt sein. Das Gebiet liegt innerhalb der Totalitätszone, wo der Mond die Sonne vollständig verdecken wird. In dieser Ortschaft im östlichen Teil der Provinz, nur einen Steinwurf von der Grenze zu Kantabrien entfernt, wird das astronomische Phänomen des Jahrhunderts eine Minute und 5 Sekunden lang zu beobachten sein. Tatsächlich ist es eine der drei Gemeinden in Bizkaia, in denen die Sonnenfinsternis länger als eine Minute zu sehen sein wird: Orduña (eine Minute und 4 Sekunden) und Karrantza (eine Minute und 3 Sekunden).

Es handelt sich um ein bezauberndes Dorf mit einer Besonderheit: flächenmäßig ist es die kleinste Gemeinde in Bizkaia. Sie umfasst lediglich 1,2 Quadratkilometer. Laut der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2025 zählt sie insgesamt 244 Einwohner*innen. Die wenigen Lanestosatarras bewohnen Häuser mit blumenreichen Balkonen, die in einem engen, von Bergen umgebenen Tal liegen, das vom Fluss Calera in zwei Teile geteilt wird. Trotz seines unscheinbaren Erscheinungsbildes und der Tatsache, dass es das am weitesten von Bilbao entfernte Dorf ist, war Lanestosa eine der ersten Städte in Bizkaia: es erhielt 1287 den Status als Stadt, 13 Jahre vor Bilbao, weil es an einem wichtigen Handelsweg lag, den die kastilische Krone zu schützen gedachte. Die engen, geradlinig angelegten Gassen aus Stein bewahren noch den „Charme vergangener Zeiten“, wie es in der Übertreibungs-Presse beschrieben wird. Dazu die Paläste, die im 17. und 18. Jahrhundert von Indianos gebaut wurden, zurückgekehrte baskische Auswanderer, die ihren „en las Indias“ erzielten Reichtum (auf Kosten der amerikanischen Ureinwohner*innen) im Protzer-Stil demonstrieren wollten. Der Weg, der Kastilien mit der kantabrischen Küste verband und den Ursprung dieses Grenz- und Zollortes bildete, ist heute die N-629, die das Dorf teilt. Viele SF-Touristen kann Lanestosa nicht aufnehmen, die invasiven Campingcars werden sich um die Stellplätze prügeln wie die Argentinier nach dem WM-Finale. (baskultur)

(2026-08-08)

VERFOLGUNG VON ETA

Die Untergrund-Organisation ETA ist längst Vergangenheit, doch die spanische Justiz ist aktiv wie immer. Dabei ist sie – selbstverständlich – nicht auf der Suche nach dem verschwundenen Aktivisten aus dem Umfeld des baskischen Widerstands, vielmehr ist sie den angeblich politisch Verantwortlichen auf der Spur. Zuletzt fordert die Staatsanwaltschaft 30 Jahre Haft für fünf ehemalige ETA-Führer wegen der mutmaßlichen Anordnung der Ermordung des PP-Politikers Gregorio Ordóñez in Donostia. Dies ist ein neuer Typ von Vorwurf, bisher ging es bei der Verfolgung immer um die direkte Beteiligung an Attentaten. Die Staatsanwaltschaft behauptet, die Führungsspitze habe den PP-Politiker als erstes Ziel ihrer Strategie der „Sozialisierung des Leidens“ ausgewählt. Deshalb sollen die Ausgewählten jeweils zu 30 Jahren Haft verurteilt werden, indem sie ihnen die „kollegiale und einvernehmliche“ Entscheidung zur Ermordung von Ordóñez zuschreibt. Der damals erste stellvertretende Bürgermeister von Donosti wurde im Januar 1995 beim Mittagessen im Restaurant in der Altstadt durch einen Kopfschuss getötet. Staatsanwältin Nicolás wirft den fünf vorsätzlichen Mord vor, da sie dem Führungsgremium von ETA angehörten, das Ordóñez als Ziel ausgewählt haben soll. Die Anklage beruht auf einer auf Antrag der Familie Ordóñez wieder aufgenommene Untersuchung, um die Verantwortung derjenigen zu klären, denen die Leitung von ETA zugeschrieben wird – drei Jahrzehnte nach der Verurteilung der angeblich materiellen Täter. (Foto: einer der Angeklagten)

Die Staatsanwaltschaft datiert die ETA-Entscheidung auf Dezember 1994. Ihrer Darstellung zufolge wählte die Führungsspitze Ordóñez als „erstes Ziel“ der Strategie aus, die nach der Verhaftung der ETA-Führung in Bidart, Frankreich, im März 1992 entwickelt worden war. ETA beabsichtigte, fortan nicht mehr nur Polizisten, Angehörige der Guardia Civil und Militärangehörige anzugreifen, sondern auch Politiker, Richter, Journalisten und Lehrer zu treffen. Diese Vorgehensweise erhielt den Namen „Sozialisierung des Leidens“. Ihr Ziel war es, „die politische Stabilität zu untergraben, das normale Funktionieren der politischen Institutionen zu stören und eine allgemeine Einschüchterungswirkung zu erzielen“, heißt es in der Schrift. Die ETA wollte mit dieser Bedrohung diejenigen treffen, die sich öffentlich gegen ETA stellten. ETA vertraute darauf, dass Politiker ihre Haltung ändern würden, wenn sie an der Beerdigung eines Parteikollegen teilnähmen.

Die Auswahl der Opfer änderte sich. Bis dahin hatten die Kommandos Spielraum bei der Festlegung der Ziele gehabt. Von diesem Zeitpunkt an behielt sich die Führung die Auswahl von Personen von „besonderer Bedeutung“ vor und übermittelte ihre Entscheidungen angeblich an die bewaffneten Gruppen. Ordóñez war der erste. Er genoss „unbestrittene Beliebtheit“ (Presse), hatte die PP in San Sebastián in einer Koalition mit den spanischen Sozialdemokraten zu einer aufstrebenden Kraft gemacht und galt als „Favorit“ für die Kommunalwahlen. Seine Laufbahn war geprägt von einer frontalen und öffentlichen Opposition gegen die ETA. Die Staatsanwaltschaft macht geltend, dass die fünf Angeklagten an der Opfer-Auswahl beteiligt waren. Zweien wird zugeschrieben, sie hätten die ETA nach Bidart neu organisiert und die andern drei in die erneuerte Führung aufgenommen. In der Anklageschrift wird eine „starre, in Verantwortungsbereiche unterteilte, hierarchische“ Organisation beschrieben, deren Führungsspitze eine „absolute und dauerhafte Kontrolle“ ausübte.

Die Anklage führt ihre jeweiligen Positionen innerhalb dieser Struktur im Einzelnen auf. Ein Verantwortlicher für den logistischen Apparat, die Versorgung der Kommandos, Waffen- und Sprengstoffdepots, gefälschte Dokumente. Verwaltung der Gelder und Ressourcen zur Unterstützung der Kommandos erforderlich waren. Der Leiter des militärischen Apparats soll bei der Ausführung des Befehls die entscheidende Rolle gespielt haben. Die Zuweisung der Ziele, Überwachung der Kommandoeinheiten und die Bereitstellung der für die Anschläge erforderlichen Mittel soll ein anderer Bereich gewesen sein. Drei ETA-Aktivist*innen wurden wegen des Mordes verurteilt. Einer verfolgte die Bewegungen von Ordóñez, die beiden anderen führten die Aktion durch. ETA bekannte sich in der Tageszeitung EGIN zu der Tat. Für die Staatsanwaltschaft untermauert dieses damalige öffentliche Bekenntnis, dass die Entscheidung von der Führung ausgegangen sei, die die PP als „größten Vertreter der spanischen Unterdrückung“ bezeichnete. Vier der fünf Angeklagten haben ihre für Mitgliedschaft bei ETA auferlegten Strafen abgesessen und sind in Freiheit. Die Staatsanwaltschaft fordert zudem die vollständige Aberkennung der bürgerlichen Rechte der Angeklagten sowie ein fünfjähriges Verbot, nach Donostia zurückzukehren. Sie beantragt zudem eine gemeinsame Entschädigung in Höhe von 200.000 Euro an die Angehörigen. Letztere sollen im Verfahren als zeugen aussagen. (baskultur)

(2026-08-08)

AUTONOM UND UNABHÄNGIG

Die Unterstützung für die baskische Autonomie (Selbstverwaltung) wird in der am Donnerstag veröffentlichten Ituna-Umfrage 2026 deutlich und lässt sich in zwei Zahlen zusammenfassen: 94% der Bevölkerung in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa möchten die Selbstverwaltung beibehalten oder ausweiten, und 66,3% halten ein neues Statut für vorrangig. Die Studie „Einstellungen und Bewertungen der Bürger der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes zum Wirtschaftsabkommen und zur Selbstverwaltung: Ergebnisse der Ituna-Umfrage“, die für das Ituna-Zentrum für Dokumentation und Forschung zum Wirtschaftsabkommen und zu den regionalen Finanzen (EHU) in Zusammenarbeit mit der baskischen Regierung erstellt wurde, bestätigt die große Unterstützung für die Autonomie und die Forderung nach einem neuen Statut.

Die Ergebnisse zeigen eine überwältigende Mehrheit für die Beibehaltung oder Ausweitung der derzeitigen Selbstverwaltung: 94,2% sprechen sich dafür aus. Etwa gleich viele befürworten eine Ausweitung oder sind mit dem Status quo zufrieden: je 34,9%. Weitere 20,5% sprechen sich direkt für die Unabhängigkeit aus. Anders ausgedrückt: Nur einer von 20 Befragten (4,6%) ist für eine Einschränkung der Selbstverwaltung (spanische Rechte und Ultrarechte). Unabhängig von den bereits bestehenden Kompetenzen und denjenigen, die 47 Jahre nach dem Statut von Gernika noch nicht von Madrid übertragen wurden, sind zwei von drei Personen der Ansicht, dass die Ausarbeitung und Verabschiedung eines neuen Statuts für die baskischen Institutionen Priorität haben sollte. Konkret halten 66,3% dies für ziemlich vorrangig, gegenüber 30,1%, die es nicht als so dringlich ansehen.

