zallo1Eine baskische Biografie

Er war Uni-Dozent und galt als Aktivist für tausend Anliegen – am 30. März 2026 ist Ramón Zallo Elgezabal, Professor an der baskischen Universität EHU im Alter von 77 Jahren verstorben, nach einem vielseitigen und produktiven Werdegang sowohl in der akademischen Welt als auch im Bereich des politischen und sozialen Engagements. Dies gab die Ökologie-Plattform Guggenheim Urdaibai Stop bekannt, mit der der in Gernika geborene Zallo in den letzten Jahren intensiv zusammengearbeitet hatte.

Der EHU-Professor Ramón Zallo, der sich in den letzten Jahrzehnten für tausend Anliegen engagierte, ist an den Folgen einer Krankheit verstorben. Er bezeichnete seinen Weg als “ein reichhaltiges Leben“, in dem er getan habe, was alles auf ihn zukam.

Zallo hat vor seinem Tod seine Lebensgeschichte in dem Buch “Retrovisor y bisturí“ (Rückspiegel und Skalpell) festgehalten, das er als die Memoiren bezeichnete, “von denen ich sagte, ich würde sie niemals schreiben“. Es bleibt gewissermaßen als posthumes Vermächtnis eines Lebens, das er bei der Vorstellung des Werks in zwei Kapitel unterteilte. Die erste Phase, von 1965 bis 1985, war die der organisierten Militanz, in der er mehrfach verhaftet wurde, mehrere Prozesse durchlief und im Untergrund lebte. Die nächste Phase hat mit einer anderen Art von Militanz zu tun, die weniger strukturiert, aber ebenso fruchtbar war.

“Auch wenn die ersten 20 Jahre härter waren und mich stärker geprägt haben, waren die folgenden 40 Jahre fruchtbarer“, sagte Zallo. Zusammenfassend: “Ich hatte ein reiches, moralisch erfülltes Leben, ich habe getan, was auf mich zukam, meine Gedankenfreiheit war das, was ich am meisten geschützt habe.“ Dank dessen “habe ich gelernt, im Dialog zu stehen, und war Sprachrohr einer kollektiven Intelligenz“.

Aktivismus bei ETA

zallo2Abgesehen von seinem sozialen Engagement für zahlreiche Menschenrechts-Belange, insbesondere im Bereich des Umweltschutzes, war Zallo als Anti-Franco-Aktivist seit seinem 18. Lebensjahr politisch tätig. Er engagierte sich in der Baskischen Vereinigung junger Studenten (JEC), der Baskischen Katholischen Arbeiterjugend (JOC) und später zwischen 1968 und 1971 bei ETA. In dieser Zeit wurde er dreimal verhaftet, 1968, 1969 (während des Ausnahmezustands wurde er gefoltert und inhaftiert) und 1976, hatte drei Gerichtsverfahren, mit einem Freispruch und zwei Verfahrens-Einstellungen. In einem Artikel in der Tageszeitung Gara erinnerte er an den bekannten ETA-Aktivisten Txabi Etxebarrieta und jene Jahre Ende der 60er.

Später engagierte er sich in Gruppen wie Elkarri, der Bewegung für Dialog und Verständigung, und prangerte anschließend die Illegalisierung der baskischen abertzalen Linke an, Zallo unterstützte alle Konfliktlösungs-Prozesse, die im Baskenland stattfanden. Bekannt war er auch als Talkgast in verschiedenen Medien und als Autor in Printmedien, darunter Naiz und Gara. Das Fachwissen von Professor Zallo umfasste sehr unterschiedliche Bereiche, da er Abschlüsse in Rechts-, Wirtschafts- und Informations-Wissenschaften erworben hatte. Konkret schloss er 1970 sein Studium der Rechtswissenschaften und 1971 das der Wirtschafts-Wissenschaften an der Universität Deusto ab und promovierte 1978 im Bereich Informations-Wissenschaften an der EHU.

Zallo wurde 2025 mit dem Ehrenpreis der “Baskischer Journalismus“ ausgezeichnet, der vom baskischen Journalistenverband und der baskischen Journalistenkammer verliehen wird. Diese Auszeichnung würdigte seinen Beitrag zur Ausbildung neuer Generationen von Journalisten und sein intellektuelles Schaffen. Derselbe Verband hat eine Nachricht veröffentlicht, in der sein Tod bedauert wird: “Ramón Zallo Elguezabal, der Brückenbauer zwischen Wissenschaft, Universität und der Identität eines Volkes, ist von uns gegangen. Professor Ramón Zallo hat nicht nur Kommunikations-Theorien gelehrt, er war ein Leuchtturm in unsicheren Zeiten.“

Berater von Ibarretxe und EH Bildu

Ramón Zallo war einer der Gründer der Fakultät für Sozial- und Kommunikations-Wissenschaften der EHU und war Leiter des Fachbereichs Wirtschaft (1983–84), Vizedekan (1987–89) sowie Leiter des Fachbereichs Audiovisuelle Kommunikation (1990–95). Die Universität würdigte ihn wie folgt: “Als Mitglied des Fachbereichs für audiovisuelle Kommunikation und Werbung war Zallo ein Pionier in der Erforschung der Kommunikations- und Kulturindustrien. Wie er selbst erklärte, musste man in jenen ersten Jahren kritisch über die funktionalistische Soziologie und die Mikroökonomie hinausgehen, um eine theoretische, strukturelle, geografische und sektorale Perspektive einzubringen und so eine Kommunikations- und Kulturökonomie mit Schwerpunkt auf Strukturen, Akteuren und Strömen zu formalisieren.“

Zudem war er Vertreter der EHU für die Zusammenarbeit mit zentral-amerikanischen Universitäten (1989–1995) und gehörte als Arbeitnehmer-Vertreter dem Verwaltungsrat des baskischen Fernsehens EITB an (1999–2002). Jahre später war er Berater der linken Kolalition EH Bildu für die Bereiche Kultur, Diagnose des EITB, den Gesetzesvorschlag des Audiovisuellen Rates, das neue politische Statut und das Allgemeine Gesetz über audiovisuelle Kommunikation.

