Fußball-Hoffnung in San Sebastian
Niemand kann bezweifeln, dass die Pokal-Turniere den baskischen Kickern sehr gut liegen. In der vergangenen Dekade waren alle vier in der Ersten Liga vertretenen Club wenigstens ein Mal im Finale vertreten, je einmal siegten La Real aus Donostia und Athletic aus Bilbao. Auch im Jahr 2026 wird baskische Teilnahme am Finale verzeichnet: erneut werden die Blau-Weißen aus San Sebastian in Sevilla auf dem Platz stehen, um gegen den CL-Halbfinalisten Atletico Madrid ihren hoffentlich vierten Titel einzufahren.
Pokal-Finale von Real Scoiedad San Sebastian: Vom „Radfahrer“-Sieg im Jahr1909 bis zum Finale 2020, das wegen der Pandemie verschoben werden musste. 2026 kommt ein Finale hinzu.
Drei Pokalsiege und fünf zweite Plätze sind die Erfolgsbilanz von Real Sociedad San Sebastian (La Real), obwohl insgesamt nur sieben Endspiele ausgetragen wurden, da die Ausgabe von 1910 in einem Dreier-Turnier entschieden wurde. Dies ist ein historischer Rückblick auf die Ereignisse bei diesen Begegnungen. Für einen Verein wie La Real ist das Erreichen eines Pokalfinales ein Meilenstein, der nur selten erreicht wird. Seit der Einführung dieses Pokal-Turniers im Jahr 1902 wurden unter verschiedenen Bezeichnungen war La Real in sieben Finalen vertreten – das Finale am 18. April 2026 wird das achte sein.
Das erste, das zudem mit einem Titel endete, war 1909, das Jahr der Gründung des Vereins, obwohl man sich bereits einige Jahre zuvor vom San Sebastián Recreation Club – dem heutigen Tennis – abgespalten hatte, um den San Sebastián Football Club zu gründen, ohne ihm jedoch einen offiziellen Status zu geben. Als das Turnier dann gestartet wurde, stellten die Donostiarras fest, dass sie die Voraussetzung nicht erfüllten, nämlich, seit mindestens einem Jahr registriert zu sein. Um dieses Hindernis zu umgehen, griffen sie zu einem Trick und fusionierten mit dem Club Ciclista San Sebastián, der bereits länger ordnungsgemäß registriert war.
Die Endrunde dieses Pokals fand vom 4. bis 8. April 1909 in Madrid statt. Die Blau-Weißen besiegten zunächst Athletic Bilbao (4:2), dann den Galicia Fútbol Club (2:0) und im Finale, dessen genauer Austragungsort heute unbekannt ist, setzten sie sich mit 3:1 gegen Español de Madrid durch, dank eines Doppelpacks des Engländers George McGuinness, der als Englischlehrer nach Donostia gekommen war und sieben Jahre später während des Ersten Weltkriegs in der blutigen Schlacht an der Somme fallen sollte. Einige Monate später, im September 1909, führten die Unstimmigkeiten zwischen „Radfahrern“ und „Fußballern“ dazu, dass Letztere die Sociedad de Fútbol gründeten, der im folgenden Frühjahr der Titel „Real“ verliehen wurde.
1910: Ein Schisma und zwei Turniere
Für die Ausgabe von 1910 wurde die Angelegenheit komplizierter. Die Endrunden des Pokals hatten bis dahin immer in Madrid stattgefunden, doch La Real, als amtierender Meister unter dem Namen Club Ciclista, beanspruchte dieses Recht für sich. Die Mehrheit der im spanischen Verband zusammengeschlossenen Vereine lehnte ab, und es kam zu einem Schisma, sodass zwei Pokal-Wettbewerbe organisiert wurden. Am Turnier in Donostia nahmen schließlich nur drei Clubs teil: Athletic, Madrid CF und La Real, das erneut das Problem hatte, nicht seit einem Jahr registriert zu sein, und deshalb als Vasconia Sporting Club antrat. Das Turnier wurde als Dreiecks-Turnier auf dem Platz beim Ondarreta-Strand ausgetragen, sodass es kein eigentliches Finale gab. Im ersten Spiel am 19. März besiegte Athletic das Team von Madrid mit 2:0, und am nächsten Tag trafen Bilbao – die ihr neues rot-weißes Trikot vorstellten – auf La Real. Das Tor von Remigio Iza in der zweiten Halbzeit sicherte den „Löwen“ den Titel, ohne dass sie auf das Spiel am 21. zwischen Vasconia und Madrid warten mussten, das 2:0 endete und den Gastgebern den zweiten Platz einbrachte.