„Hinter dieser Forderung steht ein Gedanke, der sich durch die gesamte Umfrage zieht“, heißt es in der Zusammenfassung der Umfrage. „Die baskische Gesellschaft setzt Selbstverwaltung mit kollektivem Wohlstand gleich. 53,9% der Befragten nennen dies als Hauptgrund für die Befürwortung des Wirtschaftsabkommens (Rückführung der im Baskenland erwirtschafteten Steuern). 47,6% sagen dasselbe über die Selbstverwaltung insgesamt; in beiden Fällen liegt dieses Argument weit vor allen anderen.“ Sollte der Staat das Wirtschaftsabkommen aufheben, würde die Zustimmung zur Unabhängigkeit laut Umfrage von 25% auf 51% steigen. Bei näherer Betrachtung dieses Aspekts messen neun von zehn Befragten (89,1%) dem Wirtschaftsabkommen große oder ziemlich große Bedeutung für die Entscheidungsfähigkeit bei, und 82,2% befürworten dessen Fortbestand. „Diese Zustimmung übertrifft deutlich die Unterstützung für andere Vorschriften des baskischen institutionellen Systems, wie das Statut von Gernika (60,0%) oder das Gesetz über die historischen Territorien (63,8%).“

WIRTSCHAFTSABKOMMEN UND SOZIALVERSICHERUNG

Die Umfrage hat zudem die Frage aufgeworfen, was passieren würde, wenn der Staat das Wirtschaftsabkommen einseitig aufheben würde – eine Frage, die vor dem Hintergrund des Aufstiegs der Rechten und der extremen Rechten im spanischen Staat gestellt wurde. In diesem Fall würden die Befragten ihre Unterstützung für die Unabhängigkeit auf 51,1% erhöhen, mehr als doppelt so viel wie die 20,5%, die sie heute als bevorzugte Option wählen. Die Studie richtet den Fokus zudem auf eine konkrete, noch ausstehende Übertragung, nämlich die Übertragung des Systems der Sozialversicherung, die im Statut von Gernika vorgesehen ist und 47 Jahre nach dessen Verabschiedung noch immer nicht vollzogen ist. Auf diese Frage angesprochen, sprechen sich 64,4% der Bevölkerung für eine dezentrale Verwaltung ihrer Beiträge und Leistungen aus, während nur 13,9% dagegen sind. Die Umfrage wurde zwischen dem 26. Januar und dem 23. Februar 2026 mittels 1.200 telefonischer Interviews mit Personen über 18 Jahren durchgeführt, die in der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes (CAV) wohnen. Die Stichprobe wurde nach historischen Regionen, Geschlecht, Alter und Bildungsniveau geschichtet; die maximale Fehlermarge beträgt ±2,8% bei einem Vertrauens-Niveau von 95%. (naiz-baskultur)

(2026-08-07)

STREIK KULTUR-TECHNIKERINNEN

Die Künstler*innen nehmen unterschiedliche Positionen zum Streik der Techniker in Gasteiz ein. Der Streik der Veranstaltungs-Techniker prägte den Höhepunkt der Feste von Gasteiz. Sängerin Leire Martínez hielt ihr Konzert mit ihrem eigenen Team ab, doch der Streik zwang zur Absage anderer Veranstaltungen. Die „Txosnas“ (linke Fiesta-Stände) stellten ihre Aktivitäten aus Solidarität ein, ebenso die Gruppe „La Txama“. Das Konzert von Leire Martínez in Gasteiz, das Highlight des großen Festtages, fand hingegen trotz des Streiks der Technik- und Veranstaltungs-Mitarbeiter wie geplant auf der Plaza de los Fueros statt, während andere Veranstaltungen des Festprogramms am 5. August aufgrund des Streiks abgesagt wurden. (Eine der Darbietungen während der Feste in Gasteiz. / Iñaki Berasaluce | EUROPA PRESS)

Der Streik, der im Rahmen der Verhandlungen über den ersten Tarifvertrag der Autonomen Gemeinschaft des Baskenlandes (CAV) für eine Branche stattfand, in der 300 Menschen beschäftigt sind, hielt den ganzen Mittwoch über Tausende Einwohner in Atem, die nicht wussten, ob das Festprogramm vollständig stattfinden würde. Im Laufe des Tages hatten die Gewerkschaften, die zum Streik aufgerufen hatten, an verschiedenen Stellen des Festgeländes, darunter auch auf der Plaza de los Fueros, Streikposten aufgestellt. Das Konzert der Sängerin aus Gipuzkoa fand trotz des Streiks statt, da sie über ein eigenes technisches Team verfügte und der Aufbau laut der Gewerkschaft Teknikariok von einem Unternehmen „mit selbstständigen Mitarbeitern“ durchgeführt wurde.

STREIKS AUCH IN DONOSTIA UND BILBAO

Der Streik der Techniker*innen führte jedoch zur Absage der Aufführung des Stücks „La pasión infinita“ im Teatro Félix Petite. Auch auf dem Gelände der „Txosnas“ fanden keine musikalischen Darbietungen statt, da diese bereits vor einigen Tagen beschlossen hatten, diese aus Solidarität mit den Streikenden auszusetzen. Ebenso entschied sich die Gruppe La Txama, die auf der Plaza de Matxete auftreten sollte, gegen einen Auftritt, um ihre Unterstützung für die Streikenden zu bekunden. An derselben Stelle sangen die Bertsolaris Iñaki Viñaspre und Maddalen Arzallus ohne Mikrofon und brachten von der Bühne aus mehrere Reime vor, in denen sie ihre Unterstützung zum Ausdruck brachten. Die Veranstaltungs-Techniker*innen sind am 14. und 26. August erneut zum Streik aufgerufen, was mit den Fiestas in Donostia und Bilbo zusammenfällt, obwohl ihr Streik auch viele andere Veranstaltungen beeinträchtigen wird, die an diesen Tagen in beiden Regionen geplant sind. Mit dem Streik soll der Arbeitgeberverband EUKI dazu bewegt werden, Verhandlungen über einen Tarifvertrag mit „würdigen“ Bedingungen aufzunehmen, um der „Befristung, endlosen Arbeitszeiten ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen, ohne Feiertags- und Nachtzuschläge, ohne die Möglichkeit zur Vereinbarkeit mit dem Privatleben und der ständigen Verfügbarkeit für die Unternehmen“ ein Ende zu setzen. (naiz-baskultur)

(2026-08-07)

VIER TOTE BEI AUTOBOMBE

Bolueta ist ein Industrie- und Arbeiter-Stadtteil am Rande von Bilbao. Vor 26 Jahren, am 7. August 2000, kamen auf der dortigen Durchfahrtstraße vier ETA-Mitglieder ums Leben, als die Bombe explodierte, die sie in ihrem Fahrzeug mit sich führten. Es handelte sich um Patxi Rementeria, Ekain Ruiz, Zigor Aranbarri und Urko Gerrikagoitia, die letzten drei waren jünger als 23 Jahre. Die Bombe zerriss die vier Körper und das Fahrzeug. Es war der größte Verlust, den die ETA jemals erlitten hat. Am 12. August 2000 wurden sie von der baskischen Linken mit Gedenk-Veranstaltungen geehrt. An diesem Tag kam es im Baskenland zu zahlreichen Straßenkämpfen und Sabotageakten. Seither achtet die baskische Polizei streng darauf, dass nicht eine einzige Blume am bekannten Todesort deponiert wird. (argia-baskultur)

(2026-08-06)

GESUNDHEITS-MASSENTOURISMUS

Massentourismus sind nicht nur Dutzende von Reisebussen, Menschenschlangen vor Museen, Kreuzfahrschiffe, überlaufene Altstädte, Kultur- oder Sport-Events mit Besuchszahlen von 100.000 oder mehr und verstopfte Autobahnen. Daneben gibt es den Kongress-Massentourismus. Bilbao zum Beispiel soll im Herbst 3.000 Experten empfangen für den weltweit wichtigsten Kongress für öffentliche Gesundheit. Sie werden sich im November in der Stadt einfinden und Themen wie die Ausbreitung von Krankheiten durch den Klimawandel erörtern. Das setzt die Unterbringung von ebenso vielen (mit Presse mehr) Personen in Hotels, Pensionen und Tourismus-Wohnungen voraus. Was einen der bekannten Belegungs-Rekorde bringen wird. Kongress-Touristen geben gewöhnlich mehr Geld aus als „normale“ Touris, weil sie die Spesen von ihren Dienststellen oder Behörden bezahlt bekommen, auch die Prostitutionsmeile wird ihren Anteil abbekommen.

Einen solchen Kongress zugeteilt zu bekommen, setzt voraus, dass der entsprechende Ort die nötige Infrastruktur in seinem Curriculum aufweisen kann. Aus diesem Grund werden in der Stadt seit Jahren neue Hotels eröffnet, im laufenden Jahr sind zwei Luxus-Hotels in Planung und Umbau begriffen. Mit jedem Hotel, jeder Pension, jeder T-Wohnung steigt die Stadt auf der internationalen Leiter eine Stufe auf, nur so können Welt-Ereignisse wie eine Fußball-WM, ein MTV-Award, ein Championsleague-Finale oder drei Start-Etappen der Tour de France an Land gezogen werden. Gut für die Stadt, äußerst schlecht für die Bewohnerinnen, die nicht daran verdienen und durch die Tourismus-Infrastruktur immer mehr aus ihren Vierteln verdrängt werden. So wird aus eine Erfolgsmeldung ein Damoklesschwert:

Bilbao wird in diesem Herbst zur „Welthauptstadt“ der öffentlichen Gesundheit. Mehr als 3.000 Experten werden sich vom 10. bis 13. November im Palacio Euskalduna versammeln, um die neuesten Fortschritte und Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet zu erörtern. Zu den Themen, die behandelt werden, gehören die Herausforderungen, die die zunehmende Ausbreitung von Infektionskrankheiten und anderen Erkrankungen für die heutige Gesellschaft mit sich bringt. Dies steht in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel, da infolge des globalen Temperaturanstiegs Keime, die eigentlich in südlicheren Regionen beheimatet sind, nun auch in nördliche Breitengrade vordringen.

MAMMUT-KONGRESS

Zu dieser verstärkten Verbreitung von Mikroorganismen trägt auch die durch die Globalisierung bedingte zunehmende Mobilität der Menschen bei, da sie die weltweite Ausbreitung von Viren und Bakterien erleichtert. Weitere Themen, mit denen sich der Kongress befassen wird, sind die Chancengleichheit in der Gesundheitsversorgung sowie Innovation und internationale Zusammenarbeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Die Veranstaltung in Bilbao trägt den Namen „European Public Health Conference“ (EPH-Konferenz) und gilt derzeit weltweit als der wichtigste Kongress im Bereich der öffentlichen Gesundheit. In diesem Jahr findet die EPH zum neunzehnten Mal statt. Anwesend sein werden Experten, Forscher, Fachkräfte des Gesundheitswesens und politische Entscheidungsträger aus Dutzenden von Ländern. Die Veranstaltung wird das Baskenland während dieser Tage zu einem der wichtigsten internationalen Zentren für die Debatte über die Zukunft der öffentlichen Gesundheit machen. An der Organisation sind das Gesundheits-Ministerium sowie verschiedene europäische wissenschaftliche und berufliche Vereinigungen beteiligt. Um einen Eindruck von der fachlichen Bedeutung dieser Veranstaltung zu vermitteln: Drei Monate vor Beginn des Kongresses sind bereits mehr als 3.000 wissenschaftliche Beiträge aus 146 verschiedenen Ländern eingegangen, hinzu kommen 450 Vorschläge für Workshops und Podiumsdiskussionen – dreimal so viele, wie im Programm vorgesehen sind.

