Schamanen und Grünhexer
Abgesehen vom Pokalsieg der Männer aus Donostia war die Fußball-Saison 2025-2026 unspektakulär bis enttäuschend. Keine Auf- und Abstiege, bei den baskischen Clubs die üblichen Trainer-Entlassungen. Diese Monotonie kontrastierte erneut mit dem fortgesetzten Protagonismus baskischer Übungsleiter außerhalb des Baskenlandes. Mit etwas Glück hätten drei euskaldune Coaches die drei Europa-Pokale gewinnen können, nur knapp kam es nicht zu dieser Sensation. Dennoch waren die Erfolge der Trainer beachtlich.
Real Sociedad aus San Sebastian / Donostia gewann überraschend den spanischen Pokal im Finale gegen Atletico Madrid. Im Halbfinale setzten sich die Giputschis gegen das enttäuschende Athletic durch.
Der Reihe nach
Der Start des Rückblicks gilt erneut den kickenden Frauen. Längst langweilig geworden ist die spanische Profiliga angesichts der erdrückenden Überlegenheit der Damen aus Barcelona, die zum zehnten Mal in Folge den Titel holten, dazu den Pokal und die
Championsleague. Mehr als im Männer-Fußball spielt das Geld die entscheidende Rolle. Insofern ist es als Erfolg zu werten, wenn Real Sociedad (mit Spanierinnen und Ausländerinnen) den dritten Platz erobern konnte, vor den Reichen von Atletico Madrid. Abgeschlagen dagegen Athletic Bilbao, das bekanntlich auf Eigengewächse setzt, und weiter Aderlass verzeichnet, weil es in England und Madrid mehr Geld zu verdienen gibt: drei wollen weg, dunkle Wolken. Erfolgreich waren die Kickerinnen von Eibar, die die Klasse halten konnten, allein dies war das Ziel.
Tristesse wird gemeldet aus der zweiten Männer-Liga. Hier konnte Real Sociedad einen Mittelfeldplatz sichern und ist somit der einzige Club, der sowohl in der Ersten wie in der Zweiten vertreten ist. SD Eibar spielte eine katastrophale erste Runde und eine phantastische zweite, bis am Ende die Luft ausging und die Aufstiegsrunde knapp verpasst wurde.
Dompteure der Manege
England war schon länger ein gutes Terrain für baskische Trainer, um Erfolge zu feiern und geschätzt zu werden. Eines Tages werden Psychologen untersuchen, wie es bei einem solch kleinen Fußballvolk möglich ist, derart gute Anleiter in beachtlicher Zahl hervorzubringen. Seit Jahren werkeln Mikel Arteta bei Arsenal London, Andoni Iraola beim dezenten FC Bournemouth und Unai Emery bei Aston Villa. Letzterem gelang mit Birmingham sein fünfter Erfolg in der Europa-League, mit dem dritten Club. Chapeau! Arteta machte Arsenal nach 22 Jahren wieder zum Meister und verlor das Champions-Finale gegen Paris nur per Elfmeter. Iraola führte den Südküsten-Club in die Euro-League und wird nun von halb Europa heftig umworben. Zuletzt war er in Italien im Gespräch bei Milan, dann bei Leverkusen und zuletzt bei Liverpool. Schwer zu toppen.
Einen kaum schätzbaren Erfolg feierte auch der bei Athletic groß gewordene Iñigo Perez, der auf seiner ersten Trainer-Station Rayo Vallecano nach drei Jahren ins Finale der Conference-League kam. Bitter zu sehen für die Großkotzigen von Real Madrid, wie der populäre Vorstadt-Club Schlagzeilen schreibt, während die Weißen nicht einen einzigen Titel holen konnten. Nach dem Euro-Finale wartet auf Iñigo bei seinem neuen Job bei Villareal die Herausforderung Champions-League. Es wird von ihm zu hören sein. – José Luis Mendilibar aus Bizkaia leitet weiter die Schicksale von Olympiakos Piräus, nach dem 4-fach-Erfolg 2025 spielte sein Team wenig erfolgreich die Champions, erreichte aber immerhin die griechische Vize-Meisterschaft. Mendi bleibt der Star und hat noch ein Jahr Vertrag.