Zudem war er in den Legislaturperioden 2002–2009 Kulturberater der baskischen Regierung für Kommunikation, audiovisuelle Medien und kulturelle Angelegenheiten, als Juan José Ibarretxe Lehendakari und Miren Azkarate Kulturministerin war. Er war maßgeblich an der Erstellung des Baskischen Weißbuchs für audiovisuelle Medien von 2003 beteiligt und gehörte zu den Initiatoren der Baskischen Beobachtungsstelle für Kultur. Zallo war der Hauptverantwortliche für den baskischen Kulturplan von 2004. Während dieser Legislaturperioden wurden Verordnungen zur Finanzierung des audiovisuellen Sektors und des lokalen digitalen Fernsehens verabschiedet. Einige Jahre später, im Jahr 2015, beauftragte ihn das Kulturministerium der Regionalregierung als Hauptforscher mit der Erstellung eines Berichts über den Stand der baskischen Kultur.

Rund dreißig Bücher

Das Ergebnis war die Veröffentlichung “Wertschöpfungskette und Querschnitts-Themen. Vorschläge zur Kulturpolitik“ (244 Seiten). Die Professoren Josu Amezaga, Kepa Sojo, Miguel Ángel Casado und Eneko Lorente sowie der Filmemacher Pablo Malo wirkten an diesem Bericht mit, der die Situation der baskischen Kultur analysierte und kulturpolitische Maßnahmen vorschlug, die 2016 vom Baskischen Kulturrat diskutiert wurden. Der Professor aus Gernika arbeitete auch mit der Forschungs-Gruppe Nor der EHU zusammen und war Mitglied der Forschungs-Gruppe Medien, Gesellschaft und Bildung (HGH) der Universität.

Neben einer Vielzahl von Artikeln veröffentlichte er rund dreißig Bücher. Einige davon befassten sich mit allgemeiner Politik – “Euskadi oder der zweite Übergang. Nation, Kultur, Ideologien und Frieden in einer Zeit des Wandels“ (1997), “Das Land der Basken: Von den Ereignissen in Ermua bis zur zweiten Regierung Ibarretxe“ (2001), “Das Baskenland an seinen Scheidewegen: Diagnosen und Vorschläge“, als Herausgeber (2008). Die Werke beschreiben Schlüsselereignisse unserer jüngeren Geschichte. Er war zudem Autor von etwa fünfzehn Arbeiten zu Wirtschaft, Kultur und Kommunikations-Politik; drei davon befassen sich mit Wirtschaft, drei weitere mit der baskischen Kultur.

1987 legte er seine Dissertation “Die Grundlagen der kritischen Ökonomie der Kulturindustrien. Arbeit und Wertschöpfungs-Prozesse“ vor, der Akal-Verlag veröffentlichte im folgenden Jahr eine gekürzte Fassung unter dem Titel “Ökonomie der Kommunikation und der Kultur“, ein klassisches und wegweisendes Werk in den wirtschafts-wissenschaftlichen Studien zu Kultur und Kommunikation sowohl in Spanien als auch in Lateinamerika. Darüber hinaus verfasste er rund hundert Kapitel in Sammelbänden, fast ebenso viele Artikel in theoretischen Zeitschriften zu Kultur und Kommunikation sowie zu politischem Denken und nahm mit schriftlichen Beiträgen an Dutzenden von Kongressen teil.

Im Jahr 2020 wurde Zallo für seine Arbeit als Forscher geehrt. Er war ein Pionier in der Erforschung der Kommunikations- und Kulturindustrien, und im Einklang mit dieser Arbeit verlieh ihm die Spanische Vereinigung der Kommunikationsforscher (AE-IC) die “Nationale Ehrung für ein Lebenswerk in der Kommunikations-Forschung“. Die Organisation hob sein umfangreiches Werk und “seine grundlegenden Beiträge zur Wirtschaft, zur politischen Ökonomie der Kommunikation und zu den Kulturindustrien hervor, mit Studien, die sich in die Reihe der großen internationalen Autoren auf diesem Gebiet einreihen“. Ebenso betonte sie “sein Engagement für demokratische Kommunikation und Kultur, einschließlich seiner Rolle als Berater und Gestalter der öffentlichen Politik im Baskenland“.

ANMERKUNGEN:

(*) “Fallece el catedrático y militante de mil causas Ramón Zallo: Hice lo que tenía que hacer” (Der Professor und Aktivist Ramón Zallo ist verstorben: Ich habe getan, was auf mich zukam“), Tageszeitung Gara, 2026-03-30 (LINK)

ABBILDUNGEN:

(*) Ramón Zallo (naiz)

(PUBLIKATION BASKULTUR.INFO 2026-04-03)



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