FALSCHE SELBST-DARSTELLUNG

Auf lokaler Ebene wird die Veranstaltung der baskischen Regierung dazu dienen, das Gesundheitsmodell des Baskenlandes in den Bereichen öffentliche Gesundheit, biomedizinische und epidemiologische Forschung, digitale Transformation, integrierte Versorgung, organisatorische Innovation und Bewertung der Gesundheitspolitik international bekannt zu machen. Diese Selbstbeweihräucherung ist äußerst widersprüchlich. Denn seit Jahren versucht die neoliberale baskische Regierung, immer mehr öffentliche Dienstleistungen zu privatisieren. Nur dem starken Widerstand der im baskischen Gesundheitsdienst Osakidetza Beschäftigten und den kämpferischen Gewerkschaften ist es zu verdanken, dass diese Versuche bislang weitgehend gestoppt wurden. Was stolz vorgestellt werden soll, ist absolut kein Grund zum Angeben. Für notwendige Operationen gibt es Wartezeiten von einem halben Jahr, Zentren in kleinen Orten werden geschlossen, sodass abgelegene Bevölkerungen unversorgt bleiben. Für Erholungs-Therapien nach Unfällen oder Operationen gibt es Wartezeiten von einem Jahr oder mehr, was die Betroffenen zur Suche nach privaten Angeboten zwingt. Kein Grund zum Stolz also.

Neben der Teilnahme von Dutzenden von Experten wird während der vier Tage des Kongresses auch die Anwesenheit von Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Gesundheitsverantwortlichen der Europäischen Union erwartet. Die baskische Regierung ist zuversichtlich, dass all dies dazu beitragen wird, „die internationale Ausstrahlung des Baskenlandes zu stärken und neue Möglichkeiten für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit zu schaffen“. (baskultur)

(2026-08-06)

EXHUMIERUNGEN IN FRANCOS MAUSOLEUM

Bereits 12 Jahre nach Ende des Spanienkrieges ließ der spanische Diktator und Massenmörder Franco 1951 mit dem Bau eines riesigen Mausoleums in der Provinz Madrid beginnen. Der faschistische Name war Valle de los Caidos, Tal der Gefallenen, der in den allgemeinen Alltagswortschatz überging. In diesem Mausoleum mit Kirche und weithin sichtbarem Kreuz wurden die Leichen jener Gefallenen deponiert, die auf der Seite der Putschisten von 1936 gekämpft hatten und die „für das national-katholische Spanien“ gefallen waren. Das Problem: die Leichen reichten nicht aus, um die Katakomben zu füllen. Deshalb machten sich die Faschisten auf die Suche nach weiteren Leichen, die holten sie unter anderem in baskischen Friedhöfen und Gräbern. So kam es, dass Täter und Opfer gemeinsam an einem Ort begraben wurden. Unerträglich für die republikanischen Familien, denen der krieg aufgezwungen worden war. Doch 400 Jahre bleiernes Schweigen ließen keinen Protest zu. Denn Francos Mausoleum war für die Ewigkeit angelegt.

Diese Ewigkeit dauerte bis 2019, als der neu gewählte Ministerpräsident Pedro Sanchez zu seinem Amtsantritt bekannt gab, die Franquisten-Leichen zu exhumieren und dem Tal der Gefallenen seinen ursprünglichen Namen zurückzugeben: Cuelgamuros. Die weiterhin große Franquisten- und Faschisten-Gemeinde des spanischen Staates heulte jämmerlich auf, weil sie ihren Wallfahrtsort verlor. Die Faschisten-priester, die regelmäßig Verherrlichungs-Messen für den Massenmörder gelesen hatten, wurden versetzt. Baskische Familien begannen mit juristischen Klagen, um ihre Angehörigen aus den faschistischen Klauen zu holen.

Nun hat das für die Exhumierungen im Tal von Cuelgamuros zuständige Team unter Mitwirkung von Expert*innen der baskischen Gruppe Aranzadi (Wissenschafts-Gesellschaft) einen ersten Bericht über die Arbeit bekannt gegeben. Seit Beginn der Exhumierungen im Tal von Cuelgamuros im Jahr 2023 wurden 602 Leichen gefunden, von denen 25 identifiziert und den Angehörigen übergeben wurden; Francisco Etxeberria, der baskische Gerichtsmediziner, der diese Arbeiten leitet, rechnet mit weiteren Fällen. In einem Gespräch mit EFE zog Etxeberria Bilanz über die Arbeiten, die an diesem Ort in San Lorenzo de El Escorial (Madrid) weiterhin im Gange sind. (Foto: Lourdes Herrasti zeigt dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez bei einem Besuch im Jahr 2024 die Arbeiten in Cuelgamuros. / Fernando Calvo | Moncloa)

Das Tal von Cuelgamuros ist das größte Massengrab Spaniens, in dem mehr als 33.000 Leichen aus verschiedenen Teilen des Landes nach dem Krieg von 1936 beigesetzt wurden. Die derzeitigen Exhumierungen konzentrieren sich auf die Anträge, die die Regierung von rund 220 Familien erhalten hat, die daran interessiert sind, die sterblichen Überreste ihrer republikanischen Angehörigen zurückzuerhalten. Bislang wurden 602 Leichen ausfindig gemacht, für die Anträge vorliegen; davon konnten bereits 25 identifiziert und den Angehörigen übergeben werden. Wie die baskische Regierung im Jahr 2020 mitteilte, wurde mindestens zwanzig baskischen Familien das Recht auf Exhumierung der sterblichen Überreste ihrer Angehörigen zuerkannt. „Ich glaube, wir liegen fast über den Erwartungen, denn wir dachten, das Vorhaben wäre fast unmöglich“, kommentierte Etxeberria und stellte klar, dass nur nach den Särgen mit Überresten gesucht werden kann, die von Angehörigen beansprucht wurden. Nun versichert er, dass „ernsthafte Erwartungen“ bestehen, weitere Leichen zu identifizieren, da die genetischen Analysen von Dutzenden von Leichen noch ausstehen.

KOMPLIKATIONEN

Das Team, das regelmäßig im Tal von Cuelgamuros arbeitet, besteht aus sechs Personen, darunter Gerichtsmediziner, Archäologen und Anthropologen, und wird von weiteren Experten wie Historikern und Genetikern unterstützt. Neben Etxeberria ist auch die Anthropologin Lourdes Herrasti von Aranzadi an dieser Untersuchung beteiligt. Die Exhumierungsarbeiten sind kompliziert, angefangen bei der Lokalisierung der Überreste selbst, da diese in Kisten aufbewahrt werden, die in Krypten hinter den acht Kapellen der Basilika gestapelt sind, von denen einige fünf Stockwerke hoch sind. Bislang hat das von Etxeberria geleitete Team bereits die Ebenen null, eins, zwei und drei der Kapelle des Heiligen Grabes untersucht, für die die meisten Anträge von Angehörigen vorliegen; die vierte Ebene sowie fünf weitere Kapellen stehen noch aus.

„Unsere Pflicht ist es, nach den Leichen zu suchen, ob wir sie auch finden, ist eine andere Sache“, betont Etxeberria, der hofft, dass die Arbeiten nicht unterbrochen werden, selbst wenn es in Zukunft zu einem Regierungswechsel (PP-VOX) kommen sollte. Wenn Kisten ausfindig gemacht werden, werden sie aus dem Kolumbarium entnommen und in das forensische Labor gebracht, das in der Basilika del Valle selbst neben den Kapellen eingerichtet wurde, wo erste Analysen und Fotos angefertigt werden. Anschließend werden Proben entnommen, die zur genetischen Analyse durch das Nationale Institut für Toxikologie und Forensik vom Fundort weggebracht werden.

Eines der größten Hindernisse waren die gegen die Exhumierungen eingelegten Rechtsmittel von faschistischer Seite, die die Arbeiten monatelang lahmlegten und das Team daran hinderten, im gesamten Jahr 2024 Sucharbeiten durchzuführen. „Diese Unterbrechungen sind verwirrend und entmutigend“, räumt Etxeberria ein, der jedoch darauf hinweist, dass alle Rechtsmittel letztendlich zugunsten der Regierung entschieden wurden. Der auf Anthropologie spezialisierte Gerichtsmediziner, einer der weltweit führenden Experten auf seinem Gebiet, versteht, dass das Arbeitstempo für die Angehörigen vielleicht langsam erscheint, verteidigt jedoch die Notwendigkeit, langsam und mit einer klaren und kontrollierten Methodik vorzugehen. „Wenn wir auch nur ein wenig Unordnung einbringen, wäre das eine Katastrophe“, warnt er.

Die Exhumierungen fallen mit den Vorbereitungsarbeiten für die Neugestaltung des Cuelgamuros-Tals zusammen, die im Gesetz zur demokratischen Erinnerung vorgesehen ist und für die nach einem von der Regierung ausgeschriebenen internationalen Ideenwettbewerb bereits ein Siegerentwurf ausgewählt wurde. Ziel ist es, den Bürgern den historischen Kontext rund um den Bau dieses Franco-Denkmals zu vermitteln. Zu diesem Zweck soll ein interaktives Museum errichtet werden, falls nicht eine künftige rechts-faschistische Regierung einen Strich durch die Rechnung macht. Die Bauarbeiten werden die Exhumierungen nicht beeinträchtigen, da sie auf der Vorplatzfläche der Basilika stattfinden, bislang wurden laut Angaben von Quellen des Ministeriums für Wohnungswesen lediglich vorläufige Bodenuntersuchungen durchgeführt. Die genauen Termine für den Beginn dieser Arbeiten lassen sich denselben Quellen zufolge noch nicht festlegen, da zunächst die Entscheidung über eine gerichtliche Beschwerde abgewartet werden muss. (naiz-baskultur)

(2026-08-05)

DIE HINRICHTUNG VON JUANITA

Juanita Mir García (Pamplona, 14. Februar 1893 – Derio, 5. August 1937) war eine spanische Journalistin und Schriftstellerin. Sie wurde 1937 von den Franco-Anhängern auf dem Friedhof von Derio als „gesellschaftlich gefährlich“ erschossen. Ihre Eltern waren Victoria García Lacarra und Octavio Mir Mata, ein Journalist, der im Juni 1899, als in Bilbao die Tageszeitung „El Correo Vasco“ gegründet wurde, zu deren Chefredakteur ernannt wurde. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Bilbao, wo er sich 1910 mit seiner Familie niederließ und bis zu seinem Tod im Jahr 1921 für die Tageszeitung „El Pueblo Vasco“ schrieb. In der ersten Einwohnerliste der Familie Mir in Bilbao sind auch seine beiden Geschwister (Genara und Joaquín) als Bewohner der Villa Berriz im Bilbaer Stadtteil Iralabarri aufgeführt. Im Jahr 1915 zogen sie in die Calle Euskalduna, wo Juanita bis zu ihrer Erschießung lebte.

Mit achtzehn Jahren arbeitete sie für die Zeitschrift „Euskalerriaren Alde“ und veröffentlichte dort Geschichten über das Volksleben. Ihre Begeisterung für das Theater zeigte sich 1929 in ihrer Mitwirkung an der Aufführung von „El conflicto de Mercedes“, einem Stück im Ateneo Navarro. Mir schrieb in der Zeitung „La tarde“ in der Rubrik „La mujer escribe“ (Die Frau schreibt), und in ihren Artikeln übte sie Sozialkritik und sprach sich für den Frieden aus. Im Jahr 1934, während der Streiks im Oktober im Zusammenhang mit der Revolution in Asturien wandte sie sich in einem Artikel an die Frauen.