1913: Drei Spiele in Barcelona
Real Sociedad, nun mit offiziellem Namen und allen dazugehörigen Attributen, stand drei Jahre später, im Jahr 1913, erneut im Finale. Es kam erneut zu einer Spaltung, und die Mannschaften teilten sich auf in zwei Verbände. Der Club aus San Sebastián schloss sich der Real Unión Española de Clubs de Football an, und drei weitere Teams nahmen am Turnier teil: der Irún Sporting Club, Barcelona und der Sporting de Pontevedra. Die beiden Teams aus Gipuzkoa mussten gegeneinander antreten, um zu entscheiden, welche von ihnen nach Barcelona reisen würde, um die Region zu vertreten. Die Blau-Weißen von La Real dominierten und sicherten sich das Ticket. Pontevedra zog sich kurz vor Beginn der Endrunde zurück und begründete dies damit, dass mehrere seiner Spieler erkrankt seien, weshalb für das Pokalfinale Hin- und Rückspiel in der katalanischen Hauptstadt angesetzt wurden.
Trotz des Heimvorteils von Barca gelang es Real, im ersten Spiel ein 2:2-Unentschieden zu erzielen, und im zweiten Spiel, einen Tag später, stand es erneut unentschieden (0:0). Da es zu dunkel war, um eine Verlängerung zu spielen, wurde beschlossen, eine Woche später, am Sonntag, dem 23. März, ein drittes Entscheidungsspiel auszutragen, ebenfalls im „Camp de la Indústria“, der damaligen Heimstätte der Blaugranas (Barca). Eugenio Rezola brachte die Blau-Weißen per Elfmeter in Führung, doch die Tore von José Berdié und Apolinario Rodríguez drehten das Spiel.
1928: Im Schatten der Olympiade
Fünfzehn Jahre später, im Jahr 1928, trafen Real und Barcelona erneut in einem Finale aufeinander, das ebenfalls erst nach drei Spielen entschieden wurde. Diesmal war das El Sardinero Stadion in Santander der Schauplatz. Das erste Aufeinandertreffen endete mit einem 1:1-Unentschieden, in der Verlängerung fielen keine Tore, und da es damals noch kein Elfmeterschießen gab, wurde ein erstes Entscheidungsspiel für zwei Tage später vereinbart. Das Spiel war hitzig verlaufen, und die Donostiarras beschwerten sich heftig über die Schiedsrichter-Leistung, über ein wegen Abseits aberkanntes Tor und über die „zehn Elfmeter, die uns vorenthalten wurden“, wie es der Dichter Gabriel Celaya formulierte. Die zweite Begegnung verlief ähnlich: hartes Spiel, drei Platzverweise und erneut ein 1:1-Unentschieden.
Es war der 22. Mai, und der Verband beschloss, ein drittes Spiel am selben Ort anzusetzen. Der Termin: der 29. Juni, nach den Olympischen Spielen in Amsterdam. Real San Sebastián, das aus Amateuren bestand, stellte neun Spieler für das spanische Nationalteam, während von Barcelona keiner dabei war, da es sich um Profis handelte, die nicht an der Olympiade teilnehmen durften. Nach der Rückkehr aus den Niederlanden setzte sich Barcelona mit 3:1 durch und ließ die Donostiarras in einem Finale, das sich insgesamt 40 Tage hinzog, mit leeren Händen zurück.