Ein neuer Stern am Trainer-Firmament ist Eder Sarabia, Sohn eines Meisterspielers von Athletic. Mit dem bescheidenen Club Elx (span: Elche) stieg er in die Erste auf und nicht sofort wieder ab. Weil das Kraft gekostet hat, stieg er aus seinem laufenden Vertrag aus, um sich der Familie zu widmen. – Iraia Iturregi, Ex-Spielerin und Trainerin von Athletic, erhielt einen Vertrag als Ko-Trainerin der spanischen Auswahl, ein beachtlicher Aufstieg. – Nach Misserfolgen in England wurde Julen Lopetegi aus Gipuzkoa (Ex-Coach Spanien + Real Madrid) nach der WM-Qualifikation zum Nationalhelden von Katar.
Ordentlich verzockt hat Xabi Alonso bei Real Madrid. Nicht wegen fehlender Kapazität, sondern wegen des harten Aufpralls gegen die Mauer der egomanen und narzisstischen Weltstars. So folgte dem Wunder von Leverkusen der Absturz bei den Weißen, die auch seinem Nachfolger nur sechs Monate gaben bis zum Tritt in die Weichteile. Xabis Ruhm und Selbstbewusstsein sind dennoch nicht angekratzt, sonst hätte er nicht bei Chelsea London angeheuert, einer weiteren europäischen Großnummer. – Der bei Osasuna so beliebte Jagoba Arrasate musste bei Mallorca gehen, weil das Team nicht erfolgreich war. Der Wechsel nutzte nichts, der Balearen-Club stieg ab, knapp vor dem Team aus Navarra. – Einen unverdient traurigen Ausstand erlebte Ernesto Valverde bei seinem Leib- und Magen-Club Athletic Bilbao, in der dritten Etappe und im zehnten Jahr. Nach der besten Saison im letzten Jahr, kam heuer die große Pleite, Abstiegsgefahr inklusive. Es ehrt den Club, dass in keinem Moment von Entlassung die Rede war.
La Liga
Wie selten zuvor lag das Liga-Mittelfeld eng zusammen, was zur Folge hatte, dass alle vier baskischen Clubs in unterschiedlichen Momenten abstiegsgefährdet waren – gleichzeitig hatten drei davon auch eine Europa-Chance, die jedoch nur La Real durch den Pokalsieg realisieren konnte. Bezeichnend ist, dass der Club aus Donosti auf dem zehnten Platz nur 4 Punkte Vorsprung zum Abstiegsplatz 18 aufweist. Die folgende Ehrung in Tabellen-Reihenfolge.
Real Sociedad San Sebastian begann die Saison mit einem neuen Trainer aus den eigenen Reihen. Fatal! Als sich das Team am Tabellenende befand, zog der Vorstand die Reißleine und beauftragte einen Ami mit Deutschland-Erfahrung. Was folgte war eine eindrucksvolle Sieges-Serie mit Kontakt zur Tabellenspitze und dem überraschenden Pokalsieg gegen Favorit Atletico. Weil es danach ebenso steil wieder abwärts ging, blieb trotz Cup ein schaler Beigeschmack. Wie immer gilt: Wer sich mit den Blau-Weißen freuen will, muss schon Monarchist sein oder Rüstungsliebhaber, oder beides zusammen, denn das Maskottchen mit spanischer Krone und ein Präsident mit Rüstungsfirma lassen keine Zweifel offen. Wie linke Unabhängigkeits-Leute diesen Seiltanz schaffen, stellt ein paar Naturgesetze in Frage. Fußball ist Opium.