Am 18. September 1936 veröffentlichte sie einen Artikel mit dem Titel „Heroísmo y sacrificio“ (Heldentum und Opferbereitschaft), in dem sie nicht nur den Patriotismus der Bürger lobte, die ihre Ersparnisse und ihren Schmuck opferten, um die Kriegskosten zu finanzieren, sondern auch ein pazifistisches Plädoyer vorbrachte, in dem sie schrieb: „Wie viel schöner wäre diese Geste doch, wenn man das Gold aus diesem kollektiven Opfer nicht für den Erwerb von Kriegsmaterial verwendet hätte, sondern für die Bereicherung des Vaterlandes durch eine gerechte Verteilung des Wohlstands, die alle Bürger erreicht hätte!“ Am 5. Mai 1937 warf sie in einem Artikel mit dem Titel „Wenn Durango und Guernica nicht so deutlich sprechen würden“ den Aufständischen ihre Beziehungen zu Nazi-Deutschland vor und machte sie für die Bombardements verantwortlich, die die Legion Condor in Bizkaia durchgeführt hatte und deren deutlichste Auswirkungen in Guernica und Durango zu sehen waren.

VERHAFTUNG UND ERSCHIESSUNG

Juanita Mir wurde am 6. Juli 1937 verhaftet und ins Gefängnis von Larrinaga überführt, um am 20. Juli vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Man warf ihr vor, zur Unterstützung der rot-separatistischen Sache aufgerufen und die „glorreiche Armee“ beleidigt zu haben. Einen Monat später wurde sie zusammen mit vierzehn weiteren zum Tode Verurteilten, allesamt Männer, in den frühen Morgenstunden des 5. August 1937 auf dem Friedhof von Derio hingerichtet. In der Zeitung „Euzkadi“ vom 25. Oktober 1938 wurde über ihre Erschießung berichtet.

WÜRDIGUNG

Im Jahr 2016 leitete die Stadtverwaltung von Bilbao im Rahmen des Gesetzes zur historischen Erinnerung ein Verfahren zur Umbenennung einiger Straßen in Bilbao ein, und der Name Juanita Mir wurde zusammen mit Julita Berrojalbiz, Benita Asas, Adelina Méndez de la Torre und Vicenta Moguel vorgeschlagen. Im Jahr 2020 schrieb die Historikerin Ascensión Badiola einen auf Juanitas Leben basierenden Roman mit dem Titel „La decisión de Juana Mir“. Dieser Roman gewann den Preis für den besten spanischsprachigen Kurzroman 2020. Der Dokumentarfilm „MEMORIA ERAIKIZ: Mujeres fusiladas. La memoria ausente“ hat die Figur von Juana Mir zusammen mit anderen Frauen, die während des Bürgerkriegs Opfer von Repressalien wurden, als roten Faden. (wikipedia-baskultur)

(2026-08-05)

DER FASCHISTEN-PFARRER

Der Stadt-Pfarrer von Huarte in Navarra macht von sich reden. Nicht zum Positiven. Auf der X-Plattform des erklärten Faschisten Musk machte sich der Geistliche seine Gedanken zu den Vorgängen in der spanischen Kolonie-Enklave Ceuta. Wir erinnern uns: Bis zu 60.000 Personen hatten schwimmend die Grenze überwunden und waren den heimlichen Aufrufen des marokkanischen Regimes gefolgt und auf „spanisches Staatsgebiet“ gekommen – die EU hatte daraus die „Ceuta-Krise“ gemacht und sah die europäische Südgrenze in Gefahr. Italien hob den freien Grenzverkehr mit Spanien auf, spanische Faschisten fabulierten von „Invasion“ und sahen den Weltuntergang in allernächster Nähe. 141 Personen fanden bei dem Versuch den Tod.

Javier Aizpún, Pfarrer von Huarte und zugleich Domherr der Kathedrale von Pamplona, machte aus seinem Herzen keine Mördergrube und äußerte sich freimütig. Im illegalen Grenzübergang der Marokkaner*innen und Schwarzafrikaner*innen sah er (wie die Faschisten) eine Invasion, die mit Gewehrsalven zurückgeschlagen werden müsste. Und weil das marokkanische Regime dahinter steckte, sollt man doch dessen Hauptstadt Rabat bombardieren. Trump hätte es sicher nicht deutlicher formuliert und womöglich sogar praktiziert. In jeder Faschisten-Partei Europas hätte der Huarte-Pfarrer eine Ehren-Präsidentschaft sicher. Denn die Argumente sind deckungsgleich.

„Unsere Liebe Frau von Afrika, die Schutzpatronin von Ceuta, möge die Rückeroberung Marokkos und dessen Bekehrung zum Christentum vorantreiben. Was Königin Isabella die Katholische (1492) unvollendet gelassen hat, sollen wir zu Ende bringen“, erklärte Aizpún vergangene Woche, nachdem Tausende von Migranten die Grenze zwischen Marokko und der spanischen autonomen Stadt überquert hatten. Der Soutanen-Träger ist zwar keine 500 Jahre alt, aber auf dem Diskurs von damals hängen geblieben. Kreuzzüge gegen den islamischen Erbfeind.

Auf Elon Musks X beharrt der Pfarrer von Huarte auf der Idee der Rückeroberung: „Es ist notwendig, die mauritische Provinz Tingitana zurückzuerobern und alle arabischen Kolonisatoren zu vertreiben. Nur die Berber sollen bleiben. Das römische Hispanien … das ursprüngliche Spanien … das Spanien, das es zurückzugewinnen gilt. Mögen die arabischen Invasoren auf die Arabische Halbinsel zurückkehren, von der sie niemals hätten aufbrechen dürfen, und uns unser Land zurückgeben“, schäumt er. „An Lösungen mangelt es nicht, es mangelt an Urteilsvermögen, Mut und Willen“. Mit seinen Beiträgen hat der Ultra-Pfaffe auch Verschwörungstheorien angeheizt, zum Beispiel über die Herkunft der Migranten, die nach Ceuta eingereist sind: „Es scheint, als hätte König Mohamed sie gerade begnadigt, sie waren alle im Gefängnis. Die Kriminalitätsrate in Ceuta wird unbeschreiblich sein.“ „Erst die Brände, jetzt die Invasion – nichts ist Zufall, alles ist perfekt koordiniert“, meinte er.

Der Typ ist in seiner Gemeinde kein Unbekannter. Viele Katholiken gehen nach Pamplona zur Messe, weil seine Gottesdienste unerträglich sind. Der Erzbischof von Pamplona hat sich von des Popen Aussagen distanziert. Doch um seinen Arbeitsplatz braucht sich der Ultrarechte keine Sorgen zu machen, Geistliche werden erst entlassen, wenn ihnen Massenvergewaltigungen nachgewiesen werden können. Zur Sicherheit hat sich der katholische Faschist von seinen eigenen aussagen distanziert und sein X-Konto gelöscht. Aber wie immer – der schaden ist angerichtet. Die Faschisten-Partei VOX hat sich bisher nicht dazu geäußert. Was sollte sie auch sagen, Aizpún hat nichts zum Ausdruck gebracht, was die Neo-Franquisten nicht ebenfalls schon in die Öffentlichkeit posaunt haben. (baskultur)

(2026-08-05)

KEINE VERSCHULDUNG BEI ATHLETIC

Athletic Club de Bilbao ist bekanntlich kein „normaler“ Fußball-Verein. Seit 100 Jahren arbeitet er ausschließlich mit baskischen Kicker*innen; ist ein Verein mit Mitgliedern geblieben und kein Unternehmen geworden; und betreibt eine konservative Wirtschaft, die auf dem Verkauf von eigenen Talenten basiert und Verschuldung ausschließt. Teure Verpflichtungen sind kein Thema. Doch die Fußball-Welt ist wie sie ist, die Verantwortlichen des Clubs rudern gegen den Strom. Der Verein lehnt – genau wie bereits im Männer-Wettbewerb – eine vom Frauen-Liga-Verband mit einem Investmentfonds unterzeichnete Vereinbarung entschieden ab. Man verzichtet auf schnelles Geld, um langfristig unabhängig zu bleiben.

Athletic hat, genau wie bereits im Männerwettbewerb, seine entschiedene Ablehnung gegenüber der am Montag vom spanischen Frauen-Liga-Verband mit einem Investmentfonds unterzeichneten Vereinbarung zum Ausdruck gebracht. Der Club ist der Verein der Ansicht, dass dieser Vertrag die Zukunft des Wettbewerbs selbst gefährdet. Die Vereinbarung sieht eine Gesamtzuwendung an die Vereine in Höhe von 40 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren vor; im Gegenzug wird dem Fond eine Beteiligung an den kommerziellen Einnahmen der Liga über einen Zeitraum von 25 Jahren garantiert. Ziemlich fragwürdig, aber nicht unüblich. In einem Schreiben an die Fans erläutert der Verein die Gründe für sein „Nein“ zu dem Vorschlag.

Der Vorstand weist darauf hin, dass „die Vereinbarung auf der Erwartung basiert, dass die kommerziellen Einnahmen exponentiell wachsen und dass der Fonds von diesem Wachstum weitaus mehr profitieren würde als die Frauenliga selbst und die ihr angehörenden Vereine“. Tatsächlich würde der Fonds 49% der in den nächsten 25 Jahren erzielten Brutto-Werbeeinnahmen erhalten, bis sich seine Investition amortisiert hat. Damit nicht genug, auch nach der Amortisierung, oder Rückzahlung der Anleihe, würde der Fond weiterhin 35% der Einnahmen kassieren. Die Kosten dafür, dass diese Werbeverträge überhaupt zustande kommen (die ersten vier Jahre ausgenommen) – würden jedoch „ausschließlich von den Vereinen getragen“.

Das Modell gründet sich auf verschiedene Problemlagen der Frauen-Liga. Erstens fließt dort bisher relativ wenig Geld, im Vergleich zu Frankreich oder England, wo von internationalen Milliardären ganze Clubs gekauft werden (können), was in der spanischen Liga verboten ist. Zweitens versuchen viele Clubs, den Weg zum Erfolg zu erkaufen, indem sie sich verschulden oder eben solche Knebelverträge eingehen, die kurzfristig Geld bringen, aber langfristig eine katastrophale Verschuldung zur Folge haben – ein typisch kapitalistisches Prinzip. Investment-Fonds sind schließlich keine Wohltätigkeits-Vereine, sondern Blutsauger. Offenbar ist man sich dessen nur bei Athletic bewusst.