1951: Wieder mit Benito Díaz
In Donostia musste man bis 1951 warten, um wieder einmal im Kampf um den Titel mitzuspielen. Paradoxerweise saß trotz der mittlerweile vergangenen 23 Jahre derselbe Mann auf der Trainerbank: Benito Díaz, der Trainer, der Real am häufigsten trainiert hat – 389 Mal. Mit seinem damals revolutionären Spielsystem – das einer 3-4-3-Aufstellung entsprach – schaltete er Celta im Achtelfinale und Real Santander im Viertelfinale aus, bevor er im Halbfinale auf Real Madrid traf, mit einem knappen Sieg im Hinspiel in Atotxa (1:0, Tor von Artigas) und der Entscheidung im Rückspiel im Bernabéu (0:2, Tore von Barinaga und Caeiro). Das „Weiße Kolosseum“ in Madrid war auch Austragungsort des Finales, und erneut wurde Barcelona zum Bezwinger der Realistas. Ein Doppelpack von César Rodríguez und ein Tor von Golzalvo III entschieden die Partie (3:0).
1987: Heiße Nacht in La Romareda
Noch länger dauerte das Warten auf das nächste Finale, bis 1987. Doch es lohnte sich. Dabei spielte das Glück bei den nachfolgenden Auslosungen eine gewichtige Rolle, denn erst im Halbfinale traf La Real auf einen Gegner aus der Primera División (Erste Liga). Baskonia, Montijo, Villarreal (das in jenem Jahr in die Zweite B aufsteigen sollte), Eibar und Mallorca Atlético (damals spielten auch die Reserve-Teams im Pokal mit) wurden von La Real ausgeschaltet, in einigen Fällen mit mehr Mühe als erwartet. In der vorletzten Runde reichte ein Tor von Bakero im Rückspiel im San Mamés gegen Athletic, um das Ticket für das Finale in Zaragoza zu lösen. Bei drückender Hitze stand im La Romareda Stadion als Auftakt ein Jugendspiel zwischen Spanien und Jugoslawien auf dem Programm. Die jungen Balkaner müssen geglaubt haben, sie befänden sich im Kleinen Maracanã von Belgrad, da sie von einer der Tribünen ununterbrochen angefeuert wurden.
Im Finale ging das blau-weiße Team von Trainer John Benjamin Toshack durch Tore von López Ufarte und Txiki Begiristain zweimal in Führung, doch Atlético Madrid glich jeweils aus und hätte nach einem möglichen Elfmeter, den Luis Mari López Rekarte in der 88. Minute verursacht hatte, beinahe den Pokal geholt. Der Schiedsrichter entschied auf Eckball, und nach der Verlängerung kam es zum Elfmeterschießen, in dem Da Silva daneben schoss und Arconada den Schuss von Quique Ramos parierte, um den Titel zu sichern.
1988: Heimspiel in Madrid
Zwölf Monate später wich das Lachen den Tränen. Die Blau-Weißen hatten Atlético Madrid im Viertelfinale und Real Madrid im Halbfinale mit einem historischen 0:4 im Bernabéu ausgeschaltet, das anschließend auch Schauplatz des Finales gegen Barcelona sein sollte. La Real, das die Liga in jenem Jahr auf dem zweiten Platz beenden sollte, ging als Favorit ins Spiel gegen ein Culés-Team in einer Schwächephase, das zum ersten Mal in seiner Geschichte um die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben bangen musste.
Doch die Geschichte wiederholte sich. Tatsächlich hat La Real alle vier Endspiele gegen Barça verloren, während es sich in den anderen drei durchgesetzt hat. Diesmal war es ein einziges Tor von Alexanco. Die Culés standen am Ende jener Saison vor einem Umbruch, und unter ihren Neuzugängen befanden sich drei der Leistungsträger der Blau-Weißen aus Donostia: López Rekarte, Bakero und Begiristain. Bei den Txuri Urdin blieb für immer das Gefühl zurück, dass nicht alle Spieler in diesem Duell 100% gegeben hatten. Zu dieser Niederlage hinzu kamen zudem die Prügel der spanischen Polizei gegen die baskischen Fans, die in Scharen angereist waren, 30.000 Personen, die Polizei wartete am Ausgang, um ohne jeglichen Vorfall gegen sie loszuprügeln.