Athletic Bilbao startete optimistisch in Liga und Championsleague, drei Siege, vorne dabei – alles nur Strohfeuer. Danach kamen bittere Momente und zu viele untypische Heimniederlagen. In Europas höchster Klasse wurden die späteren Finalisten begrüßt, in San Mames, der Kathedrale des Fußballs: erst Arsenal (0:2), dann Saint Germain (0:0). Als die „Löwen“ sensationell bei Atalanta Bergamo gewannen (2:3), glaubten alle an den Phönix aus der Asche, leider eine Fatamorgana, weiterhin klappte fast nichts. Ein Verteidiger wurde wegen Haarwuchsmittel-Einnahme des Dopings bezichtigt, Superstar Nico Williams war dauerverletzt, die meisten Kollegen außer Form. Im Pokal war Schluss im Halbfinale, immerhin. Sicher nicht wegen der schlechtesten Saison seit Langem beendet Trainer Valverde seine dritte Etappe in Bilbo. Vier aus dem Versager-Team dürfen zur umstrittenen WM reisen, vor einem Jahr wären es fünf gewesen. Der Neuaufbau wurde einem Deutsch-Bosnier anvertraut, der einst den BVB gecoacht hat, Edin Tercic. Mit dem kann es nur aufwärts gehen.
Bei Deportivo Alavés ging es per Definition gegen den Abstieg und damit auf und ab. Weil der argentinische Trainer nicht überzeugte, wurde spät gewechselt. Das Team spielte nicht schlecht, aber ohne Ergebnisse. Ausgerechnet das wichtige Heimspiel gegen Athletic führte zum Sturz ans Tabellenende, der Abstieg konnte mit Mühe abgewendet werden. – CF Osasuna findet nach Jagoba Arasate keinen neuen passenden Trainer. Obwohl das Team den schwungvollsten Fußball spielt unter den vier baskischen Teams, gingen die Punkte verloren. Am Ende verhinderte nur die bessere Tordifferenz den Abstieg des Pamplona-Clubs. Der neue Trainer hat noch keinen Namen. – Und in der nächsten Saison machen es alle vier Teams deutlich besser, das Versprechen gilt.
Und sonst?
Höhepunkt der Saison war das im November 2025 in San Mames ausgetragene Länderspiel, ausverkauft wie bei der Championsleague, denn es ging für und mit, auf keinen Fall gegen die Auswahl von Palästina. Das Ergebnis war egal, der Abend wurde zu einem solidarischen Sportfest, der die politischen Überzeugungen der Mehrheit der baskischen Bevölkerung deutlich machte.
Eine umstrittene Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Nicht nur aus sportlichen Gründen (das baskische Team darf nicht teilnehmen), auch aus politischen (die USA bedrohen alle und führen Krieg gegen einige) vegetiert das Interesse an der Mammut-WM am Gefrierpunkt. Hauptsache Spanien, Frankreich und die USA gewinnen nicht. Iran hingegen fände Unterstützung, und selbstverständlich Curacao gegen die BRD.
Eine ganz andere WM beschäftigt die baskischen Gemüter: die von 2030. Die wird nämlich im Bermuda-Dreieck zwischen Marokko, Portugal und Spain ausgetragen und sowohl Bilbo wie Donosti sind als Spielorte im Gespräch. Aus Donosti hat sich eine Bürgerinitiative an die FIFA gewandt, um deutlich zu machen, wie viele unerträgliche Konsequenzen WM-Spiele in ihrer Stadt hätten. In Bilbo herrschte bislang Stille. Doch jetzt haben die regierenden Christdemokraten entdeckt, dass die FIFA erpresserisch mit den Austrage-Orten umgeht und ein Moratorium ausgerufen. Etwas überraschend, denn ansonsten setzt die baskische Rechte voll auf Massentourismus, und nichts anderes ist eine Fußball-WM. Gepaart mit Hooliganismus. Solange es keine baskischen Teams bei derartigen Veranstaltungen gibt, lautet die Devise Boykott. Tourismus-Phobie und Fußball-Boykott.
ABBILDUNGEN:
(1) Bask. Trainer (legalsport)
(2) Arteta-Iraola (as)
(3) Valverde (sport)
(4) Siegesfreude (fb.de)
(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-06-02)