Zudem weist der Club darauf hin, dass die Vereinbarung die künftigen Einnahmen der Vereine erheblich schmälern könnte. „Nach unseren Schätzungen könnten den Vereinen in den nächsten 25 Jahren aufgrund der Beteiligung des Fonds an den künftigen kommerziellen Einnahmen mehr als 100 Millionen Euro an Nettoeinnahmen entgehen. Das ist ein bedeutender Teil des Wertes, der in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich geschaffen wird. Dieser Wert würde durch diesen Fond gefährdet, dessen Einlage nur wenigen Vereinen zugutekommt.“

Die 40 Millionen, die der Fonds beisteuert, „konzentrieren sich auf die Vereine, die derzeit dem Wettbewerb angehören“, während sich die finanziellen Belastungen über 25 Jahre erstrecken und „auch die Vereine betreffen, die in Zukunft der Frauen-Liga beitreten, was die Integrität der Meisterschaft schwer beeinträchtigt“, betont Athletic. Obwohl der Verein dem Vorschlag nicht zustimmt, wird er nicht von den Auswirkungen der Maßnahme verschont bleiben, denn selbst wenn er auf die Mittel verzichtet, bleibt er Teil eines Wettbewerbs, „dessen künftige kommerzielle Einnahmen durch den unterzeichneten Vertrag beeinträchtigt werden, und der Club wird weiterhin alle Kosten der Liga F tragen“, erklärte Athletic. (elco-baskultur)

(2026-08-04)

SEEMÖWEN ÜBER PAMPLONA

Seemöven gehören zum üblichen Panorama am Meer, im atlantischen Donostia, zum Beispiel. Insbesondere in den Fischereihäfen, weil es dort Fischreste zu ergattern gibt. Leichte Beute. Und Möven gelten schließlich als See-Raubvögel. Pamplona, oder baskisch Iruñea, liegt Luftlinie ca. 70 Kilometer vom Atlantik entfernt. Dennoch werden dort Seemöven gesichtet. Was zu der berechtigten Frage führt: Warum fischen große Möwen am Fluss Arga? Weder die Entfernung zum Meer noch das Aralar-Bergmassiv haben verhindert, dass in Iruñea-Pamplona Möwen beobachtet werden können, die zudem etwas größer sind als die an der baskischen Küste. Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt – was in der Zoologie kaum mehr als eine zehntel Sekunde ist – haben die Möwen begonnen, sich entlang des Ebro-Einzugsgebiets fortzupflanzen. Es handelt sich um Gelbfuß-Möwen. Wie die an der baskischen Küste heimischen Möven, aber nicht ganz dieselben, sondern ein wenig größer. Und sie reisen gerne. Denn sie stammen aus dem Mittelmeer.

Eine dieser Möwen-Kolonien hat sich in den letzten Jahren am Salzsee von Zolina im Becken um die navarrische Hauptstadt niedergelassen, mehr als 50 Kilometer von der Küste entfernt. Und die Kolonie wächst stetig weiter. Sie sind nicht die einzigen Binnenmöwen im Baskenland, wie Juan Arizaga betont, er ist Leiter der Abteilung für Ornithologie der Wissenschaftlichen Gesellschaft von Aranzadi. Auch in im Salburua-Feuchtgebiet von Gasteiz und am nahen Stausee Uribarri Ganboa gibt es Möwen. Aranzadi beringt diese Tiere seit 2011 und nähert sich dafür mit einem Kanu einer kleinen Insel, die sich innerhalb des Zolina-Salzsees befindet. „Dieses Verhalten ist typisch für Möwen, die im Landesinneren brüten; sie suchen sich Inseln einer bestimmten Größe in Feuchtgebieten. Sie tun dies, um ihre Eier und Jungvögel vor Raubtieren wie Füchsen zu schützen“, erklärt Arizaga. Da es sich um Vögel von beträchtlicher Größe handelt, werden die Möwen mit großen, mit einem Code versehenen Ringen markiert. So lassen sie sich mit bloßem Auge oder anhand eines Fotos individuell identifizieren. Bei einer Sichtung müssen die Daten auf Colouring.eus eingegeben werden, wodurch die Beringungsstelle von Aranzadi die Daten jedes einzelnen Exemplars nachverfolgen kann. Dank dieser Nachverfolgung ist bekannt, dass die Möwen, die ihre Eier in Zolina ablegen, diesen Standort nicht gewählt haben, weil sie das Meer nicht kennen. In Zolina beringte Gelbschulter-Möwen wurden später im Mittelmeer, in Galizien oder in Portugal gesichtet.

Die Möwe mit dem roten Ring mit dem Code 01PG ist regelmäßig zu Gast am Arga, sie streift gerne in der Gegend von Santa Engracia und Trinitarios herum. Soweit bekannt ist, war der längste Flug, die die Möwe 01PG unternommen hat, eine Reise nach Tarragona. Geboren wurde sie im Jahr 2023. Bei der letzten Beringungskampagne wurden 26 Jungvögel beringt – die höchste Zahl, die in dieser Kolonie erreicht wurde, die laut Aranzadi aus etwa 25 bis 30 Brutpaaren besteht. Obwohl sie formal zur selben Art gehören wie die Möwen an der baskischen Küste, bei denen es sich ebenfalls um Gelbfuß-Möwen handelt, sind die aus dem Mittelmeer kommenden Exemplare etwas größer und brüten einen Monat früher. Arizaga geht davon aus, dass sie sich, wenn sie so weitermachen, letztendlich zu zwei unterschiedlichen Arten entwickeln werden. Außerdem scheinen sie flexibler zu sein und über eine größere Mobilität zu verfügen.

Die baskischen Möwen durchlaufen eine Ausbreitungsphase, in der junge Tiere auf der Suche nach neuen Lebensräumen weit wegziehen. Sie kehren jedoch bald wieder zu ihren Brutplätzen zurück. Die Mittelmeer-Möwen übertreffen sie an Kühnheit: Sie reisen weiter und tun dies häufiger. Bislang wurden bei Aranzadi keine Fälle von Hybridisierung zwischen beiden Möwenarten dokumentiert. Die Kolonie von Zolina gedeiht dank Aas und Abfällen. Sie sind regelmäßig auf der Mülldeponie von Aranguren anzutreffen, wo sie einen Großteil ihrer Nahrung finden. Allerdings haben die Wissenschaftler von Aranzadi auf der kleinen Insel auch Reste kleiner Flussfische gefunden. Sie ernähren sich also nicht ausschließlich von Müll. Sie haben gelernt, in Flüssen mit geringem Wasserstand zu fischen, wie beispielsweise dem Arga, der durch Iruñea fließt. Deshalb sieht man sie immer häufiger über dem Fluss kreisen, in der Nähe des Flussbettes oder auf Dächern, Antennen und Schornsteinen der Stadt sitzen. (naiz-baskultur)

(2026-08-04)

STREIK DER FIESTA-TECHNIKERINNEN

In Vitoria-Gasteiz startet heute die „La Blanca“-Fiesta mit der luftigen Abfahrt von Celedón über den Köpfen von zehntausenden Fiesta-Begeisterten. Alles ist bestens vorbereitet – so auch der Streik der Kultur-Technikerinnen mit ihrer neuen Gewerkschaft Teknikariok. „Befristete Arbeitsverhältnisse, endlose Arbeitszeiten ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen, keine Feiertags- und Nachtzuschläge, ohne Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, beklagen die Leute, die bei Konzerten, Theater-Vorstellungen oder Festivals die Bühnen aufbauen. Bei der Fiesta in Gasteiz werden sie am morgigen 5. August streiken, dasselbe werden sie wiederholen am 14. In Donostia und am 26. In Bilbo, zeitgleich mit den jeweiligen Fiestas. Für die Stadtverwaltungen mag das ein Ärgernis sein, für die aus Tausenden von Freiwilligen bestehenden Fiesta-Gruppen in VG, DSS und BB allerdings nicht. Sie unterstützen den Streik, obwohl dabei ein Tag Programm draufgeht. (Ander Tejerina und Marta Castro bei ihrem Auftritt vor den Medien. / Endika Portillo | Foku)

Die Techniker*innen der Veranstaltungsbranche, die an diesem Mittwoch – dem Höhepunkt der Feste in Gasteiz – zum Streik aufgerufen sind, haben die Künstler, die für diesen Tag Auftritte geplant haben und von dem Streik betroffen sein werden, um „Verständnis“ gebeten. Die Gewerkschaft Teknikariok, mit kräftiger Unterstützung der großen baskischen Gewerkschaften ESK, LAB, UGT, CCOO, ELA und CNT – die über den ersten Tarifvertrag für die Veranstaltungs-Branche im Baskenland (CAV) verhandeln – haben im August drei Streiks ausgerufen, die mit den Fiestas in den drei Hauptstädten zusammenfallen, jedoch auch zahlreiche andere Veranstaltungen in Araba, Bizkaia und Gipuzkoa beeinträchtigen werden. Mit diesen Arbeitsniederlegungen – am 15. Mai hatten sie bereits einen ersten Streik mit einer Beteiligung von 80% durchgeführt – wollen sie erreichen, dass sich der Arbeitgeber-Verband der Branche (EUKI) „ein Jahr nach dem letzten Treffen“ wieder an den Verhandlungstisch setzt. Mit dem Ziel, „eine Mindestvereinbarung zu erzielen, die menschenwürdige Arbeitsbedingungen garantiert“, wie Ander Tejerina und Marta Castro im Namen dieser Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erklärten.

VORLAUFZEIT FÜNF TAGE

Sie betonten, dass es sich um eine Branche handelt, die „völlig unreguliert ist, in der regelmäßig die grundlegendsten Arbeitsrechte verletzt werden“ und in der es „Befristungen, endlose Arbeitszeiten ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen, ohne Feiertags- oder Nachtzuschläge, ohne die Möglichkeit zur Vereinbarkeit mit dem Privatleben und ständige Verfügbarkeit für die Unternehmen“ gibt. Eigentlich sklavenähnliche Zustände. Eine „Situation des Missbrauchs“, in der die Unternehmen die Arbeitsschichten beispielsweise mit einer Vorlaufzeit von nur fünf Tagen mitteilen. Private Lebensplanung ist dabei unmöglich. Obwohl sie sich bewusst sind, dass in diesem Sektor eine „gewisse Flexibilität“ erforderlich ist, fordern sie, den Dienstplan sechs Wochen im Voraus und den konkreten Arbeitsplan für jeden Arbeitstag zwei Wochen im Voraus zu erfahren.

Mit Blick auf den Streik am Mittwoch betonten sie, dass die La-Blanca-Fiestas von Seiten der Stadtverwaltung „über ein millionenschweres Budget verfügen“, jedoch „mit Ausbeutung und prekären Arbeitsbedingungen einhergehen“. Sie kritisierten ausdrücklich die Unternehmen, die die geplanten Veranstaltungen auf der Plaza de los Fueros organisieren (Pelota-Spiele, Kegeln, Herri Kirolak, Konzert), im Matxete (Trikitixa, Bertsos, Konzerte) und in der Provincia (Mariachis). Aber auch die Stadtverwaltung, weil sie Aufträge vergibt, ohne „irgendeine Kontrolle über die Arbeitsbedingungen zu haben, die diese Veranstaltungen erst möglich machen“. Die „Txosnas“ (linke Fiesta-Gruppen mit eigenem Programm) haben bereits angekündigt, dass sie aus Solidarität mit den Streikenden an diesen Tagen die auf ihrem Festgelände geplanten musikalischen Darbietungen aussetzen werden. (naiz-baskultur)

(2026-08-03)

GEHEIMPAPIERE UND ETA-GEFANGENE

Die baskische Ministerin für Justiz und Menschenrechte, María Jesús San José (was für ein Name!), forderte in einem Interview den spanischen Staat auf, amtliche Geheimnisse freizugeben und Dokumente nicht zurückzuhalten. Dabei bezog sie sich auf Fälle wie den des gewaltsam Verschwundenen Pertur oder der Guardia-Civil-Opfer Lasa und Zabala, deren Familien bis heute auf Klärung der Todesfälle warten. In einem Interview mit Europa Press schloss sich die Sozialdemokratin den Worten des Generalsekretärs Andueza an, der anlässlich des 50. Jahrestags des Verschwindens des ehemaligen ETA-Führers Eduardo Moreno Bergareche „Pertur“ vom Staat forderte, „alles Denkbare zu tun, um die während des demokratischen Übergangs verschwundenen Personen aufzufinden. Alle, die etwas wissen, müssten ihre Angst überwinden und sprechen.