2020-21: Feier ohne Fans
Die Niederlage leitete erneut eine lange Durststrecke im Pokal ein, mit einigen demütigenden Kapiteln gegen Gegner aus weit unterlegenen Ligen. Dies änderte sich mit der Ankunft von Trainer Imanol Alguacil auf der Trainerbank. Der Coach aus Orio verlieh dem Pokal bereits in der ersten Runde wieder Bedeutung, wie das 0:8 gegen Becerril oder das 0:4 in Ceuta zeigten.
Auch Espanyol Barcelona und Osasuna aus Pamplona wurden ausgeschaltet, bevor im Bernabéu-Stadion im Viertelfinale das große Real Madrid wartete. La Real lieferte ein episches Spiel und setzte sich mit 3:4 durch, dank Toren von Odegaard, Isak (2) und Merino. Im Halbfinale wartete Mirandés aus Burgos, das Überraschungs-Team des Turniers aus der zweiten Liga, das zuvor Celta, Sevilla und Villarreal ausgeschaltet hatte.
Die Donostiarras ließen sich die Chance nicht entgehen und zogen ins Finale ein, nachdem sie sowohl das Hinspiel im Anoeta-Stadion (2:1) als auch das Rückspiel auf dem Anduva-Platz (0:1) gewonnen hatten. Im anderen Halbfinale besiegte Athletic Bilbao knapp Granada, und im Stadion La Cartuja von Sevilla sollte das Derby aller Derbys stattfinden: Basken gegen Basken – La Real gegen Athletic. Doch dazwischen kam die Covid-19-Pandemie. Alle Spiele wurde abgesagt, das Finale konnte erst ein Jahr später ausgetragen werden, am 3. April 2021. Immer noch gab es wegen der andauernden Pandemie kein Recht auf freie Bewegung, deshalb mussten beide Fangruppen zu Hause bleiben.
In einem menschenleeren Stadion brachte Athletic-Verteidiger Iñigo Martínez (Ex-Real) den Real-Angreifer Igor Portu zu Fall, und Oyarzabal zeigte vom Elfmeter-Punkt keine Gnade (0:1, 63. Min.). Seither steht in den Vitrinen von Anoeta die dritte und bislang letzte Trophäe. Am 18. April 2026 könnte ein vierter Cup dazu kommen, wenn Atletico Madrid geschlagen wird. Viele baskischen Augen werden nach Sevilla schauen, bei Athletic ist man traurig, weil man gegen die Blau-Weißen im Halbfinale knapp gescheitert war. (*) (Das Ergebnis wird nachgereicht.)
Erfolgsmeldung
Der baskische Fußball hat ein weiteres Erfolgskapitel abgeschlossen, die bislang drei Pokal-Trophäen des Klubs aus Donostia werden in der Vitrine um eine ergänzt. Das Spiel mit weitgehender Überlegenheit des Gegners aus Madrid ging in die Verlängerung und wurde mit Elfmetern entschieden - ein glücklicher Sieg, der mit dem schnellsten Tor der 123 Jahre dauernden spanischen Pokalgeschichte einen Rekord lieferte. Denn nach genau 16 Sekunden legte das baskische Team bereits ein Tor vor. Das zweite entsprang einem dummen Torwart-Foul, der zum Elfmeter führte. Dazwischen glich Favorit Atletico durch sehenswerte Tore zweimal aus, verpasste aber den elften Titel. Dass die spanische Hymne vor Spielbeginn ausgepfiffen wird, gehört bei Spielen mit baskischer und katalanischer Beteiligung zur Normalität.
ANMERKUNGEN:
(*) "Endspiele in Blau-Weiß: vom Radfahrer-Sieg 1909 bis zum wegen der Pandemie verschobenen Spiel 2020“, Original-Titel: „Finales en blanquiazul, de la victoria ‘ciclista’ de 1909 a la aplazada cita pandémica de 2020“, Tageszeitung Gara, 2026-04-14 (LINK)
ABBILDUNGEN:
(*) La Real im Finale (gara)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-04-15)