Nach ihrer Ansicht ist die Änderung des Gesetzes über Staatsgeheimnisse „ein grundlegender Schritt“. „Wir müssen in der Lage sein, der Vergangenheit ins Auge zu sehen, so schmutzig und schmerzhaft sie auch sein mag. Wir können ein festes und solides Zusammenleben erstaufbauen, wenn all diese Wunden geheilt sind. Deshalb verstehe ich nicht, welchen Sinn es hat, weiterhin Unterlagen zu verbergen, die so vielen Familien wie denen von Pertur, Lasa und Zabala oder den Opfern von Bahía de Pasaia helfen könnten“, betonte sie. Sie verteidigt die Rechtmäßigkeit der Lockerungs-Maßnahmen, die ETA-Häftlingen gewährt wurden, die von einzelnen Opfer-Verbänden scharf kritisiert werden. Angesichts der Tatsache, dass sich derzeit 107 ETA-Häftlinge in baskischen Gefängnissen befinden und 90% von ihnen die „Anwendung rechtsstaatlicher Normen“ beantragen, betont die Ministerin, dass „die Gesellschaft sich bewusst werden muss“, dass die Häftlinge irgendwann aus dem Gefängnis entlassen werden und man Resozialisierung anstreben sollte.

Resozialisierung sei ein verfassungsrechtlicher Auftrag und somit ein Grundprinzip des Strafrechts. Was „weder Straffreiheit noch Vergessen bedeutet, sondern die Verbüßung der Strafe gemäß dem Gesetz, die Übernahme der Verantwortung für die Tat, unter gerichtlicher Aufsicht und mit einer Begleitung zur Vermeidung von Rückfällen“. Zu den Reaktionen einiger Opferverbände auf die Gewährung von Haft-Verbesserungen oder Halbfreiheit, die diese als „betrügerisch“ bezeichnen, versichert sie, dass sie sich bewusst sei, dass „es keine Strafe gibt, die den Schmerz der Opfer wiedergutmachen kann“. Deshalb müsse die Regierung bei ihren Entscheidungen „besonders streng“ vorgehen. Die Justizministerin erklärt, dass „Entscheidungen im Strafvollzug nicht leichtfertig getroffen werden“ und es „einen Triumph der Rechtsstaatlichkeit darstellt, dass die ETA-Häftlinge in der Lage sind, den verursachten Schaden anzuerkennen und sich an diese Strafvollzugs-Vorschriften zu halten“.

Voraussetzung für Haft-Erleichterungen sind Erklärungen der Gefangenen, in denen sie versichern müssen, dass sie sich darüber im Klaren sind, dass ihre Aktionen nicht reparierbaren Schaden angerichtet haben. Solche Erklärungen werden dann von Psychologen und Knastbeamten auf ihre „Aufrichtigkeit“ geprüft, peinliche Gewissensprüfungen, die teilweise in den Medien kommentiert werden. Sie versichert, dass „die Fachteams in ihren Berichten und Bewertungen darauf achten, dass eine Übereinstimmung zwischen der Entwicklung des Häftlings und seinen Handlungen besteht, zwischen dem, was er tut, und dem, was er sagt“. „Wenn wir glauben, dass Betrug vorliegt, wenn wir glauben, dass nur der eigene Vorteil im Vordergrund steht, wird keine Lockerung gewährt“. Sie präzisiert: „Wer eine Lockerung oder Freigang erhält und zur Arbeit geht oder eine ehrenamtliche Tätigkeit ausübt, weil dies im Rahmen des Behandlungsprogramms empfohlen wird, verbüßt weiterhin seine Strafe und befindet sich nicht auf freiem Fuß.“

KRITIK DER PP

Was die wiederholte Kritik der PP angeht, erinnert sie daran, dass „der spanische Regierungschef Aznar zwischen 1996 und 1999 rund 200 Häftlinge in Gefängnisse im Baskenland verlegen ließ“. Zudem weist sie darauf hin, dass „eine der ersten Entscheidungen, die Aznar als Präsident traf, darin bestand, Terroristen der katalanischen Organisation Terra LIiure zu begnadigen“. „Diese Entscheidungen wurden im Rahmen der geltenden Rechtsordnung getroffen, gemäß dem damals geltenden Strafvollzugsrecht, genau wie es heute der Fall ist. Deshalb halte ich es für wichtig, dass jeder sich an seine eigene Vergangenheit erinnert und vor der eigenen Haustür kehrt, bevor er Anschuldigungen gegen diejenigen erhebt, die wie wir arbeiten, das Gesetz einhalten und das einzige Ziel verfolgen, das Zusammenleben im Baskenland wiederherzustellen“, fügte sie hinzu.

Die Ministerin bestreitet entschieden, dass es einen Pakt zwischen der Regierung von Pedro Sánchez und EH Bildu zur Freilassung der Häftlinge gebe, wie es die PP behauptet. „Es gibt keinerlei Privilegien. Wenn der Inhaftierte die gesetzlichen Voraussetzungen oder die gesetzlich festgelegten Ziele nicht erfüllt, wenn keine nachweisbare Entwicklung vorliegt, wenn er keine Verantwortung für die begangene Tat übernimmt, wenn die Gefahr eines Rückfalls besteht und wenn er seinen zivilrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommt, wird weder eine Freigangs-Erlaubnis noch eine Einstufungs-Änderung gewährt“, stellt sie klar. (naiz-baskultur)

(2026-08-03)

GENTRIFIZIERUNG IN PAMPLONA

Das Aquavox-Projekt, das die rechte und korrupte Bürgermeisterin Yolanda Barcina in der Altstadt Iruñea / Pamplonas durchgesetzt hatte, um das besetzte „Gaztetxe“ zu beseitigen, endet in einem millionenschweren Fiasko. Die linksliberale Stadtverwaltung von Iruñea wird das Aquavox abreißen, das vor zwei Jahrzehnten vom Stadtrat unter Barcina gemeinsam mit der navarrischen Rechts-Regierung von Miguel Sanz vorangetrieben wurde, um das im alten Frontón Euskal Jai untergebrachte Gaztetxe abzureißen. All dies nach Ausgaben in Höhe von 13,4 Millionen und 35% Mehrkosten. (Vor nunmehr 22 Jahren rissen die Bagger das Jugendzentrum „Euskal Jai“ ab, um an seiner Stelle das unsinnige „Aquavox“ zu errichten, ein Schwimm- und Thermalbad. / Lander F. Arroyabe | Foku)

Die Zeit hat den Anwohnern von Alde Zaharra in Iruñea Recht gegeben, die vor zwei Jahrzehnten das im alten Frontón „Euskal Jai“ untergebrachte Jugendzentrum verteidigten. Die damalige Stadtverwaltung „bot“ ihnen eine moderne Anlage für Sport- und Freizeitaktivitäten an, das Aquavox, und viele warnten bereits damals, dass dies nur ein Vorwand für das eigentliche Ziel sei: die Schließung des Jugendzentrums, das seit zehn Jahren (1994) mit wachsendem Erfolg betrieben wurde. Weder der Standort noch die Infrastruktur waren für eine auf Wasser basierende Thermal-Aktivität geeignet. Die Probleme häuften sich seit Beginn des Betriebs, bis die derzeitige Stadtverwaltung nun einen Schlussstrich gezogen hat: Das Aquavox wird abgerissen, an seiner Stelle entsteht ein Sportzentrum, das den tatsächlichen Bedürfnissen der Anwohner gerecht wird.

KOSTENÜBERSCHREITUNG

Zurück bleibt ein finanzielles Desaster, über das die Zeitung „Diario de Navarra“ ausführlich berichtet. Der Bau war bereits kostspielig (8,4 Millionen Euro plus 4,2 Millionen für Grundstückskäufe und Entschädigungen). Es kam zu einer Kostenüberschreitung von 35% gegenüber dem ursprünglich veranschlagten Budget – auf jeden Fall haben sich einige Opportunisten dabei eine goldene Nase verdient. Das war jedoch erst der Anfang. Bis 2024 musste bereits fast eine Million Euro zusätzlich aufgewendet werden, um die Mängel der Anlage zu beheben. Ein Bericht der Verwaltung stellt fest, dass mindestens vier Millionen erforderlich wären, um die Mängel des Gebäudes zu beheben, das bereits auf den ersten Blick für eine derartige Nutzung nicht geeignet ist. Die technische Untersuchung hat bis zu 40 Mängel aufgezeigt. In den letzten Jahren kam es zu Vorfällen, von Bränden bis zu einem Bruch einer großen Glasscheibe.

22 JAHRE NACH DER BRUTALEN RÄUMUNG

Aus heutiger Perspektive hat sich all dies für die damals von der UPN geführten Institutionen sicher gelohnt, denn es trug dazu bei, das kollektive Experiment des Gaztetxe Euskal Jai (besetztes Jugendzentrum) zu beenden, das ihnen ein Dorn im Auge war in Zeiten, als die Rechte Iruñea und Navarra noch völlig unbehelligt regierte. Jene Legislaturperiode war geprägt von der Illegalisierung der abertzalen Linken, was in Navarra zu einer beispiellosen absoluten Mehrheit der Rechten führte (Koalition aus UPN und CDN). Jetzt jährt sich zum 22. Mal der Polizeieinsatz im alten Frontón mitten im August. Dieser Überfall führte zunächst zu 25 Festnahmen, Angriffen seitens der spanischen Polizei und der Regionalpolizei sowie hartnäckigem Widerstand von sechs Personen, die sich auf dem Dach verschanzt hatten. Ein Großteil der Anwohner von Alde Zaharra stellte sich hinter die Jugendlichen und machte deutlich, dass das Aquavox lediglich ein Trick der UPN war.

DIE ZUKUNFT

Das nun geplante Sportzentrum soll eine Anlage ersetzen, die laut Angaben der Stadtverwaltung „schwerwiegende bauliche und instandhaltungs-technische Probleme aufweist“. Eine Sanierung des Gebäudes mit geschätzten Kosten von 6,35 Millionen Euro wurde geprüft, jedoch verworfen „aufgrund der hohen Kosten und weil das derzeitige Angebot dieser Anlage, das sich auf Wassersportarten konzentriert, den Bedürfnissen des Stadtteils nicht gerecht wird und daher eine derart hohe Investition nicht rechtfertigt“. Zwei Alternativen sehen einen vollständigen oder teilweisen Abriss vor. „Bei ähnlichen Kosten von 6,66 bzw. 6,86 Millionen Euro ermöglichen sie die Umwandlung der bestehenden Infrastruktur in einen neuen Multifunktions-Komplex für Sport und Gesundheitsförderung“, erklärt die Stadtverwaltung. Beide Vorschläge sehen den Bau einer großen Anlage vor, mit vollständiger Ausstattung für Team-Sportarten (Handball, Basketball, Hallenfußball). Dazu ein Frontón, eine Kletterwand und ein Fitnessstudio sowie spezielle Bereiche für Boxen. „Diese Maßnahme gibt den Bewohnern der Altstadt eigene Anlagen im Stadtteil, für die sportliche Betätigung unter optimalen Bedingungen, um der aktuellen Nachfrage gerecht zu werden“. (naiz-baskultur)

(2026-08-02)

EUSKARA VON KI BEDROHT

Chaos und sprachliche Ausgrenzung: Die UNO sieht im rasanten Fortschritt der Künstlichen Intelligenz große Risiken für kleine Sprachen wie das Euskara. Im ersten Bericht des Unabhängigen Wissenschaftlichen Gremiums der Vereinten Nationen zum Einsatz künstlicher Intelligenz ist von Kontrollverlust die Rede und von „systematischer Ausgrenzung von Sprachen“. Damit sind sicher nicht Weltsprachen wie Englisch, Französische oder Chinesisch gemeint, sondern kleinere Sprachen wie Baskisch. Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich zu „zunehmend autonomen“ Systemen, die „tiefgreifende Auswirkungen“ auf Wirtschaft, Sicherheit und Menschenrechte haben werden, so der im Juli veröffentlichte erste Bericht des Unabhängigen Wissenschaftlichen Gremiums der Vereinten Nationen zu diesem Thema.

Das Dokument von vorläufigem Charakter schafft eine Ausgangsbasis zum aktuellen Stand der künstlichen Intelligenz. Darin wird davor gewarnt, dass sich diese Technologie von „Systemen, die auf die Vorhersage von Mustern ausgerichtet sind“ zu „anderen Systemen, die in der Lage sind, in verschiedenen Kontexten zu denken, zu planen und zu handeln“ entwickelt hat, was den Weg für „eine neue Generation operativ autonomer digitaler Akteure“ möglich macht.

Das Gremium setzt sich aus insgesamt 40 Experten zusammen, Mitvorsitzender ist der Forscher Yoshua Bengio, der aufgrund seiner Fortschritte auf dem Gebiet der künstlichen neuronalen Netze als einer der Väter des „Deep Learning“ gilt. In diesem Zusammenhang vertritt das Gremium die Ansicht, dass die Entwicklung der KI auf „Systeme hinzielt, die Aufgaben koordinieren, mit realen und virtuellen Umgebungen interagieren und sich in Wirtschafts- und Produktions-Prozesse integrieren werden“. Dieser Wandel, so heißt es in dem Text, werde die Entstehung einer „digitalen Arbeitskraft“ mit sich bringen, mit „Auswirkungen, deren Ausmaß noch schwer abzuschätzen ist“. Eine zweite Mitvorsitzende ist die philippinische Journalistin und Friedens-Nobelpreisträgerin Maria Ressa.

HERAUSFORDERUNGEN

Eines der Hauptrisiken, welches das Gremium identifiziert, ist „die Kluft zwischen der Entwicklung von Fähigkeiten und der Fähigkeit zur Bewertung und Kontrolle“. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass die KI schneller voranschreitet als die Instrumente, mit denen sie gemessen und auf ordnungsgemäße sowie sichere Funktionsweise überprüft wird: „Aktuelle Systeme haben zunehmend Schwierigkeiten, Modelle zu bewerten, die sich schneller weiterentwickeln als die zu ihrer Messung verfügbaren Instrumente, was ihre Überwachung erschwert.“

Zudem lernen einige Modelle bereits, „ihre Leistung in den Bewertungs-Systemen selbst zu optimieren“, was „die Zuverlässigkeit der Tests mindert und ein Überdenken der Kontroll- und Prüfungssysteme erforderlich macht“. In wirtschaftlicher Hinsicht betrachtet das Gremium KI als „Allzweck-Technologie“ mit „transformativem Potenzial“, betont jedoch, dass positive Auswirkungen nicht garantiert sind. Dem Bericht zufolge „hängen die Vorteile von ihrer Einführung, der Neuorganisation der Arbeit in den Unternehmen und den Investitionen in ergänzende Kompetenzen ab“.

DESINFORMATION UND AUSGRENZUNG

Zudem warnt das Gremium vor den Auswirkungen der KI auf das Informations-Ökosystem, insbesondere durch die Verbreitung von Deepfakes und anderen mit dieser Technologie erstellten Inhalten, und weist darauf hin, dass diese Systeme zu einer „fortschreitenden Aushöhlung der Fähigkeit, zwischen authentischen und falschen Informationen zu unterscheiden“, beitragen, insbesondere wenn sie mit „Empfehlungs-Algorithmen und personalisierter Überzeugungsarbeit“ kombiniert werden.

Im sozialen Bereich hebt der Bericht sprachliche und kulturelle Ungleichheiten hervor, da die meisten Modelle vor allem auf Englisch und in einer begrenzten Anzahl von Sprachen funktionieren. Dies führt zu einer „systematischen Ausgrenzung von Tausenden von Sprachen und Gemeinschaften“. Das Dokument warnt zudem vor dem zunehmenden Einsatz von KI im Bereich der psychischen Gesundheit, einem Feld, in dem „die Einführung die wissenschaftlichen Erkenntnisse überholt“, was für die Nutzer Risiken wie „emotionale Abhängigkeit, unangemessene Reaktionen in kritischen Situationen und einen Mangel an angemessener klinischer Aufsicht“ mit sich bringt. Das Gremium kommt zu dem Schluss, dass die globale Regulierung der KI nach wie vor „fragmentiert“ ist und die derzeitigen Mechanismen „unzureichend“ sind, und fordert daher die Einführung von „Standards für Bewertung, Prüfung und Aufsicht“. (naiz-baskultur)

(2026-08-02)

URSACHEN DER BRÄNDE

Baskische Betrachtungen: Die Prävention zur Bekämpfung der verheerenden Brände, die durch den Klimawandel ausgelöst werden, erfordert strukturelle Veränderungen in der Politik zur Wiederbelebung des ländlichen Raums und im Modell des Primärsektors, hohe Investitionen in Personal und Mittel zur Brandbekämpfung. Es geht nicht darum, ob die Brände böswillig ausgelöst werden, von kranken Brandstiftern oder von rücksichtlosen Leuten, die aus Wald Bauland machen wollen. Es geht um Prävention. Seit Jahren erleben wir die Kürzung von Geldern für Feuerwehren, Kürzungen bei Waldbrand-Brigaden, um Feuerwehrleute unter miserablen Arbeitsbedingungen … völlig unverantwortlich angesichts der gefährlichen klimatischen Entwicklung. Diese Tätigkeiten sind unverzichtbar! Das sind Arbeitsplätze für Landbewohner, an Orten, wo es schwierig ist, Arbeit zu finden. Hinzu kommt eine forstwirtschaftliche Politik, die sich stark auf industriellen Monokultur-Anbau von Baumarten wie Kiefer oder Eukalyptus konzentriert – als würde man Streichhölzer im Wald verstreuen. Aber forstwirtschaftliche Realität. Die Ursachen der Großbrände reichen Jahrzehnte zurück und sind auf Faktoren zurückzuführen, die die aktuelle Situation direkt beeinflussen. Zwei Ursachen entstanden noch vor den großen Auswirkungen des Klimawandels.

LANDFLUCHT

Binnen-Migrations-Bewegungen des letzten Jahrhunderts waren die Folge der Industrialisierung der Wirtschaft auf der Grundlage von Kohle, Erdöl und Erdgas. Diese drei Grundstoffe der CO₂-Emissionen haben einen durch industrielle Aktivitäten des Menschen verursachten Klimawandel hervorgerufen. Das Ergebnis sind verlassene oder entvölkerte Dörfer, deren Einwohner zum Großteil seit langem im Ruhestand sind. Aber je weniger Menschen auf dem Land leben, desto geringer ist Wachsamkeit. 100 Einwohner entdecken eine Rauchsäule eher als fünf. Je früher eine Rauchsäule entdeckt wird, desto früher wird Alarm geschlagen; je früher Alarm, desto früher die Löscharbeiten. Ganz einfach. Angesichts der aktuellen klimatischen Lage breiten sich Brände aufgrund hoher Temperaturen, stärkerer Sonneneinstrahlung, längerer Dürreperioden sowie häufiger und intensiver Winde heftiger und schneller aus. Jedes Gebiet wird anfälliger für Brände, die immer heftiger ausfallen. Notwendig ist ein Generationswechsel vor Ort. Die Wiederbevölkerung des ländlichen Raums durch Landwirte und Hirten ist heute wichtiger denn je. Die Klima-Lage erfordert staatliche Vereinbarungen mit einer Perspektive von 40 bis 50 Jahren.

MODELLWECHSEL

Der Wandel im Produktionsmodell des Primärsektors war in den letzten 50 Jahren so tiefgreifend, dass dieser Sektor die präventiven Funktionen (wirtschaftliche, ökologische, soziokulturelle), die er früher erfüllte, nicht mehr wahrnimmt. Die extensive Viehhaltung besteht aus kapitalistischen Produktionsmodellen, der Beruf des Hirten ist so gut wie verschwunden. Ein Hirte, der von und mit seiner Herde lebt, ist eine Person, die die Herde zu Orten lenkt, an denen die meiste Vegetation vorhanden ist. Die Herde frisst diese Vegetation und düngt den Boden, verbessert ihn und sorgt dafür, dass er mehr Wasser speichert. Feuchter Boden ist Brandschutz. Extensive Viehhaltung ohne Hirten lenkt die Herden nicht, sondern folgt. Eine Herde von Pflanzenfressern verwaltet die Weideflächen nicht, die Herde weidet dort, wo es ihr gefällt, nicht unbedingt dort, wo es nötig ist. Ohne lenkenden Hirten gibt es keinen effizienten Weideplan zur Brandverhütung.

Die Landwirtschaft am Rande der Dörfer schuf landwirtschaftliche Produktionsringe, die Feuer von Wohnhäusern fernhielten. In den vom Dorf am weitesten entfernten Gebieten wurden Getreide und Hülsenfrüchte angebaut, zusammen mit Weideflächen zum Weiden und Mähen. Diese land- und viehwirtschaftlichen Flächen bildeten ein mosaikartiges Muster: Flächen mit geringem Entzündungspotenzial, die einzelne Waldgebiete voneinander trennten. Interessant ist, die Heftigkeit und Geschwindigkeit eines Feuers in einem Kiefernwald zu beobachten und zu sehen, wie sich dasselbe Feuer abschwächt und verlangsamt, sobald es auf einen Eichenwald trifft. Mehr Zeit bedeutet größere Chance auf Löschung. Wir haben also zwei Modelle zur Auswahl: ein forstwirtschaftliches Modell für schnelles und leicht verdientes Geld (schnell brennbar) gegenüber einem forstwirtschaftlichen Modell für langsam verdientes Geld (weniger brennbar).

JAHRZEHNTELANGE WARNUNGEN

Führende Experten, Wissenschaftler und interdisziplinäre Forscher warnen schon seit Jahrzehnten. Im Alltag bestätigen sich viele ihrer Hypothesen seit Jahren. Fragen Sie irgendeinen Landwirt nach seinen Ernten, irgendeinen Viehzüchter nach seinen Weiden, irgendeinen Forstarbeiter nach Wäldern und Flüssen, irgendeinen auf Biodiversität spezialisierten Biologen oder irgendeinen Waldbrandbekämpfer … alle haben die Häufigkeit und Schwere dieser Veränderungen bemerkt. Der Klimawandel ist gekommen, um zu bleiben. Wir wissen weder, für wie lange, noch wie viele Quadratkilometer verbrennen, noch wie viele Häuser überflutet oder wie viele Ernten zerstören werden. Was wir wissen: dass die Zerstörungskraft so groß ist, dass selbst die fortschrittlichsten Technologien nicht in der Lage sind, ihn einzudämmen. Deshalb brauchen wir strukturelle Veränderungen in der Politik zur Wiederbelebung des ländlichen Raums und im Modell des Primärsektors. Wir brauchen Investitionen in Personal und Mittel zur Brandbekämpfung und Prävention von Bränden und anderen Wetterereignissen, sowie einen interdisziplinären Plan, um dieser neuen Realität begegnen zu können. Zum Abschied eine Formel zur Brandprävention: die „30er-Regel“: Bei Temperaturen über 30 Grad, Windgeschwindigkeiten über 30 km/h und einer Luftfeuchtigkeit unter 30 % sollten wir wachsam sein. Die Gefahr ist groß. (naiz-baskultur)

(2026-08-02)

KEINE HOCHSPANNUNGS-LEITUNG

Die baskische Regierung verweigert dem Unternehmen Solaria die Genehmigungen für den Bau von 19 Photovoltaik-Anlagen in der Provinz Araba sowie für die dazugehörige Übertragungs-Infrastruktur. Die Anlage sollte Bizkaia mit Strom aus Solaranlagen versorgen. Das von Solaria vorangetriebene Projekt zum Bau von rund dreißig Solarkraftwerken in Araba und Burgos steht damit fast vor dem Ende. Die Nachricht ist auch für Bizkaia von Bedeutung, da der erzeugte Strom im entfernten Hafen von Bilbao eingespeist werden sollte. Das Unternehmen für erneuerbare Energien hatte vor, eine Hochspannungs-Leitung zu errichten, die das gesamte Gebiet von Süden nach Norden durchqueren sollte, um diesen Strom nach Zierbena zu leiten. Das Projekt war auf einhellige Ablehnung von Seiten aller betroffenen Gemeinden in Bizkaia gestoßen (Gordexola, Zierbena, Güeñes und Abanto). Auch die Provinz-Verwaltung hatte diesbezüglich Bedenken geäußert, ebenso weitere Ortschaften (Barakaldo, Ortuella, Trapagaran und Galdames), da die Leitung ursprünglich auch durch deren Gemeindegebiete verlaufen sollte.

Der Beschluss, der dem Madrider Unternehmens eine Absage erteilt, wurde im Amtsblatt des Baskenlandes veröffentlicht. Das Ministerium für Industrie, Energiewende und Nachhaltigkeit hat die Energiequellen und die Abtransport-Leitung endgültig begraben. Ohne die Stromleitung ist das Projekt sinnlos, das Hunderte Millionen Euro gekostet hätte, allein die Stromleitung 260 Millionen. Woran scheitert der Plan von Solaria? Überraschenderweise geht der Beschluss nicht auf die Umwelt-Auswirkungen ein, die der Bau der Anlagen und der Hochspannungs-Leitung mit sich gebracht hätte, die viele Kontroversen ausgelöst hat. Die Leitung sollte eine Länge von 116 Kilometern haben sollte, 31 in Bizkaia und 85 in Álava und Burgos. Stattdessen verweist das Gutachten des Ministeriums auf verschiedene administrative und strategische Probleme. Das wichtigste ist der Ablauf der Genehmigung für den Anschluss an den Stromknotenpunkt Zierbena, die Solaria vom staatlichen Betreiber Redeia erhalten hatte. Ohne diese Genehmigung ist die baskische Regierung der Ansicht, dass das Projekt aus rechtlicher Sicht zum Scheitern verurteilt ist. Sie betont, dass das Madrider Unternehmen nicht in der Lage wäre, die Pläne innerhalb der gesetzlich festgelegten Frist umzusetzen.

Dazu kommen weitere Mängel. Dem Unternehmen ist es nicht gelungen, eine Umweltverträglichkeits-Erklärung für die Anlagen und ihre Abtransport-Leitungen zu erhalten. Die Frist von 31 Monaten wurde überschritten. Einer der Gründefür das Scheitern des Projekts liegt darin, dass Solaria den ursprünglichen Vorschlag mehrfach geändert hat, um den Widerstand der Bevölkerung und der betroffenen Gemeinden zu umgehen. Das gesamte Verfahren im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf die Natur hat sich durch Vorschläge und Gegenvorschläge immer weiter in die Länge gezogen.

RECHTSSTREIT

Tatsächlich sah der letzte Entwurf für die Leitung (von Anfang 2026) vor, bis zu 75% der Trasse unterirdisch zu verlegen – ein äußerst kostspieliges Vorhaben, das den Einsatz von schwerem Gerät in landschaftlich und ökologisch wertvollen Gebieten von Bizkaia erfordert hätte. In diesem Vorschlag wurden die Orte Ortuella, Barakaldo, Trapagaran und Galdames ausgespart worden. Im ersten Projekt von 2023 war von unterirdisch nichts zu lesen. Mit den Änderungen schoss das Budget von 47 auf 260 Millionen in die Höhe. Ein Kompromissvorschlag, der von den Gegnern des Plans ebenfalls abgelehnt wurde, sah Kosten in Höhe von 97 Millionen vor. Zudem gab es keine Vereinbarung zwischen Solaris und dem Kraftwerk im Hafen Zierbena am Ende der langen Trasse.

Die Ablehnung ist auch ein Erfolg der in Araba starken Umwelt-Bewegung. Der Beschluss liefert zudem bisher nicht bekannte Informationen. Beispielsweise wird offenbart, dass Solaria bereits eine Klage gegen die baskische Regierung angestrengt hat. Das Unternehmen macht die Regionalregierung für das Scheitern des Genehmigungsverfahrens verantwortlich, wegen administrativer Hindernisse. Wahrscheinlich ist, dass das Unternehmen die Einstellung des Verfahrens anfechten wird und damit den Rechtsstreit mit der baskischen Verwaltung vor den Gerichten und vor der Nationalen Markt- und Wettbewerbskommission verschärft. (baskultur)

(2026-08-01)

KAMPF UM DEN STIERKAMPF

Gute Nachrichten: Zehn Jahre nach der letzten Stierkampf-Veranstaltung bereitet sich die baskische Hauptstadt Vitoria-Gasteiz darauf vor, sich von der Arena vollends zu verabschieden. Ein Jahrzehnt ohne Stierkämpfe und mit einer ungenutzten Stierkampf-Arena. Das wird sich nach dem geplanten Umbau der Iradier Arena ändern. Sie soll über einen Konzertsaal für 1.500 Zuschauer*innen und einen Veranstaltungs-Bereich für Großkonzerte für 6.000 Personen verfügen. Das hat die Stadtverwaltung von Gasteiz (PSE und PNV) beschlossen. Für den Umbau wird eine Investition von 42 bis 50 Millionen Euro veranschlagt. „Mit dieser Konfiguration werden zwei Veranstaltungsbereiche abgedeckt, die derzeit in der Stadt nur unzureichend vertreten sind: anspruchsvolle Musik mit hoher akustischer Qualität sowie große Kultur- und Musikveranstaltungen“, erklärte die Stadträtin für Kultur und Bildung auf einer Pressekonferenz, auf der sie ankündigte, dass die Stadtverwaltung plant, die Ausschreibungsunterlagen am Ende der Legislaturperiode zu veröffentlichen. (Foto: foku)

Das Beispiel Gasteiz sollte vor allem Schule machen in Bilbo, wo die Stierkämpfe mit Mühe, wenig Zuschauern und öffentlichen Subventionen mühsam am Leben erhalten werden. Das Interesse an dieser Art von spanischer Kultur hat mit den Jahren erheblich nachgelassen, doch die Corrida-Lobby sitzt noch fest im Sattel. Trotz der kleinen Skandale, die die Stierkampf-Betreiber provozieren. Zum wiederholten Mal machen sie Werbung mit städtischen Objekten, ohne vorher Genehmigungen eingeholt zu haben. Deshalb haben die Fiesta-Gruppen „Bilboko Konpartsak“ und die Stadtverwaltung das Arena-Unternehmen gemeinsam aufgefordert, das Bild von Marijaia von einem Plakat zur Ankündigung der Stierkämpfe zu entfernen. Marijaia, die Fest-Marie, ist das traditionelle Symbol der Fiesta-Gruppen.

Zum zweiten Mal in Folge hat das Unternehmen, das die Stierkampfarena in Bilbao verwaltet, mit seinem Plakat für die allgemeinen Stierkämpfe eine negative Reaktion hervorgerufen. Im Jahr 2025 bedauerte Metro Bilbao die „unbefugte Verwendung“ der charakteristischen Eingänge zur U-Bahn – auf dem Stierkampf-Plakat. In diesem Jahr wiederholt sich die Geschichte auf einem weiteren Plakat, auf dem ein spanischer Stierkämpfer vor dem Arriaga-Theater mit Marijaia auf dem Balkon abgebildet ist. Bilboko Konpartsak beanstandete, dass das Unternehmen die populäre Figur nutze, „um für eine private Veranstaltung zu werben, die zudem mit einer Aktivität in Verbindung steht, die das Leiden und den Tod von Tieren zum Spektakel macht“. In einem Brief betonen die Festgruppen, dass Marijaia das Symbol der Volksfeste von Bilbao sei, „ein Symbol und Kulturerbe, das allen gehört und nicht in den Dienst privater wirtschaftlicher Interessen gestellt werden darf. In dem Schreiben erinnern sie daran, dass „rund vierzig Stiere auf grausame Weise gequält und getötet werden. Sie beabsichtigen, ein Symbol, das allen gehört, in den Dienst privater Interessen zu stellen. Darüber hinaus verfälscht dieses Plakat den Geist der Fiesta und verbreitet eine Botschaft, die mit den Werten eines Volksfestes, das alle einbezieht, unvereinbar ist“. (naiz-baskultur)

ANMERKUNG:

Bei dieser Publikation handelt es sich um eine Kolumne, die ähnlich wie "Presse-Überblick" funktioniert. Wörtlich dokumentierte Beiträge sind mit Quellen-Link versehen; ist kein Link enthalten, handelt es sich um einen von der Redaktion verfassten Text, dessen Basisinformation aus dem ohne Link erwähnten Medium stammt.

ABBILDUNGEN: 

(*) Tagespresse

(ERST-PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-08-01)

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